1900 beginnt nach einem kalten Dezember, mit unbeständigem aber
milden Wetter.
Am 25. und 26. Februar steigt die Temperatur bis 19 Grad.
Im März fallen die Temperaturen
nochmal und bringen mit Schnee, für mehrere Tage mehr Kälte als in den Monaten Januar und Februar.
Im Juli herrscht große Hitze mit
Spitzentemperaturen bis 35 Grad.
Am 28. Juli bringt ein Unwetter
große Schäden. Hörstein mußte Abschwemmungen in den Weinbergen hinnehmen und
durch die Ausspülung eines tiefen Grabens in einem Anwesen, drohten das
Wohnhaus und die Scheune einzustürzen.
In diesem Jahr erwerben Heinrich
Nimbler mit seiner Gattin Therese das
Haus an der Kreuzgasse (jetzt Hauptstrasse 101),
von einer Familie Gräbner. Da ein
alleinstehender Angehöriger der Verkäufer noch ein Wohnrecht besitzt, ist das
Anwesen
preisgünstiger. Das Haus ist über einem mächtigen Gewölbekeller in
Fachwerkbauweise mit zwei Geschossen und Krüppelwalmdach erbaut. Bei späteren
Umbauten wird ein Grenzstein sichtbar, der mit einem S gekennzeichnet ist. Eine
gelnhäuser Urkunde zeigt, daß im Jahr 1252
der Ritter Konrad Schlehdorn in
Hörstein Weinberge besaß, die er damals an das Kloster Schmerlenbach verkaufte.
Davon ausgehend kam bei dieser Veräußerung auch das Anwesen in den Besitz des
Klosters und wurde der später mehrfach erwähnte „Schmerlebacher Hof“ in
Hörstein. In diesem Haus erblickte die Mutter des Verfassers zehn Jahre später
das Licht der Welt.
Im Sommer ist auch das Schlößchen in Michelbach wieder mit Leben erfüllt.
1900 übernimmt Oskar Freiherr Parish
von Senftenberg das Schlossgut in Wasserlos.
1900 am 30. Oktober kommt
es zur Gründung des Volksbildungsvereins Alzenau.
Trotz dem auch im Freigericht auf einigen Gütern noch gepflegten Glanz alter
Hofhaltung ist die Abhängigkeit der Bevölkerung weitgehend aufgehoben. Viele
haben als Fabrikarbeiter in den Städten Hanau, Offenbach und Frankfurt relativ
gesicherte Einkommen und erreichen oft noch mit einer Nebenerwerblandwirtschaft
einen gewissen Wohlstand.

Hedwig Hendschel mit Hilda von Leiningen bei Eduard Güntling in Michelbach
1900 zeigt Ferdinand Porsche auf
der Weltausstellung in Paris ein Elektroauto.
Ferdinand Graf von Zeppelin gelingt
es bei Konstanz, ein motorbetriebenes, lenkbares Luftschiff vorzuführen. Der
Auftrieb erfolgt durch Wasserstoff, in einer gasdichten Hülle, die durch ein
Gerippe aus Aluminium versteift ist. Sowohl das Gerippe wie auch der Motor
wurden in Lüdenscheid hergestellt. Dieser Zeppelin,
wie die Luftschiffe nachfolgend genannt wurden, war für die nachfolgenden
Jahrzehnte das beliebteste Luftverkehrsmittel.
Bernhard von Bülow wird deutscher
Reichskanzler.
Italien und Frankreich schließen einen Geheimvertrag betreffend ihrer
Interessen in Nordafrika.
Frankreich ist an Marokko und Italien an Libien intressiert.
Am 6. Dezember tobte nochmal ein
Weststurm und richtete erhebliche Schäden an. Bei einer Temperuren von 14 Grad.
1901 beginnt schneefrei mit
Frost bis -15 Grad. Ende Januar
bringen Südwestwind und Regen eine vorläufiges Ende des trockenen
Winterwetters.
Am 12. Februar begann eine zweite
Frostperiode mit Temperaturen bis -24
Grad, die bis zum 23. anhielt.
Außer viel Tieren in der freien Natur, erfroren auch Hühner in ihren Ställen.
In Kleinwelzheim sogar zwei Muttersauen mit ihren Ferkeln.
Eine dritte Kältewelle folgte nochmal vom 21.
bis 29. März. Schneefälle brachten
wieder eine Winterlandschaft.
1901 wird das Schloßgut in
Wasserlos an Baron Hugo Mumm von Schwarzenstein verkauft.
Er erlaubt den evangelischen Glaubensangehörigen den Gartenpavillon als
Andachtsraum zu nutzen. Im Jahrzehnt zuvor hatte man schon die Gesindestube im
Schloß auch als Betsaal genutzt.

Der Wirtschaftshof am Michelbacher Schlößchen 1901
1901 beschließen Gewerkschaftsvertreter aus Belgien, Dänemark, Deutschland,
Finnland, Großbritannien, Norwegen und Schweden, internationale Fragen in
gemeinsamen Konferenzen zu beraten und Strategien zu erarbeiten.
Im gleichen Jahr kommt es in Alzenau, auf Anregung von Peter Josef Trageser zur Gründung eines Obst- und
Gartenbauvereins. Der Initiator wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.
1902 begann wieder fast normal. Doch am 7. Mai begann so viel Schnee zu fallen, daß im oberen Kahlgrund 30 cm gemessen wurden und Nachtfröste
zu starken Schäden in der Feldflur führten. Dieses Wetter nötigte die Menschen
ihre Wohnungen zu heizen. Erst am 16.
Mai ließ der Frost nach und der letzte Schnee taute.
1902 übernimmt die deutsche Generalkommission
die internationale Zentralstelle der Gewerkschaften.
Bei einem Autorennen von Paris nach Wien kann Marcel Renault gewinnen, da sein Fahrzeug leichter ist wie die
Konkurrenten.
Am 18. November begann eine
fünftägige Frostperiode mit Temperaturen bis -15 Grad.
Eine zweite Kälteperiode vom 1. bis
zum 15. Dezember endete mit
Schneefall der in starken Regen überging. Das nachfolgende Hochwasser erreichte
seinen Höhepunkt am 18. Dezember.
Bei Michelbach mußte der Bahnbetrieb eingestellt werden, da die Schienen
stellenweise durch Erdrutsche überdeckt waren. In Alzenau überflutete der
Krebsbach die "braat Gasse" (jetzt Märkerstrasse ) mit einer
Flutwelle von 1 Meter Höhe. In der
Küferei Fries hob es ein Scheunentor
aus den Kloben und bis an die Kaiser Rupprecht-Brücke mitgerissen.
1902 ein Vulkanausbruch auf der Insel Martinique
fordert über 30.000 Menschenleben.
1903 begann relativ mild. Nach einem
frühlingshaften 23. Februar, mit 17 Grad, tobte in der Nacht vom 28. Februar zum 1. März ein heftiger Sturm. In Kahl hob er das Dach von der
Bahnhofshalle.
Nach einem sehr milden März, kam ein
kühler April mit mehreren Tagen an
denen Schnee fiel.
Der Sommer verlief ohne Wetterschäden. Am 1.
Oktober konnte man nochmal bei
25Grad sommerliche Wärme genießen.
1903 gründet
Henry Ford in Amerika die Ford Motor Companie.
1903 am 17. Dezember konnten die Gebrüder Wright in Amerika mit einem von ihnen entwickelten Motorflugzeug,
einen 12 Sekunden langen Flug über 50 Meter Entfernung erfolgreich
durchführen. Zum Antrieb hatten sie einen 12
PS-Motor entwickelt. Für den nötigen Auftrieb sorgten zwei übereinander
befindliche Tragflächen (Doppeldecker).
Nachfolgend entwickelten sie das Flugzeug weiter und schafften es mit einem 25-PS Motor zur wirklichen
Flugtauglichkeit, doch niemand wollte ein Flugzeug haben.
1904 erfuhr unsre Heimat sehr
viel Sonnenschein. Bereits am 16. April
wurden 28 Grad gemessen.
1904 kommt es zur Gründung von einem "Evangelischen Verein für
Alzenau und Umgebung e.V." Die Gründung erfolgte mit dem Ziel ein eigenes
Gotteshaus zu erlangen.
Im gleichen Jahr gründet der Architekt Rudolf
Kempf, in Aschaffenburg die „Erste deutsche Autolenkerschule“. Nach zwei
Jahren verlegt er sein Tätigkeitsfeld nach Mainz.
1904 erleiden die Gewerkschaften durch ein
Urteil des Reichsgerichtes eine Niederlage. Das über eine Klage von
Arbeitgebern gesprochene Urteil reduziert den Tarifvertrag auf den Status von
Vereinbarungen im Sinne der Gewerbeordnung, von denen die Beteiligten jederzeit
zurücktreten können ohne, daß hieraus eine Klage erfolgen könne. Gegen die
Versuche bessere Arbeitsbedingungen oder höhere Löhne durch Streiks zu
erzwingen, reagieren die Unternehmer mit Aussperrung ( auch der Arbeitswilligen
) und der Erstellung "schwarzer Listen". In diesen Listen werden die
Namen der Streikenden aufgeführt und bei nachfolgender Entlassung an andere
Unternehmer weitergegeben, um die Einstellung des Beschäftigungslosen zu
verhindern.
1904 wird in Alzenau eine
Strassenbeleuchtung mit Gaslicht angelegt. Der Kernpunkt ist das
"Gashäuschen" an der Rodenbacher Strasse, nördlich der Bahntrasse.
Am 16. Oktober kündigt sich der
Winter mit erstem Nachtfrost an.
Die Jahreswende ist von Dauerfrost bestimmt.
1905 Am 1. Januar ( bis 31. 12. 1924)
übernimmt Johann Pfaff das Amt des
Bürgermeisters in Alzenau.
1905 am 2. und 3. Januar sinken
die Temperaturen bis -18 Grad.
1905 besucht Kaiser Wilhelm II. auf
Anraten des Reichskanzlers von Bülow, die
marokkanische Stadt Tanger und fordert dort "gleiche Rechte wie andere
handeltreibende Nationen."
Mit dieser Äußerung während des Besuchs, sieht sich Frankreich in seinen Plänen
in dem (noch) souveränen nordafrikanischen Staat gefährdet.
1905 im Januar kommt es in Rußland zu revolutionären Aufständen. Unter der
Führung eines Popen marschieren Arbeiter vor das Winterpalais in Petersburg.
Die Gruppe wird von Kosaken auseinandergetrieben und die Anführer zum Teil
verhaftet. Ein Name wird dabei sichtbar Alexander
Helphand. Weitere Aufstände in anderen Städten Rußlands werden von der
Staatsmacht blutig niedergeschlagen.
1905, am 26. Februar kommt es in Alzenau
zur Gründung des "Sozialdemokratischen Wahlvereins" Ortsgruppe
Alzenau.
1905 erhält Bertha von Suttner
geb. Gräfin Kinsky den
Friedensnobelpreis.
Am 29. Juni, verweigern die Matrosen
des Panzerkreuzers "Potemkin" den Befehl zum Auslaufen. Um der
Erschießung wegen Befehlsverweigerung zuvorzukommen ermorden sie alle
Offiziere. Nachfolgend schließen sich weitere Gruppen des Militärs den
revoltierenden Massen an und zwingen Zar Nikolaus
II. den Innenminister abzuberufen und eine neue Verfassung ausarbeiten zu
lassen.
Lenin verkündet die "Zwei
Taktiken in der demokratischen Revolution".
Gegen die Unfreiheit und Unterdrückung der Massen, verkündet er den
Leitgedanken, daß jede Freiheit ( auch die der Herrschenden ) ihre Grenze hat,
wo sie Freiheit der Anderen einschränkt. Mit diesem Spruch verkündet er die
Lehre des ein Jahrhundert zuvor verstorbenen Philosophen Immanuel Kant.
Bei uns war der Sommer sehr heiß.
In Michelbach war das Schlößchen wieder für einige Zeit eine Stätte der
Erholung.

Kahnfahrt bei Michelbach, rechts Hedwig Hendschel
Am 2. Oktober begann eine Abkühlung mit sehr viel Regen. Am 16. Oktober fiel schon Schnee.
1906 beginnen am 25. Februar ergiebige Regenfälle die
eine Woche anhalten und überall zu Überflutungen führen.
1906 im Mai finden in Rußland die ersten Dumawahlen statt, die
entsprechend der neuen Verfassung auch Arbeiter und Beamte zur Wahl berechtigt.
Das Ergebnis ist ein Sieg der bürgerlichen Opposition. Im gleichen Jahr gelingt
es Alexander Helphand, nach seiner
Haftentlassung nach Deutschland auszureisen.
1906 wird Alzenau an das
öffentliche Telefonnetz angeschlossen.
In Berlin kommt es zu einer stürmischen
Reichstagssitzung. August Bebel
spricht sich im Namen der Sozialdemokraten gegen die Rüstungspolitik des
Reichskanzlers von Bülow aus.
Trotz der Ablehnung der oppositionellen Sozialdemokraten und der
Zentrumspartei, beschließt der Reichstag die Verstärkung der Kriegsflotte und
der Rüstung.
Um die Opposition von Zentrum und Sozialdemokraten auszuschalten, löst die
Regierung den Reichstag auf und verkündigt Neuwahlen.
Unberührt von all den Wirren großer Politik gelingt es denForschern M. Dieckmann und G. Glage, mit der "Braunschen Röhre" eine 20 zeilige Schwarzweißbildwiedergabe.
Bis zum ersten Fernsehgerät sollte es noch zwei Jahrzehnte dauern, doch wird
diese Entwicklung später die Sozialstrukturen ganzer Völker zerstören.
Zu dieser Zeit hat sich Hedwig
Hendschel mit dem Gutsbesitzer Hans
von Moers verehelicht.
Das Schlößchen in Michelbach wird nur noch in den Sommermonaten bewohnt.
Die Familie Cornill erbaut sich am
Wald, oberhalb der Kertelbachwiese ein Holzhaus, den sog. Pavillon und scheidet
als Mitbesitzer am Schlößchen aus.
Die ersten Septembertage sind
nochmal ungewöhnlich heiß. Am 2., 4. und 5. September steigt die Temperatur auf
30 Grad.
1906
begrenzt Robert Bosch die tägliche Arbeitszeit auf 8 Stunden. Robert Bosch
hatte erkannt, daß durch den technischen Fortschritt, ständig mehr Produkte
durch weniger Arbeiter hergestellt werden. Und um zunehmender Arbeitslosigkeit
vorzubeugen reduziert er die Arbeitszeit um fast ein Drittel, gegenüber dem in
manchen Betrieben noch geforderten 12
Arbeitsstunden. Dies hat zur Folge, daß in seinen Betrieben, 24 Arbeitsstunden drei Personen
Beschäftigung bieten, anstatt zwei auszubeuten und einen in Armut belassen.
Robert Bosch gründet außerdem eine
"Alters- und Hinterbliebenen-Fürsorgeeinrichtung" und spendet
Millionen für soziale Zwecke. Außerdem betrieb er in Oberbayern einen Gutshof
zur Erprobung verbesserter Anbaumöglichkeiten, durch Einsatz von Technik und
Boden verbesserung durch den Einsatz von Düngemittel.
1906 wird Pierre Curie, der Mann von
Marie Curie, von einem Lastkraftwagen überfahren und tödlich verletzt.
1907 in der zweiten Januarhälfte
kommt es zu Nachtfrösten bis -19 Grad.


Heuernte auf den Köhlschen Wiesen
Am 28. Juni ereignet sich bei der Herrnmühle in Michelbach ein
besonders tragisches Unglück durch ein Gewitter. Zwei junge Männer und ein
ebenfalls 18 jähriges Mädchen helfen
beim Heueinbringen für den Köhlmüller. Plötzlich traf ein Blitz den einen
Jüngling am Kopf und trat am Unterbauch wieder heraus. Den zweiten verletzte er
noch an der Ferse. Der am Kopf getroffene Josef
Heun war sofort tot. Der zweite hatte starke Verbrennungen an der Ferse und
das Mädchen erlitt einen schweren Schock. Sie wurde erst einige Tage später,
verwirrt auf allen Vieren kriechend im Wald gefunden. Der Sommer war im
Durchschnitt sehr kühl.
1907 am 4. Juni vermählt sich Peter
Josef Trageser mit der Gastwirtstochter Helene Haas in Fellen, Kreis Gemünden.
Beide erwerben von Adam Röll in
Alzenau ein Grundstück und beginnen mit dem Aufbau eines landwirtschaftlichen
Anwesens an der Hanhnenkammstrasse ( jetzt Strasse zum Oberwald). Eine
Besonderheit ist schon die Eigenproduktion der Mauerziegel für das Wohnhaus und
die Scheune als Feldbranntsteine.
Das selbstgesteckte Ziel des jungen Paares ist neben dem landwirtschaftlichen
Betrieb, eine kleine Gatstätte zum Apfelweinausschank und Obstanbau im großen
Stil. ( Aus heutiger Sicht. Selbstvermarktung). Außerdem die Anlage einer
Baumschule mit Imkerei. Als Grundstock dienen 1,2 ha landwirtschaftlich
nutzbare Fläche, das Erbteil des Peter Josef Trageser. In der nachfolgenden
Zeit können sie noch weitere 2,3 ha erwerben. Von dieser Fläche nutzen sie 2,5
ha als Ackerland und den Rest als Wiesen.
Aufgrund seiner Erfolge wurde er Mitglied des Gemeinderates und gab die
Anregung zur Anlage einer gemeindeeigenen, etwa 20 ha großen Obstbauversuchsanlage auf dem „Rupperich“. Die Anlage
wurde über viele Jahrzehnte von Bayer, BASF, Farbwerke Höchst und anderen
Chemiefirmen für Versuche mit Schädlingsbekämpungsmittel genutzt.
Aus der Ehe von Peter Josef und Helene Trageser gingen zwei Söhne und
eine Tochter hervor. Leider verstarb der zweite Sohn schon im Alter von 5 Jahren und der Älteste kehrte vom
Rußlandfeldzug nicht mehr zurück. Er verstarb unverehelicht bei der Belagerung
von Woronesch am Don.
1907 am 5. Juli richtet ein Unwetter starke Schäden an. Im Schönbusch bei Aschaffenburg
wurden Eichen mit einem Stammdurchmesser von 1 Meter entwurzelt.
1907 erleiden die Sozialdemokraten bei den
Neuwahlen Verluste.
1908 beginnt mit einer
Verschärfung, des seit dem Jahresende herrschenden leichten Dauerfrostes.
Am 3. Januar sank die Temperatur von -8 Grad in der Nacht auf -21 Grad. Die strenge Kälte endete am 7. mit einsetzendem Regen.
1908 am 9. Januar verstirbt in Mechtshausen im Harz Wilhelm Busch. Seine "Fromme Helene" sollte für den
Verfasser die Lieblingslektüre seiner Kindheit werden. Seine
heimatgeschichtliche Betrachtung "Wie´s wohl war vor Wilmundsheim"
ist an Busch angelehnt.
1908 erblickt Ludwig von Hessen Darmstadt das Licht der Welt.
Vom 10. bis 16. Januar herrschten wieder winterliche Temperaturen
1908 am 29. Februar vermählen sich Johann
Kempf und Philippina Neumann (nach
hartem Widerstand ihrer Mutter Regina,
der Johann Kempf zu arm war). Am 8. April wird ihr erster Sohn geboren. Er wird auf den Namen Richard getauft (Vater des Verfassers),
später wird er noch für einige Verwirrungen sorgen.
Am 1. April kam es in Alzenau zu
einem schweren Unfall während eines Gewitters. Im Ortsteil Else waren vier
Männer damit beschäftigt den Dachstuhl eines Neubaus aufzuschlagen, als ein
Blitz in die Gruppe schlug. August Röll
wurde tödlich getroffen und die drei weiteren erlitten einen Schock der sie
betäubte und einen Transport ins Krankenhaus notwendig machte. Einer davon war Andreas Nees, der Großvater von Gerhard Nees, dem Verfasser der
Alzenauer Wetterchronik.
1908 im April wird das "Bayerische Rote Kreuz Alzenau" gegründet.
Am 22. Mai wütete im hinteren
Kahlgrund ein Unwetter. In Schöllkrippen schwoll der Höllbach auf über 1,50 Meter an und schob eine meterhohe
Masse von Hagelkörnern ins Dorf. Nur mit Mühe gelang es das Vieh zu retten. In
Sommerkahl hatten die Hagelkörner die Größe von Hühnereiern. Die Flutwelle
bewegte Steine mit dem Gewicht von 6
Zentner (300 kg) und der Müller Isidor Fleckenstein mußte 12 Tage arbeiten um den Mühlbach
wieder frei zu bekommen.
In Amerika bringt Henry Ford ein Automobil unter dem Namen "Tin
Lizzy" auf den Markt.
1908 gelingt den Brüdern Wright mit ihren Flugzeugen endlich der Durchbruch. Mit einer
Vorführung in Frankreich lösen sie Begeisterung aus.
Am 9. September überzeugt Orville Wright in Washington die
Zuschauer von der Leistungsfähigkeit ihrer Maschine, mit einem Flug von einer
Dauer von einer Stunde.
Sein Bruder Wilbur Wright ist zu
dieser Zeit bereits als Fluglehrer in Frankreich tätig. Eine Gesellschaft
erwirbt ihre Patente. Nun erhalten sie auch in New York ihre Anerkennung als
Flugpioniere.
Am 20. bis 24. Oktober kommt es nach einem Sommer mit viel Unwetter, schon zu
starken Nachtfrösten die viele Feldfrüchte erfrieren lassen.
1908, am 8. Dezember kann die
evangelische Kirchengemeinde in Alzenau die Einweihung ihres neuen Gotteshauses
erleben.
Der Jahreswechsel ist winterlich. Eine 14
cm hohe Schneedecke bedeckt die Niederungen.
1909 am 3. Februar setzte durch Südwestwinde und starke Regenfälle
Tauwetter ein.
Am 4. war bereits das ganze Kahltal
überschwemmt. In Mömbris schwemmte es einen Hund mitsamt seiner Hütte fort. In
Kahl brach das Hochwasser in das Tagebaukohleabbaugebiet der Zeche Gustav ein.
Und in Seligenstadt drang im Gasthaus "Zur Mainlust", während einer
Faschingsveranstaltung plötzlich das Wasser durch den Fußboden. Auf den Flüssen
trieben Tierleichen und viel Holz. In Hanau mußte die Fa. Heraeus, wegen der
Überflutung des Firmengeländes, ihren Betrieb einstellen.
Der 23. Mai war der wärmste Tag im
ganzen Jahr mit über 30 Grad.
1909 werden im Bereich hinter
dem "Schanzenkopf" und der Burgställe an der Vockebach, mehrere
Quellen gefasst und auf der Höhe des "Berges Welmisheim" ein
Wasserwerk gebaut. Von diesem Sammler aus erhalten nachfolgend alle
Haushaltungen in und auch auf dem Schloss Alzenau sauberes Trinkwasser.
1909 kommt es zum Rücktritt des Reichskanzlers von Bülow, nachdem sein
konservativ-liberaler Block auseinanderbricht. In der preußischen
Wahlrechtsfrage und der Reichsfinanzreform waren die Ansichten kontrovers und
die Blöcke zu keinem Kompromiß bereit.
Nachfolger wird Theobald von
Bethmann-Hollweg.
1910 begann sehr mild. Doch das nachfolgende Jahr war wie das Vorjahr
zu kühl und regenreich.
Am 16. Januar erblickt in Hörstein Anna Nimbler das Licht der Welt (Die
Mutter des Verfassers).
Der 5. Juni war mit 30 Grad der wärmste Tag des Jahres.
1910
überfliegt ein Franzose namens Chavez erstmals die Alpen. Doch beim
Landen verünglückt er tödlich.
1911 begann mit viel Schnee. Gleich
nach Weihnachten hatte sich eine Schneedecke gebildet, die über mehrere Wochen
erhalten blieb. An den Sonntagen nutzten Alt und Jung die Gelegenheit um sich
mit Schlittenfahrten zu vergnügen. Leider gab es hierbei auch Unfälle mit den
Pferdeschlitten.
Sowohl in Sommerkahl wie auch in Hofstätten gingen Schlitten zu Bruch, wobei im
letzteren Fall die 8 Personen
erheblich verletzt wurden. Mitte Februar
beginnt sehr wechselhaftes und mildes Wetter. Vom 4. bis 7. April kamen
nochmal frostige Nächte, danach begann ein heißer Sommer.
Am 29. Mai wurde der Kahlgrund von
einem Unwetter berührt, dessen Kernzone Gelnhausen war.
Dabei wurde in Krombach eine 35 jährige
Frau bei Feldarbeit vom Blitz erschlagen.
Am 23. Juli erlitten Leute, bei 38 Grad einen Hitzschlag. Einige die am
Wasser standen, fielen durch die Ohnmacht ins Wasser und ertranken. Die
anhaltende Dürre nötigte die Menschen, um ihre Bäume zu erhalten Wasser
beizutragen. Der Ernte brachte etwa 1
Zehntel der normalen Erträge.
Am 3. September wurden nochmal 35 Grad gemessen.
Am 16. November schreckte ein sehr
starkes Erdbeben die Leute auf. Das Zentrum lag in der Schwäbischen Alb. Die
Erschütterungen waren bis Oberhessen und Österreich zu spüren.
1911 wird in England Winston Churchill zum Marineminister
ernannt.
1912 begann mit einem sehr
milden Winter. Nur zu Beginn des Februar
ein kurzer Frosteinbruch.
Der sehr milde Frühling wird nur durch zwei kalte Nächte, am 13. April und und dem 2. Mai unterbrochen. Doch schon im
ausgehenden Frühjahr schlug das Wetter um und auch die vielen zusätzlichen
Bittprozessionen konnten nicht verhindern, daß die Schwalben schon viel früher
den Weg nach Süden suchten und das Jahr, als eines der schlechtesten erkannt
wurde.
Bereits am 5. Oktober meldete sich
der kommende Winter mit Nachtfrost. Am 13.
November fiel soviel Pappschnee,
daß an den Nadelbäumen viel Äste und sogar Spitzen abbrachen.
1912 gelang es erstmals L. de Forest Geräte zu entwickeln die sowohl als Rundfunksender wie
auch als Empfänger verwendet werden konnten. Den späteren Nutzen oder auch
Mißbrauch, dieses Mediums konnte er nicht ahnen.
1912 überträgt Prinzregent Luitpold die
Regentschaft über Bayern seinem Sohn
Ludwig III.
1912 sirbt Wilbur Wright einer der beiden Flugzeugkonstruktöre in Amerika.
1912 scheitern deutsch-britische
Flottenverhandlungen, da der britische Kriegsminister eine
Neutralitätserklärung ablehnt.
Die ständigen militärischen Bedrohungen und Auseinandersetzungen, an den
europäischen Randgebieten, den Kolonien und überseeischen Besitzungen, sind nur
zu verstehen, wenn man die, im Adel und dem katholischen Klerus, noch immer
bestehende Überzeugung von der "Gottgewollten Dreiheit", gedanklich
mit einbezieht.
Der Krieg wurde als ein ehrenhaftes Spiel der Mächtigen gesehen. Nur mit dem
kleinen Unterschied, daß sie nicht mehr Die waren die kämpften, wie früher. Sie
hielten sich vornehm zurück und schickten andere los, um sich gegenseitig zu
"schlachten".
Und wenn dann niemand mehr zum Abschlachten geschickt werden konnte, gaben sie
den Krieg als verloren und ergaben sich in allen Ehren. Der Sieger war oft ein
naher Verwander, der natürlich großmütig eine standesgemäße Bleibe anbot.
Um die Tausende, die auf den Schlachtfeldern verblutet waren kümmerten sich nur
wenige.
Die einen plünderten sie aus und wenn die Toten nicht bestattet wurden, kamen
dann die andern und dies waren die Raben, wie in dem schönen Kinderlied: Hoppe,
hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen
ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps! Daß der
Schreiende ein Mensch war, der zu Hause Eltern hatte oder gar ein Weib und
Kinder, das war oft der lieben Oma nicht bewußt, die das Enkelkind auf den
Knien wippte.
In der Zeit nach dem Sieg über Frankreich war noch eine vierte Gruppe zu der
"gottgewollten Dreiheit" gekommen. Dies waren die Großindustriellen,
die ständig Absatzmärkte für ihre Produkte suchten oder gegebenenfalls auch
Märkte zu schaffen suchten (Krieg).
In diesem Umfeld genügten kleine Ursachen für eine Kriegserklärung und einem
Flächenbrannt
1913 vollzog sich die
Jahreswende wieder bei sehr mildem Wetter. Fast zeitgleich dem Vorjahr gab es
wieder vom 12. bis 16. April kurz winterliches Wetter, das
bei den schon in Blüte stehenden Bäumen und Sträuchern starke Schäden verursachte.
Am 24. Juni forderte ein schweres
Gewitter in Alzenau wieder ein Todesopfer. Während des Kaffeetrinkens um 16 Uhr, wurde ein 15 jähriges Mädchen und die neben ihr sitzende Katze vom Blitz
erschlagen. Die umsitzende Geschwister und die Mutter blieben unverletzt.
Der gesamte Sommer war zu kühl. Am 20.
Juli konnte in Alzenau das geplante Gauturnfest nur mit starken
Einschränkungen stattfinden. In der Frühe sorgte ein leichtes Erdbeben schon
für Beunruhigung. Doch am Nachmittag begann starker Regen während des
Festumzuges und beeinträchtigte auch noch das nachfolgende Schauturnen im
Hauckwald. Der 23. Juli war mit nur 13 Grad der kälteste der letzten
hundert Jahre.
1913 geht Adolf
Hitler nach München. Er war 24
Jahre alt und ohne geregeltes Einkommen.
Die Realschule in Linz hatte Hitler
ohne Abschluß verlassen und eine Aufnahme in die Kunstakademie in Wien nicht
geschafft. Ohne irgendeine Berufsausbildung verbrachte er die nachfolgende Zeit
und verschaffte sich, mit etwas Talent als Maler und dem Verkauf von Bildern
und Postkarten ein gelegentliches Einkommen.
1913 wird Ludwig III. von Bayern,
nach dem Tod seines Vaters Luitpold
erst Prinzregent und später, nach dem Tod Ottos
zum König gekrönt.
Am 28. Oktober stieg die Temperatur
nochmal auf 20 Grad.
1914 begann mit winterlichem Wetter.
Am 7. Januar lag der Schnee im
hinteren Kahlgrund bis zu einem halben Meter hoch. Im März gab es sehr viel
Regen der zu Überschwemmungen führte.
Am 10. März führte das
Mainhochwasser bei Kahl, wieder zu einem Durchbruch in die Braunkohlegrube
Gustav. Das Einströmen der Wassermassen in diese "Flutmulde" ließ den
Main kurzzeitig derart sinken, daß ein bei Seligenstadt vor Anker liegendes
Schiff sich auf Grund setzte.
Eine kurze Schönwetterlage vom 23. bis
zum 28. Mai erweckten Hoffnungen auf
einen schönen Sommer, die jedoch nicht erfüllt wurden. Zwei schwere Unwetter im
Juni und Juli zerstörten die Heuernte und auch die Halmfrüchte.
1914 beginnt Henry Ford
mit der Fließbandproduktion und stellt den Leitsatz auf: "Meine Autos müssen so billig werden, daß meine Arbeiter sie
kaufen können."
Die Kosteneinsparung durch die neue Fertigungsweise gibt er an seine Kunden
weiter und senkt den Preis für das Erfolgsmodell "Tin Lizzy" von 850
auf 370 Dollar. Von diesem Modell werden in der Zeit bis 1927,
15 Millionen Stück ausgeliefert.
In Deutschland war das Verhalten der Gewerkschaften zu Kriegsbeginn
zwiespältig. Trotz ihrer Ablehnung gegen Krieg, glauben sie den Kampf gegen den
zaristischen Terror in Rußland unterstützen zu müssen. Eine vorsichtige Anfrage
bei der Reichsregierung wird dahingehend beantwortet, daß sie nichts zu
befürchten haben wenn sie keine Schwierigkeiten bereiten, "denn wir sind
froh, große Organisationen der Arbeiterklasse zu haben, auf die sich die
Regierung bei großen Hilfsaktionen stützen kann."
Die Pazifistin Bertha von Suttner,
reist durch Europa und warnt vor dem drohenden Krieg. Sie stirbt während einer
Bahnfahrt nach Wien.
1914 beginnt der Krieg durch einen
serbischen Radikalisten, der den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin
ermordet. Mit ihm erlischt die männliche Linie. Sein Bruder Rudolf war durch Freitod mit seiner Geliebten aus dem Leben
geschieden
(Der Hauptgrund soll sein Verständnis für die Unabhängigkeitsbestrebungen der
Ungarn gewesen sein, was konträr zur harten Haltung seines Vaters stand ).
Den Haß einiger Volksgruppen gegen das habsburgische Kaiserhaus, kann man nur
verstehen wenn man weiß mit welcher Härte gegen Freiheitskämpfer vorgegangen
wurde. Als Beispiel ist zu erwähnen, daß man einmal, um die Namen der Anführer
zu erfahren, inhaftierte ungarische Freiheitskämpfer zwang, von den Zinnen der
Festungsmauer zuzuschauen, wie ihre Frauen, die sie besuchen wollten, im
Festungshof vollkommen nackt zum "Spießrutenlaufen" zwangen ( eine
militärische Strafform Verurteilte zwischen zwei Reihen von Soldaten zum
Durchlaufen zu zwingen und mit "Spießruten" solange auf sie
einzuschlagen bis sie zusammenbrachen). Viele Inhaftierte stürzten sich von den
Mauern zu Tode, um ihren Frauen weiteres Leid zu ersparen.
Die Bevölkerung Deutschlands betrug damals 67.400.000
und die Weltstahlproduktion war auf 60.000.000
Tonnen angewachsen. Hinzu kam noch die gleiche Menge an Roheisen.
Eine Besonderheit ist während des Krieges der Einsatz von Rundfunkempfängern an
der Front, wo man mit Musikübertragungen die Kampfmoral zu heben versucht.
Beistandsbündnisse verschiedener Staaten,
führen in relativ kurzer Zeit dazu, daß aus dem Balkankonflikt ein Weltkrieg
wird.
Am 30. Juli macht Rußland mobil. Am 1. August erklärt Deutschland den
Krieg gegen Rußland.
Im Gegensatz zu früheren Kriegen, hatte schon der fast ein halbes Jahrhundert
zurückliegende deutsch-französische Krieg, die Überlegenheit der Waffentechnik
gezeigt. Dies bedeutete, daß auch große Armeen gegen technisch besser gerüstete
Agressoren nur geringe Möglichkeiten zu einem Sieg haben. Vor diesem
Hintergrund vertraute Kaiser Wilhelm II.
auf sein hochgerüstetess Heer. Hinzu kam jedoch die noch immer vorhandene
Zielsetzung aller Könige, als "allzeit Mehrer des Reiches", durch
Hinzugewinn von Nachbarstaaten, sein Reich (und die Anzahl der für ihn
arbeitenden Menschen ) zu vergrößern.
Vergleichbar dem Vielvölkerstaat der Habsburger, waren auch im zaristischen
Rußland viele Randstaaten deren Führungseliten von Eigenständigkeit träumten.
Diese Bestrebungen wollten einige Vordenker der preußischen Regierung nutzen
und so entwickelte Wilhelm II. seine
"Orangenschalen-Strategie". Wie bei einer Südfrucht die Schale vom
Fruchtfleisch getrennt wird, sollten die nichtrussischen Randstaaten vom
Kernland Rußland getrennt werden und dem deutschen Reich angegliedert werden. (
Dieser Leitgedanke beherrscht noch bis in die Gegenwart die westlich
orientierte Politik, Beispiele: ehemaliges Jugoslawien und Ostblockländer von
Polen bis Georgien )
Vor diesem Hintergrund war man im Auswärtigen Amt, schon unmittelbar nach
Kreigseintritt gegen Rußland bereit an Männer die eine "allgemeine
Revolution gegen Rußland" anführen wollten große Summen, Waffen und
technisches Gerät zur Verfügung zu stellen.
Am 30./31 August konnte deutsches
Militär unter der Führung Hindenburgs,
einen Anfangserfolg der russischen Armee bei Tannenberg stoppen.
Adolf Hitler geht als Freiwilliger
zur deutschen Wehrmacht.
Anfang September werden im Sinn der
"Orangenschalen-Strategie", an zwei Männer bereits 50.000 Goldmark ausgezahlt. In diesem
Zusammenhang wurde man auch auf den Rechtsanwalt Lenin aufmerksam, der für einen radikalen Sturz der zaristischen
Regierung eintritt.
Am 26. September kommt es schon
zum ersten Nachtfrost.
1915 beginnt mit einem sehr milden
Winter. Am 7. und 8. Januar werden 15 Grad gemessen.
Seit dem 2. Januar über mehr als
eine Woche anhaltender Regen brachte wieder Überflutungen und bei Kahl wurde
erneut die Zeche Gustav geflutet.
Am 29. Januar wurden -2 Grad gemessen.
1915 muß die Heeresleitung in Berlin erkennen,
daß ein Blitzsieg im Westen nicht möglich ist, da auch Frankreich über ein
erhebliches Waffenpotential verfügt. So empfielt Ende Februar Alexander Helphand
dem Auswärtigen Amt in Berlin den Plan, Rußland durch Massenstreiks zu
revolutionieren und zur Einstellung der Kampfhandlungen zu nötigen. Die
deutsche Regierung stellt daraufhin H.
Helphand 1.000.000 Goldmark zur Verfügung. Zur Person Helphand ist festzustellen, daß er sich als Jude schon früh, wegen
der Unterdrückung seiner Glaubensbrüder zum Gegner des zaristischen Systems
entwickelte. Wie viele oppositionelle Russen studierte er in der Schweiz und
kam dort in Kontakt zu linken Gruppierungen. Später ging er nach Deutschland
und fand Anschluß bei der SPD, für deren Erfolge er sich begeisterte.
Nach der Jahrhundertwende ging er wieder nach Rußland, geriet jedoch bei der
Niederschlagung der ersten Aufstände in Gefangenschaft und traf so in der
Festung von Petersburg mit Trotzki
zusammen. Nach der Haftentlassung ging er wieder nach Deutschland, fand jedoch
bei der SPD nicht mehr den gewünschten Anschluß, da er sehr radikale
Vorstellungen hatte. Als er in den Verdacht der Geldunterschlagung geriet,
verließ er Deutschland und ging in die Türkei. Bei Kriegsbeginn nahm er sofort
Kontakt mit dem deutschen Botschafter in der Türkei auf und beeindruckte mit
dem Leitsatz: "Die Interessen der deutschen Regierung sind mit denen der
russischen Revolutionäre identisch." Nun bekam er den gewünschten Zutritt
im Auswärtigen Amt in Berlin.
Am 9. März sank die
Nachttemperatur nochmal auf -2 Grad.
Dies war die zweite "Winternacht".
Am
11. März bewilligt in Berlin die Regierung 2.000.000 Goldmark für "Propaganda und besondere Zwecke in
Rußland".
Ende Mai reist Helphand in die Schweiz zu
Lenin und will das weitere Vorgehen besprechen.
Doch Lenin mißtraut ihm, da er von
Unregelmäßigkeiten in Helphands
Lebenslauf wußte.
Aus späterer Sicht zeigte sich, daß der rührige Politagent, wohl einiges von
den ihm anvertrauten Millionen privat gut angelegt hatte.
Am 29. Mai konnte schon mit der
Heuernte begonnen werden. Der Juni war trocken und sehr heiß.
Schon ab Mai können deutsche Truppen an der Ostfront Geländegewinne
erzielen. An der Westfront verhärten die Fronten zum Stellungskrieg.
Wobei nicht vergessen werden darf, daß die Gewinne bei den Waffenproduzenten in
allen kriegführenden Ländern, unvorstellbare Ausmaße annehmen.
Am 8. Juni stieg die Temperatur auf 33 Grad.
1915, am 24. Juni kommt Johann Kempf in Neuwille in Frankreich,
im Alter von 30 Jahren ums Leben.
Die 26 jährige Philippine geht mit
ihrem jüngsten Kind noch schwanger. Peter
und Martha Kempf übergeben der
jungen Witwe ihr Anwesen. Seine Kinder aus der Ehe mit Katharina Stein wurden "ausbezahlt".
Eva (geb. Kempf) führte mit Peter
Wich ein Gasthaus im hinteren Kahlgrund. Nach einem Streit unter Gästen,
den sie zu schlichten versuchte und an einer Hand verletzt wurde, gaben sie dieses
Anwesen auf und erwarben ein Gasthaus in Zellhausen, um schließlich nochmal zu
wechseln und die noch im Familienbesitz befindliche Bahnhofsgaststätte in
Hainstadt zu erwerben.
Peter Kempf mit Magdalena Ritter vermählt, betrieb in Königshofen einen Futtermittelhandel,
der später zu einem Lebensmittelgeschäft umgewandelt wurde.
Und Konrad Kempf ehelichte Franziska Staab. Er betrieb eine
Ziegelei in Schimborn.
Vor dem Berge Welmisheim wurde für einige das Zusammenleben sehr schwer und es
beginnt wieder eine Zeit, in der manche ihr Glück in der neuen Welt suchen.
Peter Kempf (der alte) stirbt noch
im gleichen Jahr, 63-jährig am 10. November, nur einige Wochen nach
der Geburt seiner Enkelin Katharina.
Die Kinder der Philippine Kempf waren:
Richard Kempf ( 6. 4. 1908 - 6. 4.
1943?), Georg Kempf ( 8. 4. 1909 - 13. 11. 1936), Hans Kempf (21. 10. 1910 - 21. 7. 1973 ), Alois Kempf ( 18. 6. 1912 - 27. 4. 1972 ), Josef Kempf ( 5. 3. 1914 - 2. 8. 1976 ) und Katharina Kempf ( 15. 9. 1915 - 9. 10. 1979).
Am 9.
Juli werden weitere 5 Millionen
für Propaganda in Rußland bewilligt.
Anfang August wird Rußland das Angebot eines Separatfriedens übermittelt.
Zar Nikolaus II. lehnt jedoch das
Angebot ab. Hier ist anzumerken, daß Kaiser
Wilhelm II. und Zar Nikolaus II.
nahe verwand und auch mit den gleichen Ehrendünkeln behaftet waren.
Die Gewerkschaften sehen sich nun zu
neuen Aufgaben genötigt, um "um die unheimliche Wirkung des Krieges für
die Arbeiterschaft zu mildern." Zu Beginn ist schon die Sicherung der
Lebensmittelversorgung ein Schwerpunkt. Hinzu kommen die
Kriegsbeschädigtenfürsorge und Arbeitsvermittlung. Wobei es hierbei erstmals
offiziell zur Zusammenarbeit mit Unternehmern kommt. Im November fordern die Gewerkschaften in einem Schreiben an den
Reichskanzler, die Anerkennung des Koalitionsrechtes für alle in
Staatsbetrieben beschäftigte Arbeiter.
1915
im Herbst kommt es verstärkt zu
Unruhen und Streiks in Rußland.
1915
wird von deutschen U-Booten der
englische Passagierdampfer "Lusitania" versenkt. Mit dem Tod von 139 Amerikanern, die sich darauf
befanden, wird auch die Feindschaft der U.S.A. verstärkt.
Am 26. November beginnt der
Winter mit Schneefall. An den nachfolgenden drei Tagen kommt es zu Nachtfrost
bis -18 Grad. Doch schon am 30. November kommt Regen und damit
beginnt der mildeste Winter der zurückliegenden 150 Jahren.
Im Dezember stiegen die
Tagestemperaturen bis 17 Grad.
1916 gab es im Januar nur einige mal geringen Frost, doch stellte sich kein
Winterwetter ein.
Das nachfolgende Jahr wurde sehr kühl und brachte mehrere sehr schwere
Unwetter, die im hinteren Kahlgrund starke Schäden verursachten. Allgemein
hatte die Bevölkerung unter Mißernten zu leiden.
1916 stirbt König Otto I. von Bayern, der wegen geistiger Umnachtung nie regieren
konnte.
Ludwig III. von Bayern erhält nun die Königswürde.
1916 wird die Rationierung der Lebensmittel in Deutschland eingeführt.
Mit dem "Hilfsdienstgesetz" werden alle männlichen Personen zwischen
dem 17. und 60. Lebensjahr zur Arbeit verpflichtet und der freie Wechsel des Arbeitsplatzes
wird aufgehoben.
Da man hier in die Grundwerte gewerkschaftlicher Aufgaben eingriff, hatte die
Regierung bei der Vorbereitung die Gewerkschaften mit eingebunden. Um die
Zustimmung zu dem Gesetz zu erlangen erklärte sich die Regierung bereit, daß in
allen größeren Betrieben Arbeiter- und Angestelltenausschüsse eingerichtet
werden, die bei Streitfällen mit den Arbeitgebern die Rechte der Klagenden
wahrnehmen, um eine Schlichtung herbeizuführen. Die Arbeitgeber versuchen diese
Stärkung der Arbeitnehmervertreter zu verhindern. Der "Verein deutscher
Eisen- und Stahlindustrieller", beschränkt sich auf die Forderung an die
Regierung, daß diese Ausschüsse nach Kriegsende sofort wieder abgeschafft
würden.
1916 im Herbst scheitert eine letzte
Großoffensive Rußlands, bei der rund 1
Million russische Soldaten zu Tode kommen.
Mitten im Krieg stirbt in Wasserlos überraschend Baron Hugo Mumm von Schwarzenstein.
Nach dem Tod des Barons und seiner schon früher verstorbenen Gattin, führt eine
Tante der noch unmündigen Erben die Verwaltung. Der einzige Sohn wurde im Krieg
verwundet, was nachfolgend zu seinem Tod führt. Das Schloßgut gerät in
wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1916 kommt es zum Verkauf
des Wasserloser Schloßgutes an den Zigarrenfabrikanten Wilhelm Weigang. Der Erlös besteht in Kriegsanleihen.
Im Interesse der Nahrungsmittelversorgung während der Kriegszeit, werden
besondere Maßnahmen ergriffen. So wird zur Verhütung von Kartoffelfäule während
der Lagerung, der Ziegeleibetrieb Zeller,
auf Veranlassung der bayerischen Regierung zur Trocknung von Kartoffeln
umfunktioniert. Die Kartoffel werden mit der Bahn bis zu einer Verladerampe
(noch vorhanden) gebracht. Von dort werden sie mit einer Schmalspurbahn in die
Ziegelei gefahren und nach dem Trocknen auf einer Darre, wieder zum Verladen
auf die Rampe gebracht. Die getrockneten Kartoffel kamen dann per Bahn nach
München in ein Zentrallager. Dort kamen sie, entsprechend den Bedürfnissen zur
Verteilung, an die Kriegsschauplätze oder für die notleidende Stadtbevölkerung.
1916 im August wird Hindenburg zum Chef des großen Generalstabes ernannt.
1916 stirbt in Österreich auch
Kaiser Franz Josef. Nachfolger wird
sein Großneffe Karl.
Die Jahreswende ist wieder von mildem Wetter und sehr viel Regen begleitet.
1917 am 13. Januar kam es auf dem noch immer Hochwasser führenden Main, bei
Großkrotzenburg zu einem tragischen Unglück. Da der Fährverkehr nur mit einem
Nachen möglich war, forderte es viel Geschick des Fährmannes, die Berufspendler
von Kleinkrotzenburg über den Main zu bringen. Doch am frühen Morgen des 13. lief
der mit 25 Personen besetzte Kahn,
auf einen Baupfahl, der durch das Hochwasser nicht sichtbar war und kenterte.
Trotz der Ufernähe und sofortiger Hilfe eines Schiffsführers aus Kesselstadt
kamen 15 Personen zu Tode.
1917 am
8. März dem internationalen Frauentag, zwingen Revolutionäre in Petersburg,
denen sich Tausende von Frauen und auch Militär anschlossen, den Zar Nikolaus II. zur Abdankung.
Anstelle der zaristischen Regierung bildete sich eine Doppelherrschaft von
Vertretern der Bürgerlichen und den Vertretern der Arbeiter- und Soldatenräte
(Sowjets). Die Bolschewiki (vergleichbar der SPD ) waren noch ohne Einfluß.
Am 15. März wird die Zarenfamilie in
Haft genommen.
Da die provisorische russische Regierung den Kriegsminister Kerenskij nicht zur Beendigung des
Krieges bewegen kann, bemüht sich die deutsche Regierung hier Einfluß zu
gewinnen.
Das Reichsschatzamt (Finanzministerium) in Berlin bewilligt nochmals 5 Millionen Goldmark für Propagandazwecke
in Rußland. Wesentlichstes Interesse hatte man nun an einer Rückkehr Lenins nach Rußland, da er der einzige
war, der die sofortige Einstellung des Krieges forderte und auch in Rußland das
nötige Gehör finden würde. Ein Problem war die Reise aus der Schweiz nach
Rußland, da die in der Offensive befindlichen Westmächte kein Interesse an
einer Waffenruhe an der Ostfront hatten. Auch eine direkte Reise durch die
russische Frontlinie wäre riskant gewesen.
Den Kontaktmann zu Lenin spielte
schließlich ein Schweizer Sozialist namens Fritz
Platten.
Er führte die vorbereitenden Gespräche mit dem deutschen Gesandten in Bern. Man
einigte sich auf eine Route von Zürich bis Rügen und von dort durch Schweden
nach Finnland, das zu Rußland gehörte.
Vom 9. bis 16. April dauert die Reise Lenins
und einiger Gesinnungsgenossen in einigen plombierten Eisenbahnwaggons
durch Deutschland.
Das Wetter war im Frühjahr kühl und drückte noch zusätzlich die Stimmung in
der Bevölkerung.
1917 im April kommt es wegen der mangelhaften
Lebensmittelversorgung auch in deutschen Großstädten zu Unruhen.
Die Monate Mai, Juni und Juli waren zu trocken, doch brachten
sie wenigstens Erwärmung.
Der August begann mit extrem starken
Niederschlägen und vernichtete einen Teil der kargen Ernte.
Die vereinigten Staaten von Amerika erklären Deutschland den Krieg.
Graf Czernin läßt die deutsche
Regierung wissen, daß Österreich den Krieg nicht mehr fortsetzen kann. Er
führte bereits Geheimverhandlungen mit Frankreich.
Im Juli kommt es in Rußland zu
Massendemonstrationen gegen die Provisorische Regierung.
Am 6. und 7. November ( nach julianischem Kalender 25./26 Oktober) kommt es,
unter der Führung von Lenin, zur
bolschewistischen Revolution in Rußland.
Der Kriegsminister Kerenskij flieht
ins Ausland.
Unter der Führung Lenins wird eine
Sowjetregierung gegründet.
In einem allrussischen Sowjetkonkress wird die Forderung nach einem
Friedensschluß mit Deutschland gestellt. Außerdem die Enteignung der
Großgrundbesitzer und das Selbstbestimmungsrecht der Sowjetvölker verkündet.
Von der deutschen Regierung werden noch weitere Millionen zur Verfügung
gestellt und die Rückführung oppositioneller Russen aus dem Exil organisiert.
1917 wird Konrad Adenauer in Köln zum Oberbürgermeister gewählt
Frankreich setzt verstärkt Automobile zum Transport von Nachschub an die Front
ein.
Eine Friedensresolution im Reichstag veranlaßt den Reichskanzler Bethmann-Hollweg zum Rücktritt. Sein
Nachfolger Dr. Michaelis steht nur
vorbehaltlich hinter der Resolution. Er gibt die Kanzlerschaft noch im gleichen
Jahr an den bayerischen Ministerpräsidenten Hertling ab. Im Dezember
erklären die russischen Streitkräfte ihren Waffenstillstand.
Aufgrund von Hungersnot, die nur mit, von Deutschland finanzierten
Lebensmittellieferungen gemildert werden kann und dem Wegbrechen der
Randstaaten von Estland bis zum Schwarzen Meer, muß die russische
Regierungsdelegation einem Friedensvertrag zustimmen, der dem Deutschen Reich
einen unvorstellbaren Zugewinn gebracht hätte.
Ohne noch weiter auf die wirren Ereignisse in Rußland einzugehen, in deren
Verlauf die Zarenfamilie und viele ehemalige Großgrundbesitzer ihr Leben
verlieren, ist es angebracht die Ereignisse in Deutschland und ihre
Auswirkungen auf das Zusammenleben in unsrer Heimat wieder näher zu beachten.
In Deutschland können alle Opfer nicht verhindern, daß der Krieg wegen
Materialmangel und Hunger kaum noch weitergeführt werden kann.
1918 beginnt mit wechselndem
Wetter relativ mild. Bei Niederschlägen die abwechselnd als Regen oder Schnee
niedergehen werden Temperaturen zwischen -7
und +9 Grad gemessen.
1918 im Januar leiten die Gewerkschaften eine 18 Punkte umfassende Resolution an die Regierung. Dieses Programm
wird vom "Correspondenzblatt" als "Magna Carta der
Gewerkschaften" bezeichnet. Es enthält schon alle Vorgaben die eine
vernüftige Sozialpolitik erfüllen muß um eine Volksgemeinschaft zu bilden.
1918 im Januar kommt es zum
Bruch in den Gewerkschaften. Während die Generalkommission noch am
Stillhalteabkommen mit der Reichsregierung festhält, streiken ein Großteil der
Gewerkschaften in Berlin, Kiel, Hamburg, Danzig, Magdeburg, Dortmund, Nürnberg,
Fürth und München. Noch einmal gelingt es der Regierung den Unmut der
arbeitenden und notleidenden Bevölkerung zu unterdrücken. In der Hoffnung auf
Zugeständnisse wird der Streik abgebrochen.
Doch sogleich nach Beendigung des Streiks wird die Parteizeitung der SPD "Vorwärts" verboten, das
Versammlungsrecht eingeschränkt und der Streikleitung jede Betätigung
untersagt.
1918 im Juni greifen an der Westfront amerikanische Truppen mit
gepanzerten Fahrzeugen (Tanks) in das Kriegsgeschehen ein. Die deutsche
Wehrmacht kann diesen neuen Waffen nichts entgegensetzen und muß sich
zurückziehen.
Der Sommer ist kühl und trocken. Nur einmal steigt die Temperaturen auf 35
Grad.
1918 im September sehen sich Hindenburg
und Ludendorff zu
Friedensverhandlungen genötigt. Die Siegermächte verlangen die Annahme eines
vom amerikanischen Präsidenten Wilson
ausgearbeiteten 14-Punkte-Programmes.
Dies enthielt folgende Bedingungen:
1. Abschaffung geheimer
internationaler Vereinbarungen.
2. Freiheit der Meere.
3. Welthandelsfreiheit.
4. Rüstungseinschränkung.
5. Regelung der Kolonialfragen.
6. Räumung der von Deutschland und
Österreich-Ungarn besetzten russischen Gebiete.
7. Räumung und Wiederherstellung des
souveränen Belgien.
8. Räumung der französischen Gebiete
und Abtretung von Elsaß-Lothringen an Frankreich.
9. Abtretung der italienischen
Landesteile Österreichs an Italien.
10. Autonomie der Völker Österreichs, innerhalb des österreich-ungarischen
Staatsverbandes.
11.Politische und wirtschaftliche Souveränität der Balkanstaaten.
12. Öffnung der Dardanellen-Meerenge.
13. Errichtung eines souveränen polnischen Staates, mit einem freien, von Polen
besiedelten Zugang zum Meer.
14. Gründung eines Völkerbundes.
Im Oktober erklärt sich die deutsche
Regierung zur Annahme der Bedingungen bereit. Ludendorff ist gegen die Annahme und will weiterkämpfen. Er wird
entlassen.
Reichskanzler Hertling tritt zurück.
Wilhelm II. ernennt den liberalen
Prinz Max von Baden zum
Reichskanzler und stellt eine parlamentarische Verfassungsreform in Aussicht.
Am 28. Oktober bildet der neue
Reichskanzler eine Regierung unter Einbeziehung der linken Mehrheitsparteien.
Damit wird das parlamentarische Regierungssystem in Deutschland eingeführt.
Gustav Bauer, der stellvertretende
Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften, wird Leiter des neuen
Reichsarbeitsamtes.
Anfang November beginnen in Kiel die
Arbeiteraufstände. Wie ein Flächenbrand greifen sie auf andere Städte über.
1918 am 8. November dankt in Bayern König Ludwig III. ab und flieht aus München. Daraufhin wird hier eine
Räterepublik ausgerufen.
Am 9. November kommt es in Berlin zu
Krawallen. Um dem entgegenzuwirken gibt der Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig und vorzeitig die Abdankung des Kaisers
und der Prinzen bekannt. Daraufhin ruft
Scheidemann von der SPD die Republik aus. ( Hier ist anzumerken, daß es
fast zeitgleich 71 Jahre später,
ebenfalls durch eine vorzeitige Meldung zur friedlichen Grenzöffnung im damals
geteilten Deutschland kam.)
Am 9. November kommt es auch in Hessen-Darmstadt zur formlosen
Auflösung der alten Großherzoglichen Regierung. Die Zurückhaltung des
Großherzogs Ernst Ludwig, bei der
Umsetzung von Bismarks "Sozialistengesetz", wie auch die Anerkennung
der politischen Veränderungen unter dem Einfluß der Parteien in den
zurückliegenden Jahrzehnten, führten dazu, daß die eigentliche Entmachtung des
Hauses Hessen-Darmstadt ohne jede Repressalien gegen die Familie geschah.
Am 10. November kommt es zur
Versammlung aller Arbeiter- und Soldatenräte, die sich in den vergangenen
Monaten gebildet hatten, in Berlin. Sie werden als Volksbeauftragte anerkannt
und wählen Friedrich Ebert zum Reichskanzler.
Am 11. November verzichtet
Deutschland auf alle im Friedensvertrag vom Dezember 1917, von Rußland zugestandenen Gebietsabtretungen.
Kaiser Wilhelm II. geht als ehrenhafter Verlierer ins Exil nach Doorn in
den Niederlanden. Dort verbringt er den Rest seines Lebens mit Gartenpflege und
Holzhacken.
Sein Kriegspielen hat allein von der deutschen Bevölkerung, mehr als 2 Millionen Tode und Verwundete
gefordert. 750.000 sind außerdem
verhungert. Hinzu kamen Reparationsforderungen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark, die Abtretung von Reichsgebiet mit einem
Bevölkerungsanteil von 6,5 Millionen
und die Ablieferung von fast allen Rüstungsgütern und Verkehrsmitteln für
Wasser, Schienen und Strassen .
1918 wird in Polen Marschall Pilsudski zum Präsidenten gewählt.
1918 Mit dem Ende des Krieges und der Gründung der "Weimarer
Repuplik" wurde auch die Sonderaufgabe der Ziegelei Zeller beendet und der
Betrieb wieder normal genutzt.
Die Verladerampe diente nun
wieder dem Versand von unterschiedlichsten Produkten der Ziegelei: Mauerziegel,
Dachpfannen und Trainagerohre verschiedener Größe.
1918 werden die Kriegsanleihen der ehemaligen Schloßbesitzer von
Wasserlos wertlos. Dem Vorwurf ausgesetzt, daß sie das Erbe verschleudert habe,
soll die Tante den Freitod gewählt haben.
Für diese Zeit hatte man in unsrer Heimat zum Lebenserhalt extrem verarmter
Mitbürger, das System des "Umhaltens" eingeführt. Dies funktionierte
in der Art, daß Personen ohne jede Versorgung, von den anderen Familien der
Gemeinden ein warmes Mittagsmahl bekamen. Die Abfolge wer wann diese Personen
versorgte, wurde von der Gemeindeverwaltung festgelegt.
1919 beginnt das Wasserkraftwerk vom Walchensee
zum Kochelsee mit der Stromerzeugung.
Am 15. November gründen die
Gewerkschaften die "Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und
gewerblichen Arbeitnehmer Deutschlands". Ihre programatischen Ziele kann
die neue Organisation nicht umsetzen, da sie von unterschiedlichen Strömungen
beeinflußt wird.
Der Adel wird als Privileg abgeschaft.
Titel gelten offiziell nur noch als Teil des Namens.
Das aufgrund des 14-Punkte-Plans auf
100.000 Mann begrenzte Heer machte
viele Offiziere arbeitslos. Einige vertrieben sich die Zeit als Eintänzer
(Gigolos) in Ballhäusern und wurden so beliebte Heiratskandidaten für junge
wohlhabende Amerikanerinnen. Andere jedoch strebten die Wiederherstellung des
alten monarchischen Ständestaates an und bilden illegale Freikorps.
In geheimer Absprache mit Freikorpsführern bereitet der preußische
Landschaftsdirektor Wolfgang Kapp den
Sturz der Regierung vor. Nach ihrer Flucht aus Berlin ruft die Regierung von
Stuttgart aus, zum Generalstreik auf. Die Gewerkschaften folgen geschlossen dem
Aufruf und bringen damit den Putsch zum scheitern. Wolfgang Kapp wird verhaftet.
Trotzdem bestehen weitere nationalistischen Gruppierungen.
Adolf Hitler tritt der antisemitisch
ausgerichteten Deutschen Arbeiter Partei bei. er besticht durch sein
rednerisches Talent und erreicht schon bald die Umbenennung von DAP in NSDAP.
Er verkündet noch im gleichen Jahr, im Hofbräuhaus in München ein 25 Punkte-Programm der
Nationalsozialisten. Der Begriff Nationalsozialismus
setzt die Zugehörigkeit zur Nation voraus, um Anspruch auf soziale Sicherung zu
haben ( Ausgrenzungspolitik). Im Gegensatz dazu verlangt der Kommunismus für alle Menschen, die
gleichen Rechte auf Sicherung ihrer Grundbedürfnisse.
1919 beginnt mit stürmischem Wetter. Mit Wechsel um den
Gefrierpunkt vergehen die nachfolgenden Monate, ohne nennenswerte
Niederschläge. Erst Anfang Juni kommt es zu etwas Regen, der jedoch durch eine
nachfolgende Zeit mit sommerlichen Temperaturen, für die Landwirtschaft
ungenügend ist.
1919
Ende Juni/Anfang Juli legen auf
einem Konkress, die freien Gewerkschaften ihre Richtlinien fest. Wesentlichste
Ziele sind die freie Wahl von Betriebsräten und die Mitbestimmung.
Im September stiegen die
Temperaturen nochmal auf hochsömmerliche Werte über 30 Grad.
Vom 29. Oktober bis zum 6. November gab es viel Schnee im
Kahlgrund. Nach Temperaturanstieg fiel in der zweiten Dezemberhälfte soviel
Regen, daß es zu Überschwemmungen kam.
1919/20
versucht die Polnische Regierung
unter Pilsudski ihre Ostgrenze zu
Rußland zu verschieben. In mehreren militärischen Auseinandersetzungen kann
Polen beachtliche Erfolge erzielen.
1920 begann mit unfreundlichem
Wetter. Vereinzelte Regenfälle wurden ab 12. Januar zu Dauerregen mit
Sturm der die Flüsse schnell über die Ufer treten ließ. In Kleinkrotzenburg
fuhren die Kinder mit Waschbottichen auf den überschwemmten Strassen und sollen
sogar durch die geöffneten Fenster in die überfluteten Erdgeschoßräume
gepaddelt sein. Dem extrem feuchten Winter folgte ein warmes Frühjahr und ein
sehr trockener Sommer und kühler Sommer.
Ende Mai hatte es an zwei Tagen stark geregnet und im Juni nur einmal. Die geringen
Niederschläge ließen auf kargen Böden das junge Obst von den Bäumen fallen.
1920 bis 1922 werden
die meisten Gemeinden an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Das
"Gashäuschen" in Alzenau, wurde seiner Bestimmung enthoben und zum
Wohnhaus umgestaltet. Die Gasrohre verblieben unter der Strassendecke und
werden bei Strassenreparaturarbeiten manchmal wieder sichtbar.
Richard Kempf wird vorzeitig aus der
Schule entlassen, um als Arbeiter in der Ziegelei Zeller Geld zu verdienen, das seine alleinerziehende Mutter zum
Unterhalt der Familie braucht. Die kleine Landwirtschaft mit wenig Grundbesitz,
bringt nicht den Ertrag um eine siebenköpfige Familie zu ernähren. Zumal einige
Jahre mit schlechten Ernten gegeben hatte. Die karge Hinterbliebenenrente
konnte die Teuerung jener Jahre nicht ausgleichen.
In Hörstein entschließen sich die Eheleute Theresia
und Nimbler ihre Familie in
einem Bild dokumentieren zu lassen. Die drei jüngeren der Kinder finden ihre
Lebenspartner später in Alzenau. ( Sowohl die Bildvorlage wie auch die
Genealogie der Nimbler ist der Veröffentlichung von Waldemar Nimbler entnommen)
Der Oktober und November waren relativ sonnig. Die klaren Nächte führten aber zu
frühem Frost.
1921 begann außergewöhnlich mild.
Mit einer Durchschnittstemperatur von
5,5 Grad, war es der mildeste Winter seit 125 Jahren. Der Januar war niederschlagsarm aber stürmisch.
Am 18. Januar stürzte in Großkahl
die Trockenhalle des Ziegeleibesitzers
Konrad Kempf ein.
1921 wird der Kölner Oberbürgermeister Adenauer Präsident des preußischen
Staatsrates.
Der als Teil des 14-Punkte-Programms
gegründete Völkerbund trifft sich
erstmals in Genf.
In einer Konferenz in Paris fordert Frankreich Reparationen von 269 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten. Gegenvorschläge von
deutscher Seite werden, auch von England mit dem Hinweis der deutschen
Kriegsschuld abgelehnt.
Im März beginnt die Besetzung des Rheinlandes durch
Truppen der Siegermächte, als Zwangsmaßnahme zur Durchsetzung ihrer Ansprüche.
Im April werden die von Frankreich
geforderten Reparationskosten auf 132 Milliarden
reduziert. Die Reparationsforderung nach Lieferung von Verkehrsmittel an
Frankreich, führt zu einem industriellen Aufschwung der Schwerindustrie in
Deutschland, da die Lokomotiven gebaut werden müssen.
1921 im Februar erreicht das östliche Nachbarland Polen zu den bestehenden
(Militär-) Bündnisse mit Rumänien, Tschechoslowakei und Jugoslawien, noch die
Verbindung mit Frankreich. Rußland sieht Handlungsbedarf und erzwingt
mit der Roten Armee unter Trotzki die
Wiederherstellung der alten Grenzverhältnisse.
Das Frühjahr war sehr trocken. In der zweiten Aprilhälfte brachten Fröste bis -6 Grad große Schäden beim Frühobst. Am 5. Mai ( Himmelfahrt ) mußten in vielen Gemeinden des Kahlgrundes
wegen einer geschlossenen Schneedecke die Flurprozessionen ausfallen.
Im Mai
fordert Frankreich die Zahlung von 1
Milliarde Goldmark innerhalb 25 Tagen.
Falls die Frist nicht eingehalten würde, drohen sie mit der Besetzung des
Ruhrgebietes. Außerdem eine Beschleunigung der Abrüstung und Aburteilung der
Kriegsverbrecher (ebenfalls Forderungen aus dem 14-Punkte-Programm).
Der allgemeine Mangel an Lebensmittel und Gütern der Grundversorgung, im
Gegensatz zu den hohen Reparationszahlungen, führte zu Preissteigerungen und
ständigem Kaufkraftschwund.
Die Inflation nimmt mit unvorstellbarem Maß zu. Vor den Lebensmittelgeschäften
in den Städten bilden sich lange Schlangen von Menschen, mit der Hoffnung noch
etwas für ihr Geld zu erhalten.
Der Sommer entwickelte sich zur Dürrekatastrophe. Durch den
Niederschlagsmangel im Frühjahr und nur ganz wenigen Regentagen im Hochsommer
konnten sich kaum Halm- oder Baumfrüchte entwickeln. Viele Brunnen versiegten
und in einigen Dörfern fehlte über Wochen Trinkwasser.
Vom 10. Juli bis zum 3. August überstieg die Temperatur an 14 Tagen die 30 Gradmarke.
Im Juli wird Adolf Hitler zum Vorsitzenden der NSDAP gewählt. Die
Nationalsozialisten bilden rechtsradikale Sturmabteilungen "SA".
1921 am 26. August wird Minister Erzberger,
wegen seiner Zustimmung zu den Friedensbedingungen, von Rechtsradikalen
ermordert.
Im Herbst setzt sich die Dürre noch bis Ende Oktober fort. Am 9. Oktober
wurden nochmal 27 Grad und am 13. noch mal 25 Grad gemessen ( dies war nach Kehrer/Nees der bis dahin
späteste Sommertag ).
Am 8. November fiel ganz leichter
Niederschlag. Doch setzte sich die herbstliche Trockenperiode nochmals fort,
jedoch mit extremer Abkühlung. Das Jahr endete mit nur 52 % der üblichen Niederschlagsmengen,
als das trockenste Jahr des Jahrhunderts.
1922 war die Jahreswende noch
relativ mild. Doch vom 2. Februar mit 10 Grad erfolgte zum 3. ein Temperatursturz um 18 Grad! In den nachfolgenden Nächten
liessen Temperaturen von -15 Grad
alles erstarren. Am 8. Februar sank
die Temperatur auf -24 Grad. Am 12. milderte sich der Frost und zum
Monatsende stiegen die Temperaturen auf frühlingshafte 17 Grad.
Am 22. März meldete sich der Winter
nochmal für 3 Tage zurück. Mit
extrem viel Schnee brachten diese drei Tage Schäden bei der Frühjahresaussaat.
Der April war kühl und
niederschlagsreich.
Am 26. Mai, ein Tag nach Christi
Himmelfahrt, wurde die ehemalige Cent (und jetzige Großgemeinde) Mömbris mit
fast allen Ortsteilen von einem extremen Unwetter belastet. Außerdem waren noch
die Gemeinden Johannesberg, Glattbach und Rückersbach davon betroffen.
Am stärksten traf es jedoch den kleinen Ort Reichenbach. Die Wetterchronik von Kehrer und Nees, berichtet von einer Katastrophe die durch Hagelschlag und einem
zweistündigen Wolkenbruch ausgelöst wurde und dem zahlreiche Gebäude und fast
alle Haustiere zum Opfer vielen.
Eine 3,5 Tonnen schwere Betondecke
über einer Jauchgrube wurde angehoben und 15
Meter weit talwärts geschwemmt. Das für einen Scheunenbau bereitliegende
Baumaterial wurde von den Fluten mitgerissen und konnte später teilweise wieder
in Alzenau geborgen werden. Extreme Schäden erlitten auch die Mühlenbetriebe.
Sowohl Erdrutsche wie auch Auf- und Anschwemmungen führten zu mehreren
Aufstauungen vor Brücken. Teilweise hatte dies den positiven Effekt, daß
weggeschwemmte Güter dort nach Absinken des Hochwassers wieder geborgen werden
konnten.
Der 27. Mai bot der ganze
Einzugsbereich des Reichenbaches bis nach Mömbris ein Bild der Verwüstung. Es
bedurfte in der nachfolgenden Zeit vieler Helfer und Aufwendungen, um die
Schäden auch nur annähernd wieder zu beheben.
Am 3. und 10. Juni versetzten erneut Gewitter die Bewohner des mittleren
Kahlgrundes in Angst und Schrecken.
1922 am
24. Juni wird Außenminister Rathenau
von Rechtsratikalen ermordet. Er hatte im April
den "Rapallovertrag" mit Rußland unterzeichnet. Darin war von
Rußland der Verzicht auf Reparationen und von deutscher Seite der Verzicht auf
Entschädigung für enteignete Güter vereinbart worden. Die Regierung erläßt eine
Verordnung zum Schutz der Republik.
Die deutsche Regierung bittet aufgrund der schlechten wirtschaftlichen
Entwicklung um Reduzierung der monatlichen Ratenzahlungen oder Stundung. Die
Bitte wird von den Siegermächten abgelehnt.
(In Rom erzwingen die Faschisten unter der Führung Mussolinis den Rücktritt der Regierung. Kg. Viktor Emanuel beauftragt
Mussolini mit der Bildung einer neuen Regierung.)

Mühle Christ und Sägewerk Reinhart
Am 14. August begannen spät abends im Kahlgrund wolkenbruchartige
Niederschläge, die sich noch den ganzen nachfolgenden Tag über fortsetzten.
Durch die vielen Zuflüsse kam es schnell zu Hochwasser an der Kahl. Beim Sägewerk
Reinhard konnte nur mit Mühe
verhindert werden, daß Holzstämme weggeschwemmt wurden. In der Christ-Mühle mußten die Frauen und
Kinder aus dem überschwemmten Erdgeschoß getragen werden. In mehreren Ställen
ertrank das Kleinvieh.
Auch der September brachte noch viel Feuchtigkeit.
Im November erklärt das Kabinett
seinen Rücktritt. Der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Cuno wird zum neuen Reichskanzler
gewählt.
Neue deutsche Reparationsverhandlungen scheitern am Widerstand Frankreichs, das
an der Besetzung des Ruhrgebietes intressiert ist.
In Ostgalizien, in Polen kommt es zu Aufständen und Pilsudski tritt zurück. Sein Nachfolger wird ermordet und erst
unter Wojciechowski kann der innere
Frieden wieder hergestellt werden.
Fernab der großen Politik machte
bei uns im Kahlgrund das Wetter seine Kapriolen.
Am 28. November begann morgens ein
Schneetreiben, das schon am Nachmittag bei 10
cm die Kinder veranlasste die Rodelschlitten hervorzuholen. Nach zwei Tagen
waren die Winterfreuden vorbei und auch die Wege verwandelte sich in Matsch. An
einigen Schulen sahen sich die Lehrkräfte veranlaßt die Kinder wieder nach
Hause zu schicken, da sie sich wegen der nassen und kalten Füsse eine
Erkältungskrankheit zugezogen hätten.
Mitte Dezember gab es nochmals einen
Tag mit Dauerfrost, doch schon am 17. gingen die Temperaturen über den
Gefrierpunkt. Und nachfolgender Dauerregen brachte wieder Überschwemmungen.
Die Jahreswende 1922/23 war sehr
mild. Ende Januar blühten schon die Schneeglöckchen.
Im März wurden schon vier mal 20 Grad gemessen. Nur am 19. gab es leichten Nachtfrost.
Nach dem vielversprechenden Anfang zeigte sich der Fühling aber bald zu kühl.
Ab 7. Mai wurde es trüb und
regnerisch. Der Juni war mit 4,5 Grad unter der
jahreszeitüblichen Temperatur der
kühlste seit 190 Jahren
(Nees/Kehrer).
Der Juli brachte hochsommerliche
Temperaturen mit 30 bis 35 Grad.
1923 besetzen französische Truppen
das Ruhrgebiet. Als Begründung führen sie stockende Kohlelieferungen an.
Reichskanzler Cuno verkündet den
"passiven Widerstand".
Da mit der Ruhrgebietbesetzung der deutschen Regierung die wesentliche
Möglichkeit der Wertschöpfung (Kohle und Stahlproduktion) für ihre Währung
genommen wurde, sieht sich die Reichsbank genötigt den Wert der Mark im
Verhältnis zur Goldmark täglich neu festzulegen. Die Begleiterscheinungen waren
Hunger und Elend für Bevölkerung der Städte. Das Hauptproblem war der
Wertverlust, in der Zeit der Lohnauszahlung am Ende des Arbeitstages und dem
nachfolgenden Morgen bis die Händler ihre Waren wieder anboten.
Im August erklärt Reichskanzler Cuno seinen Rücktritt.
Gustav Stresemann von der Deutschen
Volkspartei wird sein Nachfolger. Er bildet ein große Koalition und erklärt den
"passiven Widerstand" für beendet.
Im Oktober kommt es in verschiedenen
Reichsgebieten zu Aufständen rechts- und linksorientierter Gruppen. Wobei die
bayerische Regierung, nicht das von der Reichsregierung geforderte Verbot der
NS Zeitung "Völkischer Beobachter" durchsetzt.
1923 im November übersteigt der Wert
einer Goldmark die Millionengrenze.
Am 8. November erklärt Hitler in München, bei einer
Großveranstaltung die Reichsregierung in Berlin für abgesetzt. Die Anwesenheit Ludendorfs läßt ihn annehmen, daß er
durch die Reichswehr gestützt würde.
Am 9. November wird ein
nationalsozialistischer Demonstrationszug zur Feldherrnhalle von der Reichswehr
aufgelöst. Hitler wird verhaftet und
Göring kann trotz Verwundung
fliehen.
Dem Führer der Reichswehr General von
Seeckt, wird die Exekutive übertragen. Er verbietet
die NSDAP und die KPD. Die SPD verläßt
die große Koalition.
1923 am 15. November erklärt
sich Carl Köhl, Mitbesitzer der
Kihnmühle in Michelbach, gegenüber dem Vorstand des Bezirksamtes Alzenau,
außerstande die Bäckereien noch mit Mehl beliefern zu können, da es nicht mehr
möglich ist, mit den Einnahmen für das Mehl durch die nachfolgende Entwertung,
wieder genügend Getreide zu kaufen. Nach Rücksprache des Bezirksamtmannes wurde
der Geschäftsführung der Kihnmühle von der Reichsbank in Aschaffenburg, am 18. November mitgeteilt, daß sie am 19. vormittags, 10 Uhr in der
Reichsbank in Aschaffenburg erscheinen sollen, um ihr Papiergeld in Goldmark
(=Rentenmarkscheine) umzutauschen. Der Kurswert der Goldmark war am 18. November mit 500 Milliarden festgesetzt worden. Als H. Carl Köhl mit zwei Mitarbeitern und vier Koffern voller Geld, am 19. um 10 Uhr in der Bank waren, wurde ihnen mitgeteilt, daß die
Reichsbankzentrale in Berlin Anweisung gegeben hatte, daß der Umtausch erst am 20. November erfolgen solle. Bis am
nachfolgenden Tag die Auszahlung erfolgte, hatte sich der Kurs der Goldmark auf
1 Billion verdoppelt. Die Firma Kihn hatte über Nacht nochmal die
Hälfte ihres Barkapitals verloren.
Nun kommt es zur Einführung der Rentenmark.
Trotz allem war die Not bei der dörflichen Bevölkerung nicht so groß wie in den
Städten, da viele noch etwas Grundbesitz hatten und mit Gemüseanbau und
Tierhaltung einige Nahrungsmittel selbst erzeugen konnten.
1923 Ende November tritt
Reichskanzler Stresemann zurück.
Unter dem neuen Kanzler Dr. Marx von
der Zentrumspartei übernimmt Stresemann das Außenministerium.
Trotz aller Probleme begann mit der Währungsumstellung auf die Rentenmark eine
Stabilisierung und damit verbunden ein langsamer wirtschaftlicher Aufschwung.
1923/24 vollzog sich der
Jahreswechsel im Kahlgrund bei klirrender Kälte. Am zweiten Weihnachtstag hatte
der Winter mit Schneefall begonnen, der sich am nachfolgenden Tag zu einer
Schneedecke bis 30 cm entwickelte.
Der 31. Dezember begann mit einer
Temperatur von -24 Grad, die am Tag
nur auf -13 Grad anstieg. Die
geschlossene Schneedecke und die niedrigen Temperaturen ließ viele Vögel
verhungern und das Wild die Nähe der Wohnorte suchen. Der strenge Frost hielt
noch über eine Woche und milderte sich erst in der zweiten Januarwoche.
Am 19. Januar setzte Tauwetter ein
und führte zu Hochwässern und erheblichem Eisgang.
Am 24. Februar begann nochmals
Schneefall der fast eine Woche anhielt, bevor wieder Tauwetter einsetzte.
Selbst am 11. April fielen nochmal 10 cm Schnee, bevor sich der Frühling
langsam durchsetzen konnte.
1924, bei der Reichsttagswahl erhält
die SPD, begünstigt durch den leichte wirtschaftlichen Aufschwung, die meisten
Stimmen, dicht gefolgt von den Deutsch Nationalen. Die NSDAP verliert rund 1 Million Stimmen.
Nach einem relativ milden Mai
kommt ein Sommer der von Unwetter und Niederschlägen bei zu niedrigen
Temperaturen bestimmt wird. Die Ernte ist schlecht.
Am 31 Oktober beginnt Regen der sich
bald in, über fast zwei Tage anhaltende sintflutartige Niederschläge steigert
und dem gesamten Kahlgrund die größte Überschwemmungskatastrophe bringt. Das
Vieh konnte oft nur noch mit Mühe gerettet werden.
1925 begann mit einem ungewöhnlich
starken Südweststurm und einem Temperaturanstieg auf 10 Grad am 2. Januar.
Auf dem Main sollen sich Wellen bis 1 Meter höhe gebildet haben. Die
"Bembel" mußte zwischen Kahl und Alzenau auf freier Strecke halten,
weil der Wind von einem Wagen das Dach abgerissen hatte. Der ganze Winter war
fast ohne Schnee und Frost.
Doch vom 12. bis zum 18. März führte ein Temperatursturz, in
Verbindung mit Schneefall in unsrer Heimat zu teilweise katastrophalen
Verkehrsbedingungen.
1925 im März wird Paul von Hindenburg zum neuen
Reichspräsidenten gewählt.
1925 kommt es zur Räumung der besetzten
Gebiete an Rhein und Ruhr. Am Rhein wird eine entmilitarisierte Zone
festgelegt.
Adolf Hitler kommt nach einem Jahr
Festungshaft wieder in Freiheit (obwohl er zu fünf verurteilt war) und
übernimmt erneut die Führung der Nationalsozialisten.
Der Sommer war relativ trocken, doch gab es eine gute Ernte.
Ende November beginnt ein
dreiwöchiger Kälteeinbruch, mit Nachttemperaturen bis -18 Grad.
Doch am 21. Dezember kam ein
Temperaturanstieg auf frühlingshafte Werte.
Nach kurzer Abkühlung an den Weihnachtstagen, stiegen die Temperaturen wieder
an und gleichzeitig begann anhaltender Regen mit Sturmböen. Am 28. Dezember konnte der Schäfer Beck in
Alzenau, gerade noch seine eingepferchten Schafe vor dem Kahlhochwasser retten.
Und im Hanauer Hafen hob eine Böe, eine 60
Meter lange Dachhälfte von einem Lagerhaus.
Die Temperatur stieg am 30. Dezember
auf 16 Grad.
1926 am 3. Januar mußten die Feuerwehren erneut in vielen Dörfern, das Vieh
aus ufernahen Stallungen in Sicherheit bringen. Der Februar war auch sehr mild und brachte durch starken Regen am 22. noch ein drittes mal die Flüsse zum
Ausufern.
Am 11. März wurde wieder einmal ein
Nordlicht sichtbar. Der April
brachte Wetterkapriolen.
Der 15. April begann mit Bodenfrost
und erwärmte sich zum Mittag auf 25 Grad.
Ein ähnlicher Temperaturschock für wetterföhnige Bewohner, ergab sich vom 24. mit 16 Grad, auf 29 Grad am
25. April und am 26. wieder ein Rückgang auf 18 Grad. Den Abschluß bildete ein
starker Sturm, der viel Schaden an den Obstbäumen anrichtete.
Am 29. Mai kam es bei Michelbach zu
einem Gewitter, wobei ein Blitz in den Kamin der Herrnmühle schlug und am Herd
mit Lichtgarben endete, ohne Schaden zu verursachen.
Die erste Junihälfte brachte fast
täglich Regen. Auf manchen Feldern war der Erdabtrag so extrem, daß die
Kartoffel und Rübenfrüchte mit weggespült wurden. An vielen Orten glaubten die
Menschen wieder mit Bittprozessionen das Wetter zur Besserung bewegen zu
können.
Am 15. Juli entlud sich ein
Wolkenbruch südwestlich der Villa Meßmer und spülte Sand in einer Menge ab, daß
er die Bahngleise um einen halben Meter überdeckte. Das begleitende Gewitter
richtete im Großauheimer Industriegebiet ( Marienhütte und BBC ) starke Schäden
durch Hagelschlag an.
1926 kommt es zum Abschluß eines
Deutsch-Sowjetrussischen Freundschaftsvertrages.
Deutschland wird in den Völkerbund aufgenommen. In Italien erhält Mussolini vom König die
uneingeschränkte Regierungsgewalt ( und wird ein Vorbild für Adolf Hitler).
In Amerika unternimmt der Physiker
Robert Goddart den Versuch mit einer Rakete, die mit Flüssigtreibstoff
angetrieben wird, die Erdanziehungskraft zu überwinden.
1926 gibt ein Einwohnerverzeichnis
von Alzenau Einblicke in die damalige Sozialstruktur.
Die Gemeinde hat damals 2520
Einwohner.
Sie hat: zwei Bahnstationen, Telegraf und öffentliche Fernsprechstation.
Drei Kirchen: katholisch, protestantisch und israelitisch.
Schulen: 2 katholische und 1 israelitische.
An Industrie und Gewerbebetrieben sind aufgelistet: 3 Zigarrenfabriken, 1
Möbelfabrik,
1 Papierfabrik, 3 Banken, 9 Tuchwarenhäuser, 4 Bauunternehmer, 1
Bauernvereins-Lagerhaus,
1 Uhrengeschäft, 8 Gastwirte, 5 Metzger, 4 Bäcker, 8 Kolonialwarenhändler, 1
Drogist, 5 Schreiner
2 Zimmerer, 2 Schlosser, 3 Schmiede, 4 Schuhmacher, 4 Schneider, 3
Fahrradreparaturwerkstätten,
3 Spengler, 3 Installateure, 3 Sattler, 5 Tüncher, 2 Kohlenhändler, 5 Friseure,
1 Milchhandel,
2 Konditoreien, 3 Seilereien und 3 Schuhlager (= händler).
( Nicht erwähnt sind 3 Getreidemühlen und eine Sägemühle.)
Als gemeinnützige Einrichtungen sind aufgelistet: 1 Bezirkskrankenhaus und das
Wasserwerk.
Behörden waren: Bezirksamt, Notariat, Amtsgericht und das Zollamt.
Ärzte: Sanitätsrat Dr. Zeitler,
Bezirksarzt Dr. Zwecker und
praktischer Arzt Dr. Karl Hofmann.
Zahnärzte: Dr. Koch und Hans Rieger.
Tierarzt: Dr. A. v. Velascow.
Apotheker: Max Hofmann.
Architekt: Göbbels Heinrich
1. Bürgermeister war Antoni Michael,
2. Bürgermeister Kerber Heinrich.
Als Vereine sind erwähnt: 3 Männergesangvereine, 2 Arbeitergesangvereine, 1
Gemischter Chor.
Weitere Vereine sind: Fußballklub, Kraftsportklub, Stemm- und Ringverein, Turn-
und Sportverein, Obst- und Gartenbauverein (unter der Führung von Peter Josef
Trageser), Bauernverein und Kriegerverein.
Neben der Vielzahl von Berufen sind hervorzuheben: Schweinehirt, Bullenwärter
und Postkutscher.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu verbesserten
Verkehrsverbindungen und der zunehmenden Motorisierung, mit allen Licht- und
Schattenseiten. Bemerkenswert ist noch, daß es bei Kriegsende ( 1945) innerhalb
der jetzigen Kernstadt von Alzenau, fünf öffentliche Tankstellen für Benzin
gab. Drei an der Hanauer Strasse und je eine an der Wasserloser - und der
Kaiser Rupprecht Strasse.
Der September war noch sehr warm und im November
gab es erst am letzten Tag Nachtfrost.
Am 19. Dezember kam es im hinteren
Kahlgrund zu einem Gewitter mit Schneefall, das in Schöllkrippen starke Schäden
verursachte.
1927 beginnt sehr mild. Im Januar gibt es nur einen Tag mit Frost.
Vom 20. bis zum 22. Februar viel Schnee der jedoch nur wenige Tage liegen blieb.
Der März ist schon wieder sehr
mild. Am 29. März schlug nachmittags, während eines Gewitters ein Blitz in den
Turm der Kirche und löste im innern noch eine Explosion aus. Der Turm stürzte
mit der Spitze voraus und bohrte sich in den Boden. Im Innern der Kirche wurde
alles zerstört und die bunten Glasfenster aus iheren Befestigungen gesprengt.
Umliegende Gebäude erlitten Dachschäden durch Gesteinsbrocken.
Am 6. April hatte es ein weiteres
Unwetter auf den Königshofener Gottesacker abgesehen. Das Kreuz von der
Turmspitze hatte man auf einem Gestell neben der Kirche aufgestellt. Nun wurde
das Gestell mit dem Kreuz umgeblasen.
1927 ist Richard Kempf in der Zellulose ( ortsübliche Bezeichnung für die
Papierfabrik) in Alzenau beschäftigt. Seine vier Brüder hatten Berufe erlernt.
Maurer, Schlosser, Tüncher und Täschner. Und seine Schwester hatte eine
Haushaltsschule besucht. Durch seinen Mitarbeiter, Konrad Nimbler aus Hörstein, lernt er dessen Schwester Anna kennen und beide beginnen ein
Verhältnis das fünf Jahre später zur Eheschließung führt.
Es gab zu dieser Zeit aber auch noch die alte Form einer Eheschließung, nach
Vereinbarungen der Eltern, betreffend Vermögen und Mitgift. Wie dies ablief,
wenn auch mit anderem Ausgang , zeigt ein Beispiel aus dem ehemaligen
Wilmundsheim.
Hier gab es eine heiratsfähige Tochter und bei der Suche nach einem Partner für
ihr künftiges Leben, fiel die Wahl der Eltern auf einen jungen Mann in
Wasserlos. Nun war es an dem Vater der heiratswilligen Tochter, mit dem Vater
des Auserkorenen alles Notwendige zu besprechen. Und schließlich wurde
vereinbart, daß der angehende Bräutigam, zu einer gewissen Stunde, in einer
gewissen Strasse, an einem bestimmten Hoftore laut pfeifen sollte. Dann käme
die ihm Zugedachte und beide könnten sich persönlich kennenlernen. Wie von den
Vätern vereinbart machte sich der junge Mann, termingerecht auf den Weg nach
Alzenau und pfiff auch laut und gut hörbar vor dem bestimmten Hoftor. Doch
anstatt des Hoftores westlich der Strasse, ging das linke Hoftor auf und eine
nette junge Frau kam in den Sichtbereich. Er grüßte mit: "Guten Abend
Marie". Sie lachte und antwortete: "Guten Abend. Ich bin zwar net die
Marie. Ich bin die Käth, aber wir können uns trotzdem unterhalten." Ob die
Marie auf der gegenüberliegenden Seite, überhaupt noch mal in den Sichtbereich
kam, ist nicht überliefert. Doch der Franz war mit der Käth zufrieden und sie
verlebten viele Jahrzehnte in vollkommener Harmonie. Aus der Ehe gingen zwei Söhne
hervor. Aber die (etwas schwierige) Marie bekam nie mehr einen Lebenspartner.
Sie mußte mit Verbitterung bis ins hohe Alter miterleben, wie im Anwesen schräg
gegenüber das Leben pulsierte. Ihre Verbitterung ließ sie die Gattin ihres
Bruders, ein ganzes Leben lang spüren. Und nach dem Tod der Beiden, deren zwei
Töchter inzwischen schon lange verheiratet waren und in einem hessischen
Nachbarort wohnten, lebte die Marie alleine und fand schließlich ein ganz
tragisches Ende, durch Unachtsamkeit im Umgang mit dem Feuer in ihrem alten
Kohleherd.
1927 tritt Deutschland dem "Ständigen
internationalen Schiedsgerichtshof" in Den Haag bei.
1927 am 13. Mai (schwarzer Freitag) kommt es an der deutschen Börse, durch
eine Änderung der Devisenbewirtschaftung zu starken Kursverlusten ( der
Aktionäre) und nachfolgend zum lang anhaltenden Konjunkturrückgang. Die Folgen
sind inflationäre Preisentwicklungen für Rohstoffe und Güter aller Art. Damit
verbunden der Ruin vieler Kleinbetriebe und verstärkte Arbeitslosigkeit.
1928 im Mai erhalten bei der Reichstagswahl die Linksparteien 42%. Reichskanzler Müller von der SPD bildet eine groß
Koalition.
Juni, August und September brachten häufig Regenfälle.
Ende Oktober wird es nochmal relativ
warm mit Temperaturen bis 19 Grad.
Im Oktober wählt die
Deutschnationale Opposition den reaktionären und rechtskonservativen Verleger Alfred Hugenberg zu ihrem Vorsitzenden.
Mit ihm bekommt die Opposition den "Medienzar" jener Zeit zu ihrem
Verbündeten im Kampf gegen die Regierung.
1928 sieht Robert Bosch Veranlassung die Hintergründe zur Weltwirtschaftskrise
zu analysieren und seine Erkenntnisse niederzuschreiben. Er hat zu dieser Zeit
weltweit 20.000 Beschäftigte. Er
sieht als Grund nicht nur die Reparationszahlungen nach dem verlorenen Krieg.
Er erkennt im wesentlichen die Überproduktion von Waren, die Schutzzölle und
Börsenspekulationen als Ursache. Er kommt zu dem Schluß, daß eine Beschäftigung
für alle, aufgrund der zunehmenden Verbesserungen in der Fertigungstechnik von
Waren, nie mehr möglich sei. Doch könne man der Massenarbeitslosigkeit
entgegenwirken wenn man die Arbeitszeit von derzeit 8 Stunden, auf 6
Stunden pro Tag reduzieren würde.
1928 beendet Pauline
Becker, geb. Domer, die ihre Jugen im Michelbacher Schlößchen verbracht
hatte, im Alter von 87 Jahren ihr Erdendasein in Darmstadt, dem
Geburtsort ihres Gatten August Becker.
1929 begann wie ein ganz normaler Winter, mit mäßigem Frost. Im Januar war auch tagsüber die Temperatur
meist unter dem Gefrierpunkt. Zur
Monatsmitte verschärfte sich der Frost und es begann zu schneien. Die
Nachtfröste sanken bis -19 Grad.
Nach einer Frostabschwächung Anfang
Februar kam es zur Fastnachtzeit zu einem extremen Kälteeinbruch mit
Temperaturen von -30 Grad am
Fastnachtsamstag (11. Februar). Auch
tagsüber stiegen die Temperaturen nicht über -10 Grad. Während der Fastnachtsveranstaltungen und auf dem Weg zum
Tanz, kam es bei vielen Jugendlichen zu Erfrierungen von ungeschützten
Körperteilen (Nase, Ohren u.s.w.)
Da viele Bewohner des Kahlgrundes nur wenig Winterbrandvorrat hatten,
verbrachten sie die Tage weitgehend im warmen Bett. Wasserleitungen und Aborte
froren ein. Kleiner Flüsse waren bis auf den Grund gefroren. Manche Bauern
stellten kleine Öfen in den Keller, um die Kartoffel und Rübenvorräte zu schützten.
Das Wild überwand, vom Hunger getrieben jede Scheu vor den Menschen und
versuchte in Scheunen und Stallungen Nahrung zu finden. Im März läßt der Frost nach. In Alzenau hackte die Feuerwehr das
Kahleis auf, um Schäden an den Brücken zu verhindern. Mitte März lagen an den Ufern des Mains noch Eisansammlungen bis zu 5 Meter hoch und es dauerte bis Mai ehe alles getaut war. Der April war überwiegend trocken und Ende Mai gab es drei Tage mit 30 Grad. Der Sommer war sehr heiß mit
Temperaturen bis 34 Grad.
1929 kommt es in einer Konferenz der Großmächte,
über die deutschen Reparationszahlungen, zur endgültigen Neufestsetzungim sog. Young-Plan : Die noch zu zahlende
Summe, soll mit jährlichen Raten auf 59
Jahre verteilt werden ( bis 1988 ).
Der Oberbürgermeister von Köln, Konrad
Adenauer eröffnet die erste, nur für Kraftfahrzeuge mit einer
Mindestgeschwindigkeit von 40 km/h,
bestimmte Strassenverbindung (Autobahn) zwische Köln und Bonn.
Im August erfolgt der vorzeitige
Rückzug der Besatzungstruppen vom Rheinland.
Die Nationale Einheitsfront
(Deutschnationale und Nationalsozialisten) fordern im September einen Volksentscheid über die Annahme des Young-Planes.
Der Volksentscheid scheitert. Doch in der Hugenbergschen Presse wird die
Hetzprobaganda gegen die Regierung verstärkt.
Hitler bestimmt Himmler zum Leiter einernationalsozialistischen Schutzstaffel
(SS).
Die Zahl der Arbeitslosen steigt in Deutschland auf über 2 Millionen.
Am 3. Oktober stirbt Gustav Stresemann.
Anfang Oktober kommt es erstmals
zu ergiebigen Regenfällen, bei noch immer sommerlichen Temperaturen.
Am 4. Oktober steigt die Temperatur
nochmal auf 25 Grad.
In Amerika wird Herbert Hoover zum
Präsidenten der U.S.A. gewählt. Er hat sich die Beseitigung der Armut zum Ziel
gesetzt. Doch wird sein Amtsantritt durch den Börsenkrach am 25. Oktober in New-York überschattet.
( wieder ein Schwarzer Freitag) Für die U.S.A. verlor die Wirtschaft damit
ihren Antrieb und führt zur Weltwirtschaftskrise, da Amerika seine
Auslandskredite vorzeitig zurückforderte.
Kaum beachtet vom Ausland hat Josef
Stalin, im Erkennen der Rückständigkeit der Industrie und Waffentechnik, in
Sibirien das damals modernste und größte Stahlwerk aufbauen lassen. Die
Lieferung der technischen Ausrüstung wie Hochöfen, Eisengießereien und
Walzwerke waren Großaufträge für die deutsche Industrie. So entstand am
Uralfluß beim "Magnetgebirge" mit seinen Bodenschätzen, die Stadt
Magnitogorsk.
Im Gegensatz zu dieser hochtechnologischen Entwicklung, beurteilt Hitler in seinem während der
Festungshaft geschriebenen Buch "Mein Kampf", die slawischen Völker
als Untermenschen.
Ein peinlicher Fehler, wie er sich in der späteren Geschichte wiederholen
sollte.
1929 wird der landwirtschaftliche Besitz des Wasserloser
Schlossgutes verkauft. Bei einem Preis von 2.500.- bis 3.000,- Reichsmark je Hektar,
geraten viel Bauern in eine "Schuldenfalle".
1930 beginnt mit einem sehr milden Winter. Lediglich am 13. Januar fiel etwas Schnee, der
jedoch bei einem nachfolgenden Temperaturanstieg auf 12 Grad schnell wieder verschwand.
In diesem Jahr kommen Hans von Moers
und Hedwig, geb. Hendschel, bei
einem Autounfall in den Alpen ums Leben. Da sie ohne leibliche Erben waren wird
Richard Hendschel der Alleinbesitzer
des Michelbacher Schlößchens. Da alle Verwande weit verstreut wohnen verkauft
er das Schloßgut in Michelbach an die Gemeinde.
Richard Kempf wechselt zur
Maschinenfabrik Wahl in Kahl, um sich Maschinenbaukenntnisse für einen Beruf
als Kraftfahrer anzueignen. Nach dem Erhalt der Befähigung zum "Führen
eines Kraftfahrzeuges" geht er als LKW-Fahrer wieder zur Zellulose in
Alzenau.
Es war in der Zeit der wirtschaftlichen Erholung. Viele
Arbeiter aus dem Kahlgrund nutzten die Bahnverbindung um zu ihren
Beschäftigungsorten in Hessen zu kommen. Bis nach Kahl fuhren sie mit der „Bembel“, die sie auch wieder in ihre
Heimatorte zurückbrachte. Das Kernstück des Bahnhofes der „Bembel“ in Kahl war
die Gaststätte, wo die Wartenden die Zeit bis zur Abfahrt mit einem oder zwei
Glas Bier überbrücken konnten. Hier sassen auch die Verantwortlichen für den
Bahnbetrieb, während draussen am Bahnsteig die „Bembel“ dampfte. Bei diesen
selbstbewußten Herren über Fahren oder Nichtfahren, konnte es auch schon mal
vorkommen, daß einer noch nicht ausgetrunken hatte und der Zug sich deshalb
erst mit etwas Verspätung in Bewegung setzte. Dies konnte zum Unmut bei den
Wartenden führen die bereits im Zug sassen, aber auch zu einem
aussergewöhnlichen Streich junger Männer. Als es wieder einmal zu Ärger über
die Verzögerung kam, wurde vom „Andres“
K. aus Wasserlos die Meinung geäußert, daß er die „Bembel auch fahren könne,
wenn Die net beikäme“. Diese Behauptung fiel auf offene Ohren bei seinen
Freunden und nach Worten wie „Du traust dich aber net“ sah sich der Andres
genötigt dies zu beweisen.
Die Kenntnisse hatte sich der Andres an einem seiner Beschäftigungsorte
erworben, wo damals noch vieles mit Dampfmaschinen angetrieben wurde. Nun mußte
einer der Freunde zurück und nachsehen wieviel Bier der Lokomotivführer noch im
Glas hatte, während der Andres mit einem Helfer schon bereit war die Lokomotive
zu besteigen. Der Bescheid des Kundschafters führte zum Beginn der Entführung
des Zuges. Die Zuginsassen merkten nur, daß es endlich losging. Die wichtigen
Herren in der Gaststätte waren noch in Gespräche vertieft, als sie plötzlich
sahen, daß der letzte Wagen des Zuges in Bewegung kam und sich ihren Blicken
durchs Fenster entzog. Als sie mit hastigen Schritten aus der Gaststube eilten,
war der ganze Zug schon so weit, daß jede Verfolgung aussichtslos war. In ihrer
Hilflosigkeit blieb ihnen nur die Möglichkeit die Polizeidienststelle in
Alzenau telefonisch über die Entführung zu informieren. Dort löste diese
Meldung Erstaunen aus, doch sah sich der Ordnungshüter gezwungen mit dem
Fahrrad zum Hauptbahnhof zu fahren um dort die Entführer zu verhaften!
Inzwischen wurde es den Entführern auf der Lokomative aber auch etwas mulmig
und in Erwartung eines unangenehmen Empfangs fassten sie den Schluß den Zug
noch ausser Sichtweite, vor Alzenau anzuhalten. Die Insassen des Zuges waren
vielleicht erstaunt, daß die Bembel schon vor Alzenau hielt, doch kaum jemand
bemerkte, daß zwei junge Männer aus der Lokomotive stiegen und durch das
Buschwerk neben den Bahngleisen verschwanden. Am Bahnhof wartete der Polizist
auf den Zug und die Bahnbediensteten, die sich inzwischen um ein Auto bemüht
hatten um ihre Bembel wieder zu besetzen. Der Freizeit-Lokomotivführer Andres
und sein Heizer waren inzwischen auf
dem Heimweg. Der hauptamtliche Lokomotivführer mußte mit seinem Heizer der
Bembel entgegen gehen um sie wieder in Fahrt zu bringen. An den nachfolgenden
Bahnstationen kam die Bembel mit Verspätung an. Doch die Entführung der Bembel
war das Gesprächsthema im Kahlgrund. Und es wurde bald klar wer der Entführer
war. Für den Andres hatte es noch ein gerichtliches Nachspiel. Doch die für ihn
peinlichen Folgen, überstrahlte seine Popularität als der Held, der die
„Bembel“ entführt hatte.
1930 wird in Alzenau das erste Kino von einem jüdischen Mitbürger
namens Mango eröffnet.
Im gleichen Jahr wird auf Anraten des Diplomlandwirtes Dr. K. Dörner, in Albstadt, Alzenau und Hörstein ein Antrag zur
Flurbereinigung gestellt.
1930 kommt es zur Annahme des Young-Planes.
Wilhelm Frick wird in Thüringen als
erster Nationalsozialist mit einem Ministeramt betraut.
Er verhilft dem Österreicher Adolf
Hitler zur deutschen Staatsbürgerschaft.
Im sog. Reichswehrprozeß in Leipzig schwört Adolf Hitler, die Weimarer Verfassung nicht zu verletzen und nur
mit legalen Mitteln zu kämpfen.
Im Juni gab es mehrere schwere
Gewitter. Bei einem Wolkenbruch am 13.
Juni, wurden einem Metzger in Blankenbach 100 Hühner aus einem Pferch weggespült. Der Juli war sehr naß, doch
im August stiegen die Temperaturen
wieder auf hochsommerliche Werte, am 28.
sogar bis 33 Grad.
Im September bei den
Reichstagswahlen wird die NSDAP die zweitstärkste Partei. An dritter Stelle
stehen die Kommunisten. Die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei
verloren Stimmen an die Nationalsozialisten. Brüning bildet ein Minderheitskabinett.
Der Oktober begann mit heftigen
Regenfällen die an manchen Stellen die Kahl schon über die Ufer treten ließen.
Im November erreichten die
Regenfälle katastrophale Ausmaße, da häufig noch Gewitter und Sturm hinzu
kamen. In Krausenbach im Spessart stürzte ein Neubau zusammen und an manchen
Orten kamen die Wassermassen mit dolcher Mächtigkeit, daß sie durch die Fenster
in die Häuser schwappten.
1931 beginnt relativ mild aber zu naß. Am 1. Januar reißt eine Windhose in Großkahl an mehreren Gebäuden
viele Ziegel von den Dächern.
1931 Zum Jahresbeginn verlassen die NSDAP und die
Deutschnationalen den Reichstag.
Im März kommt es zu einem
lang anhaltenden Kälteeinbruch mit Schneefall.
Am 7. Mai kommt es im ganz
Unterfranken zu katastrophalen Unwettern. Auch die Kahlgründer mußten starke
Verwüstungen erleben. Sintflutartige Niederschläge ließen in kurzer Zeit die
Bäche und Flüsse zu reißenden Strömen werden. Ganze Dörfer wurden unter Wasser
gesetzt und die Straßen und Wege waren nach dem Abfluß des Wassers, teilweise
bis zu einem Meter hoch mit Auflandungen bedeckt. Zum Teil waren sie auch
weggespült. Das Vieh konnte oft nur noch mit größten Anstrengungen gerettet
werden, doch in vielen Fälle war es nicht mehr möglich. Die größte Katastrophe
ereignete sich in Hösbach. Dort hatte sich ein Rückstau bei einer Brücke
gebildet auf der mehrere Personen standen, als dieselbe dem Wasserdruck
nachgab. Viele ertranken und sogar Helfer, die reinsprangen um zu helfen kamen
noch ums Leben.
Der Verkehr im Kahlgrund war für mehrere Tage unterbrochen
( Einzelheiten in der Wetterchronik von Kehrer/Nees, S. 228/29)
Neben all den Problemen durch fehlende Arbeitsmöglichkeiten und Mißernten
hatten manche Familien noch Belastungen durch körperlich und geistig behinderte
Familienangehörige. In Fällen einer gewissen Selbstständigkeit im Hinblick auf
Toilettenbenutzung und Kleidung wurde die Belastung als „gottgegeben“
hingenommen. Doch manche Fälle brachten die Angehörigen in unzumutbare
Situationen. Heimaufenthalte waren von den Familien nicht zu bezahlen und so
kam es in der Ausweglosigkeit manchmal zu Tötungsdelikten, die man mit
Brandstiftung zu verdecken versuchte. In einem Fall, bei dem zwei Behinderte
bei einem Scheunenbrand, scheinbar umkamen, wurden Spuren von Gewalteinwirkung
festgestellt und gerichtlich weiterverfolgt.
In einem anderen Fall, kam bei
einem Wohnhausbrand eine alte Frau ums Leben. Hier soll die Frau, auf die Rufe
der Feuerwehrleute, warum sie nicht ´rauskäme, geantwortet haben: “Ich kann
doch net, er hat mich doch angebunde.“ Diese Angaben wurden jedoch nicht
aktenkundig und so unterblieben weitere Untersuchungen.
Die erste Junihälfte war sehr schön
und brachte gute landwirtschaftliche Erträge. Doch der nachfolgende Sommer war
wieder eine Abfolge von Unwettern, die sich bis in den Spätherbst fortsetzten.
Das verstärkte Auftreten der
Nationasozialisten in Deutschland führt zur Unsicherheit auf dem
internationalen Geldmarkt.
Eine deutsch-östereichische Zollunion wird von den Westmächten abgelehnt. Die
österreichische Regierung sieht sich genötigt, den Vertrag mit Deutschland zu
lösen, da ihr sonst Auslandsanleihen verweigert würden.
Am 10.
Juli stellt die Darmstädter und Nationalbank ihre Zahlungen ein. Drei Tage
später, am 13. Juli wird die
Berliner Bank von verunsicherten Kunden gestürmt.
Noch im Monat Juli verkündet der
U.S.-Präsident Hoover einen
Zahlungsaufschub für alle internationalen Verpflichtungen für ein Jahr. Die so
geschaffene Entlastung gibt der deutschen Wirtschaft Auftrieb. Der Oberbürgermeister
von Leipzig, Dr. Goerdeler wird zum
Reichskommissar ernannt. Er verfügt die Kürzung von Löhnen und Gehältern und
versucht die Preisgestaltung zu regulieren. Doch ist die Weimarer Republik
nicht mehr zu retten.
Im Dezember gibt es 5,6 Millionen Arbeitslose in
Deutschland. Und in diesem Umfeld hat jeder Unterstützung der Arbeit
verspricht.
Adolf Hitler gewinnt die
Unterstützung des deutschen Großkapitals für sein Programm.
1932 begann winterlich mit
Schnee. Doch schon am 2. Januar
begann es zu tauen und die Temperatur stieg bis auf 10 Grad. Am 10. und 12. Januar wurden in Alzenau schon zwei
Maikäfer und ein Pfauenauge gefunden. Nur am 10. März lag nach einer frostigen Nacht morgens etwas Schnee.
1932 erreicht die Regierung eine
Verlängerung der Zahlungstermine für kurzfristige Auslandskredite für ein Jahr.
Die Arbeitslosenzahl steigt inzwischen auf über die 6 Millionen.
Robert Bosch versucht vergeblich
eine Zeitung oder einen Verlag zu finden, für seinen Weltrettungsplan, den er
vier Jahre zuvor niedergeschrieben hat. (Qu.:Robert Bosch, rororo)
Adolf Hitler wird zum
braunschweigischen Regierungsrat ernannt und bekommt damit die deutsche
Staatsbürgerschaft.
Im März erhält bei der Wahl des
Reichspräsitenten keiner der Kandidaten die erforderliche Stimmenzahl.
Kandidaten waren: Hindenburg
(gemäßigte republikische Parteien), Hitler
(NSDAP), Düsterberg (DNVP) und Thälmann (KPD).
In einem zweiten Wahlgang im April
erhält Hindenburg die erforderliche
Mehrheit und wird als Reichspräsident bestätigt.
Am 13. April wird zur
"Sicherung der Staatsautorität", aufgrund Art. 48, Absatz 2 der Reichsverfassung angeordnet, daß mit
sofortiger Wirkung sämtliche militärähnliche Organisationen der
Nationalsozialistischen Arbeiterpartei aufzulösen sind. Dies betraf die SA und
SS mit allen zugehörigen Stäben und Einrichtungen: SA-Beobachter, SA-Reserven,
Motorstürme, Reiterstürme, des Fliegerkorps, Kraftfahrerkorps, Sanitätskorps,
SA-Kasernen, Führerschulen und
Zeugmeistereien. Die Umsetzung der Anordnung hätte die hochverschuldeten
Nationalsozialisten ruiniert.
Im Mai gelingt es den
deutsch-nationalen, mit einer Intrige bei
Hindenburg das Vertrauen zu Kanzler Brüning
zu zerstören. Der Kanzler tritt zurück.
Im Juni wird Franz von Papen, von der Zentrumspartei zum neuen Reichskanzler
gewählt.
Er hebt das Verbot der SA und SS wieder auf. Unter dem Einfluß der
nationalistisch gesinnten Gruppen löst Papen
die Regierung auf und verkündet Neuwahlen.
Im Sommer kann Konrad Adenauer, als
damaliger Oberbürgermeister von Köln, die Autobahn von Köln nach Bonn eröffnen.
Es war die erste direkte kreuzungsfreie Kraftverkehrsstrasse. Nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie zur Landstrasse abgewertet, um
die Autobahnen als Idee der neuen Regierung zu verbreiten.
Bei den Reichstagswahlen im Juli erhält
die NSDAP die meisten Wählerstimmen.
Hindenburg bietet Hitler die Position des Vizekanzlers in
der Regierung Papen. Hitler lehnt ab.
Eine Gruppe um den Physiker Werner von
Braun arbeitet, im Auftrag der Reichswehr an einem
Raketenforschungsprojekt.
Im gleichen Jahr erprobt Sergej Koroljow
in der Sowjetunion Raketen.
Der Sommer war wieder sehr unbeständig und mit Ausnahme vom August, der einige Tage hochsommerliche
Temperaturen brachte, für die Landwirte schlecht.
Im September kommt es zu einem
Mißtrauensvotum gegen Kanzler von Papen,
bei dem sich die Mehrheit gegen ihn ausspricht. Doch er verweigert den
Rücktritt und löst zum zweiten mal den Reichstag auf.
Bei der Reichstagswahl am 6. November
verliert die NSDAP erhebliche Wählerstimmen an die SPD und KPD, bleibt jedoch
stärkste Partei.
Am 17. November tritt Reichskanzler von Papen zurück. Sein Nachfolger wird
der parteilose Kurt von Schleicher.
In Alzenau wird Richard Kempf als
Kraftfahrer entlassen, da er sich weigert mit einem LKW zu fahren, der nach
seiner Ansicht nicht mehr verkehrstauglich ist. Ein stellvertretend fahrender
verunglückt mit dem Fahrzeug und wird schwer verletzt. Aufgrund seiner
Erfahrungen ist Richard Kempf der
KPD zugehörig. Ungeachtet der Arbeitslosigkeit schließt er mit Anna Nimbler den Bund der Ehe. In den
zurückliegenden Jahren hatten sich die Beiden eine Heimstrickerei mit einer
Rundmaschine ( für Strümpfe) und einer Langbettmaschine ( für Pullover)
aufgebaut. Hinzu kam noch eine Angorakaninchenzucht, zur Wollerzeugung und
manchmal auch einen Kaninchenbraten.
In den USA sind 15 Millionen
Arbeitslose ohne Arbeitslosenhilfe. Um der Krise zu begegnen verkündet der
Präsident den "New Deal". Er beginnt mit dem größten
Strassenbauprojekt vom Norden der USA bis nach Mexico. Darüberhinaus erläßt er
Gesetze zum Bank- Währungs- und Kreditwesen.
1933 beginnt ohne Schnee aber
kalt bis -10 Grad.
1933 am 4.
Januar treffen sich von Papen, Hitler und der Bankier von Schröder in Köln. Kernpunkt ihrer
Besprechung ist: einen Weg zur Machtergreifung Hitlers und nachfolgend die Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft
zu erreichen.
Am 28. Januar verlangt Reichskanzler
von Schleicher dikdatorische
Vollmachten um Zwangsmaßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der
Inflation ergreifen zu können.
Hindenburg lehnt die Forderung ab
und von Schleicher tritt zurück.
Am 30. Januar wird Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler
ernannt. Mit seiner Ernennung ist das
Schuldenproblem der Nationalsozialisten gelöst. Neben Hitler sind noch Hermann Göring, Josef
Göbbels und Ernst Röhm in der
nationalsozialistschen Führung herausragende Personen.
Anfang Februar setzte Tauwetter
ein. Mitte Februar fiel etwas Schnee
der aber nur wenige Tage liegen blieb.
Am 27. Februar kommt es zum
Reichstagsbrand in Berlin.
Am 28. Februar wird von Hindenburg eine Verordnung zum Schutz von
Volk und Staat erlassen. Diese Notverordnung erlaubt das Vorgehen gegen alle
Andersdenkende.
Am 5. März wird wieder ein Reichstag
gewählt und die NSDAP erhält fast 43% Wählerstimmen.
Hitler strebt eine Ausdehnung der
Notverordnung auf unbegrenzte Zeit an.
Da er dafür eine Zweidrittelmehrheit braucht, verhindern am 23. März die SA und die Göring unterstehende preußische
Polizei, vielen kritischen Abgeordneten den Zugang zur Abstimmung im
Reichstag.
Eine der ersten Maßnahmen der neuen
Regierung sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und ein Lohn- und Preisstopp. Schon
im gleichen Jahr wird der Bau von Konzentrationslagern für
"Staatsfeinde" begonnen.
Im Juni wird die Autonomie der
Reichsbank aufgehoben und der Reichsbankpräsident Schacht verpflichtet Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu finanzieren.
Außerdem wird die freie Wahl des Arbeitsplatzes und der Arbeitsart per Gesetz
aufgehoben.
Nach einem schönen Frühling, begann am 9.
Juni unbeständiges Wetter mit viel Regen und Gewittern die viel Schaden
anrichteten. Am 23. Juli bildete
sich über dem oberen Prischoß eine Windhose, die im Alzenauer Ortsteil
Oberschur große Schäden verursachte. Von dem erst kurz vorher fertiggestellten
"Christkönigshaus" wurde das komplette Dach abgehoben und in den Wald
getragen.
Im Juli werden alle bürgerlichen und
marxistischen Parteien verboten. Da mit diesem Verbot auch die DNVP betroffen
ist, tritt Hugenberg aus dem
Regierungskabinett zurück.
Der Kölner Oberbürgermeister Konrad
Adenauer tritt zurück. Andere Bürgermeister versuchen sich anzupassen. Als
herausragender SPD-Politiker wird Kurt
Schumacher verhaftet und ein KZ eingeliefert. Viele SPD-Politiker sind der
Empfehlung der Partei folgend ins Ausland geflüchtet.
Damit beginnt eine dunkle Zeit für das Zusammenlebens auch vor dem Berg
Welmisheim.
Die negativen Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg und die Verbindung zu den
Industriezentren um Hanau, mit der ehemaligen Pulverfabrik (Degussa) führte
viele Arbeiter in die "linken Parteien".
Am 20. August spülte in Alzenau wieder ein Wolkenbruch viel Sand auf die
Schienen der "Bembel", am Hauptbahnhof. Trotz vieler Wetterkapriolen
gab es eine gute Ernte.
Im Oktober verkündet
die Regierung den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund.
1934 begann relativ mild. Bei
Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt bildete sich bei Regen mehrfach
Blitzeis.
1934 am 3. Januar erblickt der
erste Sohn der Eheleute Richard und Anna Kempf das Licht der Welt. Er wird
auf den Namen Walter Josef getauft.
1934 im
Januar werden die Länderparlamente in Deutschland aufgelöst und deren
Hoheitsrechte der Reichsregierung übertragen.
Am 1. Februar gab es viel Schnee
der den ganzen Monat über liegen blieb.
1934 (-1942) Anna Weigang als Schloßbesitzerin in Wasserlos, nachdem ihr
Mann als Steuerflüchtling in die Schweiz ging.
Mitte April kommt es zu zwei Tagen
mit hochsommerlichen Werten.
Der 1. Mai konnte bei 31 Grad gefeiert werden. Am 5. Mai brachten mehrere Gewitter den
dringend benötigten Regen. Mitte Mai
beginnt eine Hitzewelle die mehrere Wochen ohne nennenswerten Regen anhält.
Inzwischen werden Spannungen zwischen der SA und der Wehrmacht erkennbar.
Im Juni hält der frühere
Reichskanzler von Papen eine, von Edgar Jung verfasste Rede in Marburg,
in der er vor den "revoluzionären Tendenzen" im Nationalsozialismus
warnt.
Am 30. Juni wird der (angebliche)
Röhmputsch niedergeschlagen. Der SA-Stabschef Ernst Röhm, der ehemalige Reichskanzler von Schleicher mit Gattin, von
Heydebreck, Georg Strasser und Edgar
Jung, der Verfasser der "Marburger Rede, sind unter den Opfern, die
ohne Gerichtsverfahren von SS-Komandos erschossen werden.
Die Gesamtzahl der Opfer waren mehr als 100
führende SA-Mitglieder die Hitlers
Führungsstil kritisch beurteilt hatten.
Die SA verliert ihre Führungsrolle an die SS.
Am 13. Juli kam endlich der lang
ersehnte Regen. Allerdings war ein schweres Gewitter in Begleitung, das an
manchen Orten durch Blitzeinschläge Schaden verursachte.
Am 2. August stirbt der
Reichspräsident Paul von Hindenburg.
Hitler übernimmt auch die Befugnisse des Reichspräsidenten als "Führer" und Reichskanzler.
Noch in der Nacht wird die Reichswehr auf den "Führer" vereidigt. Das
Präsidialamt wird aufgelöst.
Am 5. August beginnt eine
weitere Trockenperiode die bis zum 10.
September anhält. An diesem Tag kommt mit einem Gewitter endlich der lang
ersehnte Regen, der einen ganzen Tag lang niedergeht. Nachfolgend wird es
wieder sommerlich warm.
Die Ernteerträge waren einigermaßen gut.
Das Jahr ging sehr mild zu Ende.
1935 im Januar kommt das Saarland wieder zu Deutschland, nachdem bei einer
Volksabstimmung 92% für einen
Anschluß an Deutschland gestimmt hatten.

Michelbacher Schlößchen 1935
1935 erklärt Stalin, der mächtige Mann in Rußland,
die 3. Internationale für aufgelöst.
Auch Stalin hatte in
"Säuberungsaktionen" Abweichler von seiner Linie ausschalten lassen.
Im Februar wurde unsre Gegend von mehreren starken Stürmen
heimgesucht, die viel Schäden anrichteten.
Im gleichen Monat wird Richard Kempf als
bekannter Kommunist in Alzenau verhaftet.
1935 im Februar kommt es auch bei uns zu Schwierigkeiten bei einem Opportunisten (1) und Vaters
mehrerer Töchter. Derselbe sieht das Problem, daß zwei seiner Töchter mit dem
Bruder und einem Vetter, des wegen Hoch- und Landesverrat verhafteten Richard Kempf, in engem Verhältnis
sind. Das Problem wird mit der väterlichen Verfügung gelöst, daß die Verbindung
mit dem Bruder des Verhafteten (einem Malermeister)
gelöst wird und sie einen anderen Maler ehelicht. Der Vetter des Verhafteten erklärt seinen Eintritt in
die SS und darf sich mit der Tochter vermählen!
Am 6. März war unsre Heimat mit
einer leichten Schneedecke verhüllt, die jedoch am Mittag schon wieder
verschwunden war.
Am 16.
März führt Hitler die
Wehrpflicht wieder ein.
Zu dieser Zeit bemüht sich Richard
Kempf, aus dem Untersuchungsgefängnis in Hanau heraus, eine neue Wohnung
für seine Familie zu finden, da im Haus ihres bisherigen Vermieters das 10.
Kind das Licht der Welt erblickt hatte und hier Eigenbedarf bestand. Ein Freund
findet sich bereit im Obergeschoß seines Hauses zwei Räume zur Verfügung zu
stellen. Die kempfschen Wohnzimmermöbel werden in das elterlich Anwesen seiner
Gattin nach Hörstein verbracht. Der neue Vermieter sieht sich in der prekären
Situation, der Familie eines "Staatsfeindes" Unterschlupf geboten zu
haben. In seiner Not geht er zu dem Bürgermeister und erklärt dort wörtlich:
"daß er nicht mit den Ansichten des Verhafteten übereinstimme, sondern die
Wohnung nur aus reiner christlichen Nächstenliebe zur Verfügung gestellt
habe".
Das Leben und Zusammenleben vor dem Berg Welmisheim war schon schwierig.
Am 26. März um 0:30 Uhr erblickt der Verfasser, ungeachtet aller großer
politischer Veränderungen und in Abwesenheit, seines hinter Schloß und Riegel
befindlichen Vaters, das Licht einer 25
Watt-Birne und glaubt dies sei das Licht der Welt.
Zu dieser Zeit veranlaßt die Tochter eines Deutschnationalen, daß ihr
regimkritischer älterer Bruder, ein Nervenarzt, in die psychiatrische Klinikin
Lohr eingeleifert wird.
Am 25. und 26. April gehen schwere Unwetter über dem Spessart nieder. Auch
der hintere Kahlgrund ist davon betroffen.
Im April fielen 250% der üblichen Niederschlagsmenge im Kahlgrund.
Der Mai war sehr kühl. Am 19. kam es zu Gewitter und
Hagelschlag. Diesmal schlug ein Blitz in die Kirche in Krombach und richtete
erhebliche Schäden an.
Nach einem "durchwachsenen" Juni begann am 1. Juli eine Dürreperiode die bis zum 8. August anhielt. Am 14. August kam endlich wieder ein richtiger
anhaltender "Landregen".
Die Schwäche der Landwirte nutzten die Nationalsozialisten mit einem
Umschuldungsprogramm für die Bauern: Hitler
verfügt eine Entschuldung der Bauern zu Lasten der übrigen Bevölkerung. Als
Dank geht in Alzenau je ein Sohn der Nutznieser zur SS (2)!
1935 Mit den Rassengesetzen schafft sich Hitler die rechtlichen Vorraussetzungen
für den Zugriff auf Vermögen von "Nichtarier". Für den Aufbau großer Industriekomplexe
erkennen Großindustrielle die Insassen von Konzentrationslagern als billige
Arbeitskräfte.
1936 begann mild und mit viel
Regen. Am 10. Januar wurden 10 Grad gemessen. Erst im April gab es wiederholt Schneefall und
am Ostermontag (13.) wurden in der Frühe -5
Grad gemessen. Der April war
insgesamt viel zu naß und im nachfolgenden Sommer gab es wenig schöne Tage.
In Alzenau hatte man als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, einen lang gehegten
Wunsch realisiert und das Waldschwimmbad gebaut. Doch kamen durch das schlechte
Wetter kaum Badegäste.
Die Familie von Richard Kempf kann
in eine größere Wohnung in der Wilmundsheimer Straße umziehen. Nun wohnt seine
dreiköpfige Familie im Obergeschoß des Hauses seiner Großeltern,
mütterlicherseits. Das Haus das Kaspar
und Regina Neumann, mit der
Ausdehnung von straßenseitig 8
Fenstern, errichtet hatten war inzwischen unter den Söhnen Georg und Josef Neumann geteilt
worden. Georg hatte nur einen Sohn
namens Emil, der unverehelicht im
Krieg zu Tode kam. Doch Josef hatte
drei Kinder und deshalb ein Obergeschoß aufgestockt und hier fand die Familie
nun für einige Jahre eine ausreichende Wohnung für 15 RM Miete. Hier fanden auch die Angorakaninchenställe im Hof
wieder Platz. Und die Winterfuttervorräte, waren in der Scheune seines
Elternhauses, in Sichtweite an der damaligen Freigerichter Strasse leicht zu
lagern und zu erreichen.
1936 läßt Hitler, nach einseitiger Kündigung der Verträge betreffend die
entmilitarisierte Zone am Rhein, dieselbe militärisch besetzen.
In Spanien besiegt General Franco,
mit Unterstützung durch Truppen von Mussolini
und der Luftstaffel "Legion Condor"
aus Deutschland, die republikanische Regierung.
Ein gebürtiger Wasserloser (1) opfert als Truppenführer im Krieg gegen Franco in Spanien sein Leben.
Allerdings gerät auch ein politisch nicht Intressierter, aber vom Fliegen
begeisterter Alzenauer (2) in jene Gruppe, die als "Legion Condor"
zum Sieg Francos beigetragen haben.
( Die mit Zahlen gekennzeichneten
Personen werden aus personenenrechtlichen Gründen nicht genannt)
Trotz der Unterstützung läßt sich Franco nicht in die Politik Hitlers und Mussolinis einbinden.
1936
Im November schließt die Reichsregierung mit der japanischen Regierung
den Antikominternpakt, zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Bedrohung durch den
Kommunismus..
Der Winter begann schon früh, war jedoch mild.
1937 Mitte Januar führt Regen zu Glatteis. Der Februar war naß und brachte in der letzten Woche soviel Regen, daß
es zu Erdrutschen kam und die Flüsse über die Ufer traten.
1937 Hitler empfängt Mussolini zum Staatsbesuch in Berlin.
Auch der britische Außenminister kommt nach Berlin um von Hitler über seine weiteren Pläne informieren zu lassen.
1937 ist Ludwig von Hessen-Darmstadt Kultur-Attache in England. Als seine
Angehörigen aus Darmstadt ihn, anläßlich seiner Vermählung besuchen wollen,
kommt die ganze großherzogliche Familie, beim Absturz des Flugzeugs ums Leben.
Der US-Präsident Roosevelt erklärt
ein Neutralität für unangebracht, angesichts der nationalistischen Achsenmächte
und protestiert gegen den japanischen Überfall auf China.
1938 im Februar entschließt sich der Kriegsminister von Blomberg, wegen einer unstandesgemäßen Eheschließung zum
Rücktritt. Hitler übernimmt nun auch
das Amt des Kriegsministers.
Nachdem der österreichische Kanzler
Schuschnigg vor der, von Hitler
gewünschten Beteiligung der Nationalsozialisten an der Regierung, eine
Volksbefragung plant, kommt Hitler
einer eventuellen Ablehnung zuvor. Er läßt deutsche Truppen einmarschieren.
Am 13. März verkündet er den
Anschluß Österreichs an das Reich. Schuschnigg
tritt zurück.
Im Mai besucht Hitler Mussolini in Rom. Um sich dessen Unterstützung zu sichern,
erfüllt er Mussolinis Forderung Südtirol
an Italien abzugeben. Die Folge ist die Aussiedlung deutscher Bewohner aus
Südtirol.
Im April verkünden die
Sudetendeutsche ihre Forderung nach Autonomie ihrer Wohngebiete.
Hitler läßt deutsche Truppen an der
tschechoslowakischen Grenze aufmarschieren.
Als Reaktion erfolgt die Mobilmachung in der Tschechoslowakei.
England und Frankreich empfehlen dem tschechischslowakischen Präsidenten Benesch, den Sudetendeutsche die
Selbstständigkeit zu gewähren.
Der Sommer verlief relativ gut und brachte auch eine gute Ernte.
Im August tritt General-Oberst Beck, der Chef des Generalstabes wegen
der Kriegsvorbereitungen Hitlers
zurück.
Ein Kreis von Offizieren plant eine Revolte gegen Hitler.
Im September besucht der britische
Außenminister Chamberlain Hitler und
versucht einen Militäreinmarsch in die Tschechoslowakei zu verhindern, indem er
zusagt Benesch zur Abtretung der
sudetendeutschen Gebiete zu bewegen.
Am 23. September verlangt Hitler ultimativ die Übergabe des
Sudetenlandes bis zum 1. Oktober
Am 29. September kommt es auf
Initiative Englands, zu einer Viererkonferenz in München.
Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier (Benesch wurde nicht beteiligt) beschließen die Angliederung des
Sudetenlandes an Deutschland durch die Tschechoslowakei bis zum 10. Oktober. Der Restbestand der
Tschechoslowakei wird von den vier Vertragsunterzeichnern garantiert.
Ungeachtet des vereinbarten Termines läßt Hitler
am 1. Oktober das Sudetenland
militärisch besetzen. Benesch tritt
zurück und geht nach USA ins Exil.
Die vom Ausland unwidersprochene, vorzeitige Inbesitznahme des Sudetenlandes,
wird vom Militär als Erfolg gesehen und läßt die Offiziere von der geplanten
Revolte Abstand nehmen.
Nun beginnt Hitler viele Südtiroler
in ehemals von Tschechen bewohnte Anwesen im Sudetenland umzusiedeln. Manche
neue Besitzer tolerieren den Verbleib der Alteigentümer, als Knechte und Mägde.
Ohne noch weiter auf die große Politik des "Dritten Reiches"
einzugehen, halte ich nun den Blick in unser kleines Stückchen Heimat vor dem
Berg Welmisheim für angebracht.
Zu dieser Zeit begann man auch bei uns verstärkt die Elektrizität auch für
den Antrieb von Geräten und Maschinen zu nutzen, die so manche schwere
körperliche Arbeit ersetzten. Dies nötigte in manchen Fällen zu bemerkenswerten
Improvisationen. Ein Musterbeispiel war die Umstellung des Schreiners Knauf, vom Hobeln mit der Hand auf eine
Hobelmaschine. Seine Schreinerei befand sich an der Wilmundsheimer Strasse,
hinter seinem Wohnhaus, das sich in der westlichen Teilung der Märkerstrasse und
Wilmundsheimer Strasse noch immer befindet.
Er konnte sich in seiner Schreinerei drehen und wenden, aber den Platz um lange
Bretter über die Hobelmaschine zu schieben hatte er einfach nicht. Früher lagen
die Bretter auf zwei Böcken und er bewegte den Hobel, doch jetzt stand die
Hobelmaschine fest und er mußte die Bretter drüber schieben. Er sah nur eine
Lösung: er machte ein kleines Loch in die Wand zur Wilmundsheimer Strasse, das
normalerweise mit einem Laden verschlossen war. Doch immer wenn er lange Bretter
hobeln mußte, schickte er jemand raus, der dann in der Wilmundsheimer Strasse
darauf achtete, daß kein Verkehrsteilnehmer über dieses, langsam aus der Wand
herauswachsende Teil stossen würde, bevor es wieder in dem Loch verschwand.
Dies war eine heute unvorstellbare Problemlösung, doch in jener Zeit hatte man
mehr Verständnis für die Nöte der Mitbürger und die Opfer, die man dem
technischen Fortschritt bringen mußte.
1938 in der 1. Januarwoche
fiel sehr viel Schnee. Vom 9. bis 13. Januar stieg die Temperatur und
Regen führte zur Schneeschmelze mit dem Ausufern der Flüsse.
Ab dem 12. Februar fiel nochmal
Schnee der einige Zeit liegen blieb. Einem sehr warmen März folgte jedoch der April
mit starker Abkühlung, der Frost und in der zweiten Aprilhälfte nochmals viel Schnee brachte. Der Sommer war
mit kurzen Unterbrechungen zu kalt. Im
August richteten viele Unwetter Schäden an. In Hörstein wurde sogar ein
Storch auf der Zehntscheune vom Blitz erschlagen.
1938 beginnt auch in Alzenau die Bespitzelung regimkritischer
Gemeinderatsmitglieder und Denunziation.
Eine überzeugte Nationalsozialistin (3) und Tochter eines Deutschnationalen,
schreibt einen Brief an den Ortsgruppenleiter der Partei, mit dem Hinweis, daß
sich ein Gemeinderatsmitglied (4) regimekritisch geäußert habe.
Die Folge ist ein abendlicher Besuch von Gemeinderatsmitgliedern, unter der
Leitung des Bürgermeisters. Ergebnis: Sein Sohn (5) und Hoferbe meldet sich zur
SS! (Er bleibt vor Stalingrad)
Bei Tätlichkeiten unter Nachbarn wird einer schwer verletzt. Dem Täter (6)
droht eine Bestrafung wegen Körperverletzung. Die Verfolgung der Strafsache
wird eingestellt nachdem sich sein Sohn (7) zur SS gemeldet hat!
1938, am 9. November beginnt mit der sog Kristallnacht (Zerstörung jüdischer
Geschäfte und Gotteshäuser) die Judenverfolgung auch in unsrer Heimat.
Hier ist einzuflechten, daß zwei jüdische Frauen und die Kinder, aufgrund des
Ansehens ihrer Männer (8) oder des Schwiegervaters (9) in Alzenau das
"Tausendjährige Reich" überlebten.
1938 veröffentlicht in Amerika, der
eingewanderte Wladimir Kosma Zworykin
ein Buch unter dem Titel: "Television". Es wurde die Grundlage des
heutigen Fernsehens.
Im gleichen Jahr gelingt den Chemikern Otto
Hahn und Fritz Straßmann
erstmals die Spaltung der Atome Uran und Thorium.
Das Jahr endete mit viel Schnee in den letzten zwei Wochen des Jahres.
1939 begann mit Tauwetter und den nachfolgenden Überflutungen. In der zweiten Januarhälfte wurden bereit 12 Grad gemessen. Vom 17. bis zum 21. März gab es nochmal Dauerfrost mit Schneefall. Der nachfolgend
Frühling war kühl und der Sommer brachte nur wenig warme Tage.
Nun wieder ein Blick in die
Peinlichkeiten kommunalen Geschehens.
1939 Bei der Abstimmung im Gemeinderat ob man für den Beginn eines Krieges
ist, werden markierte Stimmzettel verwendet. Ein argloser Gemeinderat (10)
stimmt dagegen.
Nach Einsichtnahme in die Zettel, wird ihm freigestellt seine Meinung zu
ändern. Sollte er dies jedoch nicht tun, so würde man ihn, mit einem Schild um
den Hals gehängt, mit der Aufschrift: "Ich bin ein Veräter", durch
die Gemeinde führen!
Er änderte seine Meinung und war für den Rest seines Lebens ein gebrochener
Mann.
Als sein ältester Sohn (11) zum Militärdienst nach Bad Kreuznach einberufen
wird, ist dort bereits bekannt, daß sein Vater ein Kriegsgegner sei. Die Folgen
für den jungen Mann wären zerstörerisch gewesen, wenn nicht ein Leutnant noch
rechtzeitig, beim Anblick des Drangsalierten eine Einweisung ins Krankenhaus
veranlaßt und weitere Mißhandlungen verboten hätte.
1939 im März bekommt auch der Verfasser erstmals den Mann zu sehen, den er
seit vier Jahren nur als Papa aus den Erzählungen seiner Mutter kannte. Richard Kempf hatte vier Jahre im
Zuchthaus in Kassel Welheide verbracht. Allerdings nicht so luxuriös wie einst Napoleon III. in Schloß Wilhelmshöhe.
Er gilt nun als "wehrunwürdig" (und hofft im Stillen, daß er dies
auch bleiben würde). Zu Beginn seines neuen Lebens in relativer Freiheit muß er
eine Arbeit in einem Steinbruch aufnehmen. Erst mit zeitlicher Verzögerung wird
ihm erlaubt, wieder als Kraftfahrer tätig zu werden. Er intensiviert nun wieder
die Zucht der Angorakaninchen und die Heimstrickerei. Da der Bezug von Wolle
schwierig ist, kommt ihm seine Tätigkeit als Kraftfahrer in einer Kohlehandlung
Hanau zu nutzen. Im Hafen verbringt ein Kranführer einen Teil seiner Zeit auf
dem Kranen damit, daß er verworrene Wolle aus Spinnereien, sorgsam
auseinandernimmt und die Fäden aufwickelt. Diese Wollknäuel übernimmt Richard Kempf und bringt ihm als Gegenleistung
Pullover oder Strümpfe, die er mit seiner Frau zu Hause daraus gestrickt haben.
So erhalten beide Wollkleidung die es sonst nur noch auf Bezugschein gäbe.
1939, 1. September: Beginn des Polen-Krieges mit der
Beschießung von Danzig.
Am 2. September fordern England und
Frankreich sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen, bei Androhung von
Kriegserklärungen.
Mit dem Beginn des Krieges wird auch bei uns mit dem Bau von Bunkern
begonnen, die der Verteidigung gegen von Westen kommenden Armeen dienen
sollten. Nach Fertigstellung werden die Schlüssel für die Verteidigungsanlagen
in den jeweiligen Rathäusern deponiert.
Im September ist das Wetter bei uns
nochmal schön, wenn auch schon frisch. Der Rest des Jahres brachte viel mehr
Regen als zeitgemäß.
Am 3.
September erfolgen die Kriegserklärungen von England und Frankreich nach
Fortsetzung der Kampfhandlungen in Polen.
Die Nationalsozialisten bedienen sich nun auch verstärkt des neuen Mediums
Rundfunk. Ein wesentliches Instrument wird der sogenannte Volksempfänger, der
preisgünstig für 40,- RM für jeden erschwinglich angeboten wird. Nun wird
allsonntäglich zur Mittagszeit eine Rede des Führers in alle Haushalte
ausgestrahlt. Hinzu kommen noch Sondermeldungen von Erfolgen bei der
Überrumpelung der Nachbarstaaten und immer wieder schöne Melodien, die eine
heile Welt vorgauckeln.
1939/40 vollzog sich der
Jahreswechsel mit tiefen Temperaturen und einer geschlossenen Schneedecke. Am 17. Januar kam noch starker Schneefall
und eine weitere Frostverschärfung. In der Nacht zum 19. wurden -30 Grad
gemessen. In vielen Gemeinden platzten die Wasserleitungsrohre. Die Flüsse
hatten dicke Eisschichten und alle Mühlen standen still. Trotz zeitweiser
Frostabschwächung dauerte der Winter bis
Mitte März.
Für uns Kinder hatte es einen besonderen Reiz, wenn der Milchausfahrer der
"Ferschte Marie" (Fürst Maria) mit seinem Schlitten kam. Dabei war
nur das Glöckchen am Hals des Pferdes zu hören. Man ging dann mit der
Milchkanne raus zu ihm und ließ sich die Milch einfüllen.
Danach fuhr er wieder geräuschlos weiter und nur das Klingen des Glöckchens war
noch einige Zeit zu vernehmen. Diese Erlebnisse nehmen bald ihr Ende. Denn für
die Familie wird wieder ein Umzug in eine andere Wohnung nötig, da der älteste
Sohn im Haus, Rudolf Neumann
heiraten will und die Wohnung braucht. Die neue Wohnung der Familie Kempf befindet sich in einem alten
Fachwerkhaus in der Kirchgasse, im Volksmund Juddegasse genannt, jetzt Alfred
Delp Strasse. Hier ist im offenen Hof genügend Platz um die beachtliche Zahl
von Kaninchenställe zu stellen. Nur der Vorrat an Heu muß in der Scheune des
Elternhauses gelagert werden. Und nun war es die Aufgabe meines Bruders und
mir, wöchentlich ein bis zwei mal mit einem Handwagen in die Freigerichter
Strasse zu fahren um dort zwei Sack Heu zu holen.
Am 14. März kam es nachmittags zu
einem starken Gewitter, das sich über Großwelzheim zu einem Orkan entwickelt
und viel Schaden anrichtete.
Der 24. März brachte wieder ein
schönes Nordlicht.
1940 am 10. Mai beginnt der Krieg gegen die westlichen Nachbarstaaten
Deutschlands.
1940 am 17. Juni bittet eine neue französische Regierung um
Waffenstillstand.
Die durch den Militärdienst fehlenden männlichen Arbeitskräfte, werden
durch französische Kriegsgefangene ersetzt. In Alzenau wird die ehemalige
Synagoge zum Kriegsgefangenenlager.
Die Arbeitstage verbringen sie weitgehend bei Landwirten und erfahren hier in
den meisten Fällen eine Behandlung wie Familienmitglieder. Bei einigen
Töchtern, im heiratsfähigen Alter sollen sie besonders hoch in der Gunst
gestanden haben.
Hitler sucht nach der Unterwerfung des westlichen
Festlandes, einen Verständigungsfrieden mit England. Nach der Ablehnung durch
die englische Regierung, befiehlt Hitler
am 16. Juli, Pläne zur Invasion auf
die englische Kanalküste auszuarbeiten.
1940 am 13. August läßt Hitler
die lange vorbereitete Luftschlacht gegen England beginnen.
Mit 2.200 Kampf- und Jagdflugzeugen,
beginnt eine pausenlose Bombadierung von London und der englischen Luftabwehr.
Der für August geplante Seeangriff
auf die Kanalküste wird auf September
verschoben.
Am 21. September wird die Invasion
auf die englische Kanalküste erneut verschoben. Inzwischen sind beim Luftkampf
mit England mehr als 1.000 deutsche
Flugzeuge abgeschossen worden.
Trotz eines kühlen und nassen Sommers, konnte eine gute Kartoffel und
Rübenernte eingebracht werden.
Am 12. Oktober wird die unter dem
Titel "Seelöwe" vorbereitete Invasion auf die englische Kanalküste
auf unbestimmte Zeit verschoben.
Am 12. November versucht Hitler den russischen Volkskommissar Molotow für einen Beitritt Russlands in
den Dreimächtepakt ( Deutschland, Italien und Japan) zu gewinnen.
Die Verhandlungen enden ergebnislos. Mißtrauig geworden verstärkt Rußland sein
Militär an der polnisch-deutschen Grenze.
Am 18. Dezember befiehlt Hitler die
Ausarbeitung eines Planes zum Angriff von Rußland.
Admiral Raeder, Oberbefehlshaber der
Marine, lehnt einen Krieg gegen Sowjetrußland ab.
1941 begann wieder mit viel
Schnee, doch sanken die Temperaturen nicht unter -15 Grad.
Der Winter setzte sich, mit einer einwöchigen Milderung in der zweiten
Januarhälfte, in den Februar fort.
Am 2. März kam es zu einem
Temperaturanstieg auf 18 Grad.
1941 gerät Mussolini
mit seinem Militär in Afrika in die Devensive und bittet Hitler um Waffenhilfe. Am 14.
Februar landet ein deutsches Vorauskommando in Tripolis.
Am 31. März beginnt das deutsche
Afrikakorps unter Rommel mit einer
Gegenoffensive.
Ein japanischer Angriff auf russisches Gebiet, trifft überraschend auf starke
militärische Abwehr und nötigt Japan zur Unterzeichnung eines
sowjetrussisch-japanischen Neutralitätspaktes.
Der Mai und Juni waren wieder zu kühl und naß.
Am 4. Juni stirbt Wilhelm II. in seinem Exil in den
Niederlanden.
Stalin befielt 120 Divisionen an die polnisch-russischen Grenze und beginnt mit
der Verlagerung wichtiger Industriebetriebe nach Sibierien. Außerdem veranlaßt
er die Umsiedlung der deutschstämmigen
Bewohner aus den westrussischen Gebieten, hinter den Ural.
Am 22. Juni beginnt das deutsche
Militär mit einem Überraschungsangriff gegen die Sowjetunion. Spanische
Freiwillige beteiligen sich auch an dem Feldzug.
Vom 7. Juli bis zum 13. Juli steigen die Temperaturen
täglich bis 30 Grad.
Am 13. Juli kommt eine Gewitterfront
so schnell, daß sich in Frankfurt nicht mehr alle Badegäste aus dem Freibad ans
Ufer retten können. Es kommt dabei zur Panik und einige verlieren dabei ihr
Leben. In dem kleineren Freibad in Alzenau kommen die Besucher noch ans Ufer.
Allerdings hatte sich inzwischen der Gewittersturm auch erheblich abgeschwächt.
Anfang
August haben Deutsche Truppen
Leningrad eingeschlossen. Es ist der Beginn einer dreijährigen Belagerung.
Der Spätsommer und der Herbst waren kühl.
Mitte September gab es schon Nachtfrost.
Am 3. Oktober erklärt Hitler, nach den Überraschungserfolgen
gegen die noch unzureichend organisierte Sowjetarmee, die militärische Macht
der Sowjetunion für gebrochen.
Inzwischen hatten sowohl Großbritanien, wie auch Sowjetrußland mit Amerika über
die Lieferung von Kriegsmaterial verhandelt. Außerdem erteilt der US-Präsident Roosevelt der Kriegsflotte Schießbefehl
gegen deutsche U-Boote.
Am 30. Oktober sank die
Nachttemperatur unter die Frostgrenze und Regen ging in Schnee über. In den ersten Novembertagen wuchs die
Schneedecke auf 16 cm an und
erschwerte den Bauern das Ernten der Rübenfrüchte.
Am 17. November erschießt sich Udet, der technische Leiter des
Luftwaffenministeriums. Der Anlaß war das Erkennen, daß Deutschland die
technische Entwicklung der USA nicht mithalten kann.
Am 21. November gerät der Vormarsch
der deutschen Panzerverbände, durch den Wintereinbruch an der Ostfront zum
Erliegen. An mehreren Stellen müssen eroberte Gebiete wieder aufgegeben werden.
Die Armee beginnt mit der Belagerung Moskaus.
Doch in Rußland vollzieht sich etwas für die deutsche Wehrmacht
Unvorstellbares.
Stalin hatte schon kurz nach dem
Überfall zu "Großen Vaterländischen Krieg" aufgerufen. Doch jetzt
während der Belagerungen von Leningrad und Moskau, läßt die russische Regierung
an öffentlichen Plätzen und Hauptstrassen Lautsprecher anbringen, um die
Eingeschlossenen Tag und Nacht, mit klassischer Musik ihre Bindung an die
Kultur und den Wert zum Durchhalten im Bewußtsein zu erhalten. So klang Musik
russischer Komponisten, neben Grieg oder
Bethoven durch die manchmal bitterkalten Strassenschluchten.
Fast zeitgleich hatte auch Großbritannien seinen Radiosender für Deutschland
eingerichtet und auch diese Sendungen begannen mit den Paukenschlägen der
Schiksalssymphonie von Bethoven.
Hier wurde das Medium des Hörfunks in einer Art eingesetzt, die zuvor
unvorstellbar war.( Edgar Snow: So fing es an)
Am 12. Dezember erklären Deutschland
und Italien der USA den Krieg.
Der Winter läßt die deutsche Armee erstmals die Gegenkräfte der Roten Armee
spüren.
1941/42 war der Winter sehr schneereich und zeitweise auch arg kalt. Am 27. Januar fiel die Temperatur auf -28 Grad. Bei mehr und weniger starkem
Frost kam immer noch Schnee dazu, der an manchen Stellen eine Schneehöhe bis zu
70 cm anwachsen ließ. In Alzenau lag Anfang
März noch 22 cm Schnee. Erst ab
dem 5. März brachte starker Regen die Schneemassen zum Schmelzen. Am 20. März trat die Kahl und später auch
der Main weit über die Ufer.
1942 im Frühjahr können die deutschen
Truppen wieder Offensiven an der Ostfront starten, doch stehen die Gewinne
nirgends im Verhältnis zu den Verlusten an Menschen und Material. Hauptproblem
ist die räumliche Entfernung und unzureichender Nachschub.
1942, am 28. März beginnt Großbritanien mit einem Luftangriff auf Lübeck,
die Bombadierung deutscher Städte.
Am 26. Mai wird in London ein
britisch-sowjetischer Bündnisvertrag unterzeichnet.
Am 30. und 31. Mai vernichtet die britische Luftwaffe mit ihrem
"Tausend-Bomber-Angriff" den größten Teil der Stadt Köln.
Die Gruppe um Werner von Braun
erprobt bei Peenemünde die V 1 (= Vergeltungswaffe
1) und erreicht eine Höhe von 90 km. Die V 1 war eine Art sprengstoffbeladenes Kleinflugzeug, das mit einem aufgesetzten Raketentriebwerk
beschleunigt wurde. Diese Raketenwaffe sollte in verbesserter Ausführung in den
nachfolgenden Jahren mit rund 3.000
Stück in London und Antwerpen viel Zerstörung anrichten
Die beginnenden Luftangriffe auf deutsche Städte veranlaßt eine
Verdunkelungspflicht für alle Gebäude, deren Räume bei Einbruch der Dunkelheit
beleuchtet werden. "Luftschutzwarte" gehen bei Eintritt der
Dunkelheit durch die Strassen und überwachen die Einhaltung der Vorschrift.
Luftschutzräume werden ermittelt. "Ausgebombte" aus Köln kommen auch nach
Alzenau. Mit der "Wohnraumbewirtschaftung" werden Wohnmöglichkeiten
für die "Evakuierten" ermittelt.
1942 wird das Wasserloser Schloß an die NSDAP verkauft.
In den Ostgebieten werden (Menschen-)
Vernichtungslager eingerichtet.
Der Sommer war naß und kühl.
Am 1. September beginnt der Kampf um
Stalingrad.
1942 am 25. Oktober bekommt Richard
Kempf die "Wehrwürdigkeitserklärung" und die Einberufung als
Kraftfahrer zu einem Ausbildungslager (mit dem Fernziel Nordafrika). Im Wissen,
daß es sich um eine "Bewährungskompanie" handelt, legt er seinen
Geschwistern in einem Brief nahe, daß das Elternhaus in dem Falle, daß einer
von ihnen dem Krieg zum Opfer fallen solle, der hinterbliebenen Familie als
Heimstätte dienen soll, sofern sie kein Haus ihr eigen nennen könne.
Richard Kempf hatte zwar einen Plan
für ein Haus, mit einer Angorazuchtanlage schon genehmigt bekommen. Doch konnte
er das Vorhaben nicht mehr realisieren. Bei seiner Einberufung wohnte die
Familie noch in der Kirchgasse, jetzt Alfred
Delp Strasse zur Miete.
Nach seiner Einberufung veranlaßte er noch brieflich, daß ein Bekannter, der in
der Fleischverarbeitung Erfahrung hatte, etwa 25 Angorakaninchen schlachtet und aus dem Fleisch Wurst macht.
Damit hatte unsrer Mutter weniger Arbeit mit den noch etwa 30 Kaninchen. Die Arbeit bestand bei denselben ja nicht nur aus der
Futterbeschaffung. Einmal im Monat mußten alle Ställe ausgemistet werden. Der
Mist wurde dann als Dung in den Garten gefahren. Alle drei Monate mußten die
Kaninchen die Wolle geschoren werden. Anschließend wurde sie sotiert in: 1.
Sorte mit 5 cm Mindestlänge, 2. Sorte mit 3 cm und 3. Sorte weniger lang. Hinzu
kamen noch zwei Sorten Filz mit mehr oder weniger Verschmutzung, von der
Bauchseite und den Beinen.
Nach dem Sortieren, bei dem wir gerne mithalfen, wurde die Wolle verpackt und
mit der Post zur Spinnerei geschickt. Da die hochwertige Wolle für
Fliegerkleidung kriegswichtig war, konnte unsre Mutter nur minderwertige Wolle
zur Weiterverarbeitung zurückbekommen.
1943 begann relativ mild.
Ab dem 10. Januar herrschte kaltes
Wetter, mit Nachtfrösten bis -18 Grad.
1943 am 31.
Januar muß die 6. Armee unter
General Paulus vor Stalingrad
kapitulieren.
Die USA hat inzwischen mit der
italienischen Mafia Kontakte aufgenommen, die eine Invasion allierter Truppen
erleichtern soll. Als Gegenleistung werden führende Positionen in Wirtschaft
und Politik in Aussicht gestellt.
Zu dieser Zeit hat ein Techniker in Amerika einen neuen Werkstoff für den
Schiffbau entwickelt. Den sogenannten Faserbeton. (Eternit) Um die großen
Verluste an Stahl zu vermeiden, begann man bald mit der Fertigung der
"Libertischiffe". Sie wurden speziell als "Einwegschiffe"
für die Truppenüberführung hergestellt.
1943 im März wird Richard Kempf nach
Neapel verlegt, um nach Tunis verschifft zu werden.
Am 4. April soll das Schiff
auslaufen. Sein LKW ist schon verladen. Doch während er noch in Neapel etwas
einkaufen will, kommt es zur Sprengung des mit Kriegsmaterial und Munition
vollgeladenen Schiffes. In seinem letzten Brief vergleicht er das Inferno mit
dem Untergang von Pompei. Eine Staubwolke verdunkelte den Himmel. Die gesamte
Häuserfront am Hafen war zerstört. Und Stahlplatten waren bis in die Innenstadt
geschleudert worden.
Am 6. April, seinem 35. Geburtstag, wird auch er als
vermißt gemeldet.
( Einige Monate später kommt ein verwundeter Soldat aus Dörnigheim bei den
Angehörigen von Richard Kempf zu
Besuch und überbringt die mündliche Mitteilung, daß Richard mit ihm in Gefangenschaft geraten sei. Daß er jedoch bei
einem Verwundetenaustausch, der durch das internationale Rote Kreuz zustande
kam, wegen seiner Verwundung wieder an die deutsche Wehrmacht ausgeliefert
wurde und zur Genesung nach Hause entlassen wurde. Die in englischer
Gefangenschaft, in Tunis verbliebenen Deutschen, sollten entweder nach Ägypten
oder nach Kanada gebracht werden.)
Am
13. Mai kapituliert auch die deutsch-italienische Afrikaarmee in Tunis.
Der Sommer war, von wenigen Regenfällen unterbrochen sehr schön.
Am 10. Juli beginnt die Großlandung
von britisch-amerikanischen Truppen auf Sizilien.
Am 3. bis 9. September Landung von britisch-amerikanischen Truppen auf dem
italienischen Festland.
1944 im Februar wird das mit der Atomforschung
betraute Kaiser-Wilhelm-Institut durch eine Luftmine zerstört.
Als sicheren Standort für die weitere Arbeit wird der Felsenkeller unter der
Schloßkirche von Haigerloch, in Südwürttemberg ausgewählt und sogleich mit dem
Aufbau des ersten Atomreaktors begonnen.
1944 am 7. Februar beendet Peter
Josef Trageser sein Erdendasein. Sein Vorhaben einen Apfelweinausschank zu
eröffnen hatte er nach dem Tod seines
unverehelichten Sohnes Hermann aufgegeben. Die Baumschule wurde noch einige
Jahre von seiner Gattin und der Tochter weitergeführt.
1944 Während eines Luftangriffes
kommt es zu Bombenabwürfen auf den Hahnenkamm und Alzenau. Todesopfer sind bei
einem Volltreffer auf das Wohnhaus, anstelle des ehemaligen
"Gashäuschens" zu beklagen. Die verstärkten Bombadierungen nötigten
zu besseren Schutzbauten. Nach diesem Bombenangriff eilten wir bei Fliegerslarm
in den Burgkeller (unter dem oberen Schloß).
1944, am 18. März sahen wir abends, von der Treppe der Burg den westlichen
Himmel in ein präxhtiges Rot getaucht. Dazwischen waren noch Christbaum-artige
rote Leuchtgruppen sichtbar. Da dieses Feuerwerk mit dem fernen Donner
explodierender Sprengkörper begleitet war eilten wir doch vorsichtshalber in
den Luftschutzkeller. Es war die Nacht in der Hanau zur Hölle auf Erden wurde.
Für uns Kinder war dies alles irgendwie normal. Wir gingen am nächsten Tag
wieder zur Schule und die Erwachsenen waren froh nicht davon betroffen zu
sein.
In dieser Zeit sah sich unsre Mutter zu etwas genötigt, was erst einiger
geistiger Vorarbeit bedurfte. In der Zeit seit unser Vater nicht mehr anwesend
war, mußte immer ein Bekannter das Schlachten der Kaninchen übernehmen, wenn
mal wieder ein guter Braten auf den Tisch sollte und die Nachzucht es erlaubte.
Der gute Bekannte wurde dann mit einigen Zigarren entlohnt. Doch eines Tages
sollte wieder ein Kaninchen in den Topf, doch unsre Mutter hatte keine Zigarren
im Haus, da ihre "Rauchwarenkarte" nichts mehr hergab. So sahen wir
Kinder auf einmal mit Erstaunen, wie unsre Mutter ihr Schlachtmesser und eine
Schüssel nahm und sich in Richtung der Kaninchenställe begab. Wir stellten
erstaunt fest, daß der Seppel doch noch nicht da sei? Doch da gab sich unsre
Mutter einen Ruck und verkündet uns ihre Meinung: "Da draußen im Krieg
sterben jeden Tag Männer und ich soll mich scheuen, einen Hasen zu schlachten."
Wir begleiteten sie und lernten dabei auf was man achten mußte. Das eine war
den Deliquenten nochmal zu streicheln und ihn dann mit einem kräftigen Schlag,
mit einem entsprechenden Bengel in den Nacken zu töten. Bei der weiteren Arbeit
war das Wichtigste, daß man nicht vergißt die Gallenblase von der Leber zu
trennen. Denn dies zu vergessen könnte den Braten oder die Suppe leicht
„vergällen“. Damit hatte unsre Mutter den wesentlichsten Schritt zur
Emanzipation getan und ihre letzte Abhängigkeit von männlicher Hilfe
überwunden.
Daß am 6. Juni schon allierte
Truppen an der westküste Frankreichs landeten und den Anfang vom Ende des
tausendjährigen Reiches begannen, erfuhren wir Kinder nicht.
Jetzt wurde gegen Jahresende mit dem Bau von Luftschutzstollen begonnen. Im
gesamten Ortsgebiet wurde an Hanglagen mit dem Bau begonnen. Man brachte einen
Kompressor in Position und an der Stelle für den Stolleneingang begann ein Mann
mit dem Presslufthammer, das mehr oder weniger harte Gestein auszubrechen.
Hinter demselben mußte sich eine sogenannte Eimerkette bilden. Hierzu wurden
die verpflichtet, die später in dem Stollen Schutz finden wollten. Da es nur
noch wenig arbeitsfähige Männer gab, sahen sich nun auch Beamte veranlaßt, mit
dieser unangenehmen Arbeit etwas für ihren eigenen und dem Schutz der
restlichen Bevölkerung zu tun. Im Gegensatz zu den Beamten und Angestellten,
die ihre Tätigkeit natürlich auf wenige Stunden beschränkten, da sie ja
Wichtigeres für Führer, Volk und Vaterland zu tun hatten, mußten die Frauen und
größeren Kinder in den Eimerketten, das Ausbruchmaterial wegschaffen, solange
einer vorn am Steinebrechen war. In dieser Art wurden in der Kernstadt Alzenau
Stollen ausgebrochen: Im Wingert neben der Villa Meßmer, am Hauptbahnhof (jetzt
im Bereich Getränke-Sittinger), Wagnerei Botzem ( jetzt gegenüber Modehaus
Kaiser), im Pfarrgarten, im Hauckwald unter dem Kindergarten und hinter der
ehemaligen Brauerei Stein. Hier sind noch beide Zugänge vorhanden, jedoch mit
Stahltüren gesichert. Der östlichste ist in der Steilwand rechts vom Musikhaus
Alt. Die vorgesehene Form war mit zwei Zugängen, um auch beiVerschütten eines
Zuganges noch einen Ausgang zu haben. Außerdem nötigten die hohen Verluste des
Militärs zur Aufstellung eins sogenannten Volkssturmes. Derselbe wurde
zusammengestellt aus alten, nicht mehr wehrpflichtigen und jugendlichen, noch
nicht wehrpflichtigen Männern. Die Geschäftsleute beginnen ihre Waren zu
verstecken. So lagert die Fa. Erbacher ihre
Porzellangeschirre und weitere teure Waren in Hörstein, in der Scheune der
Großeltern des Verfassers ein.
1945 begann mit Frost und Schnee.
Doch im Februar stiegen die
Temperaturen und schon bald ließ das Wetter den kommenden Frühling ahnen. Doch
die Menschen hatten keinen Blick für das Frühlingserwachen. Es kam die Zeit wo
man sich abends mit Kleidung ins Bett begab, um beim ersten Sirenenton in die
Schuhe zu schlüpfen und in den Luftschutzstollen zu eilen.
1945 im März nähern sich amerikanische Truppen der Mainlinie.
Der Ortsgruppenleiter von Alzenau befiehlt die Vorbereitung zur Verteidigung.
Der Bürgermeister weigert sich diese Anordnung weiter zu geben und flüchtet in
den Unterwald.
Wegen Befehlsverweigerung wird er vom Ortsgruppenleiter zum Tod verurteilt.
Allerdings kann das Urteil wegen Abwesenheit des Verurteilten nicht vollstreckt
werden.
In Hörstein verweigert der Bürgermeister die Herausgabe des Bunkerschlüssels.
Man droht ihn zu erschiessen, doch läßt man ihn am Leben. Auf der Gemarkung
Alzenau waren drei Bunker. Einer zwischen dem Heisserackerhof und Hörstein. Ein
weiterer oberhalb Wasserlos und der dritte hinter Michelbach in Richtung Dörsthof, links der Strasse.
Die Annäherung einer Vorhut amerikanischer Streitkräfte, die ein
Artilleriegeschütz neben der Bahnlinie am Meerhof in Stellung gebracht hatten,
nötigten die Parteioberen zur Flucht.
So erfährt der Ortsgruppenleiter nicht mehr, daß auch der Volkssturm in Alzenau
keineWaffen zur Verteidigung ergreift. Lediglich ein paar Hitlerjungen glauben,
vom Kirchberg aus, etwas gegen die anrückenden Truppen ausrichten zu können.
Die gesamte Bevölkerung hatte sich in den Felsenstollen verkrochen, nachdem
fast alle irgend ein weißes Laken aus einem straßenseitigen Fenster gehängt
hatten. Für unsre Mutter gab es das Problem, daß sie die etwa 30 Angorakaninchen mit ausreichend
Futter versorgen mußte, um sie, für die sich abzeichnende Zeit "nach dem
Krieg" zu erhalten. Während der kurzen Aufenthalte in der Wohnung, buk sie
sogar noch eine Geburtstagstorte für meinen 10. Geburtstag. Diese Torte hatte zwar nicht die Qualität unsrer
Zeit, aber mit den ersten Erdbeeren aus dem Garten sah sie gut aus. Leider
mußte ich den 26. März im Stollen
verbringen. Dabei erfuhren wir, daß auch der uns gegenüber sitzende Lehrer an
diesem Tag Geburtstag hatte. Unsre Mutter schenkte ihm ein gekochtes Ei, das er
dankend annahm. Meinen Geburtstag erwähnten wir nicht, es hätte ja eventuell
jamanden genötigt einem Knaben etwas zu schenken, dessen Vater als
ortsbekannter Regimekritiker vier Jahre seines Lebens in einem Zuchthaus verbracht
hatte. Nein, alle verhielten sich ruhig in der Erwartung, daß irgendwann der
steinzeitliche Spuk in der Höhle ein Ende nähme.
Dieser letzte Aufenthalt im engen Stollen unter dem Kindergarten, führte noch
zu einer dramatischen Szene einer Tochter mit ihrem Vater. Er hatte zwar zivile
Kleidung an, doch wie jedesmal hatte er sein Jagdgwehr mit in den Stollen
gebracht. Er hatte es unter die Sitzbank gelegt, doch es war da. Als die Lage
bedrückender wurde und sogar ein Granateneinschuß den Erdwall vor dem Eingang
traf, ohne jedoch Schaden anzurichten, begann die Tochter des
Jagdgewehrbesitzers halblaut auf ihn einzureden. Da er keine Regung von sich
gab, fiel sie schließlich vor ihm auf die Knie und beschwor ihn: "Vater
wenn Du nur einen Schuß abgiebst, dann bist Du verflucht bis in alle
Ewigkeit!" Wie er reagierte ist mir nicht mehr in Erinnerung. Aber er
schob das Gewehr wohl so weit weg, daß es auch nicht sichtbar war, als später
ein amerikanischer Offizier einen Blick in die Gruppen verängstigter Alzenauer
warf. Das Gewehr liegt vermutlich noch immer unter der Bank. Die Eingänge
wurden später verschüttet.
Inzwischen hatte der aus dem Wald zurückgekehrte Bürgermeister mit dem Kaplan,
der englisch sprechen konnte, Verbindung aufgenommen und beide gingen mit einer
weissen Fahne, als Parlamentäre erkennbar, zu den Amerikanern am Meerhof. Zum
Beweis, daß kein Militär in der Gemeinde sei, erfolgt eine Einsichtnahme in den
Luftschutzstollen. So kommt es Ende März zur kampflosen Übergabe von Alzenau an
die amerikanischen Streitkräfte.
Der Ortsgruppenleiter hat sich in der Scheune einer hessischen Nachbargemeinde
erhängt. Da dem Toten eine Bestattung auf dem alzenauer Friedhof, auf dem Berg
Welmisheim verweigert wurde, fand er seine letzte Ruhe in im Friedhof einer hessischen
Nachbargemeinde.
1945 am 22. April werden die 5 mit der Atomforschung beschäftigten Physiker, im Felsenkeller
unter Schloß Haigerloch, von 3
amerikanischen Soldaten verhaftet. ( K. A. Schenzinger: Atom)
aktualisiert: Feb 2008 (C) Werner B. Kempf