Schimmelpilzbildung an Dachüberständen

In der letzter Zeit hört man gelegentlich von Schimmelpilzbildung an Dachuntersichten. Auch zwei diesbezügliche Veröffentlichungen dokumentieren dieses Problem:

"Schimmelpilzbildung an Dachüberständen auf der Oberfläche einer Beschichtung ist ein immer häufiger auftretendes Problem. Die Schäden treten oftmals schon kurz nach Baufertigstellung an Oberflächen von Holzausbauteilen unter Dachüberständen auf.
In der Regel sucht der Auftraggeber zunächst die Ursache des Mangels beim Maler. Dies kann aus der laienhaften Sicht eines Auftraggebers zwar nachvollzogen werden, ist aber aus fachlicher Sicht völlig aus der Luft gegriffen.
Wenn auch die Ursachen noch nicht sicher feststehen, so kann doch aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen gesagt werden, daß sich die Sporen von Schimmelpilzen immer nur auf Flächen mit längeranhaltender Feuchtigkeitsbelastung weiterentwickeln können. Sind Flächen trocken, so wird sich selbst auf Beschichtungen - auch wenn diese lösliche organische Bestandteile abgeben - kein Schimmelpilz sichtbar ausbilden.
Dies deutet darauf hin, daß bei Schimmelbildung entweder eine Hinterfeuchtung des Holzes vorhanden ist oder eine überhöhte Feuchtigkeitsbelastung durch die klimatischen Verhältnisse. So z.B. sind dauerhaft beschattete Flächen wie Dachuntersichten bei der Trocknung des Außenputzes unter Umständen tagelang mit einem Tauwasserfilm beaufschlagt.
Ist Feuchtigkeit vorhanden, fördern Beschichtungsstoffe mit organischen Bestandteilen ein schnelleres Wachstum der Schimmelpilze als rein mineralische Beschichtungen. Es entstand zudem in den letzten Jahren der Eindruck, daß wasserverdünnbare Beschichtungsstoffe eher als lösemittelverdünnbare befallen werden.
Nachdem zum jetzigen Zeitpunkt die kritischen Randbedingungen für ein Bewuchsrisiko nicht beschrieben werden können, ist es auch für den Maler an Ort und Stelle nicht möglich, die Gefahr eines Pilzbewuchses zu erkennen, wenn die Holzfeuchtigkeit bei der Ausführung der Beschichtung innerhalb der zugelassenen Werte liegt."

Karl-Heinz Lichtensteiger, Leiter der technischen Betriebsberatungsstelle
aus: Mitteilungen des Landesinnungsverbandes des bayerischen Maler und Lackiererhandwerks, 3/2002
Bilder aus dem untenstehenden Artikel in "Der Maler und Lackierermeister 4/2002"
"(...)Wasserverdünnbare Dispersionslackfarben (und auch Lasuren) können bei Einfluß von Feuchte und Wärme in der Anfangsphase nach der Lackierung leicht anquellen und sind so für die Aufnahme von Agenzien aus der Umwelt empfänglich.
Dies insbesonders, wenn Sekundärweichmacher die Beschichtung in der Anfangsphase von einigen Monaten nach der Lackierung leicht weich halten. (...) Bei Arbeiten unter ungünstigen Bedingungen (an der See viel Feuchte, viel Sonneneinstrahlung und UV-Licht, bei Baumbestand besonders Linden) empfiehlt sich auf altbewährte Lackfarben lösemittelverdünnbar und hochglänzend auftrocknend, begründet zu bestehen."
Bernhard Hantschke
aus: Der Maler und Lackierermeister 4/2002

Ein neues Problem also, das ebenso wie die wesentlich stärker Fortschreitung von veralgten Fassadenflächen vor einigen Jahren noch kein Thema war und sich ebenso wie die Veralgung aus veränderten Produkten und Verarbeitungsvorschriften ergibt. Natürlich wäre es jetzt einfach zu sagen "Früher war alles besser, also machen wir es wieder wie früher", doch ganz so kurzsichtig und einseitig lässt sich das Problem nicht vom Tisch schaffen. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt am Bau ist die ständige Veränderung. Die Anpassung an veränderte Kundenwünsche, die Anpassung an neue behördliche oder gesetzliche Forderungen und die Anpassung an stets verarbeitungsfreundliche und dennoch bezahlbare Produkte. Die Veralgung von Fassadenflächen folgt direkt veränderten Anforderungen an die Wärmedämmeigenschaften der Gebäudehülle - je weniger Heizenergie aus dem Innenraum heute noch an die Putzoberfläche gelangt (und damit nach der derzeit herrschenden Vorstellung "vergeudet" wird) umso kühler wird sie und umso länger bleibt sie durch Feuchteeintrag durch Tau und Schlagregen nass. Und je länger Feuchtigkeit vorhanden ist, umso größer ist die Gefahr der Veralgung. Der nun auftretende Schimmelpilzbefall von Dachuntersichten ist nun ebenfalls eine verständliche Folge vom Einsatz veränderter Produkte nach der Forderung zur Verwendung umweltschonender Lacke. Umweltschonende Lacke einsetzen heisst auf lösemittelverdünnbare Lacke zu verzichten. Und der Einsatz von wasserverdünnbaren Dispersionslacken ermöglicht durch seine Eigenschaften eben in Verbindung mit obengenannten Einflußfaktoren die Bildung von Schimmelpilz. Die von Herrn Hantschke empfohlene Abhilfe, nämlich das Überstreichen mit altbewährter lösemittelhaltiger Lackfarbe, wird in ein paar Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen. Die künftige VOC-Richtlinie, die nun ab dem Jahre 2010 europaweit gelten soll und den Anteil der Lösemittel im Lack begrenzt, wird dafür sorgen, daß der altbewährte Alkydharzlack nicht mehr eingesetzt werden darf und damit wohl auch nicht mehr hergestellt wird. Vielleicht verspricht ja ein neuartiges Lacksystem, wie wasserverdünnbare Polyurethanlacke, die mögliche Schimmelbildung zu vermeiden, doch es bleibt zu befürchten, daß mit der Entwicklung und Verwendung von neuen Produkten eben auch wieder neuartige Probleme auftreten. Und so wie man den Wasserlacken nun wieder Pilzgifte beimischen wird um eben einen Pilzbefall möglichst lange zu verhindern, wird man dann wohl auch zukünftig den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Seite erstellt am: 21.4.2002