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Was ist dran an Thermobeschichtungen?

Sucht man nach Informationen über dieses Thema, so stößt man auf widersprüchlichste Aussagen: Die Hersteller loben das Produkt in höchsten Tönen als etwas grundlegend neues auf dem Weltmarkt, präsentieren eine Stange zufriedener Kunden, und geben viel viel Geld für einen ordentlichen Werberummel aus.
Der Rest der Publicity erledigt sich von alleine, da natürlich die Konkurrenz wachgerüttelt wird und da ihnen diese glorreiche neue Idee nicht selbst gekommen ist und ihnen nun dieses Produkt in der Palette fehlt einen Teil der Felle davonschwimmen sieht. Sofort geht ein Trubel los ähnlich wie bei der Lotusan-Kampagne: Es werden Gutachten in Auftrag gegeben, die natürlich beweisen sollen, daß das Produkt völlig wirkunslos ist. Und es wird genau so lange darauf herumgehackt, bis das Produkt vom Markt verschwindet, man selbst ein vergleichbares Produkt marktreif hat, oder das Produkt gar in Lizenz herstellt und ganz plötzlich wird kein böses Wort mehr drüber verloren.
Eine weitere Untersuchung zu diesem Thema findet sich in "Der Maler und Lackierermeister 10/2000":


Thermobeschichtung überprüft

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig (PTB) hat im Zusammenhang mit der Erforschung des instationären Heizstreifenverfahrens (THS) eine Beschichtung überprüft, für die eine extrem geringe Wärmeleitfähigkeit und ein extrem hoher Reflexionsgrad vorgegeben wurde. Diese Forschung wurde im Auftrag des DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) durchgeführt. Wir veröffentlichen im folgenden den kompletten Kurzbericht der PTB aus DIBt-Mitteilungen 2/2000. Aus rechtlichen Gründen darf die PTB - für uns unverständlich - die vollständigen Produkt- und Firmenbezeichnungen nicht verwenden. Dennoch erscheinen uns die Übereinstimmungen mit einem seit ca. zwei Jahren in der Branche viel diskutierten Produkt nicht nur rein zufällig.

Dies wird noch augenfälliger, wenn man den jetzt in Bauphysik 22.2000, Heft 2, Seite 124 von der PTB veröffentlichten ausführlicheren Prüfbericht zu derselben Forschung studiert, der allerdings eher für Bauphysik-Freaks geschrieben ist.

Qualifizierung des instationären Heizstreifenverfahrens (THS) für Messungen thermischer Eigenschaften beschichteter Oberflächen

Lfd.Nr.: 5.52; PTB, 38023 Braunschweig, Dr.-Ing. Hammerschmidt

Zur Qualifizierung des Heizstreifenverfahrens (THS) als Meßmethode zur Untersuchung der Wärmedämmeigenschaften von Thermobeschichtungen für den baulichen Wärmeschutz wurde die Farbe "TE" weiß, der Firma "T" als Probenmaterial ausgewählt. Folgende Gründe waren für diese Entscheidung ausschlaggebend: Laut Angaben des Herstellers wirkt die genannte Farbe nicht nur wegen ihrer äußerst geringen Wärmeleitfähigkeit stark dämmend, sondern darüber hinaus auch wegen ihrer besonderen optischen Eigenschaften. Einsparungen von bis zu 33 Prozent der Heizkosten sollen angeblich möglich sein. Aufgrund dieser reklamierten Eigenschaften wäre mit einem deutlichen experimentellen Ergebnis bei der beabsichtigten Qualifizierung des THS-Verfahrens zu rechnen gewesen.

Zwei weitere Farben, die LEP's (low emissivity paint) "SB" und "SS" dienten als Vergleichsproben für die optischen Größen. Zunächst wurden mit herkömmlichen Verfahren Referenzwerte an den drei unterschiedlichen Farben gemessen. Es wurden die folgenden thermischen und optischen Eigenschaften bestimmt: spektraler Emissionsgrad, spektraler Reflexionsgrad, spektraler Transmissionsgrad, Gesamtemissionsgrad und die Wärmeleitfähigkeit (nur "TE"). Nach Abschluß dieser Voruntersuchungen ergab sich folgender Befund:

Die Farbe "TE", weiß, ist aufgrund ihrer thermischen und optischen Eigenschaften zur Qualifizierung des Heizstreifenverfahrens nicht geeignet. Statt der angegebenen Wärmeleitfähigkeit von ( = 0,000152 W/mPK wurde bei z.B. 10°C der Wert ( = 0,264 W/mPK gemessen. Der Emissionsgrad ist über den gesamten interessierten Wellenlängenbereich nicht kleiner als 0,9, was einen üblichen Wert für Baustoffe darstellt. Für die angestrebte Qualifizierung sollte das Probenmaterial eine Wärmeleitfähigkeit aufweisen, die im Bereich derjenigen für Dämmstoffe liegt und/oder einen Emissionsgrad von unter 0,6 zeigt.

Mit dem THS-Verfahren konnte immerhin gezeigt werden, daß eine mit "TE", weiß, beschichtete Pyrex-Probe sich in ihren thermischen Eigenschaften von der unbeschichteten (nackten) Probe nicht wesentlich unterscheidet. Meßtechnisch konnte somit keine Wirkung der Beschichtung "TE" hinsichtlich des Wärmeschutzes nachgewiesen werden.

Die begleitenden theoretischen Untersuchungen haben neben ersten Finite-Elemente Simulationen zum Wärmeübergangskoeffizienten zu analytischen Gleichungen für die beiden zu erwartenden Grenzfälle isothermer und adiabatischer Randbedingungen geführt.

Die vorliegenden theoretischen und experimentellen Ergebnisse zeigen, daß das THS-Verfahren durchaus das technische Potential zur Messung der thermischen Eigenschaften von Beschichtungen und anderen Zweistoffsystemen besitzen kann.

Die Ergebnisse und Bewertungen des vorliegenden Abschlußberichts beziehen sich ausschließlich auf das untersuchte Probenmaterial zum Zeitpunkt der Untersuchungen.

Also eine weitere Untersuchung, die keine Wirksamkeit von Thermobeschichtungen nachweist. Das überrascht nicht, nachdem die Hersteller vorsorglich schon bekanntgaben, daß sich die herkömmlichen Messmethoden nicht für diese neuartige Art der Wärmedämmung eignen...

aktualisiert am 14.9.2001

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