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Feuchtigkeit im Sockelbereich

Das Schadensbild ist recht häufig anzutreffen: Abplatzende Putz- und Farbschichten im Sockelbereich. Die Ursache hierfür ist in den meisten Fällen sehr naheliegend im wahrsten Sinne des Wortes: direkt davor befindlich, man muss nur wenige Zentimeter in die Tiefe gehen.

Und es hat nichts mit der echten Gebäudeabdichtung zu tun - diese kann durchaus völlig intakt sein und trotzdem fällt der Sockelputz runter. Das Problem ist der Sockelputz selbst. Heutige Sockelputze sind High-Tech-Mischungen, die abgestimmt sind auf unser hochdämmendes Superleichtmauerwerk und ausgerüstet mit allen Zusätzen, die das Material geschmeidig bei der Verarbeitung, maschinengängig und pumpbar machen. Also echte Alleskönner am Bau - nur eines können sie nicht: sie vertragen keine dauernde Feuchte. Im Gegensatz zu den früheren Sand-Zementmischungen, die ständige Erdfeuchte überhaupt nicht beeindruckte, sind unsere heutigen Sockelputze penibel vor Feuchtigkeit zu schützen, sonst schauts so aus wie auf vielen Fotos. Nachdem es nun auch schon seit zehn Jahren Merkblätter für die betreffenden Gewerke gibt und diese in der Fachwelt auch durchaus Beachtung fanden, kann sich mittlerweile auch kein Bauschaffender mehr herausreden, daß er von sowas ja noch nie gehört hätte - dies wäre eher ein Armutszeugnis. Bei Massivbauten mit Putzfassade sollte man spätestens ab Baujahr 2005 davon ausgehen, daß eine Abdichtung des Sockelputzes obligatorisch ist, bei wärmegedämmten Fassaden und Sockeln sollte dies schon deutlich früher als Standard angesehen werden: das mir vorliegende Merkblatt ist immerhin schon im Oktober 2000 erschienen.
Nun taucht immer wieder die Frage auf: Wer muss denn bitteschön diese Abdichtung aufbringen? Einfache Antwort: derjenige, der dafür den Auftrag bekommen hat. Und das ist meistens niemand. Von der Reihenfolge her wäre es sinnvoll, diese Abdichtung nach dem Auftrag des Sockelputzes und vor dem Sockelanstrich aufzubringen. Nachdem meistens niemand exakt den Verlauf der Geländeoberkante angibt, wird der Sockelputz pi mal daumen so weit heruntergezogen, daß er unter die Geländeoberkante reicht. Ähnlich funktioniert es mit dem Sockelanstrich. Es soll ja hinterher keine Fehlstelle zu sehen sein. Und irgendwann kommt dann der Landschafts- und Gartenbauer, füllt bei, pflastert und legt an. Und hat jetzt erstmal den schwarzen Peter, weil er übersehen hat, daß keine Abdichtung vorhanden ist und keine Bedenken angemeldet hat. Gut für den GaLa-Bauer, wenn es noch einen Bauleiter gibt, denn dieser hat die Pflicht, sich darum zu kümmern, daß die Sockellinie und die Geländeoberkante festgelegt wird und daß alles unterhalb der Geländeoberkante bis zur echten Gebäudeabdichtung mit einer geeigneten Abdichtung versehen wird. In der Regel handelt es sich hierbei um hoch kunststoffvergütete Zementdichtschlämmen, die im ausgehärteten Zustand immer noch eine Konsistenz wie Autoreifengummi aufweisen und im Gegensatz zu den bituminösen Dichtmassen problemlos überstreichbar sind. Diese Schlämmen sind ganz ähnlich oder teilweise identisch mit den Abdichtungen, die im Duschbereich unter dem Fliesenbelag aufgebracht werden.
Oft ist es nicht so einfach, einen Schuldigen zu finden, der bereitwillig seinen Geldbeutel öffnet um die Schadensbeseitigung zu sponsoren oder es ist schlicht die Gewährleistung abgelaufen: es ist kein Hexenwerk den Schaden in den Griff zu bekommen. Am aufwendigsten ist das Freilegen der abzudichtenden Bereiche. Das Beiputzen der Fehlstellen mit sockeltauglichem, filzbaren Reparaturmörtel und das zweimalige Schlämmen mit der Abdichtmasse geht noch am schnellsten. Wenn nun nicht mit weichen Materialien wie Sand oder Erde beigefüllt wird, sollte noch als Schutz gegen mechanische Beschädigung eine Noppenfolie vor die Abdichtung gestellt werden. Anschliessend kann das Gelände wieder hergestellt werden.

Typisches Schadensbild im Anfangsstadium: Salzränder, ein untrügliches Zeichen von kapillar aufsteigender Feuchtigkeit.
Schadensbild fortgeschrittenes Stadium: abplatzender Sockelanstrich, absandender Sockelputz, Salzränder
Nach dem Aufgraben klar zu erkennen: ungechützter Sockelputz ohne Streichabdichtung bis ins Erdreich geführt. Darunter roher Beton der Bodenplatte des nicht-unterkellerten Gebäudes.
zweimalig aufgeschlämmte Streichabdichtung vor dem Überstreichen mit Sockelfarbe

Vorhandene Regelwerke und Bezugsmöglichkeiten für die Merkblätter:

Richtlinie Fassadensockelputz / Außenanlage: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden Württemberg, Wollgrasweg 23, 70599 Stuttgart; Link zur Homepage

Wärmedämm-Verbundsysteme im Sockel- und im erdberührten Bereich: Gemeinsamer Technischer Ausschuß der Verbände GTA, Düsseldorfer Str. 50, 47051 Duisburg; Tel 0203-992390, Fax 0203-9923998; 
kostenloser Download als PDF hier


erstellt: 13.09.2011