Zusammenleben
im ehemaligen "Freien Gericht vor dem Berge Welmisheim"

1945 Ende März beginnt in unsrer Heimat die sogenannte Besatzungszeit.
Fast zeitgleich mit dem Ende der Naziherrschaft, wurde Alzenau an Ostern durch ein Erdbeben erschüttert, das die Gläser in den Schränken zum Klirren brachte. Allerdings wurde dies in den Tagen des Umbruchs nur von wenigen bemerkt.
Als wir aus dem Stollen unter dem Kindergarten in das "befreite" Alzenau zurückkamen, hatte sich nicht viel verändert. Einige Häuser hatten Löcher durch Granateneinschläge, der Kater Fritz, der häufig von uns gestreichelt worden war, lag ohne Kopf an der Mauer neben der Einmündung der Kirchgasse in die Entengasse. Ein Granatsplitter hatte ihm den Kopf abgerissen. Die Granate hatte im gegenüberliegenden Haus des Heilmanns Heinrich, ein Loch in die Giebelwand geschlagen. Man nahm dies alles nur zur Kenntnis und ging nach Hause. Bei uns war alles ohne Schaden in die neue Zeit gelangt. Nur die für mich bestimmte Geburtstagstorte war verschimmelt, aber auch dies wurde nur zur Kenntnis genommen.
Nun galt es weiterzumachen. Man brauchte keine Verdunkelung mehr am Abend. An den Schaufensterscheiben, soweit sie noch vorhanden waren, verschwanden die Symbole mit den Begleitworten: "Fangt ihn den Kohlenklau" oder "Pst, Feind hört mit". Wärend bei uns die Amerikaner schon als Befreier gesehen wurden, gehen die Kampfhandlungen in Mitteldeutschland mit unverminderter Härte weiter.
Am Mühlweg wird das Burg-theater und das Haus unterhalb des Kinos von den Amerikanern beschlagnahmt. Das Privathaus wird zum sog. Happy-Haus und im Burgtheater werden jetzt Filme für die Amerikaner gezeigt.
Ende April umzingeln sowjetische Panzerverbände Berlin.
Am 25. April treffen sich bei Torgau an der Elbe sowjetische und amerikanische Heeresverbände.

Ein Hilferuf Hitlers an die 12. Armee Wenk, Berlin freizukämpfen ist unerfüllbar. Ein Versuch am 28. April wird von den sowjetischen Truppen zurückgeschlagen. Es gelingt zwar die eingeschlossene Besatzung von Potsdam zu befreien, doch geraten noch am gleichen Tag 27.000 Verteidiger Berlins in russische Gefangenschaft.
Am 30. April setzt Hitler durch Erschießen seinem Leben ein Ende, nachdem die sowjetische Armee die Reichskanzlei gänzlich eingeschlossen hatten.
Am 1. Mai meldet der deutsche Reichssender, daß Hitler im Kampf um Berlin gefallen sei.

Am 2. Mai bildet Großadmiral Dönitz in Plön eine deutsche Reichregierung und ernennt Graf Schwerin von Krosigk zum leitenden Minister.
Am gleichen Tag kapituliert Berlin. General Weidling geht mit 70.000 Soldaten und Volkssturmmännern in sowjetische Gefangenschaft.
Am 3. Mai befielt Dönitz die Einstellung des U-Boot- Krieges und Montgomery veranlasst die Einstellung der Luftangriffe auf Deutschland.
 Am gleichen Tag beginnen Kapitulationsverhandlungen im britischen Hauptquartier bei Lüneburg.

Eine Teilung Deutschlands war ursprünglich von der Alliertenkoalition (Amerika, England und Rußland) nicht vorgesehen. Doch nach dem Tod von Präsident Roosevelt am 12. April, wurde Truman zum Präsidenten der USA gewählt und er sah Rußland als Bedrohung des Kapitalismus.
Nun konnten endlich die Evakuierten aus den Großstädten wieder in ihre, häufig zerbombten Städte zurück. Doch viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten versuchten bei uns eine neue Heimat zu finden. Manche brachten unternehmerische Geschicklichkeit mit und erkannten Marktlücken, in der noch weitgehend dörflichen Gemeinde Alzenau. Zwischen der Prischoßstrasse und der Siedlungsstrasse enstand "Neu-Frankfurt". Obwohl kaum einer aus Frankfurt war. Viele waren aus den östlichen Randgebieten, des ehemals Großdeutschen Reiches. Doch wurden dort später auch Häuser von gebürtigen Alzenauern erbaut, die nun langsam die finanziellen Mittel hatten.
Hier ist wieder ein Blick zu den heimatvertriebenen Neubürgern angebracht.
Wer waren diese Leute? Sie waren alle Nachkommen von Deutschen die, meist aus Not ihre Heimat verlassen hatten und irgendwo im Osten eine Möglichkeit für ein Überleben gefunden hatten. Zum Teil waren sie schon den Kreuzrittern gefolgt, die unter dem Vorwand die Slawen zum Christentum bekehren zu müssen, die dort ansässige Bevölkerung mit Feuer und Schwert, von ihrem heidnischen Glauben und oft auch von ihren Gütern und Leben „befreiten“. Die Neusiedler fanden nur Herren, die ihnen Land zur Ansiedlung als "Wehrbauern" zur Verfügung stellten. Eine zweite Welle folgte nach dem Ende der Türkenherrschaft in den Balkanstaaten. Und eine letzte Welle folgte unter dem Nationalsozialismus, mit der Umsiedlung der Südtiroler in die Tschechischslowakei und dem verstärkten Aufbau von Rüstungsindustrie im ostdeutschen Raum. Der letztgenannte Anlaß, das Angebot von Arbeitsplätzen, veranlaßte auch junge Familien aus dem Ruhrgebiet, sich in Neubrandenburg, am Tolensesee anzusiedeln. Dort wurden U-Boote gebaut und in dem 11 km langen See erprobt. In diesem Umfeld erblickten zwei Mädchen das Licht der Welt, deren Vater aus Oberwesel und die Mutter aus Duisburg waren. Der Vater wurde schon bald nach Beginn des Rußlandfeldzuges, als Kanonier eingezogen und mußte nun mit Kanonendonner in andrer Leute Heimat eindringen. Daß dieselben sich dagegen wehrten erfuhr er bald, doch war es schon zu spät. Seine Gattin erhielt ein Eisernes Kreuz und die Mitteilung, daß ihr Mann im heldenhaften Kampf für Führer, Volk und Vaterland gefallen sei. Mit einer Hinterbliebenen- und Waisenrente für ihre Kinder mußte sie nun vorlieb nehmen. Als gelernte Schneiderin versuchte sie noch etwas dazu zu verdienen. Als nun nach Ende des Krieges auch die Brüder ihres Mannes und ihr Bruder, irgendwo in Kriegsgefangenschaft waren, versuchte sie wieder in ihre alte Heimat nach Duisburg zu kommen. Und so fuhren sie eines Tages auf einem offenen Pritschenwagen, nach Westen. Doch in Duisburg bekam sie keine Zuzugsgenehmigung und wurde mit ihren beiden Kindern nach Lüdenscheid verwiesen. Dort angekommen erhielten sie ein Zimmer. Nun gab sie ihre Kinder für einige Tage in eine Kinderverwahrstätte, um nochmal nach Neubrandenburg zurück zu fahren. Dort wollte sie einen Speditör erreichen, der zumindest einen Teil ihrer Möbel zur Bahn brächte, mit dem Bestimmungsbahnhof Lüdenscheid. Doch zuerst wurde sie nochmal verhaftet und mußte einige Tage hinter Gittern verbringen, bevor ihr geglaubt wurde, daß sie wirklich nichts rechtswidriges beabsichtigte. Den beiden fünf- und sechsjährigen Mädchen wurde die Zeit lang, bevor endlich wieder ihre Mutter erschien, um sie abzuholen. Sie konnte jedoch, in all den Wirren der ersten Monate nach dem Krieg, nur noch ein paar persönliche Dinge in die neue Heimat bringen. Der geschäftstüchtige Speditör hatte das ihm anvertraute Gut offenbar gewinnbringend verkauft. ( Die jüngere der beiden Mädchen wurde viele Jahre später die Gattin des Verfassers. Doch dazwischen lagen noch viele schwere Jahre.)
Die Verwaltung wurde neu geordnet. Verwaltungsangestellte grüßten nun alle mit "Grüß Gott". Schon bald beginnen die sogenannten "Entnazifizierungsverfahren". Ganz plötzlich tauchten ehemals hochrangige Verwaltungsbeamte, bei der Mutter des Verfassers auf und baten um ihre Bestätigung, daß sie irgendwann während der Naziherrschaft, etwas zu ihrem Wohle getan hätten. Nur einem Einzigen gab sie die gewünschte Unterschrift. Er hatte sich dafür eingesetzt, daß ihr mal ein Erholungsurlaub, nach einer sehr schweren Erkrankung gewährt wurde.
Die ganze Entnazifizierung wurde nur noch halbherzig durchgeführt, da man von amerikanischer Seite schon gleich so manche Nazis als nützlich, in der Abwehr der fiktiven Bedrohung durch den Kommunismus sah.
Alle waren plötzlich Mitläufer (des nationalsozialistischen Systems) gewesen. Da der alte Bürgermeister vorbelastet war, wurde im Mai, Johann Huth als Bürgermeister eingesetzt. Zu Johann Huth ist ein Jugenderlebnis erwähnenswert.
In der kath. Pfarrkirche war es üblich, daß der Baldachin (der Himmel) unter dem der Priester bei Prozessionen schritt, zwischen den Bankreihen im hinteren Teil der Kirche stand. Es war der Bereich unter der Balustrade der Empore, auf der sich die Orgel befand und bei Hochämtern der Kirchenchor zur Ehre Gottes seine Stimmen erschallen ließ. Wenn jedoch keine Besucher in dem Gotteshaus waren und die Meßdiener, aus welchen Anläßen auch immer in der Kirche waren, hatte es für dieselben den besonderen Reiz auf der Empore irgendwelchen Unfug anzurichten. So ergab es sich eines Tages, daß der Johann Huth sich über die Balustrade lehnte und plötzlich hoben ihn zwei andre Meßdiener, ganz unchristlich hinten hoch und er stürzte nach vorn. Doch glücklicherweise fiel er in den "Himmel" und kam ohne jede Verletzung davon. Welche Gefühle die Verursacher des Scherzes durchfuhren ist unbekannt, genau so wenig die Folgen. Doch Johann Huth blieb dies wohl in Erinnerung und er war im späteren Leben viele Jahre als Kirchendiener tätig, bevor er im hohen Alter verstarb und dann vermutlich richtig in den Himmel kam.
Langsam kommt es in den Gemeinden zur Wiederaufnahme des Vereinslebens.
Dem Spielmannszug in Michelbach wirde jedoch eine Wiederaufnahme ihrer Aktivitäten untersagt, da der Verin während der Hitlerdikdatur parteipolitisch aktiv eingebunden war.
 Schon vor dem offiziellen Ende des zweiten Weltkrieges kommt es in Aachen zur Gründung der ersten Gewerkschaft.
1945, am 9. Mai ist der Krieg offiziell beendet. Trotzdem läßt der Marinerichter Filbinger noch einen Matrosen wegen Fahnenflucht erschiessen. ( Ungeachtet dessen wird er viele Jahre später sogar nochmal Ministerpräsident in Baden-Württemberg.)  
Sogar das Wetter zeigte sich mit strahlendem Sonnenschein bei 27 Grad.
1945, am 11. Mai kommt es in Hamburg zur Gründung einer "Sozialistischen freien Gewerkschaft". Weitere Gründungen folgen auch in anderen westlichen Besatzungszonen.
Hierbei werden Einheitsgewerkschaften angestrebt, da die Erfahrungen des vorangegangenen Jahrhunderts die Schwächen von Zersplitterungen gezeigt hatten.
Der Aufbau steht nicht immer im Einklang mit den Ansichten der allierten Verwaltung.
Am 13. Mai steigt die Temperatur auf 34 Grad.
1945
am 5. Juni übernehmen die Siegermächte: Amerikaner, Engländer, Franzosen und Russen die Regierungsgewalt über das ehemalige Deutsche Reich, ohne das Saarland und die Ostgebiete jenseits von Oder und Neise.
Es erfolgt die Aufteilung in vier Besatzungszonen, wobei Frankreich einen Teil der englischen Besatzungszone übertragen wird, da es in den Vorverhandlungen der Alliertenkoalition nicht präsent war.
Auch Berlin wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Der amerikanische Präsident Truman sieht nun den Bewegungsspielraum der russischen Besatzungsmacht auch im Westen Deutschlands als Bedrohung durch den Kommunismus.
Die Übernahme der vielen militärischen Einrichtungen bei Hanau, durch das amerikanische Militär, brachte nun auch für Anwohner der umliegenden Gemeinden, die Möglichkeit dort Arbeit bei der zivilen Verwaltung zu finden. Unter anderem auch in der Depotverwaltung und hier war besonders anziehend das Lebensmitteldepot (bei Großauheim). Und hier hatte die nachfolgende Geschichte ihren Ausgangspunkt. Ein Mann aus Hörstein hatte dort eine Anstellung gefunden wo all die Kostbarkeiten ein-, aus- und umgelagert wurden, von denen viele seiner Mitbürger nur träumen konnten. So konnte er, trotz bester christlicher Erziehung, der Versuchung nicht widerstehen, von dem ungerösteten Bohnenkaffee sorgfältig verpackt, etwas an den nahen Maschendrahtzaun umzulagern, der das Depot vom angrenzenden Ackerland trennte. Das spätere Abholen, mit dem Fahrrad war nicht schwierig. Etwas schwieriger war das Zwischenlagern bis zur Weitergabe an potentielle Intressenten. Hier kam ihm ein guter Gedanke. Er zog einen Bekannten ins Vertrauen und derselbe hatte den Schlüssel, zu der ungenutzten Wilgefortiskapelle unterhalb Hörstein.
Nun fanden sie die Lösung, die Kostbarkeiten hinter dem Rücken der Heiligen auszubreiten und ihrem Schutz anheim zu geben. Daß man schon bald feststellte, daß es diese Heilige nie gegeben hat und man bei dem großen Streichkonzert in Rom, dieselbe genauso von der Liste nahm, wie den geliebten Nikolaus und einen Teil der, in Franken verehrten 14 Nothelfer, konnten die beiden nicht wissen. Während nun in sporadische Folge, hinter der Heiligen, die keine war und deshalb auch keinen Schutz gewähren konnte, weiter ein- und auslagert wurde, hatte eine Amsel die durch das Luftloch hinter dem Altar einflog, die grünen Bohnen endeckt und bediente sich manchmal. Da man aber auch im Depot von so manchem eigenartigen Schwund Kenntnis genommen hatte, hatte man die zuständigen Polizeidienststellen auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht. Und so kam eines Tages ein aufmerksamer Polizist gerade in dem Augenblick an die Rückseite der verschlossenen Kapelle, als die Amsel wieder eine grüne Kaffebohne im Schnabel hatte. Die Folge war vorausprogrammiert. Der Heiligen konnte niemand einen Vorwurf machen. Hätte man sich vorgestellt, wie Christus im "Heiligen Rock" in Trier aussah, so hätte man ihn wohl erkannt und um seinen Schutz gebeten. Doch so nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Kaffeenachlieferungen wurden gestoppt und der verlockende Arbeitsplatz jemand anderem übertragen.
Der 12. Juni brachte mehrere Gewitter und sehr viel Regen über unsre Heimat. Besonders viel Regen kam im August. Wobei es Probleme gab in Häusern die noch beschädigte Dächer hatten.
Am 6. August kommt es zum Abwurf einer Atombombe auf Hiroshima, da Japan noch immer nicht bereit ist seine Kampfhandlungen zu beenden. Die Folge sind 60.000 Tote und in der Stadt.  Zwei Tage später erfolgt ein zweiter Abwurf auf Nagasaki mit der gleichen verheerenden Wirkung.
1945 am 10. August kapituliert auch Japan, womit der 2. Weltkrieg beendet ist.
Am 14. September kommt es in Berlin zu einer Großkundgebung der SPD.
Am 18. September kam bei uns die Temperatur nochmal an die 30 Gradmarke.
Nach Kriegsende
übernimmt der Allierte Kontrollrat das Schloß in Wasserlos.
Am 29. September übernimmt Rudolf Niedental das Bürgermeisteramt in Alzenau.
Er war kleiner Fabrikant von Metallgegenständen und der SPD nahestehend, verehelicht und hatte zwei Kinder. Ein noch heute sehr verbreiteter Zuckerstreuer, mit dosierter Ausschüttmenge soll seine Erfindung sein. ( Seine Tochter verehelicht sich später in zweiter Ehe mit einem weltbekannten Glasschmuckhersteller und deren Tochter schließlich mit einem spanischen Hochadeligen.)
1945 im September wird den Angehörigen von Richard Kempf nahegelegt in das Elternhaus des vermißten Familienoberhauptes einzuziehen. Der Umzug erfolgt am 3. und 4.Oktober, bei viel Regen. Die meisten Probleme bildeten die Kaninchenställe, mit jeweils 12 "Einraumwohnungen". Sie finden ihre Aufstellung in der durch einen Brand zerstörten Scheune. Die Wohnräume im Erdgeschoß müssen erst frei gemacht werden, da sie zuletzt von einigen Damen bewohnt wurden, die dem Wohlbefinden amerikanischer Soldaten dienlich waren.
Im Obergeschoß wohnte noch die Gattin eines in russischer Gefangenschaft befindlichen Bruders von Richard Kempf mit ihren zwei Söhnen. Ihr war das muntere Treiben im Erdgeschoß nicht unangenehm, da sie dadurch manches von den Bewohnerinnen erhielt, wovon normale Bürger nur träumen konnten. Diese Zusatzeinnahmen versiegten mit dem Einzug der späteren Besitzer. Daß damit auch derjenige einzog, der später im Untergrund noch archäologische Funde bergen sollte, die bis in die Merowingerzeit zurückreichten, konnte damals noch niemand ahnen. Auch er selbst nicht.
Der Spätherbst wird dann noch ungewöhnlich mild.
1945
Am Oktober beginnt man in der Justizverwaltung, der britischen Besatzungszone das Huckepackverfahren“. Dies bedeutete, daß man aufgrund des Mangels an unbelasteten Juristen, auch je einen belasteten Juristen zuzulassen. 
1945
Am 1. November lehnt der SPD-Politiker Dr. Kurt Schumacher, in einer Rede in Kiel die Kollektivschuld und die Entindustralisierung der Deutschen ab.
Am 2. November werden noch 20 Grad gemessen.
Der Jahreswechsel war mild und fast ohne Schnee. Nur im Januar gab es wirklich Frost, der auch zu einer Eisdecke auf den Flüssen führte. Doch der Februar war wieder mild aber mit sehr viel Regen.
1946
im März findet in Hannover der erste Gewerkschaftstag statt. Wesentlichste Ergebnisse sind die Forderung nach überbetrieblicher Mitbestimmung und einem Betriebsrätegesetz.
In einer Gewerkschaftskonferenz, im August in Bielefeld, wird die Notwendigkeit von Arbeitnehmervertretern in den Aufsichts- und Kontrollorganen der Unternehmen, in gleichgewichtiger Art erkannt und zum Ziel erklärt.
Noch im gleichen Jahr übergeben die Gewerkschaften eine Denkschrift an die britische Besatzungsmacht in der sie ihre Forderung nach Mitbestimmung damit begründen, daß viele der Unternehmer, die einst Hitler mit an die Macht verholfen hatten wieder in ihren alten Funktionen tätig sind. Die Mitbestimmung wird deshalb als notwendige demokratische Sofortmaßnahme gefordert. Mit dieser Forderung haben die Gewerkschaften auch die Unterstützung der SPD und der CDU. Beide Parteien fordern die Neuordnung der deutschen Wirtschaft und die Überführung der Grundstoffindustrie in Gemeineigentum.
1946 am 7. April trennt sich die SPD Berlin vom Zentralausschuß in der sowjetischen Besatzungszone.
Am 22. April kommt es in der sowjet. Besatzunmgszone zum Zusammenschluß von KPD und SPD, als sozialistischen Einheitspartei Deutschlands SED.
Dr. Konrad Adenauer wird zum CDU-Vorsitzenden gewählt.
Der Frühling ist außergewöhnlich warm. Im April ereichen die Temperaturen mehrfach die 25 Gradmarke.
1946 einigen sich die Amerikaner und die Engländer die westlichen Besatzungszonen zum Bollwerk gegen den Kommunismus aufzubauen. Im Auftrag Trumans besucht die sog. "Braun Kommission" Deutschland und erarbeitet anschließend die Möglichkeit einer Teilung. Eingeleitet durch die „Stuttgarter Rede“ des amerikanischen Aussenministers Byrnes beginnt ein gänzlich veränderte Westpolitik. Die vorgesehene Umerziehungspolitik wurde gestoppt. Im Interesse den kapitalistischen Westen gegen den drohenden Kommunismus zu sichern, wurden viele ehemals führende Nationalsozialisten wieder in die Verwaltung integriert. Mit dem Marhallplan in Höhe von 3 Milliarden Doller und weiteren Krediten an die Besiegten im Westen wurden sie zum „Juniorpartner“ aufgebaut.
Zur Stabilisierung wird die Schaffung einer neuen Währung vorbereitet, die das alte Notgeld ersetzen soll.
Dem etwas zu feuchten Juni folgten zwei trockene und sehr warme Sommermonate. Mehrfach wurden 35 Grad gemessen.
Am 24. August wird ein Freier Gewerkschaftsbund Hessen und am 29. August der Gewerkschaftsbund Württemberg-Baden gegründet.
In der Nacht vom 20. zum 21. September tobte, nach einem Gewitter, ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 90 km/h über den Kahlgrund. Er entwurzelt Bäume und richtete Schäden an Dächern an. Ende September stiegen die Temperaturen an drei Tagen nochmal auf 25 Grad.  Als Ergänzung der noch immer mangelhaften Lebensmittelversorgung gehen viele Bewohner in die Wälder um Bucheckern und Beeren zu sammeln.
 Die Bucheckern konnte man in die Ölmühlen bringen wo daraus Öl „geschlagen“ wurde.
1946 am 17. November verkündet der US-Befehlshaber Clay die Errichtung einer gemeinsamen Verwaltung für die britische und amerikanische Besatzungszone.
1946/47 war der Winter lang, kalt und von großer Not gekennzeichnet. Er hatte bereits am 14. Dezember mit einem Kälteeinbruch, aber wenig Schnee begonnen. Nach einer Frostabschwächung zur Jahreswende, sanken die Temperaturen Anfang Januar schon wieder bis -19 Grad. Ein paar frostfreie Tage zur Monatsmitte, ließen nur kurzzeitig Hoffnung aufkommen. Nach dem 20. Januar gab es bis Ende Februar keine Erwärmung über 1 Grad am Tag.
Die kalten Winter waren die Zeit des Holzfällens im Wald und an einigen Tagen auch des Eisbrechens auf dem großen Eisteich unterhalb der Burg (jetzt Parkplatz). Die Fläche des Eisteichs gehörte zur Brauerei Stein. Sie war etwa 0,80 m eingetieft und wurde zu Winterbeginn durch einen Zulauf von der Kahl geflutet. Wenn nach einiger Zeit das Eis eine Stärke von etwa 15 cm hatte, wurde das Eis gebrochen. Dies war eine Arbeit für die Männer, überwiegend Landwirte die zu dieser Zeit weniger zu tun hatten. Von der Brauerei wurden die schweren Pferdewagen zur Verfügung gestellt. Dazu kamen noch spezielle Rutschen aus zwei eisenbeschlagenen Balken, über die dann die Eisschollen von etwa 3,50 m x 2 m auf den Wagen geschoben wurden. Die Arbeiter brachten zum Eisbrechen Äxte mit, womit sie das Eis in der richtigen Größe von der übrigen Fläche loshackten. Wenn die gehackten Rillen tief genug waren, wurde die Scholle mit einer Stange mit Eisenspitze losgedrückt und zur Rutsche gebracht. Mit vereinten Kräften wurde sie dann auf den Wagen geschafft. Sobald die erste Reihe von Schollen rausgebrochen war, gab es für die Knaben die abenteuerliche Möglichkeit eine nachfolgende Scholle als Wasserfahrzeug zur Rutsche zu bringen. Die Anwesenheit der Arbeiter brachte es mit sich, daß es keine Rangeleien gab. Alle „Anwärter“ stellten sich mit einem langen Stock an und warteten bis sie eine Scholle erhielten. Im Regelfall fanden zwei Knaben darauf Platz. Die Glücklichen stellten sich schon auf die Scholle bevor sie mit der Stange losgebrochen wurde. Es kam auch mal vor, daß ein Knabe von der Scholle rutschte und in den Teich fiel. Doch die geringe Tiefe von etwa 0,50 m hatte keine ernsthaften Folgen. Der Betroffene eilte halt nach hause und zog die nassen Sachen aus.   Je mehr Eis weggebrochen war, um so länger wurde dann die Reise. Sobald ein Wagen beladen war wurde er zum Eiskeller an der Freigerichter Strasse gebracht (jetzt Märkerstrasse). Dort wurden erneut die Rutschen angelegt, doch mit der Funktion zu Abrutschen, dies war unkompliziert. Dieses besondere Wintervergnügen dauerte allerdings nur einige Tage. Danach wurde der Eisteich wieder abgelassen. Dies geschah dorch einen Auslaß im unteren Bereich. Hierbei nutzte man den Höhenunterschied zum Zulauf, der sich oberhalb eines Wehres befand, der das meiste Wasser über einen Triebwerkskanal zu den Mühlen leitete. 
Die langen Winter brachten aber den jeweiligen Haushaltungsvorständen einige zusätzliche Aufgaben, die von Außenstehenden kaum wahrgenommen oder gar beschrieben wurden.
Die harmlosere Aufgabe war, daß er oder sie morgens früh aufstanden und im Küchenherd Feuer anzündeten. Dazu wurden am Vorabend extra "Spreiselchen" vorbereitet. Dies waren etwa fingerdicke Abschnitte von einem Holzscheit, die man neben dem Herd aufschichtete, damit sie am nachfolgenden Morgen gut trocken waren. Wenn etwa eine halbe Stunde später der Rest von der Familie aufstand, war es im Bereich am Herd, temperaturmäßig zumindest schon "überschlagen". Ein weniger großes Problem war, die kalten Nächte gut verpackt gegen den Frost zu verbringen. Am Abend wurden Ziegelsteine auf dem Kohleherd erwärmt und dann in einige Lagen Papier eingewickelt und im Rückenbereich, im Bett platziert. Wenn man später in das Nachtlager schlüpfte, schob man die wärmende Packung in den Fußbereich und schlief in wohliger Wärme ein. Im Obergeschoß unsres Hauses, gab es eine Dachstube in der ich später mein Bett stehen hatte. Die schrägen Flächen unter dem Dach waren ohne jede Wärmedämmung. Da waren nur Schilfmatten angenagelt und eine Kalkputz aufgebracht. Und wenn es draußen sehr kalt war, blieb auch im Innern die Temperatur unter der Frostgrenze. Wenn ich dann in der Frühe erwachte, hatte meine Atemluft halbkreisförmig auf dem Deckbett Rauhreif gebildet. Doch darüber machte man sich keine Gedanken. Man schlüpfte in die Kleider und ging runter in die Küche.
Zur Kleidung ist hier auch einiges anzumerken. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, war damals die Kleidung noch körpergerecht. Jeder hatte im Winter, wenn möglich ein langes Unterhemd und eine lange Unterhose. Eine Fr. von Papritz konnte damals noch nicht den Unsinn verbreiten; daß es unschicklich sei wenn Männer lange Unterhosen tragen. Man kleidete sich im Reißverschlußprinzip. Das Unterhemd, das so lang war, daß es die Blöse bedeckte, steckte man in die lange Unterhose. Von unten kamen dann lange Wollstrümpfe, die schon ab den Knöcheln über die Unterhose, bis unter die Knie hochgerollt wurden. Dann kam das Oberhemd, das ebenfalls wieder bis an den Schritt reichte und von unten kam jetzt die lange Hose bis über die Hüfte. Und als letztes kam noch ein Pullover oder Wams, über den Oberkörper. Wenn man ins Freie mußte, wurden feste Lederstiefel angezogen, die mit Fett eingeschmiert waren, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Ergänzt wurde dies noch, je nach Art der Beschäftigung im Freien, mit einer dicken Joppe und Handschuhen. In dieser Art kam man meist erkältungsfrei durch den Winter.
Die etwas seltenere Aufgabe war ganz anderer Art. Die Außentoilette, Abort oder "Plumpsklo", befand sich nicht, wie in den herrschaftlichen Häusern über einem riesigen Schacht oder gar über einem Burggraben. Sie stand neben der "Mistkaute", in der die mit Kot vermischte Einstreu der Großtiere gelagert wurde. In meisten Fällen war es in der Art ausgeführt, wie es noch immer auf manchen Grußpostkarten aus dem Alpenland dargestellt wird, mit einem herzförmigen Lichteinfall in der Türe. In dem Anwesen, in das wir nun eingezogen waren, befand sich der "Plumpsklo" im hinteren Bereich der Holzhalle. Davor war der Gänse- und darüber der Hühnerstall. Und unter diesen Ställen und dem dahinter befindlichen Raum, mit dem Loch in dem Sitz, war die Jauchegrube. Und hier wurde der Sinn des Namens Plumpsklo sogar spürbar, wenn es viel geregnet hatte. Wenn dann die Masse, die man los werden wollte, in die Jauche fiel, gab es ein Plumpsgeräusch und unmittelbar danach konnte es sein, daß man sogar eine feuchte Reaktion spürte, weil der "Jauchespiegel" hoch stand und die Grube dringend geleert werden mußte. Dies galt jedoch nicht mehr bei starkem Frost. Dann bestand nicht mehr die Gefahr einer ungewollten Befeuchtung. Aber es plumpste auch nicht. Nein nun baute sich auf der gefrorenen Oberfläche langsam ein Stalaknit auf, wie in einer Tropfsteinhöhle. Doch derselbe wuchs nicht langsam in Jahrtausenden, nein er erhöhte sich mit jedem Besuch um einige Zentimeter und wenn nicht eine Frostabschwächung, das kunstvolle Gebilde wieder in die Gesamtheit der Flüssigkeit absinken ließ, dann sah sich Haushaltungsvorstand spätestens, wenn das Zeitungspapier vom letzten Besucher schon fast die Sitzhöhe erreicht hatte, genötigt mit einem festen Werkzeug, Hacke oder ähnliches, diese Gebilde umzustoßen. Dies geschah nur selten, doch in dem langen Winter 1947 oblag diese Aufgabe unsrer Mutter. Damals teilten sich drei Familien die 6 Räume im Haus, denn die Schwester unsres Vaters, war mit ihrer Familie von Thüringen wieder zurückgekommen und wollte in die Wohnung ihrer Mutter wieder einziehen, die sie noch vor Kriegsende mit ihrem Mann und einem Sohn verlassen hatte. Nun kamen sie zu viert, eine Tochter war noch dazu gekommen. Dies bedeutete, daß wir zusammenrückten und nun 10 Personen, die alles was von ihren Delikatessen übrig war, in dem Plumpsklo zu versenken versuchten.
Am 5. März setzte Tauwetter ein. Die Flüsse traten wieder über die Ufer. In Kälberau wurde die Kahlbrücke beschädigt. Und der neue Stalaknit in unserem Plumpsklo versank im "Meer des Vergessens". Der Mangel an ausreichender Nahrung und auch an Heizmaterial, ließ damals die körperliche Widerstandskraft weitgehend schwinden. Bei den Neugeborenen stieg die Sterblichkeitsrate bis zu 30%.
1947 am 1. Januar beginnt die gemeinsame Verwaltung der "Westzonen", trotz Protest der Sowjetregierung.
1947
im Februar stellt die CDU ihr "Ahlener Programm" vor. Darin heißt es wörtlich:
"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist in staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund auf erfolgen."
Diesbezügliche Gespräche mit Unternehmern führen zu keinem Erfolg.
Am 24. März wird das Protokoll über Reparationsfrage veröffentlicht. Die Gesamtforderung der Siegermächte sind 20 Milliarden Dollar. 50% soll die UdSSR erhalten.
Im April 1947 findet in Bielefeld eine Gewerkschafterkonferenz statt. Hierbei kommt es zur Gründung vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Zum Vorsitzenden wird Hans Böckler gewählt.
Am 27. April kommt es auch in Bayern und und Südwürttemberg-Hohenzollern zur Gründung von Gewerkschaften. Und als letzter gründet sich am 2. Mai ein Allgemeiner Gewerkschaftsbund in Rheinland-Pfalz. Zu dieser Zeit haben die Gewerkschaften noch die volle Rückendeckung aller Parteien. Ihre Aufgaben sehen sie jedoch vordergründig wieder in der Linderung der Not und der sozialen Absicherung aller Berufstätigen. Ihren Aktivitäten und ständigen Kontakten zu den Besatzungsbehörden ist es zu verdanken, daß schon bald wieder die Industriebetriebe mit ihren Produktionen beginnen können. Und eine relativ geordnete Lebensmittelversorgung gewährleistet werden kann.
Die britische Besatzungsmacht wollte die im Potsdamer Abkommen der Siegermächte vereinbarte Entflechtung der Eisen- und Stahlindustrie. Hinzu kommt die vorgesehene Demontage der Kriegsanlagen und der gesamten Rüstungsindustrie. Während in der sowjetischen Besatzungszone schon eifrig demontiert wird, legen die westlichen Besatzungsmächte erst in diesem Jahr 1947 fest was demontiert werden soll. Es werden 682 Firmen aufgenommen.
Da dies die Erholung im zerbombten Deutschland verzögert hätte, ist der Gewerkschaftsbund dagegen. Er  macht sich für die Einführung der Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den großen Unternehmen stark ( hierbei wurde eine paritätische Mitbestimmung angestrebt). Mit dieser scheinbaren Sicherung gegen die Übermacht der Industrieherren, unterbleibt die Entflechtung der Industriekonzerne. Auch die Demontage wird nicht wirklich begonnen, denn die Vorbereitung der Teilung Deutschlands durch die Westmächte war schon weit gediehen.
Der Sommer 1947 wurde zum heißesten Sommer der je registriert wurde. Im Mai wurde im Kahlgrund noch vom "Gießkannenregen" gesprochen, da es jede Woche mindestens einmal zu einem Gewitterregen kam.
Doch am 26. Mai erwärmte die Sonne auf 30 Grad. Vom 1. bis zum 4.Juni stiegen die Temperaturen auf 34 Grad.
Am 5. Juni wird ein Hilfsprogramm der USA für Europa verkündet ( Marshallplan). 
Am 6. Juni verhandeln die Minister-Präsidenten  in München über eine wirtschaftliche Einheit. Die Deligierten der Ostzonen verlangen auch eine politische Einheit. Ihre Forderung wird jedoch abgelehnt.

Allerdings gab es um die Monatsmitte starke Abkühlungen in der Nacht, bis zu vereinzelten Bodenfrösten. Doch Ende Juni wurde es heiß bis 37 Grad. Am 26. und 27. Juni wurden abends um 21:30 Uhr noch 28 Grad gemessen. Im Juli gab es eine leichte Abkühlung und am 20. sogar einen ganzen Tag lang Regen, auf die ausgedorrten Felder. Doch war dies der letzte für viele Wochen. Die weiteren Julitage ließen mit 37 Grad wieder alles verdorren was sich etwas erholen wollte. In dieser Zeit mußten sich alle Tierhalter um Futter für ihr Vieh bemühen. Auch unsre Mutter mußte für die etwa 30 Kaninchen, täglich die nötige Futtermenge herbeischaffen.
Wir waren damals erstaunt, daß an einem Apfelbaum der östlich an der Abzweigung der Strasse zum Oberwald, zur Strasse zum Kirchberg (noch immer) steht, die Äpfel an der Strassenseite alle braun wurden, als wären sie am Faulen. Doch als wir einen abgefallenen mal aufnahmen, stellten wir fest, daß er gebraten war. Es waren Bratäpfel mitten im Hochsommer.
Die anhaltende Dürre führte auch zu Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung. Quellen versiegten und die Bäche und Flüsse führten nur noch wenig Wasser. Wir Kinder hatten Freude daran Fische, Krebse und Aale in der Kahl zu fangen. Da wir nichts damit anzufangen wußten entließen wir sie meist wieder in die Freiheit.
Im Spätsommer beschließen die amerikanischen und die britischen Besatzungsmächte, die Verantwortung für den Kohlebergbau wieder in deutsche Hände zu geben, jedoch unter ihrer Kontrolle.
Im Oktober stimmen 96% der Saarländer für eine wirtschaftliche Eingliederung in Frankreich, jedoch bei autonomer Verwaltung.

Der endlose Sommer dauerte noch bis Mitte Oktober. Am 9. Oktober stieg die Temperatur noch auf 25 Grad, doch vom 13. bis zum 16. sanken die Werte um 10 Grad und am 19. Oktober gab es schon Nachtfrost.
1947 am 26. November erhielt der Turnverein in Michelbach wieder die „Genehmigung zur freien sportlichen Betätigung“
die auch die Spielmannsmusik wieder erlaubte.

Der nachfolgende Winter war sehr mild und hatte nur wenige Frosttage.
Am 5. November fordern die Niederlande als Reparationen deutsche Gebietsabtretungen und Konzessionen am Kohleabbau.

Am 17. November legt Frankreich die Liste von 236 Industriebetrieben vor, die in der französischen Besatzungszone demontiert werden sollen.
Doch die Regenmengen die vom November 1947 bis Ende Februar 1948 niedergingen, waren doppelt so viel, wie normalerweise im Kahlgrund in diesem Zeitraum niedergehen. Natürlich waren auch wieder Schäden, durch Hochwässer und Wolkenbrüche zu beklagen, doch irgendwie mußte es weitergehen.   

1948 am 28. Januar nimmt, trotz Bedenken von französischer Seite, die "Bizonale Behörde" ihre Arbeit auf.
Am 20. März bricht der Kontrollrat die Verhandlungen über eine gesamtdeutsche Währungsreform mit den sowjetischen Kollegen ab. Im geheimen wurde schon die Deutsche Mark gedruckt und geprägt. 
Am 1. April erläßt die Sowjetische Besatzungsmacht verschärfte Vorschriften für den Interzonenverkehr.

Die zweite Aprilhälfte läßt die Temperaturen schon wieder auf hochsommerliche Werte bis 28 Grad ansteigen. Doch der Mai brachte viel Regen war aber warm. Eine starke Verbreitung der Kartoffelkäfer ( =Koloradokäfer, sie waren angeblich als biologische Waffe, im letzten Kriegsjahr von der amerikanischen Luftwaffe abgeworfen worden) veranlaßte die Gemeinden, die Schulklassen mit ihren Lehrern zum Absammeln der Käfer, ihrer roten Larfen und den Eiern, auf der Unterseite der Blätter, auf die Felder zu schicken. Für uns Kinder war dies eine gute Abwechslung, da es an diesen Tagen auch keine Hausaufgaben gab.
Am 1. Mai wird Michael Antoni wieder zum Bürgermeister in Alzenau gewählt. ( Im Gemeindearchiv waren alle ihn belastende Unterlagen vernichtet worden. Anderenorts blieben jedoch Briefe erhalten. So wurden nach 55 Jahren im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung, zu dem bis 1934 in Alzenau tätigen Kaplan Heckelmann, Schreiben sichtbar die seiner nochmaligen Karriere hätten hinderlich sein können. Dieselben wurden weiter oben schon zitiert.)
1948 wird die französische Besatzungszone mit der amerikanischen und britischen zusammengeschlossen und damit die Vorraussetzung für ein einheitliches Wirtschafts- und Währungssystem geschaffen.

1948, am 21. Juni kommt es für alle Bürger der westlichen Besatzungszonen zur Ausgabe von 60 DM je Person.
Das alte Geld war damit in den Westzonen entwertet. Große Barvermögen wurden 10:1 abgewertet.
Am 23. Juni wird auf Befehl der westallierten Kommandanten die DM auch in Westberlin als Zahlungsmittel eingeführt.
Die Verwaltungen der russischen Besatzungszone traf diese Währungsreform unvorbereitet. Nun hätte jeder aus dem Westen nach Berlin kommende Bürger, mit einem Sack, von im Westen wertlosen Geldes, in Ostberlin beliebig einkaufen können.
In ihrer Bedrängnis blockierten die Russen ab dem 24. Juni alle Zufahrten nach Berlin und sperrten die Zugänge von Westberlin zum Ostteil der Stadt durch einen Stacheldrahtzaun. Eine von sowjetischer Seite angestrebte Besprechung mit der amerikanischen Regierung wurde vom US-Ausenminister Marschall abgelehnt.
Die Blockade, nötigte die westlichen Besatzungsmächte zu der sogenannten Luftbrücke. Dies bedeutete, daß alle notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände nach Westberlin eingeflogen werden mußten.
Inzwischen wurden auch für die russische Besatzungszone neue Zahlungsmittel geschaffen und die Eigenständigkeit vorbereitet.
Am 1. Juli erklären die Sowjets die Viermächteverwaltung von Berlin für beendet und verlassen den Kontrollrat.

Bei uns waren über Nacht plötzlich wieder die Schaufenster voll. Auch bei dem Eisenwaren- und Geschirrhandel Erbacher wurden Sachen sichtbar, die den Einmarsch der Siegermächte in einer Scheune in Hörstein überdauert hattten.
Der Sommer war warm aber mit mehr oder weniger starken Regen und Gewitterschauern. Die Ernten fielen gut aus und sogar im Wald gab es außer den Beeren auch viele Speisepilze. Der inzwischen wieder funktionierende Rohstoffmarkt und bei dem Bedarf an Wohnraum konnten sich die bestehenden Gewerbebetriebe vergrößern und ihre Angebote erweitern. 
Am 16. August lehnen die britischen und amerikanischen Militärgouverneure den Beschluß des nordrhein-westfälischen Landtages ab, den Kohlebergbau zu sozialisieren. Außerdem wird das hessische Betriebsrätegesetz abgelehnt.
1948 kommt es zur Übergabe des Wasserloser Schlosses an Bayern.
1948/49 war der Jahreswechsel frostig, jedoch nur bis -12 Grad. Der Februar war schon sehr mild, bei vereinzelten Nachtfrösten. Der März begann im Kahlgrund mit einem Sturm bei Windgeschwindigkeiten bis 90 km/h, der viele Ziegel von den Dächern wehte und Bäume entwurzelte. Nach einem mehrtägigen Kälteeinbruch, stiegen die Temperaturen auf frühlingshafte Werte. Ende März stiegen die Temperaturen weiter und am Ostermontag, 18. April hatten sie die 30 Gradmarke erreicht.
1949 am 23. April tritt Westdeutschland Gebiete um Emmerich und Kleve, als Reparationsleistungen an die Niederlande und Luxemburg ab.
1949 am 2. Mai verhandeln die Westallierten mit den Sowjets um die Beendigung der Blockade Berlins.
1949
am 10. Mai wurde Bonn zur vorläufigen Bundeshaptstadt gewählt. Zuvor hatte sich Frankfurt am Main als  Sitz der Bundesregierung vorbereitet. Die Stadtverwaltung hatte bereits ein beeindruckendes Regierungsviertel erbauen lassen. Den herrlichen Plenarsaal hat jetzt der Hessische Rundfunk. Frankfurt galt zuvor als klarer Sieger gegenüber der Stadt Bonn. Doch den christlichen Parteien gelang es 100
Abgeordenete aus allen Fraktionen, mit insgesamt 2.000.000 DM für ihre Stimme für Bonn zu gewinnen. 

1949 am 11. Mai werden die "Korridore" von den Westzonen nach Berlin wieder freigegeben.
 Nach der ersten Hitzewelle im April folgte im Mai nochmal eine Abkühlung mit Nachtfrösten und Regen mit Schnee vermischt.
1949 vom 23. Mai bis 20. Juni findet in Paris eine Außenministerkonferenz der vier Großmächte statt, betreffend die Zukunft Deutschlands. Durch die Ablehnung der von den Sowjets geforderten gesamtdeutschen Regierung, durch die Westallierten kommt es zu keiner Einigung.  
Zeitgleich mit dem Beginn, am 23. Mai wird die Bundesrepublik Deutschland bekannt gemacht, indem das von den Länderparlamenten ratifizierte vorläufige Grundgesetz verkündet wird.
Am 30. Mai wird die russische Besatzungszone als Deutsche Demokratische Republik zum eigenen Staat erklärt.
Ein markanter Unterschied der nun geschaffenen zwei deutschen Staaten war, daß Rußland nun mit seinen Reparationsforderungen auf das flächenmäßige Drittel ( 108.000 qkm zu 245.000 qkm ), unter seinem Einfluß beschränkt wurde. Wobei sich in diesem Teil, ausser Braunkohle keine Rohstoffe und fast keine Schwerindustrie befanden. Lediglich die Veredlungsindustrie im Raum Halle, Jena, Vogtland und der Lausitz waren vorhanden und mußten sich, jetzt auf ihre östlichen Nachbarländer ausrichten. Hier kam erst noch die komplette Demontage  aller Fertigungsanlagen (und Verlagerung nach Russland) aus der DDR, als Teil der Kriegsschuldentilgung, gemäß dem Potsdamer Abkommen. Demgegenüber standen noch die Integration der „Umsiedler“, die überwiegend in dem Nordteil der DDR ihre neue Heimat gefunden hatten. Problematisch wurde es über einge Zeit, mit dem Aufbau von „Kolchosen“ auf den ehemaligen Rittergütern, durch fehlende Infrastruktur und Fachkräften für die Organisation landwirtschaftlicher Großbetreiebe.
Im Juli debattiert der bayerische Landtag über eine Beendigung der Entnazifizierung.
Der Sommer war wechselhaft aber sehr trocken. Die Ernteerträge waren dürftig. Der Schuljahrgang 1934/35 wurde entlassen und auch der Verfasser befand sich ohne Ausbildungsplatz im Land des "Wirtschaftswunders". Es gab weder eine Berufsberatung noch genügend Ausbildungsplätze. Und Berufswünsche waren Illusionen. Er bewarb sich in einem Malerbetrieb, doch hielt ihn der Inhaber für zu schwach. Die Bewerbung als Schriftsetzer in einer Druckerei war zwar erfolgreich, doch die Handwerkskammer lehnte den Lehrvertrag ab, da der Inhaber schon 70 Jahre war und der Juniorchef noch keine Meisterprüfung hatte. Nun war er wieder zu Hause. Sein älterer Bruder war inzwischen im zweiten Jahr als Gärtnerlehrling tätig.
1949 sah sich die Gemeinde Alzenau zu einem Erweiterungsbau der Schule an der Prischoßstrasse genötigt. Die alte Schule an der Burgstrasse war inzwischen Kreisberufsschule.
Im August sind die ersten Bundestagswahlen. Die nachfolgende Mandatsverteilung ist:
CDU 139, SPD 131, FDP 52, KPD 15, Bayernpartei 17, Deutsche Partei 17 und noch 11 für Splittergruppen.
Am 12. September wird Theodor Heuss (FDP) zum Bundespräsident gewählt.
Am 15. September wird Konrad Adenauer zum Bundeskanzler gewählt. 
Am 7. Oktober wird Wilhelm Pieck zum Präsidenten der DDR gewählt. Otto Grotewohl wird Ministerpräsident und Walter Ulbricht stellvertretender Ministerpräsident.
Otto Nuschke, der Vorsitzende der Ost-CDU verkündet ein Kabinett der nationalen Konzentration.
Am gleichen Tag wird die DDR-Verfassung verkündet. Darin wird Berlin als Hauptstadt der DDR bestimmt.
Unabhängig von der stets beteuerten deutsch-sowjetischen Freundschaft mußten die Bürger der DDR die gesamten Reparationsleistungen von 20 Milliarden an die Sowjetunion erbringen.
Im Gegensatz dazu hatte man in den Westzonen die Demontagen bald eingestellt. Alle Reparationsforderungen zurückgestellt und stattdessen Kredite für Wiederaufbau gegeben. Auf die Zerschlagung der Wirtschaftskonzerne wurde auch weitgehend verzichtet, im Gegensatz zu den früheren Vereinbahrungen der Siegermächte. Der mit der Marschallplanhilfe beginnende Aufschwung und der enorme Bedarf an Wohnraum und Gebrauchsgütern, bietet einen Markt für Produkte aller Art. Hinzu kommt der immense Arbeitskräftebedarf für den Wiederaufbau der zerstörten Städte.
Der besondere Status von Westberlin, inmitten der DDR, veranlaßt Konrad Adenauer zu seiner Ausblutungstheorie.
Er sieht Westberlin als "Dorn im Fleisch des Ostens" und präzisiert seine Theorie mit den Worten: "Berlin soll ein Schaufenster des Westens werden und alle arbeitsfähigen Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone zum Abwandern in den Westen verlocken. So wird in absehbarer Zeit die ganze Ostzone,wie eine reife Frucht in den Schoß des Westens fallen."
Daß dies genau 40 Jahre später sogar eintreten würde, konnte er damals nicht ahnen. Doch ist anzunehmen, daß er sich wohl im Grab noch vor Begeisterung auf die Schultern klopfte.
Zur Verfassung der Bundesrepublik ist anzumerken, daß nach § 14, Abs. 2, Eigentum dem Wohl der Allgemeinheit dienen soll. Doch wurde diese Verpflichtung in der nachfolgenden Zeit nie angesprochen. Der gegenwärtige Umgang mit großem Vermögen und Firmen, zum Nachteil großer Bevölkerungsteile, die verarmen und verelenden ist grundgesetzswidrig!
Die unterschiedliche Entwicklung der beiden deutschen Teilstaaten ist in den Zielsetzungen begründet:
Im Westen steht im Vordergrund die Befriedigung des Einzelnen, mit Gütern aller Art.

Als die Bedarfe weitgehend befriedigt waren, begann man mit Werbung für Produkte über den Bedarf hinaus, was oft zu langjähriger Verschuldung führte.
In der DDR war die kollektive Sicherung der Bevölkerung der Schwerpunkt. Dies bedeutete unter Zurückstellung individueller Wünsche, die Bereitstellung preiswerter Wohnräume und Befriedigung der Grundbedürfnisse.
Die Schaffung von Arbeitsplätzen an den Wohnorten. Die Vorgabe von Berufsausbildung entsprechend den örtlichen Arbeitsbedarfen. Diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit wurde von den Nachkriegsgenerationen als Unfreiheit bewertet. Obwohl die Sicherheit vor Arbeitslosigkeit und Verelendung von den Alten geschätzt wurde.
In der Bundesrepblik gibt es Bestrebungen einer „Remilitarisierung“.

Doch all dies kümmerte die Menschen wenig. Der Rest des Jahres verlief bei uns weiterhin trocken. Erst Ende Oktober begann es zu regnen, doch jetzt schon wieder zuviel.
Am 6. November fiel der erste Schnee.
Am 9. November wird in Paris, auf der Außenministerkonferenz von USA, Großbritanien und Frankreich, die Zugehörigkeit der Bundesrepublik Deutschland zu Westeuropa festgestellt.
Am 22. November wird im Petersberger Abkommen die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa beschlossen. 

1949/50 war die Jahreswende mild und der Verfasser hatte noch immer keinen Ausbildungsplatz. Er besuchte einmal in der Woche eine allgemeine (Berufs-)Schule.
Da kam in der zweiten Januarwoche ein ehemaliger Mitschüler und hörte von seinem Problem, ganz spontan sagte er: "Komm in die Marienhütte und lern Former, mir sind ein ganzer Haufen."
Am nachfolgenden Tag fuhr er mit seinen relativ guten Zeugnissen nach Großauheim und bewarb sich um einen Ausbildungsplatz als Former. Hier ist anzumerken, daß er in der Klasse immer einer der zwei kleinsten war und Former war ein "Schwerstarbeiterberuf". Doch dem Mann, mit dem er das Einstellungsgespräch führte, gefiel offensichtlich sein Zeugnis.
1950 am 16. Januar beginnt Werner Bernhard Kempf eine Formerausbildung in der Eisengießerei Marienhütte in Großauheim.
Am gleichen Tag wurde das Elternhaus von Richard Kempf auf die Familie Anna Kempf notariell übertragen.
Nun mußten die neuen Eigentümer die väterlichen Geschwister "ausbezahlen". 2.500 DM waren damals viel Geld. Mit dem Verkauf von einem Garten im Hauck und einem Acker bei Dettingen konnten zwei Anteile gleich ausgezahlt werden. Die anderen Onkel waren mit Ratenzahlungen einverstanden.
Im Januar herrschte durchgehend Nachtfrost.
Am 24. war ein Polarlicht zu sehen. Hier ist anzumerken, daß diese Schönheit im Winter kaum von jemanden wahrgenommen werden, da um diese Zeit jeder am wärmenden Herd sitzt oder gar schon im Bett liegt.
Am 31. Januar beginnt Regen und Tauwetter. Der Abend des 20. Februar läßt erneut ein Polarlicht sichtbar werden. Ende Februar kommt es nochmal zu einem Frosteinbruch bis zum 3. März, doch tagsüber beginnt es verstärkt zu tauen.
Anzumerken ist zum Beginn der Ausbildung des Verfassers zum Former, daß er schon kurze Zeit später Mitglied in der Industrie Gewerkschaft Metall wurde.
1950 am 1. April übernimmt der Landkreis die gewerbliche Berufschule von der Gemeinde Alzenau.
Der Frühling war wechselhaft. Doch der Juni brachte warmes Wetter. Am 16. gab es wieder einmal ein Unwetter, wobei die Bembelgleise am Hauptbahnhof 80 cm hoch mit guter Heimaterde überdeckt wurden. In Kahl schlug der Blitz in ein Trafohäuschen und brachte im ganzen Kahlgrund für mehr als 2 Stunden Stromausfall.
Am 5. Mai erklärt Rußland, nach der Rückführung von 1,9 Millionen Kriegsgefangenen, dieselbe für abgeschlossen.   
Am 25. Juni mußten mehrere Feste wegen Unwetter abgebrochen werden.
Den heftigsten Sturm des Jahres erlebten die Menschen am westlichen Spessart am 22. Juli.
Doch all diesen Unwettern zum Trotz gab es gute Ernteerträge.
Hier ist einzufügen, daß zu dieser Zeit schon die meisten Mängel der Kriegszeit behoben waren und wir uns am sogenannten Wirtschaftswunder beteiligten. Das ganze Wunder jener Zeit bestand in dem Bestreben zumindest mal den Stand der Vorkriegszeit zu erreichen. Dies bedeutete genug zu essen, eine Wohnung, einen Arbeitsplatz und eventuell noch ein Fahrrad, mit dem man zur Arbeit oder am Wochenende auch mal in die Umgebung fahren konnte.
Die Mutter des Verfassers entschloß sich, aufgrund des Preisverfalls für Angorawolle die Kaninchenzucht aufzugeben.
Ausserdem gab sie auch die Heimstrickerei auf. Die sog. Langbettmaschine und eine Rundstrickmaschine verkaufte sie an einen Intressenten aus Großauheim. Damit war die Epoche der Heimstrickereien in Alzenau beendet. In den ausgehenden 20er Jahren hatten drei Familien damit begonnen und damit über einige Jahrzehnte eine zusätzliche Einkommensquelle. 
Es war eine Zeit in der viele hoffnungsvoll in die Zukunft blickten. Wie schon ihre Väter trafen sich wieder die jungen Männer um bei einem Glas Bier oder auch Wein, über Gott, die Welt und über Frauen zu schwätzen. Einen Unterschied zu früher gab es. Zu dieser Zeit erlaubten sich manche junge Damen, die aus beruflichen Gründen zugezogen waren, an den schönen Sonntagen auch mal alleine auszugehen. Ein Ziel konnte dann das Winzerhaus im Wasserloser Schloßberg sein. Dort schenkte der Eigentümer, der Becker Richard selbst die Gläser randvoll. Der Weinausschank war sein Hobby. Den Weinberg hatte er gekauft, nachdem er mit Tief- und Strassenbau viel Geld verdiente. So kam es, daß dort eine Gruppe von Freunden ofters ihren Schoppen tranken. Einem aus der Gruppe gefiel eine junge Dame, die auch manchmal dort zu  einem Glas Wein einkehrte. Im Wissen um sein Verlangen ihre Bekanntschaft zu machen, schafften es die jungen Männer, daß sie die von ihm verehrte junge Dame allein an einem Tisch in der Winzerstube antrafen. Höflich fragten sie ob sie es gestatte, daß sie auch Platz nehmen. Da es ihr ähnlich ging wie so einigen von der Gruppe, erlaubte sie natürlich, daß die jungen Männer die Tischrunde füllten. Nach einigem Erzählen und dem Genuß der guten Tropfen vom Schloßberg, begannen sie ihre Getränke zu bezahlen und verabschiedeten sich langsam, bis nur noch der heimliche Verehrer mit der Angebeteten alleine am Tisch saß. Wie lange sie noch an diesem Nachmittag zusammen sassen ist nicht bekannte. Doch für den Rest ihres Lebens sassen sie noch oft beeinander. Die übrigen jungen Männer fanden auch auf die unterschiedlichsten Arten ihre Lebensgefährtinnen. Es war nicht mehr bedeutend wieviel sie mitbrachten. In der Zeit des „Wirtschaftwunders“ genügte eine gute Berufsausbildung als Basis für ein gemeinsames Leben.

1950 bekommt das wiederbegründete Busunternehmen Emmel und Schießl die Genehmigung für den Linienverkehr Somborn-Alzenau-Aschaffenburg,

1950 kommt es zur Revision des Besatzungsstatutes. Dies erlaubt auch selbstständige Außenpolitik.
1950 veröffentlichen die westlichen Allierten das Gesetz N.r 27 "Zur Umgestaltung des deutschen Kohlebergbaus und
  
 der Eisen- und Stahlindustrie", das die übermäßige Konzentration wirtschaftlicher Macht beseitigen und die Entwicklung eines Kriegspotentials verhindern und gleichzeitig verhüten soll, daß jemand, von dem bekannt ist oder bekannt wird, daß er die agressiven Bestrebungen der nationalsozialistischen Partei gefördert hat, in eine Stellung zurückkehrt, in der ihm Vermögens- und Kontrollrechte zustehen.
Das Bundeswirtschaftsministerium sollte eine Durchführungsverordnung ausarbeiten.
Die Gewerkschaften erfahren, daß man die Mitbestimmung bei der Eisen- und Stahlindustrie wieder abschaffen will, da sie mit der Verabschiedung des Grundgesetzes, der Kompetenz der deutschen Regierung zufallen würde. Bei den Gewerkschaften läuten die Alarmglocken.
Als im Herbst die Umsetzung des Gesetzes Nr. 27 ansteht tendiert die Regierung dazu die unter dem Einfluß der Besatzungsmächte zustande gekommene Mitbestimmung fallen zu lassen.
Am 9. Oktober legt Innenminister Gustav Heinemann ( CDU ), aus Protest gegen die Wiederbewaffnung sein Amt nieder. 

Doch die Gewerkschaften drohen mit einem Streik ab 1. Februar 1951, falls die Mitbestimmung bei Kohle und Stahl, in einer vom DGB modifizierten Form nicht angenommen würde. In mehreren Verhandlungen mit allen Zuständigen, mehrfach im Beisein von Konrad Adenauer, konnte die Gewerkschaft die Mitbestimmungsrechte der Arbeiter sichern. Der angedrohte Streik war abgewendet.
1950 im Juni kommt es im fernen Korea zu Spannungen zwischen Nord und Südkorea. Auch dieses Land ist nach seiner Befreiung von Japanischer Besatzung ein geteiltes Land. Der Norden ist kommunistisch orientiert und der Süden wird von den Amerikanern als Stützpunkt genutzt, vergleichbar Westdeutschland. Nachdem Nordkoreaner die vorgegebene Trennungslinie, den 38. Breitengrad überschritten haben, greift das amerikanische Militär ein und drängt sie wieder zurück. Nach einem nie ganz geklärten Zwischenfall, im Golf von Tonking kommt es zum "Koreakrieg".
Dieser Krieg führt zum "Korea-Boom" in der deutschen Wirtschaft.
1950 am 30. August beschließt der Gemeinderat von Alzenau den Baumbestand im Rupprich zu erhöhen und die Anlage zu einer Lehranlage umzugestalten. In den nachfolgenden Jahren machen dort große Chemiefirmen Versuche zur Ertragsteigerungen und Schädlingsbekämpfung. 

1950 am 19. September sprechen sich die Außenminister von USA, Großbritanien und Frankreich, in der Konferenz in New York, im Interesse der Veteidigung der freien Welt, für die Wiederbewaffnung von Westdeutschland aus.
Am 16. Oktober kommt es zur Einstellung des Bus- und Strassenbahnverkehrs zwischen West- und Ostberlin, nachdem eine westberliner Schaffnerin, wegen einer Straftat im Ostsektor verhaftet wurde.
Der Ministerpräsident der DDR, Grotewohl schlägt am 30. November, dem Bundeskanzler Konrad Adenauer die Bildung eines paritätischen deutschen Rates und die Vorbereitung für Wahlen zu einer gesamtdeutschen Nationalversammlung vor.
1951 begann nach einem schneereichen Dezember, mit Tauwetter. Im Januar gab es nur 6 Nächte mit Frost. Nees und Kehrer schreiben in ihrer Wetterchronik: "Der Winter 1950/51 endete mit dem 1. Januar."
Doch unabhängig von dem milden Winter erscheint ein Blick in das wesentlichste Verkehrsmittel, für die berufstätigen Bewohner aus dem Kahlgrund angebracht. Die "Bembel" wie sie liebevoll genannt wurde, begann in der Frühe ihre Fahrt in Schöllkrippen. Doch bevor es los ging, wurden im Winter außer der Lokomotive, auch in allen Personenwagen, die dort befindlichen Kohleöfen angeheizt. So fanden die Benutzer schon beim Betreten der Waggons eine "warme Stube" vor. Viele Arbeiter hatten da, aus dem Hutzel- oder dem Besengrund schon einen langen Fußweg hinter sich und nicht selten kalte Füsse. In dem Wagen rückte man dann eng zusammen und wärmte sich noch gegenseitig. Sobald die dicke Winterkleidung die "Kältestarre" verloren hatte, begann sie ihre indeviduellen Düfte zu verströmen. Bei Vielen die in der Frühe schon ihr Vieh gefüttert hatten, war dies am eindeutigen Stallgeruch zu erkennen. Bei Manchen die nur Kleinhäusler waren und die Überkleidung im ungeheizten Flur hängen hatten, roch die Jacke leicht muffig. Dazu kamen noch die eigenen Ausdünstungen, denn bei den meisten Bewohnern des Kahlgrundes und der restlichen Republik, war einmal Baden in der Woche der Höhepunkt aller Körperpflege. Und wenn man dann in Alzenau, in so einen duftgeschwängerten Waggon eintrat, wurde man von allen Gerüchen des Kahlgrundes empfangen. Es war Heimatkundeunterricht der ganz besonderen Art. Doch er festigte irgendwie auch die Widerstandskraft des Körpers.
Am 1. Februar übernimmt Konrad Adenauer das Amt des Außenministers.

Am 15. Februar wird mit der Einrichtung des Bundesgrenzschutzes begonnen.
Am 16. Februar stirbt der Gewerkschaftsführer Hans Böckler.
Im März kommt es zu mehr Frosttagen, als in den ersten zwei Monaten. Am Ostersonntag betrug die Nachmittagstemperatur 1 Grad und am Ostermontag, 26. März, fiel sogar Schnee.
Am 18. April unterzeichnen in Paris Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg einen Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion).
Am 21. Mai tritt das Mitbestimmungsgesetz für Kohle und Stahl in Kraft.

Am 26. Mai richtet ein Gewittersturm im Kahlgrund und im Kinzigtal schwere Verwüstungen an. Im Juni mußten wegen Gewitter und Sturm wieder einige Festveranstaltungen abgebrochen werden. Die Sommermonate waren relativ normal und brachten eine gute Ernte.
1951 konnte der Verfasser erstmals die zwei Seiten eines Arbeitskampfes ( Streik ) erleben.
Da er als Lehrling, auch während des mehrwöchigen Streiks, regelmäßig in die Marienhütte zur Arbeit fuhr, sah er dort wer von den Arbeitern, trotz des gewerkschaftlichen Streikaufrufes, am arbeiten war. Es waren nur wenige und ihr tun hatte, in der Gießerei, für die Arbeitgeber mehr symbolische Bedeutung als Nutzen. Als Lehrling mit viel Freizeit während der Streiktage im Betrieb, erlaubte er sich an einen der Arbeiter die Frage zu richten, warum er nicht auch streike wie all die andern? Der Ärmste unterbrach kurz seine Arbeit und begründete sein Verhalten damit, daß er eine Familie mit vier Kindern habe und einige Ratenzahlungsverpflichtungen nachkommen müsse. Den monatlichen Beitrag für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft, habe er schon lange nicht mehr zahlen können, da er jeden Pfennig brauche.
Hier wurde sichtbar, wo Menschen am schwächsten sind. Wenn man ihnen Verpflichtungen auferlegt, kann man ihnen jede Selbstbestimmung nehmen. Hierbei zeigte sich das Ungleichgewicht alle Arbeitskämpfe: Während der Arbeitgeber immer ein dickes finanzielles Polster hat und gegenenfalls sogar auf andere Arbeitswillige zurückgreifen kann, hat der Arbeiter nur seine Arbeitskraft die er an irgendjemanden verkaufen muß, um seine Grundbedürfnisse zu erhalten: Wohnung, Nahrung u.s.w.
Schon der französische Sonnenkönig soll seine ganzen Höflinge dadurch in Abhängigkeit gebracht haben, daß er einen derart aufwendigen Lebensstil vorschrieb, daß derselbe ihre gesamten Einkünfte aufsog. So mußten sie ständig um seine Gunst bemüht sein um nicht ihre Existenzgrundlage zu verlieren.
Im Juni werden in Nürnberg die Kriegsverbrecherprozesse beendet.
Am 9. Juli wird von den Westmächten der Kriegszustand mit Deutschland für beendet erklärt.
Die Regierung bereitet einen neuen Wirtschaftskurs vor. Die Form wird als soziale Marktwirtschaft bezeichnet. Der Wirtschaftsminister Erhard vertritt die Meinung: „Der Verbraucher hat es in der Hand das Preisniveau zu gestalten.“ Dies hat zur Folge, daß die Anbieter lebensnotwendiger Produkte willkürlich hohe Preise verlangen können. Lediglich das Wohnraumangebot unterliegt noch staatlicher Kontrolle. 
1951 am 23. Juli wird die Gemeinde Alzenau zur Stadt erhoben. Für die Feierlichkeiten stellte Hans Gleisner den Saal des Burg-Theaters zur Verfügung.
Im gleichen Jahr beschließt der Stadtrat die Errichtung einer dreistufigen staatlichen Mittelschule. Ein diesbezüglicher Antrag wird an das Bayerische Kultusministerium gerichtet. Der Antrag wird genehmigt, doch der Bau verzögert sich noch um 5 Jahre.
Am 25. Juli läßt der Magistrat von Ostberlin eine Grenzsperre in Berlin errichten.
Am 1. August beginnt Klaus Emmel eine kaufmännische Ausbildung in der Fa. Emmel und Schießel.

Der 30. August war mit 33 Grad, der heißeste Tag des Jahres. Auch der Herbst war noch sehr schön. Erst in der zweiten Oktoberhälfte kühlte es ab. Doch blieb auch noch der November sehr mild. Erst ab Mitte Dezember kamen winterliche Temperaturen.
1951 kommt es zur Übertragung des Wasserloser Schlosses an den Landkreis Alzenau und Nutzung als Kreiskrankenhaus.
1952 beginnt mit Südwestwinden, die am 2. Januar mit Geschwindigkeiten von 75 km/h die Schneereste zum schmelzen bringen. Die nachfolgende Zeit ist bis zum 11. Februar durch häufige Regenfälle geprägt. Die weiteren Februartage waren frostig und mit so viel Schnee, daß er manche Spessartgemeinden, zeitweise von der Außenwelt abschloß.
Nach einer Milderung im März, meldet sich der Winter am 29. nochmal mit Schnee zurück, der in höheren Lagen noch bis in die ersten Apriltage liegen bleibt.
Am 5. April beginnt ein Temperaturanstieg der an mehreren Tagen schon die 25 Gradmarke erreicht. Der Sommer wurde sehr trocken und heiß.
1952 im April kommt es in einer internationalen Wirtschaftskonferenz in Moskau zu einem Handelsabkommen zwischen Ost und West.
Der deutsche Bundestag verabschiedet ein Kapitalmarktgesetz. Dasselbe befreit die Zinserträge von öffentlichen Anleihen und Industrie von der Einkommensteuer.
In Deutschland wird durch die Wiederbewaffnung die Kluft zwischen den Teilstaaten größer.
1952
am 27. Mai wird in Paris in einem Vertrag zur Bildung einer westlichen Verteidigungsgemeinschaft die Bundesrepublik als Mitglied aufgenommen. Eine Umsetzung des Vertrages scheitert jedoch später am Widerstand Frankreichs.

Der 2. Juli war mit etwas über 39 Grad, der heißeste Tag des Jahrhunderts.
1952 müssen die Gewerkschaften einen schweren Rückschlag hinnehmen.
Das vom Kontrollrat erlassene Betriebsrätegesetz, soll durch ein deutsches ersetzt werden.
Die Gewerkschaften arbeiten einen Entwurf aus, der neben der politischen, auch die wirtschaftliche Demokratie
( Mitbestimmung in allen Wirtschaftsbereichen) anstrebt. Doch die christlichen Parteien hatten sich längst vom Ahlener Programm getrennt und die SPD wäre als Bremser diffamiert worden, wenn sie die Vorstellungen der Gewerkschaften zu sehr verteidigt hätte. Die alten Wirtschaftskapitäne waren schon wieder am Ruder und in der Politik durch ihre Lobbiisten vertreten. Einen kritischen Brief von Christian Fette, dem Nachfolger von Hans Böckler, an Konrad Adenauer, beantwortet derselbe mit dem Hinweis: "Im kommenden Jahr werden Neuwahlen stattfinden. Hier bietet sich dem Deutschen Gewerkschaftsbund eine Möglichkeit, auf dem in unsrer Verfassung vorgesehenen Wege seine Auffassung über eine einheitliche und fortschrittliche Betriebsverfassung durchzusetzen."
So wurde am 19. Juli 1952, mit 195 Stimmen dafür, 139 dagegen und 7 Enthaltungen, ein Betriebsverfassungsgesetz verabschiedet, das keine der gewerkschaftlichen Forderungen berücksichtigte.

Nach einem trockenen Sommer kommt ein ungewöhnlich nasser Herbst, der keine Bestellung der Felder mehr ermöglicht. Am 13. Oktober fielen schon vereinzelt Schneeflocken.
In Alzenau kam es am 9. November zu einer Schneedecke die sogar einige Zeit liegenblieb. 
Am 13. Dezember führte ein schwerer Strm zu großen Schäden. Bei Windgeschwindigkeiten bis 90 km/h drückte er sogar manche Fenster ein und brachte sogar Scheunen zum Einsturz.
Nach einer kurzen Temperaturabsenkung mit Schneefall am 17. Dezember, begann am 21. Regen der mit der Schneeschmelze zum größten Hochwasser des Jahrhunderts führte. Im ganzen Kahgrund, von Schöllkrippen bis Kahl mußten die Bewohner gegen die Überflutungen, mit allen Begleiterscheinungen ankämpfen. Mit den Folgeschäden war man noch lange Zeit im neuen Jahr beschäftigt. Von Weihnachtsstimmung war bei den Betroffenen kein Hauch zu spüren.
1953 begann mit Frost. Am 2. Januar begann der Schneefall und drei Tage später lagen schon über 20 cm. Die Nachttemperaturen sanken auf -10 Grad. Die Schneedecke blieb bis zum 23. Januar. Eine Milderung ließ den Schnee wegtauen, doch am Monatsende begann eine weitere Kälteperiode mit Graupel und Schnee. Hinzu kamen Grippewelle, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung erkranken ließ. Da die Kinder besonders stark betroffen waren, fiel in einigen Gemeinden sogar der Schulunterricht für mehrere Tage aus.
1953 am 30. Januar verstirbt Helene, die Witwe von Peter Josef Trageser, dem Pionier des Obstbaus im vorderen Kahlgrund. Nach ihrem Tod wird der Baumschulbetrieb aufgegeben. Durch die Veränderungen der Nachkriegszeit mit dem zunehmenden Import von Südfrüchten verlor der Obstbau langsam an Bedeutung. Später wird auch die gemeindeeigene Obstbauversuchsanlage im Rupprich aufgegeben. Damit ging eine Epoche zu Ende die ganz wesentlich von Peter Josef Trageser geprägt wurde. Bedauerlicherweise gibt es bisher noch nichts was an ihn erinnert. Es wäre angebracht die Strasse an seinem Anwesen, die bisher den nichtssagenden Namen „Zum Oberwald“ trägt, in „Peter Josef Trageser Strasse“ umzuwidmen.
Am 22. Februar war der Winter überwunden und es begann eine Schönwetterperiode, die nur von einem Regentag unterbrochen wurde. In einigen Märznächten gab es noch Frost, doch am Tag kletterten die Temperaturen auf 20 Grad.
1953 Nach Abschluß der Formerausbildung bekommen nur der Verfasser und ein weiterer "Junggeselle" von elf, die ihre Facharbeiterprüfung bestanden hatten, eine Beschäftigung in dem erlernten Beruf. Inzwischen hatte er sich größenmäßig, auch noch zu einem "normalen Menschen" entwickelt. Einige der übrigen Facharbeiter gehen als Heizer zur Bahn. Andere müssen mit geringer bezahlten Tätigkeiten zufrieden sein.
Zwischenzeitlich erkannte der Verfasser durch eine unbedeutende Anmerkung, in dem ein Jahr zuvor erschienen "Buch der Natur", von Dr. Fritz Kahn, daß man auch von klugen Männern nicht alles was sie sagen als sicher übernehmen kann. In den Hinweisen auf Aberglauben im zweiten Band, erwähnte Kahn auch das "in die Hände spucken" von Arbeitern, vor dem Zugriff an Werkzeuge. Da er selbst schon oft beim Holzhacken in die Hände gespuckt hatte und die bessere Haftung der Handflächen am glatten Stiel kannte, sah er die Unkenntnis des Verfassers in den einfachen Dingen des Lebens.
Nebenbei bildet er sich in VHS-Kursen in Zeichnen und Mathematik weiter.
1953 Der Koreakrieg-Boom war abgeflaut und das sog. Wirtschaftswunder begann empfindlich zu schwächeln. Doch die anhaltenden Bedarfe an Arbeitskräften in der Industrie, hatten es den Gewerkschaften ermöglicht, im Verlauf der Jahre immer relativ gute Lohnerhöhungen zu erreichen. Dies ermöglichte eine allgemeine Anpassung an steigende Bedürfnisse in allen Bereichen. Und nun kam nach der Sättigung der nachkriegsbedingten Mängeln, die erste große Welle der Werbung. Vertreter von allen möglichen neuen Produkten, vordergründig Haushaltsgeräte gingen von Haus zu Haus und verkauften Staubsauger, Küchenmaschinen und Haartrockenhauben. Begleitend wurde für Waschmaschinen, Kühlschränke, moderne Rundfunkgeräte und noch vieles mehr geworben. Manches erleichterte sogar das Leben. Ein großer Markt waren Verkehrsmittel für den Indevidualverkehr. Motorräder waren ein Traumziel für jeden Arbeiter, der eine etwas größere Entfernung zurückzulegen hatte. 
Im Schatten der allgemeinen Verbesserung der arbeitenden Bevölkerung, erkennen die verantwortlichen Gewerkschafter, daß sie in ihrem Einfluß immer mehr zurückgedrängt werden.
Diese neue Mobilität mit den Motorrädern hatte natürlich ihren besonderen Reiz und bot auch manchem guten Liebhaber Ansehen bei jungen Frauen. So kam es zu dieser Zeit für einen Geschäftsmann aus Alzenau zu einem erfreulichen Vergnügen, bei einem Fest im Kahlgrund. Er hatte es geschafft, daß eine nette Dorfschönheit auch einmal auf seinem Motorrad mitfahren wollte. Das schöne Wetter ermöglichte es in einer Waldlichtung eine Pause einzulegen und froh gestimmt erhörte sie schließlich sein Verlangen nach "Vertiefung" ihrer Bekanntschaft. Wohlig und entspannt fuhren sie später wieder an den Ort des Festes. Aber erst als er wieder weg war wurde ihr bewußt, daß sie noch nicht mal seinen Namen wußte. Dies war zwar noch nicht schlimm, doch peinlich wurde es nach einiger Zeit, als sie feststellen mußte, daß die allmonatliche Unpäßlichkeit ausblieb. Und noch schlimmer, daß sie auch keinem andern Mann zu dieser Zeit ihre Gunst gewährt hatte. Schließlich war es nicht mehr zu verheimlichen und ein neuer Erdenbürger erblickte das Licht der Welt. Bedauerlich nur, daß die Mutter nichts weiter von dem Erzeuger wußte, als die Tatsache, daß er ein Motorrad fuhr. Mit dem Mut einer entäuschten jungen Mutter nahm sie eine außergewöhnliche Spurensuche auf. Sie sah täglich in der Tageszeitung nach, wo ein Mann mit einem Motorrad verunglückt war und machte sich dann auf den Weg ins jeweilige Krankenhaus. Der Verursacher ihrer Spurensuche hatte den schönen Nachmittag vielleicht schon lange vergessen. Er war ein angesehener Geschäftsmann und hatte Familie. Doch dann kam der Tag an dem er mit seinem Fortbewegungsmittel verunglückte und in das Kreiskrankenhaus in Wasserlos eingeliefert wurde. Und wieder begab sich die ledige Mutter auf die Spurensuche und diesmal wurde sie fündig. Welch eine Freude bei ihr und welcher Schock für ihn!

Nun bekam das Kind endlich einen (Zahl-) Vater und er hatte außer der Nachzahlung der Alimente, auch noch die roten Ohren für die Erklärung gegenüber seiner lieben Gattin zu verkraften. Manche solcher kurzen aber lustvollen Kontakte gingen aber auch gut aus. So bemerkte eine junge Dame, nach dem Besuch einer Festveranstaltung im vorderen Kahlgrund, nach einiger Zeit, daß sich Folgen bemerkbar machten. Nach ihrem Geständnis innerhalb der Familie beschloß ihr älterer Bruder, mit ihr in der Folgezeit alle Tanzveranstaltungen in diesem Bereich zu besuchen, bis sie den Erzeuger ihres kom-menden Nachwuchses finden. Diese Strategie ging auf. Diebeiden wurden ein Ehepaar und gingen gemeinsam durchs Leben.

Ja das Leben und Zusammenleben vor dem Berg Welmisheim hatte schon Licht- und Schattenseiten.
Ein anderes mit den Motorrädern auftretendes Problem, waren die oft noch unzureichenden Strassenverhältnisse und das Unterschätzen der Gefahren. So mußten schon bald Familien, auch in Alzenau den Unfalltod von Söhnen beklagen, die eigentlich nur den Rausch der Geschwindigkeit genießen wollten. Viele der Hauptstrassen hatten erst einige Jahrzehnte zuvor, eine Fahrbahn mit Blaubasaltpflasterung erhalten (z. B. die B 8). Um diese Fahrbahnen relativ trocken zu halten, wurden sie mit einer leichten Wölbung nach beiden Seiten gepflastert. Dies ließ bei Regen das Wasser an die Fahrbahnränder ablaufen. Leider barg diese Wölbung, bei Kurven eine tötliche Gefahr. So auch in der Strasse zwischen Kälberau und Alzenau Ortsmitte.
1953 im Mai kam es vom 16. bis zum 26. zu der hochsommerlichen Temperatur von 30 Grad.
Der Sommer war sehr warm und viele Unwetter belasteten die Bevölkerung.
Im Sommer erlaubt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund, anläßlich der Bundestagswahl einen Aufruf zu veröffentlichen, der sich kritisch mit dem Betriebsverfassungsgesetz auseinandersetzt und zur Wahl einer besseren Regierung aufruft. Adenauer reagiert entrüstet, ungeachtet seines Briefes vom Vorjahr, sieht er in diesem Aufruf die Neutralitätspflicht der Gewerkschaften verletzt. Doch ungeachtet des Aufrufs und der Entrüstung von Adenauer, glaubt die Masse der allgemeine Wohlstand sei auf die gute Wirtschaftspolitik von LudwigErhard aufgebaut.
Die Bevölkerung will von der Weltpolitik und ihren Einflüssen nichts wissen und die christlichen Parteien gewinnen noch mehr an Wählerstimmen.
Am 10. Oktober wird Konrad Adenauer wieder zum Bundeskanzler gewählt.
Mit der Wiederbewaffnung kann er die Wirtschaft etwas beleben. Sowohl eine Anstellung bei der Bundeswehr, wie auch die Produktion von Rüstungsgütern bieten Beschäftigungsmöglichkeiten.

Der 2. September erreichte mit über 33 Grad den höchsten Wert des Jahres.
Am 4. Dezember wurden nochmal 17 Grad gemessen.
Ab dem 18. Dezember konnte man den kommenden Winter sehen. Starker Rauhreif setzte sich an den Bäumen fest und ließ eine Traumlandschaft entstehen.
1954 begann mit Dauerfrost. Ab dem 3. Januar fiel leichter Schnee, der bis zum 10. eine Decke bis zu 22 cm Höhe bildete. Ein kurzer Temperaturanstieg ließ jedoch den Schnee wegtauen. Am 3. Februar verschärfte sich der Frost wieder, bei starkem Nordostwind und ließ bald alle Wasserläufe erstarren. Selbst der Rhein soll in ganzer Länge eine geschlossenen Eisdecke getragen haben. Das Fehlen von Schnee ließ den Frost bis 80 cm in den Boden eindringen.
Im Februar treffen sich die Aussenminister der USA, Englands, Frankreichs und der UdSSR in Berlin und beraten über die Deutschlandfrage, den österreichischen Friedensvertrag und ein Sicherheitssystem für Europa,
Der Frühling begann sehr spät. Im April fiel nochmal Schnee der dann langsam in Regen überging. Im Sommer waren wenig schöne Tage. Nur an zwei Junitagen stieg die Temperatur auf 33 und 34 Grad. Der Juli war kühl und naß.
Am 18. Juli wird Theodor Heuss zum Bundespräsidenten gewählt.
In dieser Zeit beschäftigen sich die Forscher der chemischen Industrie mit der Frage der Ertragssteigerung in der Landwirt-schaft. Dabei entwickeln sie die Verbindung Tetrachlordibenzodioxin (TCDD). Dieses Mittel findet Verwendung zur Unkraut-vernichtung, findet jedoch bald das Interesse des amerikanischen Militärs als chemischen Kampfstoff und wird als „Entlau-bungsmittel“ über Nordvietnam versprüht. Die Folgen sind verheerend da es auch das Erbgut verändert. Der Vietnamkrieg wird aber trotzdem von Nordkorea gewonnen, da das amerikanische Militär den Verteidigungswillen und die Opferbereitschaft der Vietnamesen unterschätzt hatten. Doch unabhängig dieser dramatischen Ereignisse weit ab von Europa wird die Herstellung erst relativ spät eingestellt. Allerdings bilden sich diese Verbindungen ungewollt bei vielen chemischen Produktionsprozessen und Verbrnnungsvorgängen. So kam es zu giftigen Holzschutzmitteln, Farben, Klebstoffen und vielem mehr. Das Gift wird durch die Kraftstoffverbrennung, Müllverbrennung und anderen Vorgängen frei und belastet sogar unsre Atemluft, wenn auch nur gering. 

Vom 4. bis 24. August gab es nur einen regenfreien Tag. Auch der ganze Herbst war zu naß, doch gab es kaum Gewitter.
1954 am 11. August wurde ein Flurbereinigungsgesetz für Bayern veröffentlicht.

1954 nimmt der Deutsche Gewerkschaftsbund zur geplanten Wiederbewaffnung Stellung.
Auf einem Bundeskonkress stimmen 387 Deligierte gegen 4 Stimmen, "jeden Wehrbeitrag ab, solange nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind mit dem Ziele, eine Verständigung der Völker untereinander herbeizuführen und die Einheit Deutschlands wiederhergestellt ist." Doch finden derartige Beschlüsse keinen Adressaten mehr.

Die Gewerkschaften werden zunehmend mehr auf die soziale Absicherung der Arbeitnehmer beschränkt.
Und zunehmend weniger Arbeitnehmer erkennen ihren relativen Wohlstand, als das Ergebnis jahrzehntelangem, verbissenem Ringen um anständige Löhne und Arbeitsbedingungen.
Im Oktober wird in Paris die Bildung einer westeuropäischen Union beschlossen. Die Bundesrepublik wird in die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft ( NATO ) aufgenommen.
Am 22. Dezember beginnen Gewitter und Regen, die sich nach kurzem Nachlassen am nachfolgenden Morgen zu einem Nordweststurm mit Windgeschwindigkeiten von 90 km/h aufbauen. Sturmschäden verderben wieder bei vielen Kahlgründern die Weihnachtsstimmung.
1955 setzt sich das naßkalte Wetter fort. Mitte Januar fällt verstärkt Schnee, der jedoch bald wieder wegtaut. Am 17. Januar kommt es zu einem schweren Südweststurm im Kahlgrund. Bei Windgeschwindigkeiten bis 90 km/h kommt es zu beachtlichen Schäden. In Kahl und in Geiselbach blieben die Kirchturmuhren stehen. In Kahl hatte es die Zeiger verbogen. Der Regen und die Schneeschmelze ließen die Kahl wieder über die Ufer treten. Ende Januar kühlte es ab und bei leichtem Regen kam es zur Glatteisbildung.
Am 25. Januar erklärt die UdSSR den Kriegszustand mit Deutschland für beendet.
Ab der zweiten Februarwoche war Dauerfrost bis zum 21 März. Die tiefste Nachttemperatur wurde mit -16 Grad am 15. gemessen. Am 19. März ereignete sich durch starkes Schneetreiben bei Niedersteinbach ein tragischer Unfall. Ein Textilkaufmann aus Alzenau wollte mit seinem PKW von Strötzbach kommend die Bahngleise überqueren. Doch durch den starken Schneefall bemerkte er das Kommen der Kahlgrundbahn nicht. Beim Anprall auf der Beifahrerseite wurde sein 13-jähriger Sohn so schwer verletzt, daß er noch an der Unfallstelle starb.
Nach einem weitgehend kühlen April, stieg die Temperatur am 29. schon auf hochsommerliche Werte, und am 1. Mai wurden schon 30 Grad gemessen.
Am 1. Mai 1955 verkündet der Deutsche Gewerkschaftsbund erstmals seine Forderung nach der Fünftagewoche, bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich mit täglich 8 Stunden Arbeitszeit. Hebung des Lebensstandarts durch Erhöhung der Löhne und Gehälter für Arbeiter, Angestellte und Beamte. Und größere soziale Sicherheit.

Nachdem zu dieser Zeit eine gewisse Sättigung der Grundbedürfnisse zu spüren ist, beginnt man mit Werbung den Konsum zu steigern. Mit „Fr. Saubermann“ und „Meister Propper“ wird zur übertriebenen Hygiene aufgerufen, was sich langfristig als gesundheitsschädlich herausstellt und häufig zu Allergieen führt.
1955 am 5. Mai wird der kollektive Beistandspakt der Westeuropäischen Union unterzeichnet.

Am 8. Mai 1955 wird die Bundesrepublik offiziell in die Nato aufgenommen. 
Erster Veteidigungsminister wird Theodor Blank.

In der zweiten Maiwoche gab es wieder einen Temperaturrückgang und bis Mitte Juni gab es vereinzelt Bodenfrost.
Am 25. Juni gab es schwere Gewitter die mit mehreren Blitzeinschlägen Schrecken und auch Schäden an Gebäuden verursachten.
Der Juli entwickelte sich zu einem Monat der durch eine Abfolge von Gewittern jedes normale Leben fast unmöglich machte. Der Höhepunkt waren die Ereignisse am 22. Juli, deren ganzes Ausmaß in der Wetterchronik von Nees und Kehrer zwei ganze Seiten füllen. Der Bericht läßt erkennen, daß kaum eine Gemeinde ohne Schäden blieb. Der wohl eigenartigste Fall war das Erlebnis eines Mannes aus Geiselbach der mit seinem Motorrad zwischen Horbach und Geiselbach unterwegs war und von einem Blitz getroffen wurde.
Der Blitz traf ihn am Kopf, zertrümmerte ihm die vordere Schädeldecke und den Kiefer. Dabei wurden ihm mehrere Zähne ausgeschlagen. Seine Nase wurde verletzt und das rechte Auge wurde aus der Höhle gedrückt. In die Lampe des Motorrades brannte der Blitz noch ein Loch. Der Unfall wurde von Manöversoldaten beobachtet, die sofort Hilfe leisteten und den Bewußtlosen nach Gelnhausen ins Krankenhaus brachten. Dort behandelten die Ärzte den Verletzten, der sich im Koma befand. Nach vier Tagen erwachte er und wurde wieder gesund.
An die Ereignisse hatte er keinerlei Erinnerung. Einen tödlichen Unfall gab es in Kahl, wo ein Junge am nachfolgenden Tag eine herunterhängende Stromleitung anfaßte.
Der Rest des Jahres verlief weiterhin mit viel Regen.
Im Herbst wird eine Viermächtekonferenz in Genf vorbereitet. Die UdSSR sichert der DDR volle innen- und außenpolitische Handlungsfreiheit zu. Adenauer ruft die Westmächte auf die DDR diplomatisch nicht anzuerkennen.
Bundespräsident Heuss unterzeichnet die „Pariser Verträge“. Wodurch nun der Weg zur Wiederbewaffnung auch offiziell frei ist.
Auch die Souveränität der Bundesrepublik wird offiziell demonstriert indem die Hochkommissare der drei Westmächte zu Botschafter ihrer Staaten ernannt werden.
1956 begann wie das alte Jahr aufgehört hatte. Erst am 30. Januar setzte der Winter ein. Aber dann wurde er zu einem der strengsten des Jahrhunderts. Am 10. Februar wurde eine Nachttemperatur von -27,8 Grad gemessen. Der gesamte Verkehr war behindert. Im Bahnverkehr froren die Weichen ein und mußten von Hand gangbar gemacht werden. Die Flüsse waren mit Eis bedeckt und die Wasserleitungsrohre wurden durch den Frost gesprengt.
Am 1. März brachte starker Westwind endlich die lang ersehnte Milderung.  
Das ganze Frühjahr war kühl mit viel Niederschlägen.
1956 wurde das 1. Heimatjahrbuch veröffentlicht. Herausgeber war die „Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung und Heimatpflege des Landkreises Alzenau“. Die Leitung hatten: Landrat Dr. Heinrich Degen und Schulrat Karl Höhne. Die
Geschäftsführung hatte Lehrer Edmund Rücker aus Kahl und als Mitglieder wurden aufgeführt: Oberlehrer Lorenz Schöppner, Oberwestern. Rektor Leo Hilfenhaus, Alzenau. Lehrer Karl Amberg, Alzenau. Hauptlehrer Hermann Reinhard, Wasserlos. Lehrer Berthold Rettelbach, Königshofen. Hauptlehrer Josef Schüll, Krombach. Hauptlehrer Nik. Heimbücher, Sommerkahl. Hauptlehrer Alfons Dedio, Geiselbach. Hauptlehrer Georg Hubert, Großwelzheim. Lehrer Alfred Abel, Dettingen. Lehrer Theo Büttner, Schöllkrippen und Lehrer Ferdinand Stock, Oberwesern.
Beachtenswert sind auch die Sponsoren die zur Herausgabe beitrugen. (Die Mehrzahl der Firmen ist entweder abgewandert oder inzwischen erloschen.) Josef Schuck, Lack und Farben. Adolf Zeller & Söhne, Baugeschäft und Dampfziegelei. Otto Scharschmidt, Marzipanfabrik (am Steinbruch). Lederfabrik Ohlig (Kälberau). M.& E. Müller, Lederwarenfabrik (Kälberau). Gebr. Lippert ( Geli ) Metallwarenfabrik (Michelbach). Walter Grunert, Berufskleiderfabrik (Michelbach). Brauerei Stein (Alzenau). Georg Goldbach, Bürobedarf, Schreibwaren und Festartikel (Alzenau). Hera Großhandel, Häute, Felle und Leder. Inh. Oskar Heck (Alzenau. Heinrich Englert, Tabakwaren Großhandel (Alzenau- Hanau). Baywa Lagerhaus (Alzenau). Peter Kreßlein, Baugeschäft, Baumaterialien (Alzenau). R. Haenisch Söhne, Zigarrenfabrik (Alzenau). Valentin Kihn, Mühlenwerke (Michelbach). ÜWU (Alzenau). Heinrich Kopp, Spezialfabrik Elektrotechnischer Artikel (Alzenau). Edeka (Alzenau). Johann Pfaff, Brennmaterialien Groß- und Einzelhandel (Alzenau).   
In dieser Zeit beginnt die Motorisierung auch in der Landwirtscgaft. Eine kaum beachtete Begleiterscheinung ist die Reduzierung des Nahrungsangebotes für Sperlinge, die sich gerne von Kuhfladen und Pferdeäpfel ernährten. Eine Reduzierung von Nahrung für Meisen bringt die Chemieindustrie durch Spritzmittel gegen Insektenfrass bei Obstbäumen.  
Tramatisch wirkt das Reinigen einer Insektenvernichtungsspritze an einem Bach aus, der von den Bienen eines Imkers als Trinkstelle genutzt wurde. Sein gesamter Bestand an Bienenvölkern ging zu Grunde.

1956 wurde eine neue Berufsschule an der Burgstrasse erbaut. ( 2003 abgebrochen)
Am 1. Mai übernimmt Willi Wombacher das Amt des Bürgermeisters in Alzenau.
Im gleichen Jahr scheidet Karl Emmel, 80jährig aus der Firma Emmel und Schießl aus.

Auf Betreiben des älteren Bruders des Verfassers erwerben sie einen PKW, mit dem er dann zu seinem Arbeitsplatz in Aschaffenburg fährt. Schon nach einigen Wochen kommt es zu einem Unfall, der zu einem langen Werkstattaufenthalt des PKWs führt, da die Versicherung noch nicht auf den Neubesitzer des schuldigen Unfallgegeners umgeschrieben war.
1956 im Juni erreicht die IGMetall, mit dem "Bremer Abkommen" für alle "Metaller" die Verkürzung der Arbeitszeit auf 45 Stunden in der Woche, bei vollem Lohnausgleich.
Am 17. August kommt es zur Auflösung der KPD nachdem das Bundesverfassungsgericht dieselbe für verfassungswidrig erklärie.
Der Sommer und der Herbst waren auch weiterhin kühl und reich an Regen und Unwetter. Für die Landwirte war es ein Katastrophenjahr.
Unabhängig von dem Weltgeschehen beschließt der Verfasser ein Paddelboot zu bauen, da ein geplanter Urlaub mit dem PKW und dem älteren Bruder nicht möglich war. Auf der Suche nach geeignetem Material nimmt er drei Fahrradfelgen, holt sich aus dem nahen Sägewerk einige Latten, die er von einem Schreiner noch einmal trennen läßt und dann noch von einem Bekannten, der in der „Kunstleder“ (Degussa) arbeitet, ein 5 Meter langes und 1 Neter breites Stück Kunstleder. Die drei Fahrradfelgen teilt er mittig und hat dann 6 Spanten an denen er die Latten mit Holzschrauben befestigt. Auf der untersten Latte befestigt er noch einen „Vor-der-„ und einen „Achtersteven“, an denen er dann die übrigen Latten beidseits anschraubt. Das Aufbringen der Bootshaut aus Kunstleder machte keine Mühe. Inzwischen hatte diese Arbeit auch schon intressierte Zuschauer gefunden, Ein Freund aus der Nachbarschaft zeigte sich behilflich und sollte auch bei weiteren Bootsabenteuern beteiligt sein. Die Länge war 3,50 Meter bei 1 Meter Breite und halbrundem Querschnitt. Der „Stapellauf“ war für den nachfolgenden Sonnteg festgelegt. Um etwas Gefühl für das Fahren zu bekommen brachte der Bootsbauer mit seinem Bruder die Konstruktion in der Dämmerung an die Kahl und machten den Test auf die Tragfähigkeit. Das Ergebnis entsprach den Erwartungen und der nächste Tag konnte kommen.

Nachfolgend wurde noch ein Boot mit 4,50 Meter Länge für den Freund gebaut und schließlich noch eins mit 6 Meter Länge für den verhinderten Autofahrer. Hier ist anzumerken, daß die Kahl nur an wenigen Stellen 6 Meter breit ist. Als nach langer Zeit die Versicherung die Reparaturkosten bezahlt hatte war die Welt wieder in Ordnung. Nur mußte sich der jüngere Bruder, der auch gerne manchmal mit dem gemeinsam erworbenen Auto mitfuhr, eines Tages sagen lasse, Daß er wohl glaube, daß er, der ältere nicht alleine fahren könne! Da bemerkte er, daß der gemeinsame Besitz keine gute Lösung war. Doch stand die nächste Probe bald bevor.

Am 18. Oktober bildet Konrad Adenauer sein Kabinett um und ernennt Franz-Josef Strauß zum Verteidigungsminister.
Am 27. Oktober wird in Frankreich ein Abkommen unterzeichnet, das die Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland zum 1. Januar 1957 vorsieht.  

Ende Oktober fiel im Kahlgrund der erste Schnee. Auch der November war kühl und am 25. sank die Nachttemperatur auf -10 Grad.
Der Dezember begann wieder mit einem Temperaturanstieg bis 10 Grad.

 

Doch rechtzeitig zu Weihnachten fiel Schnee bei leichtem Frost, der über die Jahreswende anhielt.
1957 am 3. Januar trat Milderung ein und der Rest vom Winter war ein Pendeln um den Gefrierpunkt mir entsprechenden Niederschlägen.
Am 21. Januar hätte man wieder ein schönes Nordlicht sehen können. Doch zwischen 22:45 Uhr und 23:40 Uhr war kaum jemand auf der Strasse.
Dem milden Winter folgte ein warmer März und in der erst Hälfte des April standen schon die ganzen Obstbäume in voller Blüte, doch da gab es einen Temperatursturz, der vieles erfrieren ließ.
Am 12. April sprechen sich die Prof. Heisenberg und Hahn in einer offiziellen Stellungnahme gegen die Atombewaffnung aus.
Am 24. Mai läßt die Bundesregierung, durch ihren Botschafter Haas in Moskau einen Vorschlag zu gesamtdeutschen Wahlen betreffend eine Wiedervereinigung übermitteln. Erklärt darüberhinaus einen Verzicht auf Gewaltanwendung und fordert eine allgemeine kotrollierte Abrüstung.

Im Mai gab es nochmal Nachtfröste und einmal sogar noch Schneefall. Der Sommer wurde wieder sehr heiß. Am 6. Juli wurden 38 Grad gemessen. Bei Gewitter wurden wieder einige Personen vom Blitz erschlagen und eine Frau aus Strötzbach, starb nach einem Kirchgang an einem Hitzschlag. (Nees/Kehrer)
Zu dieser Zeit kam der jüngste Sohn eines Autohauses bei einem Unfall mit seinem Motorrad, in einer Kurve zwischen Kälberau und Alzenau ums Leben. Sein Mitfahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Ein zweiter junger Mann verlor sein Leben, als Motorradfahrer durch einen Auffahrunfall auf einen LKW.
1957 muß der Verfasser erstmals die Unberechenbarkeit einer Behörde kennenlernen. Er mußte die Stadtverwaltung überzeugen, daß eine Nachforderung von Baukosten für den Bürgersteig, durch einen neuen Kämmerer unberechtigt war. Den Grundstücks-besitzern (auch seiner Mutter) war einige Jahre vorher, für die kostenlose Flächenabtretung versichert worden, daß sie zum Ausgleich von den Strassenbaukosten befreit bleiben würden. Da dies jedoch nur eine mündliche Abmachung war, bedurfte es guter Argumente. Man hatte einige Jahre vorher von der damalige Freigerichter Strasse von ihrer Pflasterung mit Granitsteinen befreit und asphaltiert. Im vorderen Bereich, schon in der Kurve war die Strasse mit kleineren Blaubasaltsteinen gepflastert, wodurch sich schon viele Unfälle mit Motorrädern ereignet hatten. Einer war für den Fahrer sogar tötlich. Nun hatte man auch Bürgersteige gebaut und dafür Geländeabtretungen von den Anliegern gefordert.

1957 am 25. März kommt es zum Abschluß der "römischen Verträge", als Ausgangspunkt der EWG. Der eigentliche Grund ist die Erweiterung der Märkte für Güter aller Art. Daß damit begonnen wird, die soziale Absicherung der Arbeiter und die Sozialverpflichtung des Kapitals ( § 14, Abs. 2 des Grundgesetzes ) zu unterlaufen wird der Bevölkerung nicht bewußt.
In der KPdSU kommt es zur Entmachtung führender Politiker. Neuer Parteisekretär wird Nikita Chruschtschow.
Konrad Adenauer
besucht die Sowjetunion und bespricht mit Bulganin Regelungen betreffend die beiden deutschen Teilstaaten.
Am 3. Oktober stellt der polnische Außenminister Rapacki den Plan einer atomwaffenfreien Zone in Europa vor. 

Um die Völker (West-) Europas, nach zwei großen Kriegen, einander wieder näher zu bringen, kommt es auch zur Städtepartnerschaft von Alzenau mit St. Oedenrode in Niederlande.
Den Anfang machen ein Musikverein von St. Oedenrode und ein Gesangverein von Alzenau. Trotz einiger Vorbehalte führt der erste Besuch des niederländischen Musikvereins zu einer Welle von Begeisterung für "die Holländer" in Alzenau. Erleichtert wird der Kontakt durch die deutschen Sprachkenntnisse der meisten Gäste. Relativ gute Wohnbedingungen in der Zeit des "Wirtschaftswunders" erlauben es den meisten Gästen Privatquartiere zu bieten.
Von staatlicher (städtischer) Seite wird die Belastung der Gastgeber mit einem Geldbetrag von 10,-DM je Gast und Übernachtung unterstützt. Hier kommt es jedoch bei dem Gesangverein zu einer Entscheidung, die eine negative Langzeitwirkung hatte. Die Vergütung wurde nicht an die Gastgeber weitergegeben, sondern der Vereinskasse zugeführt.
Zu dieser Zeit müssen sich zwei hochqualifizierte Arbeiter, die den Schmelzofen in der Marienhütte bedienen, bei ihrer Forderung nach besserer Entlohnung vom Chef persönlich anhören, daß für jeden von ihnen, draußen vor dem Werktor zwei Italiener ständen, die ihre Arbeit sogar billiger machen würden. Es war die erste Welle der Anwerbung von "Gastarbeitern" die in der nachfolgenden Zeit von den Arbeitgebern, als Mittel gegen die Forderungen der Gewerkschaften eingesetzt werden.
In der zweiten Julihälfte kommt es zur Abkühlung. Und der Rest des Jahres wird witterungsmäßig wieder zur Katastrophe mit vielen Überschwemmungen.
Der September gilt als der feuchteste Monat des Jahrhunderts.

1957 Am 4. Oktober  wurde die westliche Welt von einem unerwarteten Ereignis zutiefst erschüttert. Die Sowjetunion hatte eine Aluminiumkugel von 60 cm Durchmesser, mit einem Funksender im Innern auf eine Erdumlaufbahn geschossen. Rund um den Erdball konnte man plötzlich in regelmäßigen Abständen einen leisen Piepton hören, den der "Sputnik" von sich gab. In Amerika glaubte man an eine direkte Bedrohung, durch vergleichbare, mit Atomwaffen bestückte Geräte. Und der Vatikan verteufelte den "Sputnik" als "schreckliches Spielzeug in der Hand von Menschen ohne Religion und Moral". Völlig überrascht von der Wirkung auf die westliche Welt, erkannte der sowjetische Parteichef Chruschtschow, die propagandistische Wirkung und veranlaßt den Chefkonstrukteu Koroljow zum Bau verbesserten Modellen.
1957 am 20 Oktober unternahmen Vertreter der Bayerischen Landesregierung zu einem Informationsbesuch in das Atomkraftwerk Calder Hall nach England. Im Glauben, daß die weltweit vorhandenen Energievorräte vielleicht schon in 70 Jahren erschöpft seien, wollte man sich der Nutzung der Atomenergie zuwenden. Da man in der Standortfrage für ein Versuchsatomkraftwerk, den Bereich Kahl-Großwelzheim als geeignet gefunden hatte, nahmen an dieser Reise nach England auch der Landrat Dr. Degen, der Kreisrat Englert und Bürgermeister Will von Kahl teil. Diesem Vorhaben bebegneten große Teile der Bevölkerung mit Besorgnis. Wie sich später zeigte war die Angst vor gesundheitlichen Schäden berechtigt. Außerdem wetteifern fast 70 Jahre später die Weltmächte Amerika und Russland mit Angeboten von Erdgas und die arabischen Länder mit dem Iran mit ihren noch immer kräftig sprudelnden Ölquellen.
Am 28. Oktober wird Konrad Adenauer erneut zum Kanzler gewählt. Ludwig Erhard wird Vizekanzler und Wirtschaftsminister.
1957/58 war der Jahreswechsel naßkalt. In höheren Lagen bildeten sich wiederholt Schneedecken.
Am 1. Januar tritt die Vereinbarung für den freien Markt für alle Güter, Dienstleistungen und Kapitalverkehr in den sechs Mitgliedstaaten der EWG und der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom in Kraft.
1958 war vom 20. Januar bis zum 3. Februar auch in den Tallagen eine geschlossene Schneedecke.
Im Januar bringen auch die USA ihren ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn.
Am 21. Januar beschließen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritanien die Angleichung ihrer Rüstungen.
Am 8. Februar kam es zu einem Temperaturanstieg auf 13 Grad und am 17. konnte man mit 18 Grad schon Frühlingsgefühle bekommen.
Im Gegensatz dazu begann am 8. März ein Kälteeinbruch der am 11. mit -11 Grad die niedrigste Temperatur des ganzen Winters brachte. Dieser späte Winter wurde nur vom 25. März bis zum 1. April unterbrochen. Am 2. April fiel die Nachtemperatur wieder auf -7 Grad und in der nachfolgenden Zeit bis zum 24. lag die Nachttemperatur immer unter der Frostgrenze.
Vom 19. bis 21. März findet in Straßburg die konstituierende Sitzung des Europäischen Parlaments statt.
Am 25. März wirbt Franz Josef Strauß für eine atomare Bewaffnugn der Bundeswehr.
Am 5. Mai stieg die Tagestemperatur endlich auf 25 Grad. Der Juni und Juli brachten einigemal starken Regen und Hagel, die manchmal die Bäche und Flüsse über die Ufer treten ließen. Am 1. August wurde der vordere Kahlgrund und das Freigericht von einem Orkan heimgesucht. Nach einem Gewitter entwickelte sich am Abend der Orkan vom Main kommend. Im Alzenauer Stadtwald, in Richtung Niederrodenbach brach er 12.000 Festmeter Holz um. Auf der B 8 wurden mehrere Autos durch umstürzende Bäume eingeschlossen und über die Schienen der Kahlgrundbahn waren mehrere Bäume gestürzt. Die Naturgewalten rissen Hof- und Scheunentore aus ihren Aufhängungen und hoben ganze Dächer ab. Im Freigericht wütete der Orkan am schlimmsten. Bei Somborn wurden, an der Strasse nach Gonsrod, 150 Jahre alte Ulmen mit ihrem Wurzelwerk umgedrückt. Dabei rissen sie Krater in den Boden die bis zur Fahrbahnmitte reichten. In Somborn wurde ein Bauer auf dem Feld hochgewirbelt und 20 Meter weit fortgetragen.
In Bernbach wurde sogar der Kirchturm verschoben. Etwas Vergleichbares hatte noch niemand erlebt. Um die Waldschäden bei Alzenau zu beseitigen, ließ man aus Österreich Waldarbeiter kommen, die 5 Tage mit der Aufbereitung zu tun hatten.
Im Bonner Bundestag kommt es zu heissen Debatten über die Außenpolitik.
Die Regierung vertritt die Ansicht einer starken Wiederbewaffnung, um dann aus einer ( militärisch ) starken Position heraus mit dem Ostblock zu verhandeln. Die SPD lehnt diese Politik ab und möchte den „Rapacki-Plan“ diskutieren.
Im Interesse guter Beziehungen zu Großbritanien und dem geplanten Staatsbesuch von Konrad Adenauer, einigt man sich kurz vor Reiseantritt auf die höheren Stationierungskosten füt die britische Rheinarmee.
1958 am 1. Juli beginnt in Genf eine Sachverständigen-Konferenz von Vertretern der USA, Kanada, Großbritanien, Frankreich, UdSSR, Polen, Tschechoslowakei und Rumänien.Es geht um die Einstellung von Atomwaffenversuchen und ein internationales Kontrollsystem.
1958 besucht Bundespräsident Heuss als erstes deutsches Staatsoberhaupt die USA.
Im Oktober beschließt die Bundesregierung die Eröffnung von Handelsmissionen in den Ostblockstaaten.

1958 geht Josef Schießl, der Mitbegründer des Omnibusunternehmens Emmel und Schießl in den Ruhestand. Das Unternehmen wird von Emilie Dörsching verwitwete Emmel als Alleininhaberin weitergeführt.

Im gleichen Jahr macht der Verfasser in der Fahrschule Alig einen Führerschein zum ahren eines Motorrades. Dabei sind zwei weitere Teilnehmer die auf diese Übergangszeit zur Motorisierung des Strassenverkehrs ein besonderes Licht werfen. Beachtens wert war die „Huts Emma“. Eine stattliche Bäuerin die sich entschlossen hatte vom Kuhgespann auf einen Traktor als Zugelement umzurüsten. Da es für den Erwerb dieser Klasse keinen praktischen Unterricht erforderte, kam es nachfolgend, immer zur Verkehrsberuhigung wenn die Emma durch Alzenau fuhr. Sie hatte die Technik des Hochschaltens nicht geübt und zockelte deshalb mit dem ersten Gang über die Strasse. Dies entsprach in etwa dem Tempo das zuvor ihre beiden Kühe auch brachten.
Der zweite bemerkenswerte Teinehmer hieß Walter Reinhard. Beim theoretischen Unterricht unterschied er sich nicht von den Mitschülerinnen und –schülern. Auch er brauchte der Motorradführerschein. Als der Prüfungstermin näher kam und H. Alig die Kandidaten nach der Anzahl der praktischen Fahrstunden fragte, erhielt er von Walter die Antwort: „Keine!“ Die erstaunte Feststellung, daß er so doch keine Prüfung machen könne, konterte Walter mit dem Hinweis: „Herr Alig, sie wissen doch, daß ich fahren kann. Sie haben mich schon oft gesehen!“ Der Hintegrund war, daß Walter seinem Vater in dessen Transportgeschäft unterstützte und deshalb schon lange ein Motorrad benutzte. Er bestand die Prüfung wie fast alle.
Eine Anmerkung zu den Kuhgespannen als Zugelementen ist noch angebracht.
In früheren Zeiten war es nichts besonderes, wenn eine Kuh dem Bedürfnis nach Stuhlgang nachkommen wollte und deshalb stehen blieb. Ihr Stuhlgang, der Kuhfladen war relativ weich und fiel auf den Weg ohne besondere Breitenwirkung.
Als man aber begann die Hauptstrassen zu pflastern änderte sich dies beträchtlich. Wenn jetzt ein Kuhfladen aus gut 1,5 m auf das Pflaster klatschte da spritzte es beachtlich. Und wenn es die Kuh war die am Strassenrand ging, das heißt dann stand und den Schwanz hob, mußte jeder Fußgänger versuchen möglichst viel Abstand zu gewinnen. Zu einer solchen Fluchtbewegung sah sich die Gattin des Verfassers noch zwei Jahre später veranlaßt als eine Kuh von Karl Reusing   neben der Bäckerei Reisert stehen blieb und den Schwanz hob. Den unangenehmen Folgen konnte sich die junge Fr. Kempf nur durch die Flucht auf die hohe Treppe der Bäckerei entgehen. Der Karl war der letzte der noch mit einem Kuhgespann fuhr. Im Erkennen dieser unangenehmen Begleiterscheinung erließ die Stadtverwaltung eine Verordnung zur Reinigungspflicht, was letzlich zum Ende dieser Art von Transportwesen führte. Alzenau wurde städtisch. Wenn die Emma nicht unterwegs war, fuhr man schneller. Die Emma hatte auch einen Führerschein für einen Traktor gemacht. Da sich die Prüfung aber nur auf den mündlichen Teil beschränkte, hatte sie nie das Schalten in die höheren Gänge gelernt und fuhr immer mit dem ersten Gang! Die Kühe verschwanden von den Strassen, auch die hohe Treppe an der Bäckerei Reisert verschwand bei einem Umbau. Der Verkehr wurde fließend bis man ihn ein halbes Jahrhundert später wieder auf eine Geschwindigkeitsobergrnze von 30 und in der Hanauerstrasse auf 20 Stundenkilometer reduzierte. Mit dem Fehlen der Kuhfladen fehlten auch die Spatzen auf den Strassen.

1958/59 war der Jahreswechsel von Dauerregen geprägt. Vom 9. Dezember bis zum 24. Januar gab es nur 3 Tage ohne Regen. Mit nur wenigen Tagen mit Nachtfrost im Februar, war der Frühling sehr mild und im April kletterten die Temperaturen schon über 25 Grad.
1959 im Januar besucht der stellvertretende Ministerpräsident Mikojan die USA zu politischen Gesprächen.
Chruschtschow fordert eine Gipfelkonferenz zur Beendigung des kalten Krieges. Eisenhauer macht seine Zustimmung von einer Stellungnahme Adenauers abhängig.
Am 15. Februar wird der sowjetische Friedensvertragsentwurf zurückgewiesen.

Am 18. März legt die SPD einen Plan für eine Neutralisierung von Mitteleuropa und dem Abzug aller Besatzungstruppen vor.
Am 7. April verzichtet Theodor Heuss auf eine Wiederwahl zum Bundespräsidenten.
Am 5. Juni erklärt sich Konrad Adenauer bereit als Bundespräsident zu kanditieren. Er zieht seine Kandidatur jedoch wieder zurück, als er erkennt wie gering die politische Einflußnahme eines Bundespräsidenten ist.

Am 20. April kam es zu einem Kälteeinbruch der an zwei Nächten, mit Temperaturen bis -6 Grad, sehr viel Obstbaumblüten erfrieren ließ. In manchen Gegenden war die Ernte total vernichtet. Der nachfolgende Sommer war sehr heiß und außergewöhnlich trocken.
Im Mai wird der von der SPD entworfener Plan zur Wiedevereinigung Deutschlands, von der Bundesregierung abgelehnt, da er eine Anerkennung der DDR bedeutet und die Sicherheit gefährdet (?) hätte.
Am 1. Juli wird Dr. Heinrich Lübke zum neuen Bundespräsidenten gewählt.

In diesem Jahr, im August verbrachte ich mit meinem Freund Sepp und meinem Cousin Waldemar einen Urlaub mit einer Jugendgruppe der IG Metall, an der Ostsee. Dort lernt ich meine spätere Gattin kennen. Es war die Zweitgeborene jener Kriegerwitwe, die einst nach Duisburg wollte und nach Lüdenscheid verwiesen wurde.
Zurvor hatte er mit dem Erdaushub für eine Jauchegrube, nahe beim Haus begonnen, um endlich eine Toilette mit Wasserspülung zu schaffen. Daß die bei dem Einsenken der Betonrohre störende Mauerteile, die Reste eines Viereckturmes des 1311 erwähnten Herrenhofes waren, ahnte ich noch nicht.
 Im gleichen Jahr erwarb die Stadt Alzenau das lange Zeit von der ehemaligen Brauerei Hock und später Stein, als Eisteich genutzte Gelände zwischen dem Burgberg und dem Kahlfluß gelegene Gelände, und verfüllte die Teicheintiefungen.
Bei uns ging alles seinen gewohnten Gang. Sepp Eberhardt war häufig bei uns. Seine Mutter betrieb damals einen Kiosk und hatte immer viele Gäste um sich, was keine familiäre Atmosphäre aufkommen ließ. Er hatte von einem Mitarbeiter ein Klavier erworben, bei dem sich leider nach einiger Zeit durch die ungünstigen Wohnbedingungen, einige Leimstellen lösten und das Instrument nachhaltig schädigten. Sein Elternhaus war eines der ältesten Gebäuten in unsrem Ortsteil und sah auch entsprechend aus. Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit St. Oedenrode in der Niederlande, hatte er eine junge Dame kennengelernt, die in echter Liebe zu ihm entbrannt war. Er hatte bei dem Besuch in der Partnerstadt, bei einem abendlichen Beisammensein ein Klavier entdeckt und um die Erlaubnis gebeten ein paar Takte darauf spielen zu dürfen. Aus den paar Takten wurde ein abendfüllendes Konzert. Er wurde mit viel Applaus bedacht und das Herz der jungen Dame flog ihm zu. In der nachfolgenden Zeit hatte die Post einige Liebesbriefe zu transportieren. Doch dann kam der Gegenbesuch aus der Partnerstadt und die junge Dame wollte ihren Freund endlich wiedersehen. Ihre Eltern wollten natürlich auch die Familie jenes Mannes kennenlernen, mit dem ihre Tochter gern ihr künftiges Leben teilen wollte. Das Anwesen ihrer Gastgeber grenzte mit dem Garten direkt an das elterliche Anwesen von Sepp. Doch das Wohnumfeld hätte gravierender nicht sein können. Sepp wohnte in dem uralten Anwesen, in dem sein Großvater zuletzt eine Küferei betrieben hatte. Der Wohnteil hatte niedrige Räume und die Strasse vor der Küche war, durch Auflandungen bei Starkregen höher wie der Fußboden in den Räumen des Erdgeschosses. Im Obergeschoß unter der Dachschräge hatte sich Sepp sein Zimmer zwar schön hergerichtet, doch äußerlich war alles sichtbar im Verfall. Seine Mutter mit ihrem zweiten Ehemann träumten nur von einem neuen Haus. Im Gegensatz zu diesem Haus hatten die Gastgeber der Familie seiner Freundin ein stattliches landwirtschaftliches Anwesen, mit einem relativ neuen, doppelgeschossigen Wohnhaus, das noch aufgewertet wurde durch Luxus aus dem Erbe eines reichen Verwanden. Und nun wollten die Gäste den Wohnsitz erst mal sehen, bevor sie am nachfolgenden Tag, seine Familie kennen lernen würden. Die Gastgeber machten sich lange Ausreden, bevor sie am späten Abend schließlich bereit waren die historisch intressante, aber doch ernüchternde Behausung von Sepp zu zeigen. Es war ein Schock. Am nachfolgenden Abend traf Sepp auf eine veränderte Freundin und ihre sehr zurückhaltenden Eltern. Er wußte keine Erklärung. Später erhielt er einen Brief von ihr, der ihn veranlasste sein Wohnumfeld einmal objektiv zu betrachten. Dabei erkannte er, daß er hier keine normale Lebensgefährtin finden würde. Er beschloß daraufhin in die Schweiz auszuwandern, um sich dort unbelastet eine Zukunft aufzubauen. 1960 verabschiedete sich Sepp und zog nach Neuhausen am Rhein, wo er als Feinmachaniker bei der Schweizer-Industrie-Gesellschaft seine neue Beschäftigung aufnahm. Mit seiner Abreise endete für mich auch die Gemeinsamkeit mit ihm, als Mitglied im Gesangverein Harmonia. Wir hatten über einige Jahre die herausragenden Personen bei den Faschingsveranstaltungen. Er war der Musiker mit der Fähigkeit zu komponieren und ich war der Text- und Redenschreiber. Zweimal hatten wir beinahe operettenhafte Aufführungen zusammengestellt. Nach seinem Abschied kam es noch einmal zu einem musikuntermalten Auftritt, doch dann beschränkte ich mich auf Büttenreden.
Sepp Eberhardt lernte in Neuhausen seine spätere Gattin kennen. Sie war die Tochter des früheren Bürgermeisters von Wien- Neustadt und hatte eine Ausbildung als Porzellanmalerin und Flugbegleiterin schon abgeschlossen. Sie arbeitete in einem Hotel in dem Sepp, in der Gesellschaft von Mitarbeitern, mit seiner Gitarre manchmal für gute Unterhaltung sorgte. Als er einmal seine Gitarre vergaß nahm sie dieselbe in Verwahrung um sie ihm beim nächsten Besuch wieder auszuhändigen. So vertiefte sich die Bekanntschaft und führte schließlich zur Ehe aus der ein Sohn und eine Tochter hervorgingen. Sepp lernte mit Unterstützung seiner Gattin die englische und die französische Sprache und bekam dann von der SIG die Aufgabe übertragen Verpackungsma-schinen für Lebensmittel ins Ausland zu begleiten und am Bestimmungsort die Inbetriebnahme zu überwachen. Dies bedeutete oft wochenlange Abwesenheit von seiner Familie. Seine Gattin hatte eine kleine Porzellanmalschule eröffnet und hatte so auch ein ausgefülltes Leben. 

Das alte Anwesen in dem Sepp Eberhardt aufwuchs wurde später im Rahmen der Ortsverschönerung von der Stadt übernommen.

Die Familie erhielt dafür ein Anwesen in einer anderen Strasse. Die alten Gebäude wurden abgetragen und ein kleinerer Teil mit Sträuchern und Zierpflanzen verschönt. Ein Teilbereich diente der Verbreiterung der Einfahrt in die Wilmundsheimer Strasse. Später kam anläßlich des 25jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit St. Oedenrode, in die Anlage noch eine Gedenkplatte mit den Wappen beider Städte. Die bildhauerische Gestaltung übernahm der Verfasser.
1959 dauerte das trockene und heiße Wetter noch bis zum 28. Oktober.
Im gleichen Jahr erwarb die Stadt Alzenau das lange Zeit von der ehemaligen Brauerei Hock und später Stein, als Eisteich genutzte Gelände zwischen dem Burgberg und dem Kahlfluß gelegene Gelände, und verfüllte die Teicheintiefungen.

1959 im September trifft sich Chruschtschow mit Eisenhauer in Camp David/USA, um eine Einigung zu erzielen über die Beendigung des „Kalten Krieges“ und die Deutschlandfrage.

Die USA mußten im Oktober, mit den ersten Bildern von der Mondrückseite, die von der Sonde "Lunik 3" geliefert wurden, einen erneuten Vorsprung der sowjetischen Raumfahrt hinnehmen.
Zu dieser Zeit hatte in der Marienhütte in Großauheim ein neuer Gießereimeister seine Aufgabe für die gesamte Gießerei übernommen. Er hatte eine eigenartige Körperhaltung.  Nach Meinung eines Kollegen des Verfassers, fehlte dem Meister schon ein Teil der Lunge, aufgrund einer berufsbedingten Staublunge, die durch das Einatmen von Grafitstaub (als Trennungsmittel der "Naßgußformen“ verwendet) ausgelöst wird. Dies Mitteilung machte den Verfasser nachdenklich.
Dieser Meister Ulrich war ein sehr netter Mensch von etwa 50 Jahren und mit seiner Hilfe kann der Verfasser nochmal einem alten Mann einen Herzenswunsch erfüllen. Es gab noch einen zweiten Meister, der aber nur für die Maschinenformerei und die Hilfsarbeiter zuständig war.
Nun war es 31. Oktober und ein alter Hilfsarbeiter war dabei die Schienen zu reinigen, für die Kesselwagen mit denen das flüssige Eisen, später zu den Maschinenformplätzen gefahren wurde. Er hieß Heiner Volk und war irgendwo aus dem Kahlgrund. Als er am Arbeitsbereich des Verfassers war, wurde erkennbar, daß diesem alten Mann Tränen über das Gesicht liefen. Auf die Frage was ihn denn so betrübe erzählte er, daß er ganz alleine lebe seit seine Frau im Vorjahr verstorben war. Und nun wollte er an Allerheiligen ihr Grab besuchen, doch der Meister Marx hatte ihm den Urlaub verweigert. Im Vertrauen auf den Meister Ulrich beruhigte ihn der Verfasser erst mal. Und in einem nachfolgenden Gespräch mit demselben konnte er erreichen, daß der Heiner Volk am nächsten Tag das Grab seiner Gattin besuchen konnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit erzählte er ihr, von seiner Trauer und dem Glück das ihm zuteil wurde da seine Tränen nicht unbemerkt blieben.
1959 am 19. Dezember trägt Landrat Dr. Degen die Notwendigkeit zur Einrichtung eines Realgymnasiums in Alzenau, im Kreistag vor. Das Kultusministerium stimmt dem Antrag zu.
1959/60 ist wieder sehr mild, doch gibt es eine kurze Kältewelle vom 10. bis zum 17. Januar.
Mit Temperaturen bis -20 Grad bringen diese wenigen Frosttage viel Schäden an den Hauswasserleitungen. Das nachfolgende Jahr war relativ feucht. doch trotz schlimmster Erwartungen gab es eine ziemlich gute Ernte.
Zu dieser Zeit ist die Beschäftigungssituation schon wieder schwierig und manche Bewohner versuchen in anderen Ländern eine Lebensperspektive. Einige Bekannte und Schulkollegen des Verfassers gingen in die Schweiz, nach Kanada oder Australien. Zwei Auswanderer fanden in der Schweiz berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, die ihnen in der Heimat nicht möglich gewesen wären. Hinzu kamen Lebensgefährtinnen, die ebenfalls zugewandert waren. Ein Klassenkamerad namens Richard Kihn fand als guter Turner in Kanada Anschluß in einem Sportverein und wurde sogar Teilnehmer der Olympiade 1962.

Ein andrer Alzenauer, hatte es als harter Typ, zum Führer einer Gruppe von Holzfällern geschafft. Er schickte über einige Zeit Geld zur Unterstützung seiner Mutter, doch irgendwann kam nichts mehr. Ob er einen Unfall erlitt oder auf andere Art irgendwie zu Tode kam ist unbekannt.  
1960
Beginn der Kanalisierung in Alzenau. Hierbei wird, in der jetzigen Märkerstrasse, der Oberfächenwasserkanal für den Durchfluß des Krebsbaches genutzt, aber mit einem Querschnitt von 0,50 Meter viel zu gering bemessen.
Während eines Urlaubaufenthaltes auf der Insel Hvar im damaligen Jugoslawien, lernt der Verfasser eine junge Wienerin kennen. Sowohl das Interesse an ihr, wie auch an der alten Kaiserstadt veranlaßten ihn zu einem Besuch in Wien.
Die Familie der charmanten jungen Dame bewirtschaften einige "Weingärten" und betreiben eine Heurigenwirtschaft.
Sie selbst hält sich von diesem Treiben soweit zurück, daß selbst Stammgäste kaum um ihre Existenz wußten.

Doch ungeachtet dieser Besonderheit, sieht der Verfasser auch bei den einfachsten Häusern überall Außenfenster. Bei einem diesbezüglichen Gespräch, sieht er sich der erstaunten Feststellung gegenüber: Was, ihr habt´s nur einfache Fenster?

Da frieren euch ja im Winter die Scheiben zu. Mit der Erkenntnis, daß Außenfenster, auch an seinem Elternhaus ein guter Beitrag zu mehr Behaglichkeit im Winter sein könnten und dem Wissen, daß diese schöne Wienerin keine Frau fürs Leben wäre, fährt er wieder nach Hause.
1960 am 29. und 30. Juli besprechen Adenauer und de Gaulle über Zusammenarbeit in der NATO und Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. 

1960 im Herbst verläßt der Verfasser die Eisengießerei und beginnt als Formenbauer in einem Plexiglas- verarbeitenden Kleinbetrieb in Frankfurt. Im gleichen Jahr zieht sein älterer Bruder aus und es zeichnet sich ab, daß er das Elternhaus übernehmen wird. Nun läßt er an allen Fenstern im Erdgeschoß Außenfenster anbringen.
In dieser Zeit werden erste Fälle von Mißbrauch von Rauschgift bekannt. Woe bereits bei den Motorradunfällen sind es auch hier wieder, meist Söhne von Geschäftsleuten. Ihnen wird oft ein großzügiges „Taschengeld“ zugestanden und meist verfügen sie auch über mehr Freizeit wie der Nachwuchs der ärmeren Familien.
1960
am 8. Nov. wird John F. Kennedy neuer Präsident in USA.
1960/61 war ein naßkalter Jahreswechsel. Ein kurzer Kälteeinbruch vom 25. bis zum 28. Januar ließen einen Anschein von Winter aufkommen. Doch danach folgten drei sehr milde Monate.
1961 im Januar kommt in England erstmals eine Pille zur Schwangerschaftsverhütung auf den Markt.
Die Kirche und konservative Politiker protestieren. In der DDR entwickelte Jenapharm die Pille  Ovosiston.Diese Pille wurde später als Mittel zur Familienplanung kostenlos abgegeben.


1961 im April fliegt der russische Astronaut Gagarin als erster Mensch in den Weltraum.
Der nachfolgende Juni brachte vom 1. bis zum 9. mehrere Wolkenbrüche, vorwiegend im hinteren Kahlgrund, mit katastrophalen Auswirkungen. In Schöllkrippen verlor, wie schon mal im Vorjahr, ein kleines Mädchen durch Unachtsamkeit sein Leben in den Fluten.

1961 am 20. Mai kommt die spätere Gattin des Verfassers erstmals für zwei Wochen nach Alzenau zu Besuch.
Bei der Hinfahrt mit einem Fiat 500 kam es zu einem Unfall, dessen Folgen jedoch soweit zu korririeren waren, daß die Fortsetzung und auch die Rückfahrt von Lüdenscheid möglich war. In der nachfolgenden Woche wurde das kleine Fahrzeug in der Werkstatt eines Bekannten wieder hergerichtet. Dieser Bekannte hatte sich gerade mit einer kleinen Werkstatt, mit Fiatvertretung selbstständig gemacht. Er sollte mit seiner Gattin über vier Jahrzehnte das Musterbeispiel eines erfolgreichen Unternehmerehepaares werden. Ihr Rezept waren zwei Strategien: Zum Einen liessen sie Vertreter in agressiver Art für den Erwerb eines PKWs werben. In einer besonders aussergewöhnlichen Art, konnten sie einer Familie ein Auto verkaufen, obwohl niemand einen Führerschein hatte. Die Zusage, daß ein Führerschein leicht zu erwerben sei, erfüllte sich nicht, auch wenn der Familienvorstand mit einem Sohn und der Tochter sich um einen solchen bemühten. Schliesslich liessen sie sich manchmal sonntags von einem Verwanden spazieren fahren. In einem anderen Fall drohte der Hausherr, nachdem er schon zum drittenmal von einem Vertreter besucht wurde, die Polizei wegen Hausfriedensbruch zu rufen. Doch am Ende des ersten Jahres hatten die beiden mit diesem Geschäftsmodell mehr Autos verkauft wie die übrigen vier Autohändler in Alzenau! Die zweite Möglichkeit reich zu werden, eröffnete ihnen ein Bankkaufmann mit dem Weg über Immobilien. Als ein kleines Anwesen neben ihrer Werkstatt zum Verkauf stand, erhielten sie den Rat dasselbe über einen Bankkredit zu finanzieren, der sich durch die nachfolgende Rendite wieder abtragen würde. Dieses Modell wurde der zweite Weg zum Erfolg (bis 1989).     
Am 3. Juni treffen sich Kennedy und Chruschtschow in Wien. Chruschtschow unterbreitet einen Entwurf für einen Friedensvertrag mit beiden deutschen Teilstaaten und der Schaffung einer „Freien Stadt Westberlin“.
Westberlin registriert mehr als 30.000 Ostzonenflüchtlicge.
Die Wirkung von Adenauers „Ausblutungstheorie“ nötigt die Regierung der DDR zum Bau von Grenzsicherungen, gegenüber der BRD.
Am 6. Juni zeigte sich schon erstmals in Alzenau, daß die Ableitung der Niederschlagswässern bei starkem Regen und der Bach vom Oberwald, durch den Kanal nicht möglich war. Die Wassermassen überfluteten die jetzige Märkerstrasse mit einer Höhe von 30 cm.
Zu dieser Zeit beginnt man in vielen Gemeinden und auch Städten, mit einer vollkommen unbedachten Art von Bebauung in Randzonen, die früher als hochwassergefährdet gemieden wurden. Hinzu kamen Bauformen unter vollkommener Mißachtung der natürlichen Gegebenheiten. In Abkehr von naturangepaßten Bauformen, die immer zur Ableitung der Regenwässer, von feuchtigkeitsempfindlichen Bauteilen, mit einem möglichts weit überhängenden Sattel- oder Walmdach bestimmt wurden, begann man nun auch in unsrer Heimat mit Flachdächern und nach innen geneigten Dächern. Dies führte jedoch schon bei der Schneeschmelze zu Wassereinbrüchen, da die noch vereisten Abflußmöglichkeiten das Ablaufen des Schmelzwassers verhinderten. Nun nötigte dies entweder zum Überbau mit einem Satteldach oder, wie später entwickelt mit dem Einlegen eines elektrischen Heizbandes, das ein Vereisen der Ablaufrinne und der Rohre verhindert.
Hinzu kam noch die Gefahr, daß bei innenliegenden Zentralableitungen, durch aufgewirbelte Folien der Ablauftrichter überdeckt wird und die Regenwässer sich im Zulaufbereich zurückstauen. Dies bietet zwar einen intressanten Anblick, so geschehen bei dem Glasdach, der späteren Stadtbibliothek in Alzenau, auch kommt noch die Gefahr hinzu, daß bei sehr starken Niederschlägen irgendwann die Festigkeit der Glasscheiben ihre Belastbarkeitsgrenze erreicht.  
Eine weitere Variante dieser naturwidrigen Planungen, sind manchmal Probleme mit dem Eindichten der Glasflächen im tragenden Stahlgerippe. Im Rathausanbau in Alzenau, ist dieses Problem bei jedem Regentag an mehreren Stellen sichtbar, wenn man dort aufgestellte Tropfenfänger umgehen muß.
Dies war jedoch in diesem verregneten Sommer in Alzenau alles noch nicht erlebbar. Diese bauplanerischen Dummheiten wurden erst viele Jahre später in Alzenau vorbereitet.
Zur Versöhnung mit dem kühlen Sommer folgten noch zwei sehr schöne Monate im Herbst.
1961 am 17. Juni wird bei Kahl das erste Atomversuchskraftwerk in Betrieb genommen. Im Gegensatz zu offiziellen Beteuerungen kam es in den nachfolgenden 25 Jahren zu rund 100 Störfällen. In einem Fall wäre es fast zur Kernschmelze gekommen, wenn nicht im letzten Augenblick noch ein Notstromaggregat angesprungen wäre. (Aussage eines ehemaligen Angestellten am 17. Juni 2011, im hr 4).
1961 wurde ein Hilfsschulverband im Landkreis Alzenau gebildet. Damit verbundene heilpädagogische Abteilungen brachten zu Beginn große Schwierigkeiten. Der Unterricht begann in Räumen der Grundschulen und der Berufsschule in Alzenau. Wobei auch die passenden Lehrmittel noch nicht allen Bedürfnissen entsprachen.
1961 wurden für die Feuerwehr in Alzenau drei Preßluftatemschutzgeräte mit Panoramablickmasken angeschafft, um auch Brände in Innenräumen bekämpfen zu können.

1961 am 13. August wird mit dem Bau der Mauer als Grenzsicherung von Ostberlin, gegen den Westen begonnen.
Am 14. August bittet Willy Brand als regierender Bürgermeister, in einem persönlichen Schreiben den amerikanischen Präsidenten Kennedy um ein Einschreiten gegen den Mauerbau in Berlin.
Kennedy schickt den Vizepräsitenten nach Westberlin.
Nachfolgend kommt es zu Protesten der westlichen Stadtkommandanten und der westallierten Botschafter gegenüber der Führung der DDR und der Sowjetunion.
Am 17. September fanden Bundestagswahlen statt, die der CDU/CSU Stimmenverluste brachten.

Im September kletterten die Temperaturen 14 mal über 25 Grad. Und am 24. Oktober stieg das Termometer nochmal auf 21 Grad.
1961 am 17. Oktober wurde mit dem Untericht von Lernbehinderten in einem Klassenraum der Schule in Kahl begonnen.
 Am 7. November wird Adenauer wieder zum Bundeskanzler gewählt.  
1961 beginnt weit ab von unsrer Heimat der Krieg in Südvietnam. Auch diese militärische Auseinandersetzung, der USA gegen die kommunistischen Befreiungskrieger wurde wieder ein Beitrag zu unserem "Wirtschaftswunder".
Die Konzentration der amerikanischen Industrie auf Rüstungsgüter, bis zu chemischen Kampfmitteln, öffnete der deutschen Industrie, den amerikanischen Markt für den Export von zivilen Produkten. Landwirtschaftliche Geräte, Transportmittel und ganze Produktionsanlagen, fanden über mehr als ein Jahrzehnt in den USA große Nachfrage.

1961/62 verläuft der Jahreswechsel schneefrei. Im Dezember hatte es an einigen Tagen Dauerfrost gegeben. Doch erst am 1. Februar fiel Schnee der kurzzeitig liegenblieb.
Mit einem schweren Südweststurm begann am 12. Februar naßkaltes Winterwetter, das bis Ende März anhielt. Vom 29. bis zum 31. März fiel nochmal anhaltend Regen, der die Bäche und Flüsse über die Ufer treten ließ. 
Im April steigen die Temperaturen zeitweise auf hochsommerliche Werte. Doch der Mai bringt wieder eine Abkühlung und täglich mehr oder weniger Regen, der kaum Insekten fliegen läßt.
Der noch bis in die erste Juniwoche, andauernden "Regenzeit", folgten mehrere trockene, aber kühle Sommerwochen.
Am 14. Juli kommt es an der hessisch-thüringischen Zonengrenze zu einem Schußwechsel zwischen Bundesgrenzschutz und dem ostzonalen Grenzschutz, wobei ein Soldat der Ostzone verletzt wurde.
 Die zweite Julihälfte und der August brachten noch hochsommerliche Temperaturen. Am 3. September steigt, nach einer Nachtemperatur von 8,2 Grad, das Termometer nochmal auf 32,3 Grad.
1962 wurde für die Feuerwehr eine Tragkraftspritze mit einer Leistung von 800 Liter pro Minute, bei 8 bar Druck angeschafft.

Außerdem wurde noch ein Mannschaftstransportfahrzeug erworben.

Im September kommt es zur Kubakrise, nachdem die USA erkannt hatte, daß die Sowjetunion Raketen auf Kuba stationiert hat.
Anfang Oktober stieg die Temperatur an zwei Tagen nochmal auf 27 Grad. Die Kartoffelernte war gut, doch die Obsternte dürftig, da die Blüten während des verregneten Frühlings kaum bestäubt wurden.
Am 26. Oktober beginnt die „Spiegel-Äffäre“mit der Durchsuchung des Verlagsgebäudes, wegen eines kritischen Berichtes über ein geheimes NATO-Manöver. Auf Veranlassung von Verteidigungsminister Strauß wurden der Verlagsleiter Augstein und mehrere Mitarbeiter verhaftet. 
Am 28. Oktober befiehlt Chruschtschow den Rücktransport der auf Kuba stationierten Raketen.
Im Herbst 1962 wird mit dem Unterricht im Spessartgymnasium begonnen. Bis zum Bezug des Neubaus 1967 wurde in einigen Räumen in der Berufsschule unterrichtet. Erster Direktor ist Dr. Johannes Meisenzahl vom Wirsberg-Gymnasium Würzburg.
Am 7. November kommt es zu heftigen Diskussionen im Bundestag, wegen der Amtsüberschreitungen von Veteidigungsminister Strauß, gegenüber der Spiegelredaktion.

Am 30. November sieht sich Franz Josef Strauß zum Rücktritt gezwungen.
1962/63
kommt es zu einem harten Winter. Bereits am 21. November fiel Schnee und blieb zur Freude der Kinder eine ganze Woche liegen. Einer kurzen Milderung, Mitte Dezember folgte ein Temperatursturz, der den Winter zurückbrachte.
Vom 21. Dezember 1962 bis zum 7. März 1963 hatte Alzenau eine geschlossene Schneedecke.
Dieser Winter ließ auch erstmals die Abhängigkeit vom Heizöl in vielen neuen Hochhäusern erkennbar werden. Im Umfeld von Frankfurt hatte man einige erbaut. Und im blinden Glauben, an die unerschöpflichen Ölvorkommen und die Versorgungssicherheit wurden Panoramafenster mit Einfachverglasung eingebaut. Der Heizölverbrauch war immens, da keinerlei Wärmedämmung in den Bauten vorhanden war. Doch nun konnten über einige Wochen, keine Öltanker mehr die Wasserstrassen befahren und es drohte außer dem Ausfall der Heizung, auch der Zusammenbruch der Wasserversorgung, durch Einfrieren der Leitungen in den Wohnkasernen. Da bei Auskühlung auch die Sanitäreinrichtungen nicht mehr zu nutzen gewesen wären, hätte dies zur kaum vorstellbaren Rückkehr zum Holzabtritt, mit dem Herzchen in der Türe, vor den schönen Neubauten geführt. Doch mit dem Einsatz von Tankfahrzeugen, die das nötige Heizöl von Häfen am Rhein holten und der einsetzenden Milderung Anfang März, blieben die Mieter von der ganz großen Katastrophe verschont.
Da durch den langen anhaltenden Frost auch viele Hauptwasserleitungen eingefroren waren, mußten ab Anfang Februar einige Gemeinden mit Tanklöschfahrzeugen, Trinkwasser angeliefert werden. Im März hatten die Installatöre Hochkonjunktur, mit dem Austausch gebrochener Wasserrohre.
Am 5. Juni entlud sich erstmals ein Gewitter in diesem Jahr. Bei weiteren Gewittern in diesem Monat, wurde ein Mann aus Geiselbach vom Blitz erschlagen, als er bei Hanau anhielt, um eine gelöste Plane an seinem LKW wieder festzuzurren, in Kälberau brannte eine Scheune nieder und auf dem Volksfestplatz in Aschaffenburg wurde das Festzelt zerfetzt.
Nach einem heißen und trockenen Juli, ereichte der Sommer am 3. August mit gut 35 Grad seinen Höhepunkt. Schon der Rest vom Monat war von Regen bestimmt. Weitere Niederschläge im Oktober und November brachten wieder die nötige Feuchtigkeit.
1963 sah sich die Stadt Alzenau zu einem zusätzlichen Schulhausbau genötigt. Da eine nochmalige Erweiterung der bestehenden Schule von der Regierung abgelehnt wurde, beschloß man einen Neubau auf dem Gelände an der Prischoßstrasse.

Am 16. Juni startete die russische Valentina Tereshkova zu einem Weltraumflug und dokte dann an die Weltraumkapswl Vostok 5 an.
1963 vom 23. bis zum 26. Juni besucht der amerikanische Präsident Kennedy die Bundesrepublik und West-Berlin.
1963 wurde das Kirchweihfest erstmals auf dem Platz unterhalb des Burgberges gefeiert. Dieses „Sommerfest“ hatte jedoch den Nachteil, daß dadurch die Tanzveranstaltungen in den Gasthäusern keine Besucher mehr bekamen. Die Kerb im alten Sinn fand damit ihr Ende.
Nachfolgend wird im östlichen Bereich ein (Schul-) Verkehrsgarten eingerichtet.

Im gleichen Jahr wurde für die Feuerwehr ein Tanklöschfahrzeug mit einem 2.400 Litertank erworben.

Außerdem noch ein Löschgruppenfahrzeug für 9 Personen mit eingeschobener Tragkraftspritze.
1963 am 5. August beschließen Großbritanien, die USA und die UdSSR ein Abkommen zur Beendigung der Atomwaffentests.
1963 zeigen sich bei mehreren Landtagswahlen Verluste der CDU und Stimmengewinne der SPD, offenbar als Folge der „Spiegel-Affäre“. 
1963 verabschiedet der DGB ein neues Grundsatzprogramm, das in vielem zwar zukunftsweisend ist, doch durch die Abkehr der CDU von ihrem Ahlener Programm, an der neuen Macht des Großkapitals abprallt.
An der gefordeten Gleichberechtigung der (berufstätigen ) Frauen, hat sich auch bis zum Jahr 2008 nichts geändert.
Sie forderten die Ächtung und das Verbot aller Atomwaffen.
Sie verurteilten jede Rassendiskreminierung und alle Formen kolonialer Unterdrückung.
Sie sahen die Wiedervereinigung Deutschlands, als Vorraussetzung für ein friedliches Europa. Sie forderten, daß die Wirtschaft nicht allein vom Gewinnstreben geleitet werden dürfe. Und forderten ein Grundrecht auf Arbeit. 
Sie forderten bessere Bildungsmöglichkeiten für die Jugend. ( Zu einer Zeit wo sich viele Jugendliche anstelle einer Weiterbildung, mit dem Statussymbol eines Kofferradios demontrativ zur Schau stellten ). 
D ie Forderungen der Gewerkschaften verhallten ohne gehört zu werden.
Am 15. Oktober legt Konrad Adenauer, nach 14 Jahren sein Amt als Bundeskanzler nieder.  
Am 16. Oktober wird Ludwig Erhard zum neuen Bundeskanzler gewählt.
Nach dem Ende des ersten Schuljahres verläßt H. Dr. Meisenzahl das Gymnasium. Sein Nachfolger wird Studienpro-fesseor Paul Rauscher.
Im gleichen Jahr wechselt der Verfasser zu Linde Güldner, in den Fachbereich Motorenbau.
Er übernimmt die Aufgabe Erstabgüsse oder Gipsabdrücke von Schmiedeteilen, neu konstruierter Bauteile auf ihre Übereinstimmung mit den Konstruktionsplänen zu überprüfen. Hinzu kommt noch Werkstoffprüfung.
Schon bald beginnt er sich als Gewerkschaftsmitglied weiterzubilden. Unter Anderem auch im Fachbereich Rechtskunde und Versammlungsführung.
1963 am 1. November werden unter dem Druck der Hausbesitzervereine „Weisen Kreise“ eingeführt. Dies bedeutet die Mietpreisfreigabe für Städte und Landkreise mit weniger als 3% Wohnungsmangel.
1963 am 22. November wird der amerikanische Präsident Kennedy ermordet.
1963/64 vollzog sich der Jahreswechsel kalt aber mit wenig Schnee.
1964 am 13. Januar kommt es in Alzenau zu einem tragischen Unfall. Drei Knaben betreten die Eisfläche auf der Kahl oberhalb der „Zellulose“. Dabei brechen sie ein und nur einer kann sich an der Eiskante halten und um Hilfe rufen. In der Autowerkstatt Zeller werden die Rufe gehört und dem Automechaniker Franz Gall aus Albstadt gelang es noch im letzten Augenblick den Jungen zu retten. Die zwei anderen Knaben konnten später nur noch tot geborgen werden.
Bis zum 12. März hielt der Winter an.
Am 23. April wird erstmals im Kreisausschuß über den Bau eines Gymnasiums beraten. Bewerber sind die Gemeinden Mömbris, Kahl und Alzenau.
Nach einem extrem starken Regen am am 20. Mai begann ein ungewöhnlich heißer Sommer. In vielen Orten versiegten die Quellen und nötigten die Feuerwehren die Gemeinden mit Trinkwasser zu versorgen.
An vielen Stellen kam es zu Bränden im Feld und Wald.

1964 am 4. Juli kommt es zu einer Besprechung von Bundeskanzler Erhard mit dem französischen Präsidenten de Gaulle, betreffend die Verwirklichung einer europäischen Union.
1964
am 16. Juli kommt einem schottischen Physiker, namens Peter Higgs eine mögliche Erklärung für den Ursprung aller Massen. Er vermutet, daß das Universum mit einer Art Brei aus unsichtbaren Teilchen gefüllt ist. Und bei Bewegung in diesem Brei kommt es zu Verbindungen solcher Teilchen die dann als Masse erscheinen. Der Vorgang wäre vergleichbar dem Anhaften von Schmutz an einer Schuhsohle.
1964 kommt es zu Erleichterungen im zwischen der Bundesrepublick und der DDR. Rentner aus der DDR dürfen nunVerwande in der BRD besuchen.
Ausserdem wird Westberlinern erlaubt, jährlich bis zu vier mal Verwande in der DDR zu besuchen.
Am 27. August kam es mit einem Anstieg auf 36,3 Grad zur höchsten Temperur des Jahres.  
Schon vier Tage später kam es zu einem Temperatursturz auf 4,5 Grad Nachttemperatur.  
1964 am 7. November beendete Pfarrer Heckelmann in Trennfurt seinen Erdenweg. Er hatte als Kaplan in Alzenau in der Zeit vom Mai 1932 bis März 1934 heftige Kritik am Nationalsozialismus geübt. Und war schließlich auf Drängen von Bürgemeister Michael Antoni, als „ein Unglück für Alzenau“ versetzt worden.  
Vom 14. bis zum 17. November kam es zu den Niederschlägen die man im Sommer dringend gebraucht hätte.
( Nun eine Episode aus jener Zeit des geteilten Deutschlands)
"Versammlungsleitung" und warum der zweite Teil des Lehrgangs nicht mehr stattfinden konnte.
1964 am 12. November wird mit 22 zu 21 Stimmen, Alzenau als Standort für das Spessartgymnasium gewählt.
Es war um 1964/65. Wir hatten noch keine Kinder und ich verbrachte noch viele Wochenende bei Lehrgängen der IG Metall. Die meisten Lehrgänge waren in Rottenberg im Gasthof Hufgard. Diesmal war es der erste Teil unter dem Thema Versammlungsleitung. Als Referent fungierte ein H. Hans B.. Er hatte auch eine sehr hübsche Sekretärin dabei. Alle zwei hatten ein gewinnendes Auftreten. Bei ihr war es das reizende Gesicht mit einem Lächeln das wohl angeboren war. Und einer Figur, die Männerwünsche wach werden ließen. Er hatte ein offenes Wesen und verstand den Lehrstoff, mit allen Rafinessen einer geschickten Versammlungsleitung in lockerer Form zu vermitteln. Wobei er auf die, im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegte Geschäftsordnung für Versammlungen hinwies, mit den Möglichkeiten ausufernde Diskussionen zu verhindern oder Abstimmungen im rechtlich zulässigen Rahmen, doch zu beeinflussen. Es war ein äußerst intressanter und unterhaltsamer Lehrgang, der nach einem schönen Abend, mit humoristischen Beiträgen einiger Teilnehmer, am nachfolgenden Sonntagvormittag fortgesetzt wurde. Nach einem üppigen Mittagessen fand der erste Teil des Lehrgangs sein Ende und jeder freute sich schon auf den zweiten Teil, der einige Wochen später folgen sollte. Der letzte Blick der männlichen Teilnehmer galt noch der ewig lächelnden Sekretärin, des Referenten. Doch was niemand der Teilnehmer wußte, war die Tatsache, daß die charmante junge Dame, auch zu ihrem eigenen Leid keine Dame war, aber auch kein richtiger Herr. Ob sie vielleicht später noch durch chirurgische Nachhilfe zu einer der zwei üblichen Daseinsformen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Natur hatte bei ihr versagt.
Was wir auch nicht wußten, war die Besonderheit, daß der nette und gewinnende Referent Hans B., ein Wohnungsnachbar war von einem H. Heinz B., der leider zur damaligen Zeit in der Deutschen demokratischen Republik im Gefängnis saß. Heinz B. war als ehemaliger DDR-Bewohner in den goldenen Westen gewechselt und schrieb hier auch für die IG Metall. Und manchmal schrieb er Sachen die der damaligen Regierung, in der Deutschen demokratischen Republik nicht gefielen. So sann man jenseits der Grenze vom goldenen Westen darauf diesen unbequemen Schreiber wieder zu bekommen. Und nun bediente man sich eines simplen Tricks.
Da man im Westen jeden mit Freuden begrüßte, der dem verhaßten Sozialismus den Rücken kehrte, wurde Hans B. zum DDR Flüchtling. Und im eifrigen Bemühen die armen unterdrückten Brüder aus dem Osten, hier an den Segnungen des Westens teilhaben zu lassen, bekam er schon bald eine Anstellung bei der IG Metall. Und ein weiterer Zufall verhalf ihm zu einer Wohnung im gleichen Haus und der gleichen Etage wie Heinz B., Tür an Tür.
Natürlich fand man bald Gemeinsamkeiten, da auch beide in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv waren. Und so kam es, daß sie auch mal miteinander einen Besuch nach Westberlin unternahmen. Aber was wäre die schönste Herrentour ohne Damenbekanntschaft. So besuchten die Zwei im besten Mannesalter natürlich auch einen hochkarätigen Dienstleistungsbetrieb, mit Damen der Extraklasse. Die gebotenen Freuden waren so überwältigend, daß Heinz B. sogar bald in wohligen Schlaf verfiel. Doch war damit auch der Spaß zu Ende. Als er wieder aufwachte war er in Ostberlin und sein Freund Hans B. mußte mit tiefem Bedauern alleine zurückreisen. In der IG Metall-Zeitung und auch anderen Massenmedien wurden diesem Entführungsfall große Beiträge voller Entrüstung gewidmet. Und nun saß Heinz B. im Gefängnis in Ostberlin und Hans B. machte seine Arbeit weiter, wie jeder ordentliche Mensch im goldenen Westen. Die Regierung der Bundesrepublik bemühte sich um die Freilassung des Entführten. Doch im mühsamen Geschäft in der Zeit des kalten Krieges brauchte so etwas lange. Und so vergingen Monate und Jahre. Als es jedoch so weit kam, daß man internationale Aufmerksamkeit erregte und die Deutsche Demokratische Republik sich zur Auslieferung genötigt sah, da wurde es für Hans B. in seiner Wohnung in Frankfurt ziemlich ungemütlich. Und er mußte nach einem Hinweis seiner Auftragsgeber, ganz überraschend verreisen und ward nicht mehr gesehen. Die Freilassung von Heinz B. wurde im "freien Westen" gefeiert und nun konnte man sogar in großen Illustrierten die Lebensgeschichte des netten Hans B. nachlesen.
Die Reservierung bei Hufgard in Rottenberg wurde storniert, wobei fraglich ist ob die Hufgards je erfuhren warum.
Doch die Geschichte mit dem "Einschleusen" von Agenten, als Zonenflüchtling klappte immer.
Eine zweite innerdeutsche Agentengeschichte wurde mir bei einem Besuch in Ostberlin 1968 erzählt.
Ich war zu einem Gewerkschaftslehrgang in Westberlin und nutzte die Gelegenheit zu einem Besuch, bei Verwanden meiner Gattin in Ostberlin. Im Kreis der Familie ihrer Cousine erzählte deren Mann, die Geschichte, wie das Wissen um eine verbesserte Art von Autolackierung von BMW in München in die DDR kam. Die Geschichte wurde bekannt, als an der Ostsee ein schöner roter VW aus dem Westen, das Interesse vieler DDR-Mitbürger erweckte. Der stolze Besitzer erzählte mit Freude wie er sich denselben verdient hatte. Sein Vater hatte in der DDR eine kleine Autolakiererei und er war als Junge in die Materie mit reingewachsen. Als man nun in den 60er Jahren in der DDR erfuhr, daß bei BMW in München eine verbesserte Art der Autolakierung entwickelt worden war, suchte man einen Mann mit der nötigen Sachkenntnis, der bereit war in den Westen zu "fliehen". Der Weg zu BMW war möglich, da man im Westen viele Freunde hatte. Zuerst wurde der Vater des VW-Besitzers angesprochen, doch der lehnte aus Altersgründen ab. Allerdings wies er darauf hin, daß sein Sohn die Sachkenntnis habe und außerdem die Republikflucht eines jungen Mannes glaubwürdiger ist, wie die eines älteren, der auch noch seine Familie zurücklassen würde. Diese Aussage überzeugte und so wurde eine spektakuläre Flucht veranstaltet. Die zuständigen Grenzschützer wurden informiert und so schossen sie, laut hörbar für die westlichen Grenzschützer in die Luft, während der junge Mann ungefährdet von Hunden oder Minen, wohlvorbereitet die Grenzabsperrung überwand. Die inzwischen aufmerksam gewordenen Grenzschützer aus der Bundesrepublik nahmen ihn in Empfang und die Bildzeitung konnte den Triumpf veröffentlichen, daß wieder ein junger Mensch aus dem sozialischen Staat geflohen war. Wer wann wie mitgeholfen hatte wird im Dunkel der Geschichte bleiben. Doch schon nach vier Wochen hatte der junge Mann eine Beschäftigung bei BMW in München!

Wie lange er dann nachfolgend dort beschäftigt war erzählte er nicht. Doch muß es nicht lange gedauert haben, bis er nicht nur Einsicht in den Verfahrensablauf, sondern auch die Unterlagen dazu hatte. Irgendwann gab er schließlich seinen Wohnsitz in München und seine Beschäftigung bei BMW auf und reiste still und leise wieder in seine alte Heimat. Und nun wurden dort auch die Trabbis und Wartburg nach dem guten Verfahren von BMW lackiert.
Aber er bekam als Anerkennung für seinen Dienst am Aufstieg der Deutschen demokratischen Republik, den schönen roten VW aus dem Westen geschenkt.
1964 Beginn der Flurbereinigung in Alzenau, vor dem Hintergrund der Planung der Autobahn 45
Die erste Versammlung im Gasthaus zur Brezel endete für H. Diehl, den Vertreter des Flurbereinigungsamtes Würzburg unbefriedigend. Die Folge war die Bildung einer „Interessengemeinschaft der (Klein- Grundstücks-besitzer“.  Ein sich bildender Vorstand bestand aus: Ritter Walter, Scheibler Karl, Hermann Karl, Spiegel Peter, Kempf Werner, Hildenbrand Karl und Dinsenbacher Engelbert. Der Interessengemeinschaft schlossen sich über 300 Mitglieder an, die bereit waren mit einem kleinen Beitrag den Abwehrkampf zu unterstützen. In Unkenntnis des Flurbereinigungsgesetzes, beauftragten sie einen Anwalt, der sich mit dem Gesetzbuch für 12,80 DM auf den Weg nach München machte. Der mit dem Anwalt nach München gereiste Verfasser, mußte von dem zuständigen Richter die Feststellung hören, daß er nicht befugt sei das Verfahren zu aufzuheben. Dies könne nur die Staatsregierung.

Im Gegensatz zu dem Anwalt, der noch an den Erfolg seiner Mission glaubte, war der Verfasser nicht überrascht als das abschlägische Urteil kam. Nun machte der Verfasser den Vorschlag, wenn möglich den Ablauf des Verfahrens zu bestimmen. 
Dies war möglich, da der Verfasser aufgrund seiner Rechtskenntnisse, die für 83 DM die Kommentierung zum Flurbereinigungsgesetz beschaffte und die darin gebotenen Möglichkeiten für die Wahl der Vorstandschaft studierte und die übrigen Mitglieder über den sicheren Weg informierte. Das ganze Gesetz ist einseitig zu Gunsten der Landwirte ausgerichtet. Da manche früher zu spontanen Gefühlsausbrüchen neigten, hat das Gesetz die besondere Möglichkeit für die vom Flurbereinigungsamt mit der Leitung der Wahl beauftragten Personen, daß sie eine Vorstandschaft bestimmen können, falls es zu Unruhe während der Wahl kommen sollte. Um all dem vorzubeugen, hatte der Verfasser die mögliche Wahlform: schriftlich aber nicht geheim, ausgewählt. Außerdem schickten die verhinderten Grundstückseigentümer eine Vertretung, meist die Gattin oder Mutter. Dieselben hatten alle eine schriftliche Wahlempfehlung, mit den gewünschten Kandidaten, der Flurbereinigungsgegner.
Die nachfolgende Gründungsversammlung wurde von einem H. Weidner geleitet,.

,Da sowohl die Stadtverwaltung, wie auch die Landwirte, in blindem Vertrauen zu dem Recht auf ihrer Seite in die Wahl gingen, lief alles wie vorgesehen. Zum Beginn der Versammlung wurde mit Erstaunen die große Beteiligung festgestellt. Bei dem Aufruf zur Wahlform, kam außer dem vorgeschlagenen , schriftlich aber nicht geheim, kein weiterer. Die wenigen Landwirte waren schon gleich verunsichert. Als bei dem Aufruf einen Wahlvorstand zu bilden, wieder derselbe Wortführer die notwendigen Kandidaten vorschlug und dabei sogar den Ortsbauernführer, bemerkte der Mann aus Würzburg, daß sich hier jemand gut auskennt. Als zur Wahl die notwendigen Zettel verteilt wurden, kamen überall die Wahlempfehlungen auf den Tisch. Das Ergebnis war eindeutig. Die Befürworter der Flurbereinigung hatten keinen Vertreter in der Vorstandschaft. So kam es zu der Besonderheit, daß bei dieser Flurbereinigung die gesamte Vorstandschaft nur aus Flurbereinigungsgegnern bestand.
Bei den nachfolgenden Aktivitäten stand im Vordergrund Walter Ritter, ein selbstständiger Fuhrunternehmer. Priorität hatte nun:
a) Die Veränderung so gering wie nötig zu halten.
b) Eingriffe in die Landschaft weitgehend zu vermeiden.
c) Ortsnahe Gartenbereiche zu erhalten (sie wurden noch erweitert).
d) Die Kosten so niedrig wie möglich zu halten.

Dadurch war der Möglichkeit vorgebeugt, sich durch Zuteilung von ortsnahen Grundflächen Bauerwartungsland zu verschaffen wie es in anderen Gemeinden geschehen war. Außerdem wurden Fehler vermieden wie in einem Ortsteil von Alzenau, wo man zu Beginn alle Obstbäume gefällt hatte, um nachfolgend eine große Gemeinschaftsobstanlage zu schaffen. Als bekannt wurde, daß dann ein spezieller Pfleger angestellt werden müßte, nahm man von diesem Projekt Abstand, doch die Bäume waren weg. 
Das Ergebnis in Alzenau blieb eine Einmaligkeit in der Bundesrepublik.
Niemand wurde finanziell belastet. Selbst die 500,-DM, die von allen Grundbesitzern mit mehr als einem Hektar vorab zur Finanzierung gefordert wurden, konnten zurückerstattet werden.
Die wesentlichsten Einsparungen wurden erreicht, indem das Wegebaumaterial vorort gewonnen wurde. Weiterhin wurden nur Bäume gefällt wo sie eine neue Wegführung störten.
Dies waren weniger als zehn Bäume, die vergütet wurden.
Mehrere Biotopflächen wurden dem Verein für Vogelschutz übereignet.
Die Autobahnbehörde mußte ihre Bedarfsfläche in direkten Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern erwerben.
Das Wasserwirtschaftsamt übernahm die Fläche des Kahlflusses mit etwas Ausuferfläche gegen Bezahlung von der Teilnehmergemeinschaft.
Vor Beendigung des Verfahrens wurde allen Grundstücksbesitzern die Möglichkeit geboten, für Neuanpflanzungen auf ihren Grundstücken, Obstbäume nach ihrer Sortenwahl kostenlos zu erhalten. Mit einem Restbetrag wurden noch mehrere Sitzgruppen an den Wegen zur Aufstellung gebracht. Auf ein Denkmal wurde verzichtet.
1965 begann mit viel Regen.
Am 1. Januar kann das Busunternehmen Emmel das in Hanau ansässige Reisebüro Tank übernehmen und damit einen größeren Kundenkreis erwerben. Ausser Tagestouren kommen jetzt auchFernreisen und Urlaubstouren ins Programm. Ein im Vorjahr errichteter Betriebshof in der Philipp-Reis-Strasse bietet Raum für mehrere Fernreisebusse.
Ende Januar gab es Frost der dann einen Monat ohne wesentliche Schneefälle fortdauerte. 

Am 1. März begannen Schneefälle die über die nachfolgenden zwei Tage fortdauerten. Im Spessart wurden 0,50 Meter Schneehöhe gemessen.
Der weitere Verlauf des Frühjahres war, mit Ausnahme der ersten vier Apriltage, von viel Regen bestimmt.
Auch im Juni gab es viel Regen der zum Teil mit schweren Gewittern begeleitet war.
Am 14. Juli stieg die Temperatur auf 30 Grad. Eine Mutter von vier Kindern aus Alzenau, ertrank an diesem Tag beim Baden im Grotzenburger See.
Ein Tag später wurde Alzenau von einem schweren Unwetter heimgesucht. In Hörstein rutschte eine Mauer bei der Winzergenossenschaft ab und der Mühlgraben wurde 0,50 Meter tief ausgeflößt. In Alzenau kam es zu Überflutungen weil die Kanäle die Wässer nicht mehr ableiten konnten. In Michelbach kam es zu Abspülungen im Weinberg und bei der Milchsammelstelle staute sich das Wasser bis zur Höhe der Laderampe.
Am schlimmsten traf es Albstadt. Dort kam es kurz vor 23 Uhr zu einem Wolkenbruch der das halbe Dorf in einen See verwandelte. In der Borngasse und der Zieglerstrasse staute sich das Wasser auf eine Höhe von 1,50 Meter. Im Anwesen Borngasse 10 ertranken 50 Hühner. Das Großvieh stand bis zum Hals im Wasser und überlebte nur weil es die Köpfe noch über Wasser halten konnte.
Am 12. November begann eine Frostperiode die bis zum Monatsende anhielt. Der Dezember begann mild und stürmisch.
Starke Regenfälle ließen die Flüsse wieder über die Ufer treten.
Bei Niedersteinbach stieß ein Auto an ein Brückengeländer wobei ein Frau mit zwei Kindern aus dem Auto geschleudert wurden und in die Kahl fielen. Die Frau und ein Kind konnten noch gerettet werden. Das zweite Kind wurde trotz intensiver Suche nie mehr gefunden.
1966 begann sehr stürmisch. Über dem Spessart wurde Windstärke 11 gemessen. In der „Buntpapier“ in Aschaffenburg wurde ein 1.000 qm großes Dach durch eine Windböe angehoben und zum Einsturz gebracht.
Zu dieser Zeit hatte das Medium Fernsehen auch schon im Hause des Verfassers Einzug genommen. Das erste Gerät war
ein schwarz-weiß-Fernseher, der bei der Mutter zur Aufstellung kam, da sie häufig alleine war.
Mit dem Fernsehen begann Adenauers Traum, von einer Verlockung der Bevölkerung der DDR, sich der westlichsten Lebensform anzuschließen, den Weg zur Erfüllung.
Da in beiden Teilstaaten Deutschlands dieses neue Medium inzwischen Verbreitung fand, gab es in den Zonenrandgebieten die Möglichkeit auch den Sender des "Klassenfeindes" empfangen zu können. Während in der DDR überwiegend vom wirtschaftlichen Aufschwung und von Helden der Arbeit berichtet wurde, war im Westfernsehen leichte Unterhaltung im Vordergrund. Und am betörensten war, daß hier scheinbar jeder ein Auto hatte und hinfahren konnte wo er wollte. Daß dies damals auch für die Betrachter im Westen nur ferne Träume waren, konnte der Normalbürger in der DDR nicht wissen.
1966 am 5. Januar feiert Konrad Adenauer seinen 90. Geburtstag.  
 
Nach einer Frostperiode die zum Zufrieren kleinerer Flüsse führte, begann der Februar sehr mild.. Schon am 6. blühten die ersten Schneeglöckchen. Vom 20. bis zum 27. Februar stiegen die Tagestemperaruren auf 13 bis 17 Grad.
1966 am 1. Juli wird in vielen Städten und Landkreisen die Wohnungszwangswirtschaft aufgehoben. Damit wird die Immobilienspekulation und Mietpreistreiberei ermöglicht.
1966 am 25. Juli macht Landrat Dr. Degen den ersten Spatenstich für das Spessartgymnaszum in Alzenau.

1966 konnte der Verfasser den damaligen Fraktionschef der CSU überzeugen, daß der Standort für die geplante Schule für Lernbehinderte, besser in der Nähe des Gymnasiums wäre, anstatt an der Prischoßstrasse. Der Angesprochene hatte eine leicht behinderte Tochter. (Der einfache Grund ist die größere Toleranz, der Schüler der weiterführenden Schule, gegenüber den etwas Benachteiligten).
Am gleichen Tag mußte der Verfasser noch die Bundestagsvizepräsidentin Fr. Dr. Propst, davon überzeugen, daß zumindest einer in Alzenau einen gewissen Durchblick hat. Es war bei einer CSU-Wahlveranstaltung in Michelbach und die Main-Gas-Werke waren bestrebt, die Belastung von Flurstücken durch das Einbringen einer Gasleitung, auf dem Weg der Enteignung zu erreichen. (Ein nicht beabsichtigter kritischer Dialog mit der Bundestagsvizepräsidentin Fr. Dr. Propst löste im Landratsamt Alzenau ein mittelschweres Erdbeben aus.) Nachfolgend gab es von den Main-Gas-Werken, derart großzügige Vergütungen, daß sich der Bruder des damaligen Bürgermeisters (Alois Wombacher) extra bedankte.
1966 erblickte Martin Waldemar Kempf das Licht der Welt. Ihm obliegt später die Gestaltung dieser Seite.
1966 am 27. Oktober kommt es zur Regierungskrise durch den Rücktrit von vier FDP Minister.
Am 10. November wird Kurt Georg Kiesinger zum Kanzlerkandidaten gewählt.
Nachfolgende Verhandlungen mit der SPD führen zur Bildung einer Großen Koalition.
Kurt Georg Kiesinger
wird Bundeskanzler, Willi Brandt Vizekanzler.
1967 im Januar kommen bei einer Katastrophe im amerikanischen Raumschiff Apollo die Astronauten Grissom, White und Chaffee, ums Leben.
1967 im Februar reist Konrad Adenauer nach Frankreich und Spanien um für die Festigung der europäischen Gemeinschaft zu werben. Dabei warnt er vor dem Atomwaffensperrvertrag, da dies zur Benachteiligung der „nicht- nuklearen Nationen“ führen würde.

1967 am 19. April stirbt Konrad Adenauer im Alter von 91 Jahren.
Im April kommt es auch zum Absturz eines russischen Sojus-Raumschiffes, wobei der Astronaut Komarow sein Leben verliert.

1967 mußte die Kihn-Mühle in Michelbach ihren Betrieb einstellen. Der Verdrängungswettbewerb der Großmühlen zwang das Unternehmen zur Aufgabe. Dadurch gingen 75 Arbeitsplätze verloren.
1967 konnte im Neubau des Spessartgymnasiums mit dem Untericht begonnen werde.
Im gleichen Jahr kam es zu Beratungen über den notwendigen Bau einer Sonderschule. Nach Prüfung verschiedener Angebote, entschloß man sich für den Standort oberhalb der Berufsschule.
1968 kommt es zur Bildung der APO, der „Außerparlamentarischen Opposition“ und verstärkten Demonstrationen, die von Studenten der Freien Universität Berlin ausgingen. Bedauerlicherweise konnten die Studenten die von ihnen erkannte Gefahr des ausufernden Kapitalismus, der Bevölkerung nicht erkennbar vermitteln. Weltfremde Professoren verbreiteten wirklichkeitsfremde Gedanken, wie nachfolgende Schilderung zeigt.
1968, Anfang April konnte der Verfasser ein zweites mal die Weltferne eines Professors kennenlernen. Er war zu einem zweiwöchigen Seminar in der Gewerkschaftschule am Plötzensee in Berlin. Um sich außerhalb des Unterichtes ein Bild von der damaligen Apo-Szene zu verschaffen besuchte eine "Freitagsdiskussion" im Obergeschoß des Hotels Gloria in der Wielandstrasse. An diesem Abend stellte Prof. Ossip Flechtheim seine 10 Thesen für eine Wiedervereinigung Deutschlands vor. Eingangs schilderte er den IG-Metall-Vorsitzenden Otto Brenner, als von den Arbeitgebern gefürchtet wie einst Lenin. Und darüberhinaus betonte er, daß schon die Tatsache, daß hier die Außerparlamentarische Opposition derartige Veranstaltungen machen könne sei eine Hinwendung zu mehr Demokratie. Und dann trug er seine Vorstellung für eine Wiedervereinigung vor. Der Grundgeda   nke war: Jedes der beiden Systeme habe gute und schlechte Seiten. Wenn nun beide Teilstaaten bereit wären, das Positiv

e zu vereinen und das negative des jeweiligen Systems abzuschaffen, könnte eine Wiedervereinigung ermöglicht werden. Die über die ganze Etage verteilten Studenten lauschten gebannt auf jedes seiner Worte. Bei der nachfolgenden Diskussion dauerte es einige Zeit, bis der Gast von der IG-Metallschule das Mikrofon erhielt. Doch dann stellte er einleitend fest, daß Otto Brenner keinem Arbeitgeber ernsthaft Furcht einflößt. Daß außerdem die Existens der Apo keine Hinwendung zur Demokratie sei, denn die Politiker die gerade einen Notstandsgesetzentwurf eingebracht hatten, sind nicht dümmer wie die Gewerkschaften. Wenn die Gewerkschaft mit Forderungen für Lohnerhöhungen antritt, setzt sie dieselben so hoch an, daß auch nach einigem Entgegenkommen das Ereichte noch zufriedenstellend ist. Dies bedeutet, daß die Notstandsgesetze nach ihrer Verabschiedung mit Sicherheit noch die Schärfe haben, um diesen Sandkastenspielen hier ein Ende zu bereiten. Außerdem stellt sich die Frage, betreffend seine Thesen zur möglichen Wiedervereinigung, ob er glaubt, daß die Regierung der DDR bereit sei auf ihren Besitz aller Produktionsstätten zu verzichten oder das Großkapital im Westen auf ihre Alleinverfügung über ihre Fabriken, nur im Interesse einer Wiedervereinigung? Der sichtlich irretierte Professor gab darauf nur die Antwort, daß er dies aus dieser Perspektive noch nicht betrachtet hätte.
Leider folgten noch viele Studenten dem wirklichkeitsfremdem Glauben mit Demonstrationen und dem Ruf: "Macht kaputt was Euch kaputt macht" und hofften die kapitalistisch orientierte Form der BRD verändern zu können.
Am 11. April wird in Berlin der Studentenführer Rudi Dutschke niedergeschossen und schwer verletzt.
Am 30. Mai wurden die Notstandsgesetze verabschiedet.
Und während eine ganze Reihe, geistig vergifteter, junger Menschen schließlich zur RAF kommen, schwebte Ossip Flechtheim weiterhin in seinen Träumen.
1968 am 1. Juli treten die Vereinbarungen der Zollunion in Kraft. Dies bedeutete den Wegfall aller Zölle innerhalb der EWG und die Einführung eines einheitlichen Zolls für die Gütereinfuhr aus Drittstaaten.
1968 wurde in Alzenau die Schule für Lernbehinderte gebaut.
1968 am 27. November wurde die Schule ihrer Bestimmung übergeben.
Zeitgleich konnte die feierliche Namensgebung für das „Spessart Gymnasium“ erfolgen. Neuer Leiter wird Dr. Hans Heinrich Vogt.
Aausserdem  konnte auch das Hallenschwimmbad an der Realschule zur Nutzung freigegeben werden.
Zu dieser Zeit sorgte auch ein Mann namens Oswald Kolle für enormes Aufsehen. Er sorgte mit Beiträgen zur Sexualität in weiten Bevölkerungskreisen für Entkrampfung und Entsetzen bei der Obrigkeit. Obwohl Papst Paul VI. Verhütundsmittel und Geburtenregelung als Sünde brandmarkt, ist der Siegeszug der „Pille“ auch im Westen  nicht mehr aufzuhalten.
Der relative Wohlstand der Bürger ermöglicht es wieder manchen „Finanzspezialisten“ aus U.S.A. mit abenteuerlichen Gewinnversprechen arglose Bürger um ihre Ersparnisse zu bringen. So bemüht sich auch in Alzenau ein Mann um den Vertrieb solcher Anlagen mit Gewinnversprechen von 30%. Als das Schneeballsystem nach einiger Zeit platzte, hatte auch ein Cousin des Verfassers 10.000 DM verloren. Als ihm die Geschädigten Vorhaltungen machen, entschuldigt er sich mit der Behauptung, auch er hätte viel Geld verloren.

Die Aussage war unglaubwürdig, da er von jedem Geworbenen seinen Gewinnanteil erhalten hatte. Auf Dauer tat dies seinem Ansehen keinen Schaden. Er war beliebt als guter Unterhalter und Mitglied in vielen Vereinen.
1969 beendet der Kinobesitzer Hans Gleisner seinen Erdenweg in Alzenau.
1969 gelingt Amerika die Mondlandung. Der Astronaut Armstrong betritt die Mondoberfläche.
Im gleichen Jahr wurde im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums, ein System zur elektronischen Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen entwickelt. Man gab ihm die Bezeichnung Arpanet. Es diente der Bessreren Nutzung der teuren Großrechner. Es war die Vorstufe des Internet.
   
1969 gelingt es der SPD bei der Bundestagswahl 42,7 % der Wählerstimmen zu erreichen. Die CDU/CSU kommen auf 46,1 %, die FDP erhält 5,8 % und die NPD 4,3 %.
Nun kommt es zur SPD/FDP- Regierung. Willi Brand wird Bundeskanzler. 
In diese
r Zeit scheitert erstmals ein Alzenauer Unternehmer, dessen Bestreben es war, neben einem Gewerbebetrieb mit mehreren Beschäftigten, ständig soviel Immobilien zu erwerben, daß er keinen Gewinn versteuern müsse. Als er erkannte, daß er seine Möglichkeiten überzogen hatte wählte er den Freitod. Er stürzte sich aus der von ihm erworbenen Wohnung eines Hochhauses in Mainaschaff.
1969 erblickte Rainer Hans Kempf , als zweitgeborener Sohn des Verfassers das Licht der Welt.
1970 entscheidet der Stadtrat eine Teilfläche des Rupprich, von 1,2 ha zu roden und den Rest dem Obst- und Gartenbauverein zu überlassen.

Um 1970 konnte Werner Kempf den Stadtrat davon überzeugen, daß die Bebauung des Wingert, nur mit Flachdachbauten, wie sie ein Professor Götz vorgeschlagen hatte, falsch sei. Dies hätte weder unsren Witterungsbedingungen noch den üblichen Raumbedürfnissen entsprochen. (Auf Druck des Stadtrates mußte der Kreissparkassen-Neubau, nach Vorgaben von Prof. Götz, mit Flachdach errichtet werden. Die Folgen waren jahrzehntelanger Ärger mit eindringender Feuchtigkeit, bis schließlich ein richtiger Dachaufbau vorgenommen wurde.)

Nicht überzeugen konnte er den Bürgermeister mit einer Empfehlung, den Bauwilligen die Nutzung der Sonnenenergie zu ermöglichen. Einen diesbezüglicher Vorschlag mußte H. Freihoff dahingehend beantworten, daß man den Bauherren die preisgünstige Nutzung von Main-Gas bieten würde.
Ein viertel Jahrhundert später, nennt sich Alzenau "Solarstadt" und das preiswerte Gas wird immer teurer.
Überzeugen konnte er den Stadtrat jedoch noch davon, daß der Satzungsentwurf unsinnig war, daß alle Neuanstriche von Häusern im Stadtkern einer Genehmigung der Stadtverwaltung bedürften. (Auch dies war ein Gedanke des Prof. Götz)
Bei Nichtbeachtung der Satzung wurde mit einer Strafe von 10.000 DM gedroht
.
Mit einem Leserbrief im Main-Echo, unter der Überschrift "Bürger wehrt euch" und einem nachfolgenden Auftritt in einer Bürgerversammlung, konnte der Unsinn abgewehrt werden.
Um jedoch derartigem öffentlichkeitswirksamen Einwirkungen künftig vorzubeugen, wurde die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit der Lokalredaktion des Main-Echo verbessert!
Zu dieser Zeit erlebte der Verfasser am Bahnübergang auf der Rodenbacher Strasse ein kurioser Verkehrsunfall. Durch winterliche Temperaturen hatte sich unmittelbar vor dem Übergang eine Glatteisschicht gebildet. Ein PKW-Fahrer hatte in der Futtermittelhandlung Appel eingekauft und wollte über den Bahnübergang fahren. Da er jedoch noch nicht den nötigen Schwung hatte, scheiterte er an der Eisplatte. Ein paar hilfsbereite Männer traten sofort hinzu und versuchten dem Fahrer zu helfen. Mit vereinten Kräften brachten sie das Auto in Bewegung. Doch hatte niemand bemerkt, daß schon einige Zeit die rote Ampel über ihnen das Herannahen des Triebwagens der Kahlgrundbahn anzeigte. Der Triebwagenführer hatte die Aktöre schon gesehen und eine Notbremsung eingeleitet. Doch in dem Augenblick als er den Übergang erreichte, hatten die Helfer das Auto mit dem Vorderteil auf den Platz gebracht wo sich nun beide Fahrzeuge mit einem vernehmlichen Knirschen trafen. Personenschaden gab es keinen. Der Triebwagen hatte auch keinen Schaden genommen. Nur den PKW hatte den Kuss des Stärkeren etwas aus der Form- und die Helfer aus der Fassung gebracht. Über die Schadensregulierung erfuhren weder der Verfasser noch sein damals etwa 3 Jahre alter Sohn etwas. Sie hatten ebenfalls beim Appel eingekauft. Aber ihr Weg führte in die andere Richtung der Rodenbacher Strasse.    
Zu dieser Zeit gab der Seilermeister Karl Reusing die Eigenbewirrschaftung seiner Landwirtschaft auf. Damit verschwand auch das letzte Kuhfuhrwerk aus dem Stadtbild von Alzenau. Eine vor vielen Jahrhunderten entwickelte Form der Nutzung von Rindern als Zugtiere ging damit zu Ende.

1970 steht im Zeichen der Verbesserung der deutsch/deutschen Beziehungen.
Am 19. März besucht Bundeskanzler Brandt Erfurt und führt dort Gespräche mit DDR-Ministerpräsident Stoph.

Am 21. Mai kommt es zum zweiten innerdeutschen Gespräch zwischen Brandt und Stoph in Kassel.
1970 im Mai sschließt das Burg-Theater am Mühlweg seine Pforten für immer. Die Verbreitung des Fernsehens hatte die Besucherzahlen schwinden lassen. Die Erben von Hans Gleisner, sahen sich genötigt das Gebäude an die Fa. Edeka als Supermarkt zu verpachten.
Im gleichen Jahr verläßt Hubert Seipel,  1950 geboren in Wasserlos, das Spessartgymnasium. Er studierte Politik und Geschichte und wird später einer der angesehensten Fernsehjournalisten.
1970 beginnt der Verfasser eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker. Als Erleichterung beim Studium erwirbt er einen Taschenrechner der frühesten Form. Die 170 DM hatte er sich mit der Schaffung eines Wandgemäldes in einer Spessartgemeinde verdient. Wobei noch 80 DM übrig blieben, allerdings waren hier noch die Fahrt- und Materialkosten abzuziehen. Aus der Arbeitszeit für dieses „Werk“ ergab sich eine amüsante Geschichte. Da er normal berufstätig war und die Samstage noch für seine Weiterbildung in Frankfurt verplant waren, blieben nur noch Sonntage. Dies brachte für die streng gläubigen Auftraggeber Probleme da der Sonntag ja geheiligt ist. In Übereinstimmung mit dem Malermeister, der den Gesamtauftrag hatte, konnte er die ganze Familie davon überzeugen, daß seine Tätigkeit ja kein Arbeit sei, sondern Kunst! So kam es, daß er am nachfolgenden Sonntag vormittags auf dem Gerüst steht und hört, wie die vom Gottesdienst heimgehende Bäuerin, seine Anwesenheit genüber ihren Begleiterinnen mit den Worten verteidigt: „wir hatten ja auch Bedenken weil Sonntag ist, aber der Mann sagt das wär ja Kunst.“ Derart entschuldigt konnte das Werk vollendet werden und grüßt noch immer, wenn auch etwas verblasst die Passanten des Dorfes Sommerkahl im Spessart.     
In dieser Zeit wurde im Vorstand des Gesangvereins Harmonia der Gedanke diskutiert, am 1. Mai ein Frühlingsfest auf dem Platz unterhalb der Burg zu feiern, an dem ein Ochs am Spieß gebraten werden sollte. Der Gedanke wurde mit viel Körpereinsatz aller Mifglieder und deren Angehörigen über viele Jahre realisiert. Das Fest dauerte immer zwei bis drei Tage. Die musikalische Begleitung übernahm die Kolpingkapelle gegen Bezahlung. Im Laufe der Jahre wurde es jedoch schwieriger die erforderliche Menge von freiwilligen Helfern zu finden. Die Freizeitangebote wurden vielfältiger und junge Leute waren nicht mehr zu begeistern. Nach 31 Jahren mußte dieser Programmpunkt im Alzenauer Jahresablauf wieder aufgegeben werden.
1970 am 14. Dezember kommt es zum Abschluß des Deutsch-Polnischen Vertrages, mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische Grenze.

1971 wurde die elektronische Datenübermittlung, der E-Mail-Verkehr, schon bis an die Kapazitätsgrenze genutzt. 
1971 am 24. Januar kommen entsprechend dem deutsch-polnischen Vertrag, die ersten deutschen Umsiedler.
Am 9. Februar beschließen die EWG-Staaten innerhalb 10 Jahren eine Wirtschafts- und Währungsunion zu schaffen.

1971 am 4. Juni erklären sich die NATO-Außenminister bereit, nach einer Berlinregelung mit dem Ostblock über einen beiderseitigen Truppenabbau in Europa zu verhandeln.
1971 am 23. August kommt es nach 17monatigen Verhandlungen zum Abschluß des Vier-Mächte-Abkommens über Berlin, Es tritt  in Kraft.
1971 waren drei Bürger aus Alzenau ( Kerber, Sticksel ind Rosenberger), als Mitglieder des Offenbacher Kammerchores unter den Gewinnern der Weltmeisterschaft in  Arezzo in Italien. Der Chor bekam noch am Austragungsort eine Einladung des polnischen Fernsehens. Doch in ihrer Heimat nahm kaum jemand Kenntnis von ihrer Leistung. Lediglich die „Offenbachpost“ hatte zu ihrer Begrüssung einen Reporter zum Bahnhof geschickt. Der Kultur- und Sportausschuß in Alzenau nahm davon keine Kenntnis und bei der jährlichen Würdigung herausragender Persönlichkeiten wurden sie auch vergessen.
1972 am 22. Januar treten England, Irland und Dänemark der EWG bei. 

1972 Ende Oktober fand im Rathaus von Alzenau, betreffend die Regelung von Eigentumsverhältnisse über die Vereinen überlassenen Grundstücke, eine Besprechung statt.
Vor dem Hintergrund, daß bei künftigen Bauvorhaben, die Stadt als Eigentümer höhere Zuschüsse bekäme wie Vereine, verzichteten die Athleten und der FC Bayern Alzenau auf die eigentümliche Übertragung der Flächen!
Quelle: Main-Echo vom 2. November 2012 („vor 40 Jahren“)
1972 muß die Schmiede Wappes dem Bau der „Strasse an der Burg“ weichen. Mit dieser Fortsetzung der südlichen Entengasse waren grosse Pläne verbunden. Der weitere Ausbau bis zum Waldschwimmbad soll die Baugebiete Wingert und Eichwald erschliessen und noch eine Fortsetzung nach Kälberau erfolgen. ( Der letzte Teil des Planes wurde aufgegeben, nachdem die Nordumgehung gebaut wurde),

1972 erhält der erstgeborene Sohn Martin in der Schule ein offizielles Merkblatt betreffend die Menschenrassen. Aufgeführt sind : Weiße, gelbe, rote und schwarze! Etwas erstaunt erlaubt sich der Verfasser ein Schreiben an die Lehrerin, bei der er selbst einst unterichtet wurde. Er weist auf die falsche Zuordnung von „Roten“ hin und beschreibt gemäß eines Lexikons die markantesten: Europide, Negride, Mongolide und Australoide. Die Lehrerin entschuldigt sich, daß sie das vom bayerischen Kultusministerium abgesegnete Blatt ungeprüft verwendet hat.

1972 erblickt Annette Brigitte Sabine Kempf das Licht der Welt. Mit ihrer Geburt hat die Familie eine Größe, die eine bauliche Erweiterung als nötig erscheinen läßt. Daß dadurch die umfangreichsten Erkenntnisse über die Vergangenheit zu Tage kämen, konnte damals niemand ahnen.
1973 beendete der Verfasser seine Weiterbildung und begann schon bald mit der Planung eines Anbaus am Elternhaus.
1973
stirbt Emilie Dörsching, die Chefin des Busunternehmens Emmel.
1973
schließenen sich Großbritanien, Dänemark und Irland der EG an. 
1973/74 
entwickeln Vint Cerf und Bob Kahn ein System um unterschiedliche Versionen elektronischer Datenverarbeitung übertragbar zu machen. Das neue System sollte als Internet die Geschichte in unvorstellbarem Maß revolutionieren.

1974
am 1. Januar übernimmt Klaus Emmel formell das Unternehmen Emmel Reisen.
1974
am 1. April übernimmt der Verfasser eine Anstellung bei Fa. W.C. Heraeus in Hanau. Seine Aufgabe betrifft die molekulare Grenzflächenforschung unter der Leitung von Dr. Schiff. Er wird mit der Bedienung einer Anlage betraut, die es in ihrer Art damals weltweit nur sieben mal gab. Hier trifft der Verfasser auf einen Kreis von Menschen für die aufmerksam zu sehen und objektiv zu beurteilen Teile ihres Schaffens sind. Diese Arbeitsweise überträgt er schließlich auch auf sein ausserberufliches Leben. 
Im Frühsommer kommt es zu einem Wirbelsturm der von der Schreinerei Otto, Märkerstrasse 31, die hintere Wellblechdachhälfte abhebt und etwa 120 Meter westlich, auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Reinhardt fallen läßt. Auf dem Anwesen des Verfassers entwurzelt er einen  Kirschbaum und zwei große Flieder. Außerdem reißt er noch Eternitplatten von ihrer Verschraubung. Von mehreren Häusern im Umkreis werden noch mehrere Quadratmeter Dachziegel abgehoben, die jedoch keine weiteren Schäden anrichten.

1975 wiederholte sich in der Grundschule ein Vorgang wie bereits drei Jahre zuvor. Der zweitgeborene Sohn Rainer bringt ein vom bayerischen Kultusministerium „abgesegnetes“ Merkblatt nach Hause. Darin werden Gegenstände in der Einzahl und der Mehrzahl beschrieben. Was nicht stimmt ist die Mehrzahl von Bug. Anstatt Buge steht darin Bügel! Wieder erlaubt sich der Verfasser in einem Schreiben die Lehrerin Frau S., auf den Fehler hinzuweisen. Doch anstatt Verständnis zu zeigen, nahm die relativ junge Lehrerin dies mit Groll zur Kenntnis und mißachtete die Mitarbeit von Rainer im Unterricht. Als er sich einige Zeit später einmal zu Wort meldete und zu einer ansthenden Sache bemerkte, dasß sein Vater dazu anderer Meinung wäre, brach es aus ihr heraus: „Dein Vater ist ja ein Besserwisser“! Damit verlor Rainer jede Lust an der Mitarbeit in der Schule. Besonders belastend war noch die Situation, daß er bei der gekränkten Lehrkraft zwei Jahre bleiben mußte.
Um 1975 stellt die letzte Gedreitemühle ihren Betrieb ein, nachdem ein Landwirt Roggen angeliefert hatte, der als Futtermittel gepflanzt und im Saatgut markiert war. Da die Markierung erst bei der Verarbeitung des Mahlgutes durch rote Flecken in den Backwaren sichtbar wurde, konnte der Lieferant nicht eindeutig nachgewiesen werden. Den durch diesen Betrug entstandenen Schaden gegenüber den Bäckern mußten die Mühlenbetreiber erstatten und waren dadurch die ersten "Bauernopfer" eines Lebensmittelskandals in Alzenau.
1974  im Dezember beschließen die Regierungen der EG die Einrichtung eines Europäischen Rats mit regelmßiden Treffen auf höchster Regierungsebene.
975 am  7. September erscheint im Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Alzenau, eine „Verordnung über besondere Anforderungen an die Gestaltung von Fassaden im Altstadtbereich“, gemäß einem Vorschlag vom Städteplaner Prof. Götz.
 § 4 besagt neben anderem, daß bei einem Neuanstrich Plandarstellungen und Farbmuster im Verhältnis zu Nachbargebäuden bei der Stadtverwaltung zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Bei Verstoß kann gem. Art. 105 Abs. 1 Nr. 11 der Bay BO kann eine Strafe bis zu 10.000 DM verhängt werden.
  Mit einem Leserbrief unter dem Titel „Bürger von Alzenau, wehrt Euch“ konnte der Verfasser das Inkrafttreten dieser Verordnung verhindern.

1975 am  5. Dezember stellte der Verfasser in einer gut besuchten Bürgerversammlung nochmals den Antrag die vorge-sehene Genehmigungspflicht für Neuanstriche von Fassaden fallen zu lassen. Ausserdem forderte er neben zwei weiteren Punkten auch die Ablehnung der von Prof. Götz vorgegenen Flachdachbebaung des Baugebietes Wingert.
Die Forderungen wurden erfullt. (
Nachdem Jahrzehnte später auch die Kreissparkasse die vom Stadtrat erzwungene Flachdachbauform, mit einem großzügigen Satteldach, mit turmspitzen an beiden Enden, ersetzt wurde verschwand auch noch das einzige Flachdach, das auf Anregung des Städteplaners Prof. Götz übrig geblieben war.)
1976 wies der Verfasser, im Zusammenhang mit dem Erlaß einer Satzung, daß alle Abwässer, einschließlich der Niederschlagswässer, über die Kanäle abzuleiten seien, die Stadträte von Alzenau darauf hin, daß dies falsch ist. Daß es wichtiger sei, bei dem ständig steigenden Wasserverbrauch, die Niederschlagswässer dem natürlichen Kreislauf wieder zuzuführen. Er hatte sich diesbezüglich bei dem Deutschen Wetterdienst in Offenbach und beim Wasserwirtschaftsamt Angaben zu Niederschlagsmengen und den Wasserkreislauf eingeholt. Grundlage für weitere Berechnungen war die Auskunft, daß etwa 50% verdunsten, gut 40% von der Vegetation aufgenommen werden und nur 8% das Grundwasser anreichert. Von diesem Wert ausgehend errechnet er den entstehenden Fehlbedarf von rund 35.000 cbm, die ohne Kanalanschluß den Grundwasserspiegel erreicht hätten. Er hatte die Kenrstadt mit etwa 700 Gebäuden, plus Garagen und versiegelten Hofflächen angenommenen. Die Ergebnisse seiner Betrachtung stellte er drei Stadträten zur Verfügung: Dr. Horst Blödt und Franz Emge, beide CSU und Karl Klassert SPD.

So kam es einige Zeit später zur feierlichen Einweihung der (damals vermutlich noch in ganz Bayern) ersten Oberflächenwasserversickerungsanlage, bei der Ausweisung des Industriegebietes Alzenau-Nord.
Als man einige Jahre später das Industiegebiet Alzenau-Süd erschloß geschah dies nicht mehr, obwohl der Wasserverbrauch weiter gestiegen ist.
(
Ein viertel Jahrhundert später, am 1. Januar 2000 traten nun im Artikel 41 des Bayerischen Wassergesetzes einige Veränderungen in Kraft, die jetzt auch Versickerungsmöglichkeiten erlauben. Und die Stadt Alzenau gibt inzwischen sogar Zuschüsse für den Bau von Zisternen.)
1

1976 konnte der Verfasser den Anbau an seinem Elternhaus offiziell fortsetzen.
1977 am 28. Februar, ( nachdem auch im Versuchsatomkraftwerk Kahl schon 72 Störfälle aufgetreten waren ) schrieb Profofessor Dr. Erich Huster; Direktor des Instituts für Kernphysik der Universität Münster, einen Brief an den damaligen Bundespräsidenten Scheel, der in dem Hinweis gipfelte: „Schon im Normalbetrieb geben die Leichtwasserreaktoren in  Abluft und Abwasser soviel radioaktive Stoffe ab, daß Ihre verehrte Gattin ihr Krebshilfswerk getrost einstellen kann.“
Das verstärkte Verkehrsaufkommen führte zur Planung von Umgehungsstrassen, Am dringlichsten erschien eine Nordumgehung von der B8 bis nach Michelbach. Außerdem sollte eine Südumgehung für Wasserlos und Hörstein und noch eine Ostumgehung von Alzenau bis Michelbach gebaut werden.

1977 im Juli beschloß der Stadtrat in Alzenau einen Heimathistorischen Arbeitskreis zu gründen. Intressierte Bürger sollten sich im Rathaus melden.
1977 während des Aufrichten des Dachstuhles, auf dem Anbau des Elternhauses kommt die Gattin des Verfassers und informiert ihn, daß im Mitteilungsblatt Intressierte für die Gründung eines Heimathistorischen Arbeitskreises gesucht werden. Nach ihrer Meinung sollte er sich melden. So fand er sich schließlich, als unbequemer Bürger, im Kreis der elitären Stadtführung und mußte im nachfolgenden Jahr die Rückgang von anfangs 25 Mitglieder auf 7 erleben.
Wobei unter die verbliebenen der Bürgermeister, der Oberamtsrat, der Amtsrat, drei Stadträte und er waren! Er stellte den Antrag den Arbeitskreis einfach aufzulösen oder eine Neugründung zu wagen, die unabhängig von Stadtratsbeschlüssen arbeiten könne.
1977/78 vollzog sich der Jahreswechsel mit klimatischen Turbulenzen. Am 24. Dezember kletterten die Temperaturen bis auf 13,5 Grad.

1978 am 3. Januar gab es im Kahlgrund ein kräftiges Wintergewitter, von einem Temperatursturz von + 6 Grad auf +1 Grad begleited. Während bei uns der Winter relativ mild verlief, durchlebte Norddeutschland die größte Schneekatastro-phe des 20. Jahrhunderts mit vielen Todesopfern.
1978 im Februar konnte der Verfasser, wäred einer Begehung des alten Stadtkernes den Bürgermeister Ritter davon überzeugen, daß man den innerstädtischen Kahluferweg unter der Kaiser-Rupprecht-Brücke hindurch führen kann. Im Herbst des gleichen Jahres, mußte er den gleichen Bürgermeister davon überzeugen, daß er nicht als Bürgermeister das Verfüllen des Triebwerkska-nales für die Hasenmühle in Auftrag geben kann, nachdem er im Februar, als Vorsitzender des Heimathistorischen Arbeitskreises den Mitgliedern versprochen hatte, daß er sich für den Erhalt desselben einsetzen würde.
In dieser Zeit wurden die Mühlen „gegenüber dem Schloß“ von der Stadt aufgekauft und abgebrochen. Lediglich der alte Backofen konnte erhalten werden.
1978 im Spätherbst wurde der Verfasser zum Vorsitzenden des neu gegründenten Heimat- und Geschichtsvereins gewählt ( da er der letzte Kanditat war).
Nach der Gründungsversammlung äußerte sich einer der neuen Vorstandsmitglieder, aus der Stadtverwaltung, „dies ist ein Einmannverein, auf dessen Staatsbegräbnis man schon erwarten.“ Unter seiner Leitung kommt es nachfolgend zu den heimatkundlichen Forschungen die im vorliegenden Bericht einsehbar sind. Zur Unterstützung seiner Aktivitäten wurde der Verein von der Stadt mit einer jährlichen Zuwendung von 1000 DM unterstützt. Außerdem wurde erlaubt die Burg jährlich zwei mal für Vorträge und noch eine Woche für eine Ausstellung, mietfrei zu nutzen.

Das rege Interesse der Bevölkerung brachte dem jungen Verein viele erhltenswerte Objekte für deren Aufbewarung Räumlich-keiten nötig waren. So kam es im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung zur Umgestaltung des Michelbacher Schlößchens zum Heimatmuseum. Der weiter unten angeführte Text eines Begleitblattes läßt erkennen in welcher Form in den Jahren 1988 bis 2000, die Geschichte unsrer Heimat im Schlösschen sichtbar war. Allerdings werden auch innerhalb des Vereins ungewollt, die Schattenseiten unsres Zusammenlebens sichtbar. Es war in den Anfangsjahren des Vereins. Eine Frau brachte ihre Schwester mit, um ihr etwas Ablenkung zu verschaffen. Ein alter Lehrer war Gründungsmitglied und freute sich über jedes neue Mitglied. Als er nun die ältere Dame erkannte, erinnerte er sich, daß er ihre Tochter vor vielen Jahren in seiner Klasse hatte und erkundigte sich nach deren Befinden. Doch mit Erschrecken sah er die Veränderung der Angesprochenen. Wußte er doch nicht, daß seine ehemalige Schülerin im Alter von 21 Jahren, eines Tages nach Frankfurt gefahren war um Bekannte zu besuchen, doch dort vermutlich nie angekommen war. An diesem Schicksalsschlag zerbrach schließlich noch die Ehe der Eltern und jetzt besuchte die arme Frau diese Veranstaltung und wird an die schwerste Zeit ihres Lebens erinnert. Er konnte nichts dafür, doch sie unterließ weitere Besuch von Vereinsabenden.
1978 konnte ein Teilstück der Nordumgehung bis zur Abfahrt Burgstrasse eröffnet werden.

1979 am 28. März kommt es im amerikanischen Kernkraftwerk bei Harrisburg zum bis damals größten Störfall in der Geschichte der Nutzung von Atomkraft zur friedlichen Energiegewinnung.
1979 im Juni findet die erste Europäische Parlamentswahl statt. Die meisten Stimmen erhalten die Sozialisten.
1979 kommt es zur schriftlichen Kontaktaktaufnahme des Geschichtsvereines von St. Oedenrode zu dem jungen Geschichtsverein von Alzenau.
1980, am 28. Juli beschloß der Stadtrat, den großen Betsaal im Schlösschen, links vom Eingang dem Heimat und Geschichtsverein zur Nutzung zu überlassen. Mit der Überlassung an den damals noch jungen Verein begann eine Phase der Instandsetzung und Wiederherstellung der ehemals barocken Symmetrie im Erdgeschoß.

Die im Rahmen der Stadtkernsanierung beschlossene Absenkung des Kahlbettes um 1,20 Meter veranlaßte den Verfasser die Stadtverwaltung darauf hinzuweisen, daß dies zu Absenkungen der katholischen Pfarrkirche führen könne, falls dieselbe entsprechend der Überlieferung auf einer Pfahlrostgründung errichtet wäre. Um dies zu überprüfen erklährte er sich bereit eine Suchgrabung bis unter das Mauerfundament vorzunehmen. Nachdem er alle notwendigen Genehmigungen erhalten hatte, begann er die Grabung. Bis auf 2 Meter Tiefe konnte H. Walter Ritter mit seinem kleinen Bagger den Aushub vornehmen. Die weitere Eintiefung bis auf 3,50 Meter grub er mit einem Spaten weiter. Zur Sicherung gegen den Seitendruck ließ er sich vom Bauhof Dielen und Spriese anliefern. Den Aushub zogen Helfer aus dem Heimat- und Geschichtsverein mit Eimern hoch. Da die Aktion mehrere Tage dauerte kamen Neugierige dazu und sahen den Kempf in einer Tiefe von scheinbar 5 Meter. Auf neugierige Fragen, wie tief er noch graben wolle, antwortete er: „Das ist noch nicht sicher. Aber es riecht schon etwas nach Pech und Schwefel.“ Doch nicht alle sahen diese Untersuchung mit so viel Humor wie er. Für den nachfolgenden Montag hatte er die Einschau der Fachleute vom LRA Aschaffenburg und der Oberen Denkmalschutzbehöde vereinbart. Doch plötzlich erschien am Freitag, im Sichtbereich gewichtig H. Rechtsanwalt Fäht und forderte im Auftrag des Kirchenvorstandes, ultimativ die Einstellung der Grabung. Da sich die Helfer nicht mehr bereit fanden die Eimer hochzuziehen, war eine Fortsetzung nicht mehr möglich. Da zu diesem Zeitpunkt schon die  Notgrabung in einer Baugrube im Bereich der ehemaligen Zufahrt zu den Mühlen Christ und Rein-hardt vorbereitet war, ging die Gruppe der Heimatforscher zu dieser Grabungsstelle. Der Verfasser hatte bei einer Einschau in einer Grube Keramikscherben entdeckt hatte, bekam er vom Leiter der Oberen Denkmalschutzbehörde die Erlaubnis für eine Such-grabung. Mit Billigung der Stadtverwaltung sollte mit einem Raupenfahrzeug die überdeckende Auflandung abgetragen werden. Da dies jedoch vom Vorarbeiter der dort tätigen Firma verweigert wurde, kam ein Radlader aus der Sandgrube um diese Arbeit zu erledigen. Bedauerlicherweise brach dieses schwere Gerät an einer Stelle ein, so konnte nur noch in drei Teilbereichen die archäologischen Untersuchungen vorgenommen werden. Unterstützung kam von Mitgliedern des Vereins und einigen Jugendlichen. Da aber in der Grube an der Kirche noch einiges zu tun war ging der  Vereinsvorsitzende am nachfolgenden Samstag zu einem Mitglied des Kirchenvorstandes, das in seiner Nähe wohnte und drückte ihm eine vorgefertigte Rücknahme der Baueinstellung in die Hand, mit dem Hinweis, dieselbe von H. Fäht unterschreiben zu lassen, da er sie sonst für die Folgen haftbar mache, wenn er am Montag bei Ankunft der Fachleute noch nicht fertig sei! Schon kurz darauf kam H. E. S. mit der unterschrie-benen Rücknahme. Nun konnte am Montagvormittag das letzte Material bis unter das Fundament entfernt werden. Das Ergebnis war, daß es unter dem Natursteinfundamentt keine Holzgründung gab. Mit Erleichterung konnten dies Alle zur Kenntnis nehmen. Die Kahlbettabsenkung bedeutete keine Gefahr für den Kirchenbau.  Nun kamen auch neugierige Zuschauer zu der Grabungstelle an der Märkerstrasse. Neben vielen Kleinteilen aus dem ehemaligen Wohn-Stallhaus, wurden am dritten Tag auch zwei goldschimmernde Nadel geborgen. Dies löste einen kleinen Goldrausch aus. Als die Hobbiforscher am nachfolgenden Tag wieder am vorsichtigen Abtrag der Humusschichten waren, stand plötzlich eine junge Frau mit ihrem Sohn am Grubenrand erkundigte sich ob ihr Sohn auch mitmachen könne. Sie habe beim Frisör gehört, daß wir schon zwei Goldnadel gefunden hätte. Die Erwartungen dämpfend wies der Verfasser als Grabungsleiter darauf hin, daß alle Mitarbeiter bei anderen U tersuchungen einige grundlegende Erfaungeen gemacht hätten und ein Neuling sich zu Beginn auf das Zusehen beschränken müsse. Die größten Erwartungen der jungen Mutter waren damit etwas gedämpft. Später zeigte sich in Würzburg, daß die beiden Nadeln bei Berührung mit Höllenstein swarz wurden, was zeigte, daß sie nur aus Messing waren. Die eigentlichen Forschungsergebnisse erbrachten, daß es sich um das schon weiter oben beschriebene Haus handelte das am 24.Mai 1692 mit 24 weiteren niedergebrannt war.   
1979 konnte der restliche Teil der Umgehungstrasse 2305 bis hinter Michelbach für den Verkehr freigegeben werden.

1980 erfolgt bereits eine Einladung von St. Oedenrode an den Heimat- und Geschichtsverein. Dieselbe führt im August zum Besuch einer kleinen Gruppe, womit eine fast zwei Jahrzehnte währende Verbindung begann. Was für Außenstehende nicht sichtbar wurde, waren Vorbehalte bei einigen Vorstandsmitgliedern in beiden Vereinen. Bei den Niederländern waren dieselben mit persönlichen Erinnerungen aus dem zweiten Weltkrieg begründet. Aber im Verein in Alzenau war es schlichtweg der Dünkel einer Dame, der sich später noch steigerte ( und schließlich zum Abbruch der Kontakte führte, nachdem sie die Leitung des Vereins übernehmen konnte). Private Verbindungen bestanden weiterhin, da es auch zu mehreren ehelichen Verbindungen kam.
1981 am 1. Januar tritt Griechenland der EU bei. Hierbei kam es zu Vorkommnissen und Begebenheiten die noch an „Odiseus den Listenreichen“ erinnerten. Ein ungelöstes Problem war die Besonderheit, daß Griechenland mit seinen vielen Inseln, nie eine flächenmäßige Registrierung, vergleichbar unseren Katasterämtern erfuhr. Hinzu kam die Geschicklichkeit, bei der mitteleu-ropäisch, gründlichen, zahlenmäßigen Erfassung der Nutztiere, daß man beim Zählen der Schafe, nachdem eine Heerde aufge-listet war, dieselbe bei Nacht in ein noch nicht erfasstes Weideland führte und so am nachfolgenden Tag dieselben nochmal erfasste. Dies erhöhte die zu erwarteten EU-Unterstützungsgelder.
1981 konnte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, den damaligen Fraktionsvorsitzenden der CSU, davon überzeugen, daß man den Platz unterhalb der Burg zum geeigneten Festplatz erweitern kann. Gegen einen Festplatz auf der Pfarrwiese hatte er als Anwohner Widerspruch eingelegt.

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Michelbacher Schlößchen 1981


1981
im läßt Rektor Voll von der Grundschule Alzenau, durch Annette Kempf bei ihrem Vater anfragen, ob er bereit wäre die 3. Klasse einmal zu einem Burgstall im Oberwald zu führen und vor Ort die geschichtlichen Hintergründe zu erläutern.
Damit begann eine heimatkundliche Unterrichtsreihe die fast zwei Jahrzehnte fortgeführt wurden. Schon im ersten Jahr ließen sich auch die zwei Parallelklassen führen. In den nachfolgenden Jahren dehnte der Verfasser das Angebot auf weitere Bodendenkmale im Oberwald aus, wobei die Standartführung die Begehung der Burgställe Randenburg und Vergessene Burg war. Letztere war von dem Verfasser entdeckt worden und machte ihn populär. Hinzu kam noch das unterirdische Gewölbe im Schloßpark von Wasserlos. Die Objekte wurden zeitnah weiter oben bereits beschrieben.
1981
am 9. August begann im Kahlgrund das größte Unwetter der letzten Jahrzehnte. In den nachfolgenden zwei Tagen kam es zu wolkenbruchartigen Regenfällen, die auch im vorderen Kahlgrund extreme Schäden verursachten. Im Ortsteil Wilmundsheim  kam als Besonderheit hinzu, daß die zur Forellenzucht genutzten Eisteiche, der ehemaligen Brauerei Stein, durchbrachen und die Flut-welle mit Fischen anreicherte. Nach dem Abebben der grossen Flut blieben in allen Eintiefungen Forellen zurück. Die meisten Fische fanden eine neue Heimat in den noch offenen Baugruben auf dem ehemaligen Gedreitemühlen- und Sägewerksgelände am Burgsteg.   
1981
am 19. Oktober wurde der Leiter der Volksbank Alzenau von seiner Tätigkeit freigestellt. Wie sich zeigte hatte der Leiter der Bank rund 150.000.000 DM an ungesicherte Kredite vergeben. Laut einem Bericht im „Spiegel“ soll die Volksbank Alzenau für großzügige Kreditvergabe europaweit bekannt gewesen sein. Blindes Vertrauen der übrigen Vorstandsmitglieder, daß er die Arbeit schon richtig macht, als Rechtsanwalt und Sohn eines früheren Leiters der Volksbank  führten in die Finanzpleite. Die gerichtliche Aufarbeitung gegen den angesehenen Parteikollegen, stellvertretenden Landrat und zweiten Bürgermeister von Alzenau wurde über mehrere Jahre verschleppt. So waren bei der Hauptverhandlung im Mai 1990, 44 von 45 Anklagepunkten verjährt! Das   Muster-beispiel von einem funktionierenden Rechtstaat. Der ehemalige Banker sollte 600.000 DM als Wiedergutmachung zurückzahlen, außerdem erhielt er eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Er leitete noch einige Jahre einen Regional-rundfunk und als er später starb, stellten seine Angehörigen Antrag auf Insolvenz.
1982
konnte der Vereinsvorsitzende die Stadtverwaltung mit dem Entwurf des Partnerschaftssteines überzeugen, der anläßlich der 25-jährigen Partnerschaft mit St. Oedenrode, feierlich enthüllt wurde.
Der Stein wurde von ihm angefertigt und der Stadt kostenlos überlassen. Doch wurde weder im bayerischen Rundfunk, der extra von der Stadtverwaltung eingeladen war, noch von einer Tageszeitung erwähnt wer den Stein geschaffen hatte. Lediglich in St. Oedenrode wurde ausführlich über alles berichtet.
1982 konnte der Vereinsvorsitzende auch, die für die Bebauung am Burgsteg zuständige Firma davon überzeugen, daß es besser wäre den alten Backofen bei den Bauarbeiten unberührt zu erhalten. An den Stammtischen hatte man schon die Meinung geäußert, daß der Bagger nur einmal schwenken müsse und dann wäre "das alt Gelump" weg.
1983 kam es zur rechtlichen Übertragung des Schlößchens an die Stadt Alzenau. Der Kindergarten und das Jugendheim (anstelle des ehemaligen Wartehauses) blieben im Eigentum der Kirchengemeinde. In dieser Zeit erreichte das Unternehmerehepaar, das bislang am Fuß des „Berges Welmisheim“ wohnte, die Genehmigung auf dem westlichen Sporn, neben dem alten Friedhof, eine repräsen-tative Wohnanlage zu errichten. In der nachfolgenden Zeit entstand auf dieser Höhe über Alzenau ein herrschaftlicher Wohnbau mit Nebengebäuden. Zu dieser Zeit war die Stadtkernsanierung schon gut sichtbar. Bemerkenswert ist hierzu, daß die Tiefgarage bei einem militärischen Angriff, als Schutzraum für 900 von 15.000 Bürgern von Alzenau dienen soll. Ein extra gesicherter Raum soll sogar bei einem atomaren Angriff  für eine kleine Gruppe, das Überleben ermöglichen. Da das Bundesamt für Zivilschutz für jeden Schutzplatz 1.300 DM zur Verfügung stellt, hat die Mehrheit des Stadtrates dem Vorhaben zugestimmt. In der Annahme, daß diese Garage nie als Schutzraum in Anspruch genommen werden muß, machten sich  manche Bürger makabre Gedanken. Zum einen die Frage: Wer darf rein? Weiterhin ist fraglich wie dann die rund 80 PKWs aus der Garage kommen? Wo sind die Eigentümer beschäftigt und wer informiert sie? Sind endlich die Autos raus und weit mehr als 800 Bürger wollen rein, wer bestimmt wer nicht rein darf? Eine Bürgerin stellte den schriftlichen Antrag auf einen Schutzplatz.

1984 im Juli konnte der Verfasser in der Baugrube für die Tiefgarage die Reste der weiter oben schon beschriebenen Furt und des späteren Knüppeldamms endecken.
1984 konnte er die Leiterin der Abteilung für Nichtstaatliche Museen, Fr. Dr. Rieger und den Leiter des Amtes für Denkmalpflege in Bamberg, H. Dr. Julier davon überzeugen, daß das Schlößchen in Michelbach erhaltenswert sei. Beide Ämter ließen daraufhin Gutachten erstellen betreffend den baulischen und den kunstgeschichtlichen Zustand. Die Kosten für diese Untersuchungen wurden je zur Hälfte von der Stadt und von den zuständigen Ämtern für Denkmalschutz und nichtstaatliche Museen getragen. Trotz mehr-facher Zusicherungen erfolgte im nachfolgenden Jahrzehnt keinerlei Instandsetzungsarbeiten durch die Stadt Alzenau.

1985 wurde der Antrag auf eine Suchgrabung im Wasserloser Schloßpark genehmigt. Zuvor hatten die Mitarbeiter Klug Manfred und Seipel Hans die ganze Umgebung auf mögliche Standorte überprüft. In einer nachfolgenden Beratung kam man zu dem Schluß, daß die  1405 zerstörte Burg der Schelris von Wasserlos wahrscheinlich im Umfeld der im Jahr 1767 abgebrochenen stand. Im Rahmen einer kritischen Untersuchung kam dem Vorsitzenden die Erkenntnis, daß sich hinter dem Loch am Ende des Abfallhaufens im Park, ein größerer Hohlraum befinden müsse, der ein ständiges Abrutschen der nachfolgenden Anschüttungen erlaubt. Bekannt war zu dieser Zeit, daß sich dort die ehemalige Bergmühle befunden habe. Eine nähere Betrachtung bestätigte diese Annahme. Nach einem Vergrößern des Loches schlüpfte der Vereinsvorsitzende rückwärts in das Loch und stellte fest, daß es ein Raum von 2,10 Meter Höhe war. Dieser überwölbte Raum wurde im weiteren Verlauf von 18 Meter immer niedriger. An einer Knickstelle von 30 Grad in nördlicher Richtung hatte er noch 0,80 Meter Höhe. Nach weiteren 12 Meter endete er an der Böschung neben dem Bachlauf. Die Mächtigkeit dieses Bauwerkes ließ erkennen, daß es sich um den Rest der ehemaligen Burg handelte. Mit der Unterstützung von schwerem Gerät, das zu dieser Zeit bei einem Erweiterungsbau des Krankenhauses im Einsatz war wurde der Abfallberg weggeräumt. Eine nachfolgende Untersuchung machte den Zugang zu dem bereits beschriebenen 30 m langen Gewölbe, wieder möglich. 
1985
am 25. November wurde das Versuchsatomkraftwerk in Kahl abgeschaltet.
Es dauerte noch zwei Jahrzehnte bis es „rückgebaut“ wurde.
Während seiner Laufzeit ereigneten sich beinahe 100 Störfälle, davon 7 relativ schwere. ( Quellen: Jahrbücher der Atomwirtschaft, Information der Bundesregierung zur friedlichen Nutzung der Kernenergie und Berichte der Allianz - Berichte „Schäden in Kernkraftwerken ...“)
1986
am 1. Januar treten Spanien und Portugal der EU bei.
1986
wurden beim Verlegen eines Erdungsbandes für den Blitzableiter auf der Burg Alzenau, Scherben sichtbar. Nach Rückfrage bei H. Dr. Wamser in Würzburg konnte mit einer Notbergung begonnen werden.
Im Rahmen einer Einschau im Zwinger der Burg Alzenau, brachte H. Dr. Wamser eine Luftbildaufnahme, die auf ein Gräberfeld hindeuteten.
1986
am 28. Juni wurde in Anwesenheit von Kultusminister Dr. Maier die Bibliothek, der Marktplatz, das Verkehrsamt und die Tiefgarage eingeweiht. Auf dem Marktplatz wurde für 105.000 DM ein Brunnen gestaltet, obwohl die Kosten laut Bauausschuß-beschluß 70.000 DM nicht übersteigen sollten. Dieser Brunnen bestand aus Elementen aus Kupferplatten, die durch seitliches Anspritzen mit Wasser in Bewegung kamen und als Kugeln wahrgenommen werden konnten. Der Entwurf für diese Gestaltung war von einem aus der DDR ausgereisten Künstler eingereicht worden. Was man im Stadtrat nicht wußte war die Tatsache, daß die gleiche Gruppierung aus Kristallglas im Pallast der Republick in der Eingangshalle schon zu sehen war. Trotz der hohen Kosten wurde er einige Zeit später wieder entfernt und durch ein Wasserspiel ersetzt.

1986 am 4. August begann die Freilegung des bereits erwähnten keltischen Gräberfeldes unterhalb Hörstein.
Auf Betreiben des Vorsitzenden wurde den auswärtigen Grabungsteilnehmern Unterkunft im Obergeschoß des Schlößchens in Michelbach geboten. Bürgermeister Ritter veranlaßte dafür noch kurzfristig den Einbau einer Dusche. 
Die Leitung der Grabung wurde der Archäologiestudentin Fr. Sonja B. übertragen.
1986
kamen auf Anregung des Vorsitzenden vier Personen des bayerischen Rundfunks, um in 3 Tagen die Aktivitäten des Vereins zu dokumentieren und in einem Fernsehbeitrag von 12 Minuten, in der Reihe „Zwischen Spessart und Karwendel“ auszustrahlen.

Zum Abschluß veranlasste der damalige zweite Bürgermeister der Stadt noch eine Weinprobe in Wasserlos für die Arbeitsgruppe aus München und den Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins. Die Weiterbearbeitung im Bayerischen Rundfunk führte jedoch zum Entfernen eines unbedeutenden Beitrages, wo der zweite Bürgermeister die Zukunft des Heimatmuseums schilderte. Diese Unterlassung und auch die Tatsache, daß der Vereinsvorsitzende die Weinprobe im Jahresabschlußbericht des Vereins nicht erwähnte, begründete wahrscheinlich die spätere Auflösung des Heimatmuseums.

Während dieser Tage, am 26. April, ereignete sich im russischen Atomkraftwerk Tschernobil die größte Katastrophe bis zur damaligen Zeit, die zur vollkommenen Zerstörung und radioaktiver Belastung weiter Gebiete Europas führte.
Die ungünstigen Wetterbedingungen brachten radioaktive Niederschläge auch in unsre Heimat. Über lange Zeit wurde vor dem Verzehr von Pilzen und dem Fleisch von Wildschweinen gewarnt. Die Löwenzahnblätter erreichten bis zu 40  Zentimeter Länge.
1987 wurden auch auf den Staatsstrassen im Kahlgrund kleine Schächte gebohrt. Dieselben waren in der Mitte der Fahrbahn. Nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit konnte man erfahren, daß dieselben als Sprengschächte dienen sollten, falls ein militärischer Angriff der Armee der DDR und der Sowjetunion stattfinden sollte. 
1987 am 1. März wird der Verkehrs- und Verschönerungsverein Alzenau aufgelöst. Seine Ziele waren weitgehend erfüllt.
Im gleichen Jahr beschließt der Stadtrat die Pfarrwiese zum offiziellen Festplatz auszubauen. Der Verfasser legt Widerspruch ein und verweist als Alternative auf den Platz unterhalb der Burg. Den Bedenken von H. Buchholz, daß der Platz nicht ausreiche begegnet er mit dem Hinweis, den Verkehrsgarten an einem anderen Platz neu zu gestalten. Diese Anregung wird schließlich angenommen und noch im gleichen Jahr mit der Neugestaltung des Platzes begonnen.
Im gleichen Jahr wird die Deutsch-Ausländische-Gesellschaft-Alzenau = DAGA, in Hörstein gegründet. Der Gründung waren schon seit 1985, gemeinsame Veranstaltungen des Türkisch-Deutschen Kulturvereins mit Mitgliedern der Fraktion der „Grünen“ und parteilosen Bürgern vorausgegangen.
Zum 1. Vorsitzende des DAGA wurde H. Halin Sayin gewählt. Sein Stellvertreter war H. Christian Schauer.                  
1987 am 26. November kommt es zum Stadtratbeschluß das Schlößchen in Michelbach, teilwese dem Heimat- und Geschichts-verein zum Aufbau eines Heimatmuseums zu überlassen.
1988 am 14. Januar wird der NUKEM die Betriebserlaubnis entzogen

1988 erhielt der Verfasser für seine Arbeit die Ehrennadel der Stadt Alzenau in Gold.
Rund 20 archäologische Untersuchungen wurden von mir, (dem Verfasser) mit mehr oder weniger Beteiligung von Vereinsmit-gliedern durchgeführt. Hierbei wurde lediglich die Freilegung des keltischen Gräberfeldes unterhalb Hörstein von Fachleuten durchgeführt, wobei ich mich um die Bereitstellung von Sachmittel und zusätzlichen Helfern bemühte.
Natürlich sah man die Popularität dieses Kempf nicht neidlos.
So verstiegen sich einige Hörsteiner betreffend der Freilegung des Gräberfeldes zu der Forderung, man solle die Totenruhe nicht stören. Es waren Brandgräber, die man seit Jahrhunderten alljährlich mit dem Pflug gestört hatte.
Über fast zwei Jahrzehnte führte ich im Frühjahr immer die dritten Grundschulklassen zu Bodendenkmalen im Oberwald. Hinzu kamen noch Führungen bei den Ferienspielen und vieles mehr.
Vom Staatsbegräbnis für dem Kempf seinem Verein sprach niemand mehr.
1988 legt sich ein weiterer Schatten über die Geschichte des Vereins.
Höhepunkte des Heimat und Geschichtsvereins waren damals die archäologischen Grabungen auf dem keltischen Gräberfeld unterhalb Hörstein. Sobald die Fläche abgeerntet waren begannen die Grabungen. Ausser der Grabungsleiterin kamen noch Studenten, freiwillige Helfer und ein älterer Arbeitsloser. Da die offiziellen Helfer eine finanzielle Aufwandentschädigung bekamen, die Studenten aber öfter in philosophische Betrachtung verfielen, während andere weiterarbeiteten, kam es schon mal zu Unmut. Die Mahnung an einen angehenden Politikwissenschaftler, daß er doch nicht zu oft auf die Schaufel gestützt diskutieren solle anstatt zu arbeiten, beantwortete er mit der Feststellung: „Ach wissen Sie, mein Vater ist Beamter, da sieht man das nicht so eng.“ Meine Erwiderung, daß er trotzdem eines Tages seine Arbeitskraft verkaufen müsse, beeindruckte ihn wenig. Niemand ahnte damals, daß sein Vater, noch vor Abschluß seines Studiums seinen Erdenweg beenden würde. Doch die Freilegungen der Brandgräber ging weiter. Dabei kam es auch zu einem fast klassischen Liebesdrama. Die Grabungsleiterin war jung und den Freuden des Lebens nicht abgeneigt. Die Grabungen fanden über drei Jahre statt und begannen immer im Herbst wenn die Felder abgeerntet waren. Im ersten Jahr hatte ich es erreicht, daß die Studentinnen im Michelbacher Schlößchen wohnen konnten. Natürlich wurden die Abende nicht langweilig und irgendwann wurden Folgen des allzuengen Beisammenseins bemerkbar. Die flotte Grabungsleiterin befand sich in „guter Hoffnung“. Der Erzeuger war der Sohn des Conrektors der Mittelschule. Die angehenden Großeltern stellten sich darauf ein. Und während sich alle darauf vorbereiteten erklärte die werdende Mutter dem Verursacher ihres Zustandes, daß sie aber nicht die Absicht habe ihn zu heiraten. Dies traf ihn so, daß er seinem Leben ein Ende setzte! Das Ergebnis dieses Dramas wurde auf den Namen Jonas getauft, da sie sich nach einiger Zeit wie ein Walfisch vorkam. Die Großeltern sahen sich verpflichtet, trotz des Schmerzes über ihren verlorenen Sohn, den Enkel als solchen zu behandeln. Die Mutter führte ihren Lebenswandel beruflich weiter und vermählte sich später mit dem Nachkommen eines berühmten Fliegerhelden aus dem ersten Weltkrieg. Die Großeltern verlies-sen Alzenau nachdem der Großvater das Ruhestandsalter erreicht hatte.
 1988 wurde das neue Rathaus eingeweiht.
1988 wurde die letzte Rate der Reparationszahlungen aus dem 2. Weltkrieg, an  die U.S.A. überwiesen. Die gleiche Summe von mehr als 30 Milliarden wurden von der Sowjetunion aus ihrem Einflußbereich, der späteren DDR abgeführt. (Quelle: Ernst Richert, DDR)

 

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Empfang des Partnervereins aus St. Oedenrode im Schlößchen 1989. Links an der Wand die Genealogie der Familie von Rannenberg in Schneemalerei

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                                                            Michelbacher Schlößchen 1989
 
Unabhängig von allen Bemühungen um die Instandsetzung des Gebäudes stehen im Dachgeschoß eine Anzahl von großen Töpfen und Schüsseln, die bei Regen das Eindringende Regenwasser auffangen, jedoch normalerweise nie gelehrt würden.
Die Überwachung und Leerung der Behälter, durch den Vorsitzenden von 1981 bis 1996 verhindert weitere Schäden an den Decken des Obergeschosses.
In dieser Zeit begannen die Winzer von Hörstein, Wasserlos und Michelbach an Pfingsten, einen Weinmarkt auf dem neuen Marktplatz in der Kernstadt auszurichten. Dieses Angebot brachte aber auch nur in den ersten Jahren den erwarteten Zuspruch. Nach etwa 15 Jahren fand sich niemand mehr bereit für die Veranstaltung. 
1989 veröffentlicht der ehemalige Oberlandwirtschaftsdirektor Prof. Hans Breider ein „Loblied“ auf die Alzenauer Weine, unter dem Titel: Wo die Weine Mozart trällern. Das 54 Seiten umfassende Bändchen ist jedem zu empfehlen, der sich für die Weine von Michelbach bis Hörstein intressiert.

1989 im Juni wurde der Verfasser zur Einschau in ein leeres Anwesen in Michelbach gebeten, da sich in der Scheune noch museale Geräte befanden. Im Rahmen der Besichtigung erfuhr er, daß das Ganze zum Verkauf stände. Die Familie Kempf übernahm das kleine Anwesen an der Spessartstrasse in Michelbach für ihren zweitgeborenen Sohn, ohne zu ahnen welcher Fundbestand spätmittelalterlicher Objekte sich im Boden verbarg. Bemerkenswerteste Funde sind gotische Nischenkachel und sogar ein Steinbeilbruchstück, das auf die Zeit um 3.000 v. Chr. datiert wurde. 
1989 am 16. September beendet die Mutter des Verfassers ihr Erdendasein.

Sie hatte ihn schon als Kind auf die Höhe der „Vergessenen Burg“ geführt, Und später beteiligte sie sich aktiv an seinen archäologischen Untersuchungen und der Restauration von Funden und Betreuung und Pflege des Heimatmuseums im Michelbacher Schlößchen.
Der Verfasser mußte am nachfolgenden Tag beim Personalchef für Angestellte, seine Abstufung von der Gehaltsklasse T5 auf K4 unterschreiben. Auf die Hintergründe wird weiter unten noch eingegangen. Als der Personalchef H. Acker etwas umständlich eine Entschuldigung für diese Abstufung vorbringt, wird er vom Angesprochenen mit der Feststellung unterbrochen, daß er ja nur seiner Aufgabe nachkommen müsse. Ausserdem mache diese Unterschrift keine Probleme, nachdem er am Vortag erst seiner Mutter ihr letztes Geleit gegeben habe, sein Vater bereits in jungen Jahren im Krieg sein Leben verlor, wie auch dessen Vater schon 1915. Vor diesem Hintergrund gehe es ihm doch gut.  Der Personalchef H. Acker hatte wohl noch nie zuvor und sicherlich auch später kein vergleichbares Gespräch mehr erlebt. Für den Verfasser verbarg sich im Hintergrund jedoch die Tatsache, daß schon seit einigen Jahren alle Gehaltserhöhungen an den „freiwilligen Zulagen“ abgezogen wurden. In seiner Familie bemerkte dies niemand, für ihn war jedoch wichtig, daß er noch mindestens ein Jahr weiterkam, denn mit 55 war er, nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit unkündbar. Noch im gleichen Jahr kann er einen alten Radschlepper erwerben mit dem er nun das Material für Modernisierungsarbeiten an dem Anwesen in der Spessartstrasse transportieren konnte.
Zu dieser Zeit läßt das Paar aus Alzenau, das mit dem Verkauf von Autos und dem Erwerb weiterer Autohäuser zu enormem Besitz gekommen war, in Hanau einen großen Geschäfts- und Bürobau errichten. Mit diesem Großbau, dessen Fassade mit dem Anfangsbuchstaben des Familiennamens der Erbauer geschmückt wurde, zeigte sich erstmals die bis dahin geltende Regel des Bankangestellte als nicht mehr gültig. Durch die noch während des Bauens erfolgende Wiedervereinigung kam es zur Verlagerung der wirtschaftlichen Interessen und der Großbau fand nur schwer die zur Finanzierung nötigen Mieter.
1989 am 9. November kommt es zur Grenzöffnung zwischen den beiden deutschen Teilstaaten. (Auf Einzelheiten wird später noch eingegangen) Bemerkenswert ist hierzu, daß es 200 Jahre nach dem Ausbruch der französischen Revolution und 100 Jahre nach der Gründung der internationalen Arbeiterbewegung war.
Eine Besonderheit, daß dies ohne jede Gewaltanwendung geht, ist wieder die voreilige Meldung eines Einzelnen, wie bereits 1918. Während die Vertreter beider Regierungen noch am verhandeln sind, tritt ein Sprecher der DDR-Regierung, Günter Schabowski vor die Presse und wird nach Zwischenergebnissen gefragt. Auf die Frage wie es um die Öffnung der Grenzübergänge bestellt wäre, antwortet er, daß dieselben geöffnet würden und noch ehe er weitere Erläuterungen über die Modalitäten geben konnte, war seine Aussage auf allen Fernsehkanälen verbreitet. Die Massen der Grenzbewohner strömten zu den Übergangsstellen und die Grenzpolizei mußte sich überzeugen lassen, daß die Grenzöffnung soeben über das Fernsehen verkündet worden sei. Daß man dies eigentlich erst unter bestimmten Vorraussetzungen, in zeitlichem Abstand tun wollte, erfuhr mancher erst viel später. 
Dadurch wurde der „Atombunker“ unter dem Marktplatz in Alzenau funktionslos und die Sprengschächte in den Strassen wurden wieder zugeschüttet.



 

 




Einleitung

bis zur Zeitenwende

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bis 1850 n. Chr.

bis 1900 n. Chr.

bis 1945 n. Chr.

bis heute

Anhang

 

Mail an den Verfasser

aktualisiert: Feb 2008 (C) Werner B. Kempf